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kann! war. Ich entsinne mich sogar, ihn einmal im Hause aeseben w haben- Und jetzt bemerke ich auch, daß Sie ihm nicht unähnlich sind, obgleich er wohl Ihr Vater oder gar Ihr Großvater hat sein können."
„Gut! Gut! Das thut wemg zur Sache, wenn es Ihnen nur genügt, daß ich Derjenige bin, als der lchmrch Ihnen jetzt vorstelle: Ich bin der jüngste Sohn dieses älteren Grafen und der Bruder des jetzigen. Und der Grund, weshalb lch ,^hnen meinen Stammbaum auseinandersetze,' fuhr er mit halb spöttischem Lächeln fort, „ist, um Ihnen zu bewerfen, daß auch ich im Staude bin, dem Versprechen nachzukommen, das ich Ihnen geben will für eine Gunst, die ich mir jetzt von Ihnen erbitten werde." , .. ,.
„Von mir, mein Herr?" rief Frau Falkner und rrß die Augen weit auf. „Was kann eine arme Frau wie rch für einen so hohen Herrn wie Sie thun? Sie spotten meiner."
„Jedenfalls haben Sie mir heute Schutz gewährt," entgegnete er lachend. „Aber ich habe ein viel wichtigeres Anliegen. Sie sollen mir ihren unbändigen räthselhaften Schützling, die wilde Cora, überlasten."
Frau Falkner wurde bis an die Haarwurzeln dunkelroth.
„Nein, mein Herr! Nein! Ich habe vielleicht etwas zu aufrichtig über das Kind gesprochen, aber so schlecht bin ich doch nicht — und — und — ich hoffe, daß Sie kein Wort weiter darüber reden, sonst — so leid es mir thäte — könnte ich mich vergeffen und —"
„Halt, meine liebe Frau Falkner I" unterbrach er sie mit halb gutmüthigem, halb spöttischem Lächeln. „Ich bin ein älterer Mann und habe eine Tochter, die höchstens ein Jahr jünger ist, als Ihr Pflegling. Ich wollte Ihnen den Vorschlag machen, daß ich Cora als eine Art Gesellschafterin meiner Tochter unter meine Obhut nehmen will. Was sagen Sie zu diesem Plan?" fuhr er fort mit bangerer Erwartung, als er um des Erfolges willen ferner verrieth.
Frau Falkner faß stumm vor Verwunderung mit offenem Munde da.
„Sie wollen Cora mit sich nehmen? Sie wird Ihnen nicht folgen!" brachte ste endlich hervor.
„Würden Sie Ihre Einwilligung geben, wenn ich Coras Einwilligung erhielte?" fragte er ruhig.
„Run, es ist hart, sehr hart — und doch — Sie sehen, hier ist wenig Aussicht auf eine glückliche Zukunft für sie. Aber was wird Rupert dazu sagen, wenn er heimkehrt und Cora nicht mehr findet — vielleicht will er dann aus Aerger von Adele gar nichts mehr wissen — aber freilich — Cora wird auch mit jedem Jahre hübscher. ... Ich weiß wahrhaftig nicht, was ich thun soll," fuhr sie verzweifelnd fort.
„Wollen Sie es von des Mädchens eigenem Entschluß abhängen lasten und darf ich allein und offen mit ihr reden?" fragte er rasch.
„Nun, Sie mögen es versuchen, aber ich glaube nicht, daß sie mitgehen wird — nein, nein, nicht für alles Geld! Doch, ein Versuch kann nicht schaden. Wenn sie Lust dazu hätte, wäre es vielleicht zu ihrem eigenen Besten."
„Meine Zeit ist gemessen. Wollen Sie so gut sein, ste gleich hereinzurufen und mir zu erlauben, daß ich die Sache gleich zum Austrag bringe?"
Frau Falkner erhob sich so schnell, als es ihr Rheumatismus zulteß und ries nach der Küche: „Cora! Cora! Komm' einmal her! Aber schnell! Ich brauche Dich!"
Darauf entstand eine momentane Pause, als ob das Mädchen zögerte, dem Rufe zu folgen.
Faro wartete geduldig.
„Cora, mein Kind, wo bist Du? Was treibst Du?" rief Frau Falkner nochmals.
Endlich hörte man das Rauschen eines Kleides langsam näher kommen und in der nächsten Minute stand Coras schlanke Gestalt in der Thür.
