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laitge unter Buchen- und Eichenriesen, deren Laubdächer so dicht waren, daß das goldene Sonnenlicht nur spärlich durch, drang. Ich kam an einen schönen See, in dessen stillem Wasser der wolkenlose blaue Himmel sich wtederspiegelte. Wasserhühner schwammen darauf und verschwanden plötzlich, als tauchten sie in die Welt, die auf der stillen Wasserfläche lag. Bachstelzen und andere kleine Sänger zwitscherten im Schilf ihre Lieder oder schwankten auf dem hohen Rohre hin und her. Zwei Eisvögel spielten auf dem Wasser und ihr buntes Gefieder glänzte im Sonnenschein. Wie im Traum verloren stand ich an einer Eller gelehnt und schaute lange auf den blauen Waldsee, den Himmel preisend, der uns am Schöpfungstags so reich bedacht. Der Ruf einer wilden Taube erweckte mich, der vom jenseitigen Ufer kam; ich lauschte den mir aus meiner Jugendzeit bekannten Tönen und gab als­bald Antwort, denn ein alter Förster im Königsbergischen lehrte es mich damals. Vorsichtig schlich ich am Ufer entlang und kam so dem Ruf immer näher. Endlich stand ich vor einer mächtigen Eiche auf einem kleinen Platz, auf dessen grüner Moosdecke sich Brombeersträucher und Farnsträucher ausbreiteten. Dann war es still und all mein Locken war vergebens. Aber wie aus Wolken gefallen fand ich plötzlich am Stamme dieser Reicheneiche Fräulein von Wildenau schlafend. Vorsichtig schritt ich näher. Wie im seligen Traume umspielte ein Lächeln ihren Rosenmund; an ihrem Busen trug sie eine weiße Rose, umgeben von Vergißmeinnicht. Arthur mit gefalteten Händen habe ich dies Bild be- trachtet, lange, lange Zeit. Auf meine Knies fiel ich und im Traum wollt' ich sie fragen:Gertrud, liebst Du mich?" Aber ich fand keine Worte und als ich dennoch sprechen wollte, klang es vom Ufer her:Zirol, zirol" und dahin war dieser schöne Traum."

Aber das ist allerliebst, Karl, das ist ja reizend und das reine Pendant zum Käthchen von Heilbronn. Run, das ist ein gutes Zeichen zuder Liebe Anfang", nur immer weiter."

Schau', Arthur, nun bringe ich ihr heute diese Blumen und werde einmal scharf aufpassen, wie die wilde Trude diese Gabe aufnimmt I"

Und wirst Du ihr nicht Deinen Traum erzählen?"

Rein, Arthur, erst muß ich in Erfahrung bringen, ob nicht ein Anderer bei ihr diesen Platz schon erobert hat," und er legte die Hand auf'- Herz,und dann nachher, wenn's noch frei ist, dann dann vorwärts mit frischem Muth."

So kamen dann die Freunde bis zum Deutschen Hause, wo von Wildenaus Wagen mit den prächtigen Rappen schon ihrer harrte.

Eines Sonntagrmorgens durchstreifte der Baumeister, wie schon ost zuvor, den Wald.Ist doch ein sonderbarer Alter, dieser Förster Rudow," dachte Heyd,aber eine gute Seele steckt in diesem Manne von echtem Schrot und Korn; ich wünschte, ich könnte täglich ein Stündchen mit ihm plau­dern. Seine Walderlebnisse und Jagdabenteuer sind hoch­interessant zu hören und man merkt es oft kaum, wenn der Wirklichkeit die Dichtung folgt; doch das machen die Jäger nun einmal nicht anders. Aber ich glaube, wenn der Alte Schrumm" sagt, dann sängt er an zu flunkern, er blinzelt dann mit dem linken Auge so seelenvergnügt, als wollte er sagen: Du glaubst mir's doch."

Unwillkürlich lenkte Heyd seine Schritte wieder nach Birk­heim, aber er fand den Förster nicht zu Hause.

Wenn Sie nicht warten wollen, Herr Baumeister, so werden Sie meinen Alten auf der Cultur finden," sagte eine kleine, rundliche Frau und Heyd verfolgte den ihm beschriebe­nen Weg.

An der Stein'rücke vorüber kam er durch einen Donen- strich in einen finsteren Tannenhag und von dort durch Jagen 58 und 59 an einen freien Platz, der umgeben war von einem Zaune aus rohen Fichtenstäben. Als er näher trat, gewahrte er den Oberförster, umgeben von einer Anzahl seiner Beamten.

