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trat der alte Reitknecht, den er vorher so Übel behandelt hatte, schüchtern ein und meldete seinem Herrn, daß Herr Thaddäus, der Oberförster von Dolina, ihn in einer rein per­sönlichen Sache zu sprechen wünschte.

Thaddäus I Vincenz kannte ihn wohl vom Hörensagen. War konnte er wollen, er, der selten einen Besuch machte; aber war er nicht gestern mit bei der Hochzeit gewesen?

Laß ihn ein," sagte Vincenz mit halb erstauntem, halb verdrießlichem Ton.

Al» da» ehrliche Gesicht des Oberförsters mit den offenen, freimüthigen Augen in dem Rahmen der Thür erschien, er­hellte sich Vincenz Miene plötzlich; denn er fühlte, daß der Eintretende ein Freund wäre und daß in dieser Brust ein theilnehmendes Herz für die Leiden Anderer wohnte. Daher sprang er mit plötzlicher Lebhaftigkeit auf und reichte dem Oberförster die Hand:Welchem Umstande verdanke ich die Ehre?"

Es ist freilich heute das erste Mal, daß ich zu Ihnen komme, Herr Rayski; aber ich denke, wir Beide kennen uns, dem Namen nach wenigstens. Könnte ich mit Ihnen allein sprechen?" fragte er mit einer Handbewegung nach dem Spiel­tisch.

Gewiß, und wenn Sie vorangehen wollen ..."

Beim Eintritt in die Eßstube erfaßte Thaddäus mit einem Blick alle Einzelheiten; die hübsche Einrichtung des Zimmers, den auf einem Präsentirbrett zierlich servirten Imbiß für die heimkehrenden jungen Gatten und dazu bas verstörte Gesicht, die fassungslose Miene des Hausherrn.

Thaddäus setzte sich auf den angebotenen Stuhl und sagte dann ohne weitere Vorrede, seinem Gegenüber offen in die Augen sehend:Herr Rayski, haben Sie gestern aufrichtig und ohne Hintergedanken darauf verzichtet, mit der von Ihnen erwählten Frau zu leben?"

Das Gesicht de» jungen Mannes färbte sich dunkelroth und er stotterte:Steglauben, ich hätte nur unter dem Ein­flüsse des Weines gehandelt?"

»Ich begreife Ihre Entrüstung vollkommen," fuhr der Oberförster fort-Thymoftäus hat auf's Unwürdigste mit Ihnen Comödie gespielt; aber Sofronya trug doch keine Schuld daran und wenn das unglückliche Mädchen vielleicht zu sehr ihren Stolz darein gesetzt hatte, Sie zu heirathen, so hat sie es jetzt thmer genug bezahlt. Denken Sie doch die Schande, die Beleidigung, die ihr vor der ganzen Nachbarschaft an- gethan ist! Ach, da» arme Ding muß Einen jetzt wirklich dauern! Ich habe sie eben gesehen; sie war in einem Winkel niedergesunken, keine» Worte» mächtig; die Mutter verliert fast den Kopf darüber."

Rayski» Augen wurden feucht.

Sie haben sie gesehen?" sagte er, unfähig, seine Kalt­blütigkeit zu bewahren.

Der Oberförster erzählte ihm nun seinen Besuch im Pfarrhause mit allen Einzelheiten und da» Ereigniß, welches ihn bewogen hatte, hinzugehen. Er berichtete ihm von Binias Flucht, ihrer Weigerung, den Seminaristen zu heirathen und der Neigung, die sie mit Janek verband und dem Widerstande de» Popen.

Während er sprach, beobachtete er, wie die Spannung in den Zügen des jungen Mannes nachlteß und sein Gesicht sich endlich ganz aufheiterte. Dann rief er plötzlich:Nun, wenn Janek Binia helrathete, würden wir ja den Seminaristen los werden."

Natürlich und das wollte ich gerade sagen. Das Schick­sal der beiden Liebenden liegt ganz in Ihren Händen, Sie allein können den Popen bestimmen."

Nach dem, was vorgefallen ist, kann ich aber nicht wieder zu ihm gehen und bei einer Zusammenkunft hier würde mich meine Heftigkeit fortreißen, fürchte ich. Wenn Sie"

War denn?"

Unserer Besprechung beiwohnen wollten! Ihre Gegen­wart würde mich verhindern, eine Dummheit zu begehen. Sehen Sie, lieber Herr Oberförster," fuhr der Thierarzt immer lebhafter fort,setzen Sie Ihrer Güte die Krone auf.