„Cora, dieser Herr wünscht mit Dir zu sprechen. Höre ihn ruhig an und antworte ihm aufrichtig und vertrauensvoll. Ich gebe Dir die Freiheit, ganz nach Deinem Willen zu ent
scheiden, nur laß Dir sagen, daß Dir eine solche Wahl nicht zum zweiten Male geboten werden wirb."
Coras große Augen wanderten voll Erstaunen und mit einer Art trotzigen Stolzes von Einem zum Andern, aber ehe sie Zeit hatte, zu sprechen, war Frau Falkner aus dem Zimmer verschwunden und der Fremde stand allein vor dem unschlüssigen Mädchen.
„Verzeihung, mein Fräulein!" sagte er mit einer Höflichkeit, zu der er sich der Amnuth und Schönheit dieses einfachen Mädchens gegenüber gezwungen fühlte. „Ich muß Sie bitten, Ihrer Mutter Befehl zu folgen und ruhig anzuhören, was ich Ihnen zu sagen habe — ohne Ungeduld oder Leidenschaft."
Auf das schöne Gesicht trat ein drohender Ausdruck des Aergers. „Wer sagte Ihnen, daß ich leidenschaftlich sei?" erwiderte sie rasch. „Und wie können Sie wagen, mich als Fremder zurechtzuweisen?"
„Sie selbst sagten mir, daß Sie leidenschaftlich feien," versetzte er lächelnd, „und was meine Zurechtweisung anbelangt, so ist sie eine Bitte und kein Vorwurf. Ich bin überzeugt, daß Sie Vernunft und Gefühl besitzen, und mein Wunsch ist, daß Sie von Beiden Gebrauch machen möchten."
„Fahren Sie fort," sprach sie und stampfte ungeduldig mit dem Fuße. „Ich will mich weder beleidigen noch mich schelten lassen. Rupert weiß das und thut er nie."
(Fortsetzung folgt.)
Madame Sans Göne.
Roman nach Victorien Sardou und F. Morreau. Deutsch von Adele Berger.
»------- (Nachdruck verboten.)
I.
Die Frieafsöe.
In der Rue de Bondy erhellten brennende und rauchende Lampions den Eingang eines Volksballsaales, des Vaux-Hall.
Dieser Ball mit dem exotischen Namen wurde von dem Bürger Joly, Künstler am Thöätre des Arts, geleitet.
Es war in den großen Tagen des Juli 1792. Louis XVI. bewahrte noch ein nominelles Königthum, aber sein mit der phrygischen Mütze geschmückter Kopf schwankte am 20. Juni bereits aus seinen Schultern. In den Vorstädten murrte schon die Revolution, Robespierre, Marat und Barbaroux, der schöne Marseiller, hatten eine geheime Zusammenkunft abgehalten, bei der man, ohne sich über die Wahl eines Chefs, eines Dictators. wie es der Freund des Volkes wollte, einigen zu können, beschlossen hatte, auf das in den Tuilerien gleichsam wie in einer Festung abgeschnittene Königthum einen ent- scheidenden Angriff zu unternehmen. Die Ankunft der Marseiller Bataillone sollte das Signal zur Jnsurrection geben.
Der König von Preußen und der Kaiser von Oesterreich bereiteten sich ihrerseits vor, in Frankreich einzumarschieren.
Der Herzog von Braunschweig, Generalisimus der kaiserlichen und königlichen Armee, hatte von Coblenz das berühmte Manifest erlassen, welches lautete: „Wenn die Tuilerien bedrängt oder insultirt werden, wenn Ihren Majestäten dem König Ludwig XVI. und der Königin Marie Antoinette oder irgend einem Mitglieds der königlichen Familie die geringste Gewalt, der geringste Schimpf angethan wird, wenn nicht sofort für ihre Sicherheit, ihren Schutz, und ihre Freiheit Sorge getragen wird, so werden der Kaiser und der König dafür eine exemplarische und ewig denkwürdige Rache nehmen, indem sie die Stadt Paris einer militärischen Excution und die der Attentate schuldigen Empörer den verdienten Strafen unterwerfen werden."
Auf diese Drohung antwortete Paris mit der Erhebung vom 10. August.
Aber Paris ist stets der Vulkan mit zwei Kratern: Freude und Wuth kochen dort zusammen. In den Vorstädten s bewaffnete man sich, in den Clubs wurde discutirt und in


