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UutrrhÄtimgsblatt ;»m Oirßenrr An?riger (Oeneral-AnMgcr)

Schwester Ilse.

Roman von Clarissa Lohde.

(Fortsetzung.)

Lachend wendet sich der Professor nach Ilse hin, die wie mechanisch mit dem Kopfe nickend, seine Worte wieder» holt: .Ja, Absolution für Alles!«

Sie Glücklicher, hören Sie denn nicht? Eine Perle haben Sie zur Frau, wahrhaftig eine Perle, die wirklich nicht nöthig hat, den Vergleich mit irgend einem weiblichen Wesen in der Welt zu fürchten und wäre es Aphrodite selbst, die hier au» dem Meere stiege, einen zweiten Odysseus aus den Irrfahrten feines Lebens zu erretten ha, ha, ha!«

Der gute Professor ahnte wenig, welche Wunden fein harmloser Scherz in der Seele des Mannes neben ihm auf» riß, welcher Sturm der Leidenschaft in diesem Augenblick über diesen dahinbrauste. Schon fühlte Wolf es deutlich, für ihn gab es nur noch eine Rettung: Flucht! Flucht äus dem Be» reiche ihrer Augen, ihrer Stimme, ihrer ganzen holdseligen Persönlichkeit. Ebenso wie an dem Tage, als er sie zuerst gesehen hatte, fühlte er, wie sein ganzes Wesen in heißem Begehren sich zu ihr drängte, wie ein Zauberbann ihn umwob, aus dem es keine Bssreiung mehr gab. Deshalb fort, fort, ehe er es that, was Ehre und Gewissen ihm verboten. War er sich doch voll bewußt, was er der Frau, welche seinen Namen trug, der hingebenden Genossin seiner schwersten Leidenstage schuldig war.

Spät Abends noch, ehe er sich zur Ruhe legte, schickte er Georg nach dem Bureau, um zu erfahren, wann der nächste Dampfer nach Corsu abgehe.

Nach zwei Tagen, lautete die Antwort. Am ersten Ostertage Abends käme ein Lloyddampfer von Athen, welcher nach Brindisi und Triest bestimmt sei, derselbe, den auch der Professor zur Rückkehr nach Deutschland benutzen wolle,

Zwei Tage noch,« stöhnte Wolf aus.Aber da es nicht anders sein kann, müssen wir uns schon gedulden. Bitte, Liebe, rüste Alles bis dahin zur Abreise."

Ilse antwortete nicht. Kopfschmerzen vorschützend, zog sie sich sogleich in ihr Zimmer zurück. Lange noch hörte sie,

wie ihr Gatte mit unregelmäßigen Schritten ruhelos auf und nieder ging. Das Haupt in dis Kiffen bergend, stöhnte sie qualvoll auf. Ihr war wie zum Sterben zu Muth, so ohne Hoffnung, ohne Trost.O, wäre es ein Traum, Mes, Alles!« klagte sie leise.Und gäbe es noch ein Erwachen für mich!«

XVI.

Es war unmöglich für Wolf, so sehr er es auch wünschte, einer Begegnung mit den Grahams aus dem Wege zu gehen: Schon bei seinem ersten Ausgange am folgenden Tage traf er sie auf der Terrasse des Hotels. Der Professor faß an demselben Tische. Ganz unbefangen streckte Mrs. Graham dem an ihr Vorübergehenden die Hand zum Gruße entgegen.

Welche Freude, hier in der Fremde einen so lieben Freund zu treffen!«

Auch Adeline lächelte ihn, wenn auch mit etwas ver» schämter Befangenheit, an, die ihr aber sehr gut stand.

Wollen Sie uns nicht mit Ihrer Frau Gemahlin be­kannt machen?"

Wolf konnte nicht anders, als diesem Verlangen nach» kommen. Ilse verneigte sich; eine fliegende Röthe bedeckte einen Augenblick ihre Wangen, sonst verrieth nichts ihre innere Erregung.

Apropos, wie steht's heute Abend? ' rief der Professor sie an.Die Damen wollen sich meiner Führung nach der Kathedrale von San Spiridion anvsrtrauen. Ich hoffe, Herr Baron, Sie sind mit Ihrer Frau Gemahlin auch bei der Partie.«

Das wollen wir später verabreden; jetzt muß ich meinen vorgeschriebenen Spaziergang antreten.«

Er zog grüßend seinen Hut und Ilse den Arm bietend, ging er weiter.

Ein eigenthümlicher Herr, dieser Baron,« meinte der Professor kopfschüttelnd.Man sagt, er soll einer der reichsten Grundbesitzer Norddeutschlands sein, dazu ein so schöner, stattlicher Mann, Gatte einer ebenso vortrefflichen al» an» muthigen Frau, und doch trotz aller Bedingungen des Glückes innerlich unbefriedigt, ohne rechte Freude am Leben. Mir unerklärlich 1"

Vielleicht," warf Adelins leichthin ein,ist er in seiner Ehe doch nicht so glücklich, als Sie meinen."