Schöneres als bas Landleben, das heißt, wies hier bei Dir ist, aus dem Vollen heraus. Der arme Bauer hals nicht immer gut, im Gegentheill So weit des Rittmeisters Scepter freilich reicht, blühen Zufriedenheit und Wohlstand, doch anderswo"

_ , »Ja, mein Kind, das ist nun einmal nicht zu ändern," rrüstig über das Abendbrod hermachend, achselzuckend ein,dergleichen sentimentale Gedanken mußt Du Dir abgewöhnen. Wir können nicht alle gleich sein, und arbeiten muß ein Jeder von uns. Ich wette, daß man wieder Deine bekannte Herzensgüte gebrandfchatzt hat."

Diesmal nicht, ich habe mich nur zufällig durch den Augenschein überzeugt."

Ellen sah eine Weile finnend in die Ferne und begann dann ebenfalls zu essen.

«Na, lege nachher los, Du barmherzige Seele," bemerkte der alte Herr, fie blinzelnd anschauend,erst das Geschäft und dann das Vergnügen." w 1

In diesem Augenblick brachte ein Diener die Posttasche, welche der Reitknecht von der zwei Stunden entfernten Bahn­station geholt hatte. Er legte fie auf einen Stuhl und entfernte fich. Baron Alting ließ sich nicht stören, sondern ruhig weiter nach seinem Lebens - Motto:Alles zu seiner Zeit."

Als das Mshl beendet war, der Diener geräuschlos ab- getragen hatte, zündete fich der Rittmeister eine Cigarre an, Me semüthlich zurück und sagte:So, nun lege los, kleine Philantropinl"

Willst Du nicht erst Deine Post nachsehen? Meine Geschichte eilt nicht, Väterchen!"

»Recht so," nickte dieser, ein Bund Schlüssel hervorziehend und mit dem kleinsten die Tasche öffnend.

Ellen blickte ihm erwartungsvoll zu. Die Post, welche der Reitknecht täglich von der Station holte, und die zumeist aus verschiedenen Zeitungen und Journalen bestand, hatte stets einen geheimnißvollen Reiz für die junge Dame, die wir bei dieser Gelegenheit unseren Lesern vorstellen wollen.

Sie war in der That eine wunderschöne Blondine mit sanften blauen Augen, und jenem blaffen, von matter Röthe angehauchten Teint, welche ihr Adoptiv - Vater recht treffend mit der weißen Rose, die Mädchen-Röthe heißt, verglich. Ihre zarte, mittelgroße Gestalt war schlank und biegsam, ihre Haltung tadellos vornehm.

Sie gehört unzweifelhaft zu uns," sagten die Standes- Genossen. Die Herren waren einfach entzückt von ihr, während die Damen sie für einen Eindringling und die Handlung des Barons für einen schmählichen Verrath er­klärten, weil er in diesem Falle sich eine unbemittelte Tochter aus ihren Kreisen hätte auswählen können. Wer sollte sich wohl geweigert haben, seine Erbin zu werden?

Uebrigens war diese vornehme Damenwelt auch keines­wegs von der Ebenbürtigkeit desEindringlings" ganz über- zsugt, obwohl Ellen in der That die Tochter eines dem angehörigen, bei Düppel gefallenen Offiziers, Mutter aber eine Bürgerliche gewesen war. Die arme Wittwe hatte den Gatten, der sie erst in vorgerückten Jahren zum Altar hatte führen können, nur wenige Jahre besessen. iFen Jat dem Tode des Vaters geboren worden und das Schmerzenskind der unglücklichen Mutter, die nur mit einer geringen Pension, ohne eigene Verwandte und Angehörige in die Heimath, welche jetzt eine preußische Provinz geworden war, zurückkehrte.

"ach Schleswig führte der Zufall unseren Baron mit einem ehemaligen Kameraden, der mit ihm unter bättif^et Herrschaft in einem Regiment gedient und nach denSturmjahren von 1848 bis 1850, welcheAlting mit ihm in der damaligen schleswig-holsteinischen Armee durchgekämpft hatte, in den preußischen Dienst eingetreten war. Sie sprachen von alten Zeiten, von alten Kameradschaften, bei welcher Gelegenheit auch der Name ,Torstenson" fiel. w