Essen Sie mit Janek bei mir zu Mittag; ich schicke einen reitenden Boten in den Pfarrhof und bitte Thymoftäus, zu mir zu kommen; dann sind wir Drei, um ihn zu empfangen."

Thaddäus lächelte verständnißvoll.

Nun, willigen Sie ein? Ich traue mir selbst nicht, ich wäre im Stande, Alles zu verderben."

Es sei, Sie haben vielleicht Recht und das Kleeblatt wird ihm sicher imponiren."

Während dis beiden Männer miteinander beriethen, wie am besten mit dem Priester über die brennende Frage zu ver­handeln wäre, hatten die Kartenspieler ihre Partie beendet und sich jetzt mit Wichtigkeit an's Frühstücken begeben; sie thaten Zucker und Sahne in ihren Kaffee, strichen die Weiß- brödchen mit Butter und sprachen von gleichgiltigen Dingen.

Aber," rief einer plötzlich,wo ist denn Rayski hin­gekommen ?"

Gerade öffnete derselbe die Thür des Speisezimmers, um seinen Gast hinaus zu geleiten.

Hören Sie, Vincenz," rief einer der Brautführer mit vollem Munde.Sie wissen doch, daß ich Ihnen stets zur Verfügung stehe, um zum Bischof zu gehen. Ich kenne Seine Gnaden sehr genau und mache mich anheischig, Ihre kleine Angelegenheit ebenso leicht zu ordnen, wie ich die Partie ge­wonnen habe. Ueber die Einzelheiten würden mir einige Notizen erwünscht sein; wollen Sie dieselben in mein Taschen­buch niederschreiben?"

Vincenz wies das mit entschlossener Geberde zurück. H

Danke sehr, mein Lieber, aber ich habe einen anderen Ausweg im Auge, der mir bedeutend besser erscheint."

Der Ton, mit dem der junge Mann dies sagte, war so zuversichtlich und heiter, daß seine Freunde ihn mißtrauisch ansahen. Wie? Was war denn geschehen, während sie in ihre Partie vertieft waren? Sollte ihnen der Scandal bet den Wahlen, den sie sich schon so schön ausgedacht hatten, ent­gehen ?

Ja," fuhr der Thierarzt mit bewegter, zögernder Stimme fort,vielleicht kann ich den Bruch vermeiden und zwar auf ganz ehrenhafte Weise; ich hoffe, daß sich in einigen Tagen Alles arrangiren wird."

Alles arrangiren! Dar ist ja entsetzlich," schrieen die fünf Spieler im Chore,ein richtiger Verrath, schwarzer Un­dank! Was, wir bringen die ganze Nacht bei ihm zu, um ihn zu trösten, ihn aufzurichten und nun kommt Jemand anders, ein Abgesandter des Popen jedenfalls und da läßt er uns im Stich!"

Halt!" schrie Vincenz plötzlich mitlseiner Stentorstimme, die er auf einmal wiedergefunden hatte und der Tisch dröhnte unter seiner wuchtigen Faust.Was fällt Euch denn ein, mir Vorschriften machen zu wollen? Habe ich etwa nicht das Recht, zu thun, was mir gefällt? Himmel Donnerwetter!"

(Schluß folgt.)

Vor Toresschluß.

Aus den Erinnerungen eines alten Seemannes.

(Schluß.)

Geh' zur Hölle, Du Schurke, ich muß Dich kalt machen, Du elender Nichtsnutz!" welchem Ausrufe ein Strom der rohesten Verwünschungen und Flüche nachfolgten. Dann trat eine kurze Ruhepause ein, nachher aber erdröhnten schwere Fußtritte auf den Planken über mir, es kam mir vor, als wenn zwei Männer mit einander rauften, und jetzt vernahm ich einen krachenden Schlag, sowie den sich anreihenden Fall eine» Körpers auf das Deck. Da mußte etwas Ungewöhn­liches vorgefallen fein, der Steuermann hatte mit Charley und Bob, dem einen der in Montevideo an Bord gekommenen beiden Engländer, die sogenannte dritte Wache, gewiß hatte da Charley seinem unmittelbaren Vorgesetzten wieder nicht» recht machen können und wahrscheinlich war der Steuermann in seinem Jähzorn besonders thätlich gegen den Franzosen geworden- Ich kleidete mich nur nothdürftig an und eilte nach Deck, um persönlich nach dem Vorgefallenen zu forschen.

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