Der Oberförster, auf Heyd aufmerksam gemacht, eilte ihm freundlich entgegen.

Ah guten Morgen, Herr Baumeister, mir sehr an­genehm, Sie zu sehen, kommen just wie gerufen. Wir be­schlossen nämlich am letzten Mittwoch, an dem Sie leider ver­hindert waren, zu erscheinen, bei mir ein Scheibenschießen an, kommenden Mittwoch zu veranstalten und wollte ich Sie und Herrn Hellmuth heute noch davon in Kenntniß setzen. Ich kann wohl annehmen, daß Sie Beide daran theilnehmen; Büchsen und so weiter finden Sie bei mir vor, Herr Bau­meister."

Dieser Einladung folgen wir sehr gern, Herr Ober­förster, doch ist es wohl gestattet, meine eigene Büchse mit- zubringen?"

Natürlich, natürlich, doch bitte ich schon um drei Uhr um Ihren werthen Besuch 1 Ich weise nämlich meinen Leuten die Kiefernpflanzen an, die in dieser Woche verpflanzt werden sollen, und da ich morgen dienstlich verhindert bin, so geschieht es ausnahmsweise einmal am Sonntagei"

So, so ich glaubte schon, Herr Oberförster halten einen Gottesdienst unter freiem Himmel ab!"

Bewahre, Herr Baumeister, bei mir mag jeder nach seiner Fason selig werden, denn der Gottesdienst allein macht es ja auch nicht! Doch nun bitte ich Sie, mich einige Augen­blicke zu entschuldgen; ich werde Ihnen den Förster Rudow schicken, mit dem ich schon fertig bin, damit er Ihnen unseren Pflanzgarten zeigt, aber bitte kommen Sie doch herein."

Während nun der Oberförster seine Anweisungen gab, begrüßte Heyd den alten Förster und den Secretär Herrmann per distance.

Komme soeben von Birkheim, Herr Förster Rudow und bringe Ihnen Gruß von Ihrer Frau."

Ah danke, habe gestern schon nach Ihnen ausge­schaut, machte Donenbügel im Garten, hätte Sie gern bei uns gehabt, denn in Gesellschaft schrumm dann geht es besser."

»Ich ging auch durch Ihren Donenstrich, Herr Förster, aber wie ist denn der Fang bei Ihnen?"

O, ich kann nicht klagen, es gibt ja genug von dem Zeug und die Städter zahlen ja auch ganz gut. Es ist nämlich die Einnahme meiner Tochter, oder richtiger gesagt, deren Kinder, denn seitdem Marie den Gendarm geheirathet, wird die Theilung alle Jahr um eine Stelle größer. Sehen Sie, Herr Baumeister, wir befinden uns hier in unserem Pflanzgarten, dem größten Schatz des Forstmannes. Diese Pflänzchen hier, wie dünne Grashalme, ist aufgegangener Kiefernsamen. Hier stehen Buchen und Birken und dort ver­schiedene Kiefern und Tannenarten nach Jahrgängen. Von hier ab bis ans Ende des Zaunes sehen Sie nur Eichen der mannigfachsten Sorten wieder nach ihren Jahrgängen ge­ordnet. Diese hier sind schon verschult und sehen jene nicht prächtig aus? Wie sie alle so schön gewachsen sind zu unserer Freude, denn gerade die Eiche ist der Stolz des Forstmannes. Der Herr Oberförster selbst beschneidet sie und stundenlang kann er hier verweilen, sobald er vorüber kommt. Kommen Sie nur, bitte, hierher, Herr Baumeister, so hier ganz an's Ende, hier sieht und hört uns Niemand und das wollte ich gerade, denn, Herr Baumeister, auf meinem Herzen liegt eine Centnerlast und wären Sie nicht eben hier, so hätte ich sie morgen bestimmt aufgesucht. Herr Baumeister, Sie müssen helfen und Sie können helfen, denn Sie sind der Mann da­zu," sagte der Alte mit trauernder Miene und seine bittenden Worte klangen so ernst, wie sie Heyd noch nie von ihm gehört, der den Alten ruhig ansah.

Sprechen Sie nur, Herr Förster, Sie setzen in mich ein große» Vertrauen und ich weiß nicht, ob Ihre Meinung nicht zu hoch ist, aber was in meinen Kräften steht, das soll gewiß geschehen," erwiderte Heyd und er reichte dem Alten die Hand.

(Fortsetzung folgt.)