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„M Hans?"
Der Knabe hat sich an die Schwester geschmiegt; sein kleines Händchen schiebt sich in die ihre.
„Käthe," fragt er zögernd, zu ihr aufschauend, — „freust Du Dich?"
Sie wendet den Kopf und seufzt. Soll sie sagen: Han», Du weißt Doch, daß ich mich nicht freuen kann?
Ach wa»I Der Kleine hat dar ja schon längst vergessen I
„Käthe I" Da schlingen plötzlich sich zwei Aermchen fest um ihren Hal« — ziehen sie herunter, und eine glühende kleine Wange lehnte sich an die ihre.
„Käthe I" — Er möchte etwa« sagen — so gern, ach — gar so gern, so gern möcht er es sagen; aber —
Und plötzlich reißt er sich los — kneift Mund und Augen zu — und läuft davon.
Was hat der Junge nur?
* *
Christabend I Befcheerungl
Nicht wahr — wie ein Zauberstab wirken diese Worte!
Da liegt sie plötzlich vor uns ausgebreitet, diese Märchen-, diese Zauberwelt; mit all ihrer glitzernden, flimmernden, buntschillernden Pracht, und liebliche Düfte wehen uns entgegen bei unserem Eintritt in das Paradies der Kindheit.
Noch sind wir geblendet von all' diesem Glanze, wie berauscht vo» dem uns umfluthenden, strahlenden Lichtmeer, in das Christkindleins silberner Glockenton uns soeben gerufen; — wie betäubt von dem auf uns einstürmenden, undefintr» baren Gemisch all' jener süßen Weihnachtsdüfte, die die Atmosphäre des Bescheerzimmers erfüllen und ihm jenen eigenen, die Seele so festlich durchziehenden Reiz verleihen.
EH nach und nach — ja l Jetzt allmälich find' ich mich wieder zurecht.
Da — all' die fauber - «eißgedeckten Tische. Der — Bater — o! Seht — im neuen Schlafrock schon. Sieh' mal einer an: wie eitel! Mama? Ach — von ihren eigenen Geschenken hat sie noch kaum 'was gesehen; fie muß erst hören, was der Junge sagt.
Das Glück und diese Augen —!
Die Festung — die Pistole — und das Schaukelpferd — und all' die vielen, vielen anderen Sachen--
Ja — aber Hans — wo ist denn — Hans! Hast Du denn ganz und gar vergessen — Hans!!!
Er sieht — er merkt es nicht einmal.
Er denkt nicht mehr daran. Es war zu viel, was da mit einem Male Alles auf ihn eingestürmt. Sein Kinderfinn — ja, — Hans ist eben noch ein Kind!
„Na, Hans?" Zu ihm, ihm sanft die Locken streichelnd, ist plötzlich Käthe eingetreten.
Käthe!!! — Jäh zusammen zuckt der Knabe, der Bleisoldat in seiner Hand fällt auf die Erde. Er starrt die Schwester an — sieht ihre trüben Augen — und brennende Röthe bedeckt sein Gesicht.
Käthe, ach! — Der Schlitten — Onkel Rudolf —
Auf einmal kommt ihm Alles wieder zum Bewußtsein. Er wollte doch — da« Christkind soll' ihm doch —
Und — ja, — echt kindlich, ganz natürlich; das Einzige, was einem überhaupt noch übrig bleibt, wenn man in solcher Lage sich befindet, wie eben Hans: Getäuscht — beschämt — errregt — und augenblicklich so bestürzt, verwirrt —
Die kleinen Mundwinkel zucken — ein verdächtige« Zittern von Augenwimpern, Kinn und Unterlippe -- dann ein paar glucksende, schlürfende Töne--
Und instinctiv greift Alles nach den Ohren.
„Hans!"
Zum Eteinerbarmen klingt sein Geheul.
„Hans! Aber Junge, Kind — was ist denn los!"
Ein Durcheinanderrufen, Staunen, Fragen. „Hans — aber Hans!" Und neues Streicheln, Trostversuche.
„Junge, Junge!" Doch nicht« vermag
den Strom seiner Thränen zu
hemmen. Sie rollen langsam, unaufhaltsam über seine Wangen, - immer neue; und Käthe wischt sie — immer wieder — mit dem Zipfel ihrer Schürze ab.
