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zu verkaufen und Dich in dieser Gegend nicht wieder anzu- fiedeln."
Melwig senkte den Kopf wie ein gescholtener Hund.
„Ss liegt mir jetzt nicht mehr daran, hier zu bleiben," fuhr sie fort, „ich Haffe diese Gegend und auch dieses Haus. — Aber daß ste Dich dazu haben zwingen fönen«, Onkel, das könnte mich rasend machen."
„Du sollst bestimmen, wohin wir ziehen, mit unserem Gelbe steht die ganze Welt uns offen," bemerkte er demüthig.
„Hat man eine Frist bestimmt?"
„Acht Tage — ich habe meinem Anwalt bereits den Auftrag zum Verkauf gegeben. Und nun höre, was ich dem Arzte aufgetragen habe."
Er erzählte ihr die Unterredung mit demselben.
Das war ein guter Gedanke von Dir, Onkel I Habs Dank im Namen des Tobten, den die Junker sonst auch feig hätten schimpfen können. Diesen Joe Cation aber müßten wir in ganz besondere Obhut nehmen. Ich traue ihm jedes Verbrechen zu."
„Daran magst Du Recht haben, zumal er nun keinen Herrn mehr hat, der für ihn forgt. Ich hab' ihm für diese Nacht die Todtenwache übertragen, morgen muß er Zeugntß ablegen und dann muß ich ihm wohl das Reisegeld geben, um über'» Meer zurückzukehren."
„Meinst Du, daß er damit zufrieden sein wird, Onkel?" sagte Ebba Regina unruhig, „ich taxire ihn anders. Er wird mehr haben wollen, viel mehr, sonst —"
Sie schwieg, einen Schauer unterdrückend, und setzte dann anscheinend ruhig hinzu:
„Ueberlaffe ihn mir, ich werde wohl am besten mit ihm fertig."
„Gut, dann will ich mich auch endlich zur Ruhe begeben, es war ein rechter Unglückstag für uns, mein Kindl — Mir wäre es lieb, wenn Du vorher abreisest. Was meinst Du zu Kopenhagen?"
Sie schüttelte verächtlich den Kopf.
„Laß uns das Weltmeer zwischen uns und die Vergangenheit legen, Onkel," sagte sie kalt, „Amerika wird unsere rechte Heimath werden, dorthin paffen wir am besten, Du und ich."
Melwig sah sie nachdenklich an-
„Ja," versetzte er endlich, „Du magst Recht haben, wenn nur dieser Catton, der schlaue Yankee und gewissenlose Verbrecher, nicht ebenfalls hinübergtnge, und sich dort in seiner Heimath, wo er genug Cumpane wiederfindet, wie eine böse Klette an uns heften könnte, eine Klette, die sich so leicht nicht abschütteln ließe."
„Ich sagte Dir bereits, daß Du den Burschen mir überlasten sollst, Onkel —"
Er sah sie forschend an, nickte dann und ging geräuschlos hinaus und ebenso die Treppe hinunter.
Als er sein Zimmer, das er unverschlossen gelassen hatte, leise öffnete, sah er aus seinem Schlafzimmer, das gegenüber lag, einen Lichtstrahl schimmern, die Thür, deren Schlüffel er bei sich trug, stand also offen. Er verschloß sie stets, weil neben seinem Bett der Geldschrank sich befand. Ein Dieb mußte also da drinnen sein.
Um Melwig» breiten Mund zuckte es spöttisch. Der dicke Teppich dämpfte seine Schritte, im nächsten Augenblick schon stand et hinter Joe Catton, der den Geldschrank in Frieden gelassen, aber mit seinem Dietrich einen schmalen Eckschrank geöffnet und aus demselben eine Caffette genommen hatte, mit der er gerade im Begriffe stand, durchs geöffnete Fenster das Weite zu suchen. Es war keine schlechte Beute, die er erwischt hatte. Die Caffette war bis zum Rande mit Goldstücken angefüllt, die Melwig in F. von seinem Bankier für verkaufte Aktien erhalten und in der Eile und der Ueberraschung dieser Schreckensnacht in das Schränkchen gefetzt hatte-
Letzterer wollte einige Schritte seitwärts machen, um feinen geladenen Revolver, der neben feinem Bette auf einem Tischchen lag, sich herzulangen, al» er an einen Stuhl stieß.