Er war ein guter Kerl," bemerkte Alting,ein treff­licher Kamerad, und sicherlich auch ein tapferer Soldat, der

als Held gestorben ist. Wissen Sie, daß er sich einmal bei- nahe für mich geopfert hätte, als ich, ein lustiger Spring- insfelo, ohne Urlaub einen mehrtägigen Ausflug machte? Er war mein Premier und nahm einfach die Sache auf sein Conto, wäre er nicht so gut beim Oberst angeschrieben gewesen, dann hätte es ihm die Carriöre kosten können Aber der Alte, dem er schon einmal einen großen Dienst er- wiesen haben sollte, drückte ein Auge zu und gab ihm nur acht Tage Stubenarrest, die ich ebenfalls abbrummen mußte. Der brave Torstensou hat mir leider nie Gelegenheit gegeben, ihm diese That zu vergelten. Gott sei gelobt, daß wir uns später als Feinde, zumal 1850, nicht direct gegenüber ge- standen haben."

«Möchten Sie jenes in der That hochherzige Opfer ihm noch heute vergelten, wenn Sie es könnten?" fragte der preußische Offizier.

Welche Frage, lieber Freund. Zeigen Sie mir die Gelegenheit dazu, und ich werde fie mit tausend Freuden er­greifen."

Nun wohl, lieber Baron, eine solche ist in der That äugenblicklich vorhanden. Torstenson hat fich erst in reiferem Alter verheirathet, er fiel, wie Sie wissen, 1864 bei Düppel, und hinterließ seiner Wittwe nur eine schmale Pension. Nach Kinern Tode wurde ein Kind, ein Töchterchen geboren. Die unglückliche Frau, welche als Bürgerliche von seinen hoch- müthigen, aber unbemittelten Verwandten abgeschüttelt wurde, erhielt von Dänemark die Erlaubniß, ihre Wittwen-Pension hier in Schleswig', ihrer Vaterstadt verzehren zu dürfen. Nun, sie hat sich wacker durchgeschlagen; die Arme, hat ihrer Tochter, die sich zu einem sehr schönen Mädchen entwickelt hat und jetzt achtzehn Jahre zählt, eine gute Erziehung gegeben und sie dadurch in den Stand gesetzt, sich ihr Brod als Er­zieherin zu verdienen"

Sie kennen also Frau von Torstenson, sie lebt hier^" unterbrach Baron Alting den Erzähler, sich ungestüm er­hebend,bitte, führen Sie mich sofort zu der Dame."

Einen Augenblick noch, alter Freund!" bat der Offizier, den wir Oberst Ferseck nennen wollen.Ich bin noch nicht zu Ende. Ein Zufall brachte mir vor einem Jahre bett Namen in Erinnerung, ich forschte weiter nach und fand die arme tapfere Frau auf dem Krankenlager, von dem fie sich nicht wieder erheben sollte."

Sie wollen doch nicht sagen, daß sie tobt ist"

Sie starb vor acht Tagen, ich stand als Leidtragender an ihrem Grabe."

Der Baron reichte dem Oberst bewegt die Hand.

«Ich danke Ihnen dafür im Namen unseres gefallenen Kameraden", sagte er, sich heftig räuspernd,und nun wie stehts um die Hinterbliebene Tochter?"

«Sie hat bereits die nöthigen Inserate in den gelesensten Journalen und Zeitungen wegen einer Stellung als Er­zieherin oder Gesellschafterin"

Nichts da, das fehlte noch," rief Alting, ihm hastig ins Wort fallend,wie konnten Sie ihr dazu rathen, Herr Oberst?"

Ja, lieber Gott, was soll ich denn anfangen? Sie haben gut reden, Baron I Glauben Sie etwa, daß die Arme mir nicht leid thut! Aber ich habe keine kleinen Kinder und meine Frau braucht keine Gesellschafterin, obwohl sie mütterliche Liebe für sie hat. Und nebenbei läßt sich diese Ellen auch keine Wohlthaten aufdrängen, sie besitzt einen Stolz, dem schwer beizukommen ist."

Wie hat fie sich gegen ihre kranke Mutter benommen?" fragte Alting nach einer Weile.

Geradezu aufopfernd," erwiderte der Oberst,glauben Sie, daß sie etwas von uns angenommen hätte? Gott be­wahre, höchstens eine für sie unerschwingliche Erfrischung für die Kranke. Mit unermüdlichem Fleiße hat sie gearbeitet, ihre Kenntnisse verwsrthet, und die Nächte bei der Mutter durchwacht. Natürlich steht sie jetzt erschöpft und leidend aus, und wenn Sie etwas für das arme Kind thun wollen, lieber