„Ruhig, Junge." Sie hält ihm 'den Mund zu; — aber das Schluchzen dauert fort. Halb erstickt zwar — hinter der Schürze hervor — aber es hört und hört nicht auf.
„Hans — horch mal! Ein Schlitten!'
Da horcht der Kleine plötzlich auf----
Durch die Stille der Nacht — aus der Ferne noch — aber deutlich vernehmbar — dringt Schellengeläut.
Kling — ltng Klinglingling — — näher, immer näher--
Hans muckst sich nicht mehr. Oh — dies Gesichtchen!
Augen — so—o weit geöffnet, das Mündchen auch.
Ueber die erhitzten Wangen — lange, feuchte Straßen hinterlassend — rollen noch die letztvergoff'nen Thränen.
(Schluß folgt.)
Die Hochzeitsreise.
Eine kleine Plauderei für die Frauenwelt. Von Julius Rößler.
(Schluß.)
Dar tägliche Einerlei und die manchmal auch fragwürdigen Erfolge der Kochkunst der jungen Hausfrau können und wollen dann nicht recht munden, und dadurch ist gar oftmals der Grund zur ersten Unzufriedenheit gelegt. — „Du gönnst uns wohl nicht einmal die ungetrübten Flitterwochen?" fragt hier vielleicht die eine oder andere unserer Leserinnen, welche sich in diesem glücklichen Stadium befindet. Gewiß, meine Ver- ehrteste, ich wünsche Ihnen nicht nur die glücklichsten Flitterwochen, sondern auch, daß Ihr späteres Leben ein Abglanz dieser ungetrübten Tage sei. Das eigene, traute Heim ist aber allein nur der passendste Ort für die Flitterwochen; Eisenbahnwagen, Dampfschiff oder Wirthrhaustafel sind durchaus ungeeignet dafür. Die überschwänglichen ehelichen Zärtlichkeiten, welche die Schwiegermutter nun nicht mehr im Z^ume halten kann, haben zu Hause wohl ihre Berechtigung, vor aller Welt zur Schau gestellt, werden fie aber läppisch, geniren unsere Mitmenschen oder fordern deren Spottlust heraus. Andernfalls kann eine hübsche, junge Frau leicht der gesuchte Mittel- punkt der Reisegesellschafter werden; wollte sie aber auf diese Auszeichnung stolz sein, dann müssen wir ihr warnend sagen, daß der Geschmack an solchen Huldigungen ein guter Theil Eitelkeit bekundet, die unter Umständen ihrem ehelichen Glück einen argen Stoß geben kann.
An einem schönen Aussichtspunkte sagte eine junge Frau: „Ach, Arthur, eine Hochzeitsreise ist doch zu schön und ich wünschte, ich könnte alle Jahre eine machen!" was doch ein höchst lebensgefährlicher Wunsch für den Herrn Gemahl bleibt. , „
Außer diesen gesellschaftlichen und ethischen Uebelstänben kann eine Hochzeitsreise aber auch sanitäre tm Gefolge haben. Richt allein sind dies aber alltägliche Erkältungen oder leichte Verstimmungen des Magens, sondern das Zusammentreffen von Unruhe und Erregung der Reisetage mit den ersten Tagen des ehelichen Lebens. Ein Sturz, ein Schreck oder die ungewohnte Anstrengung, wie sie eine Gebirgstour leichter als däs Hausleben mit sich bringt, können selbst auf den Fall des ehelichen Lebens störend einwirken, von welchem der Tiroler Hochzsitsbttter sagt: „Un is halt a Joahr vorbei, so wearn aus zwei gewöhnli drei!" Die verehrten Mütter werden für diesen Fall aber an unsere Stelle treten, um mit ihrem sachkundigen Wissen und mit ihrer reichen Lebenserfahrung Töchter und Enkelinnen zu berathen und zu unterweisen.
Zum Schluß noch eine kleine Geschichte. Den Besucher« des Königrsees wird von dem Fährmann am schroffsten Felsenabhang ein Kreuz gezeigt, ein trauriges memento mori für Hochzeitsreisende. Dort oben am Klippenrande stand auch einmal Arm in Arm ein Ehepaar von wenigen Stunden,