Joe Catton wandte blitzschnell den Kopf und schwang sich auf die Fensterbank, doch Melwig kam ihm zuvor, denn bevor er den Sprung aus dem ziemlich hohen Parterre-Zimmer machen konnte, hatte jener ihn zutückgeriffen.
Sie rangen lautlos mit einander, nur das schwere Athmrn der beiden Gegner war zuweilen hörbar. Es mochte Catton seltsam genug erscheinen, daß Melwig keine Hülfe herbeirief, ober hatte dieser Furcht, alsdann verloren zu sein? Der wüste, verbrecherische Amerikaner befand sich in einer schlimmen Lage, ließ er seinen Gegner los, um zu fliehen, dann hatte er eine Kugel im Rücken, beror er das Freie erreicht. Er mußte also selber diese gefährliche Waffe haben, calculirte Joe, und suchte demgemäß im Ringen Melwig vorwärts zu drängen, um in den Bereich derselben zu kommen.
„Hund!" knirschte er, als der handfeste Wucherer ihm die Kehle umspannte, „also Du oder ich l"
Er hatte den linken Arm freibekommen, in der nächsten Minute blitzte ein Messer in seiner Hand, Melwig taumelte mit einem heiseren Wnthschrei empor und hielt sich den rechten Arm, aus dem Blut hervorquoll.
Joe Catton sprang auf und blieb dann wie erstarrt stehen. Auch Melwig, der in einen Sessel niedergesunken war, sah wie betäubt auf Ebba Regina, die geräuschlos eingetreten war, den Revolver ergriffen hatte und kaltblütig die Mündung desselben auf Catton gerichtet hielt.
„Du bist es wirklich?" stöhnte Melwig, „das nenne ich zur rechten Zeit kommen, Kind, der Räuber, der Mörder, den ich unter mein Dach ausgenommen habe, hat mich gestochen- Wo hat er die Caffette?"
„Geh' zum Doctor, Onkel!" sprach Ebba Regina ruhig, „wecke ihn und laß' Dich verbinden- Ich will mit diesem da schon allein fertig werden. — Geh!" setzte sie gebieterisch hinzu.
Melwig gehorchte, er schlang fein Taschentuch um den Arm und wankte hinaus.
Die brennende Wachskerze, die sie mitgebracht, stand im silbernen Leuchter auf dem Nachtschrank, während eine kleine sogenannte Diebes-Laterne ein Dämmerlicht verbreitete. Es war in der That ein seltsamer Zufall, daß Ebba Regina gerade im entscheidenden Augenbuck erschienen war. Eine seltsame Angst hatte ste nach ihres Onkel Entsernung p'ötziich erfaßt, eine Angst vor Joe Catton, der mit Ihnen unter einem Dache und zu jedem Verbrechen fähig war. Sie wußte dies selber am besten. Und dieser Mensch war in ihrer Nähe, dort Im Todtenzimmer, nur bur b einen langen Corridor, der nach einem angebauten Flügel führte, von ihr geschieden. Hatte man jetzt, wo Altlng tobt war, nicht Alles von ihm zu befürchten? —
Diese Idee, die ihr plötzlich durch'» Gehirn fuhr, jagte ste empor. Sie warf einen Mantel über, nahm da» Licht und eilte, wie von einem gespenstischen Schreck.n gejagt, zum Onkel, um diese fürchterliche Nacht in seinem Zimmer zu durchwachen.
So erschien ste plötzlich und wurde seine Retterin.
Joe Catton kannte Furcht im Grunde nur von Hörensagen, da» heißt, was man eigentlich unter Furcht versteht- In diesem Augenblicke, angestchts dieser wie aus dem Fußboden entstiegenen Erscheinung fürchtete er sich wirklich- Sein gemeines Gesicht war weiß bis an die Lippen, der kräftige Mann zitterte wie ein Kind. Er hatte vor der „Lady" einen fast abergläubischen Respekt, mehr als vor der geladenen Waffe.
„Ihr seid ein Dummkopf!" begann sie, den Revolver sinken laffend, da Ebba Regina nur Furcht vor einer unsichtbaren Gefahr hatte, „weshalb habt Ihr Euch nicht an mich gewandt, wenn Ihr Geld brauchtet? Um Eures Herrn willen hättet Ihr zur Reife und noch darüber von mir erhalten. So aber verathe ich Euch und werde Euch dem Richter übergeben."
„Das werden Sie nicht thun, meine gnädigste Lady! murmelte Catton, „mein armer Herr halte Sie unmenschlich lieb -"


