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sich nun bei ihm ausschlafe. Und, Herr Oberförster, mit Ihrem Kranken wird'» auch wieder werden, denn der Doctor Köster, den ich noch am Kreuzwege traf, hat große Hoffnung."
Nun erst ließ sich der Alte herbei, seinen Thee zu trinken, den Tante Doctor schon längst für ihn hingestellt hatte.
„Stärken Sie sich nur erst ein wenig und essen Sie auch tüchtig, Herr Rudow," sagte Hertha, „denn es war heute ein schwerer Tag für Sie —"
„Und für Ihren Herrn Vater," ergänzte der Alte.
„Ja, wie gern möchte ich meinem guten Vater die Wache abnehmen, aber dies geht leider nicht."
„Beruhige Dich nur, meine Tochter, es wird mich nicht anstrengen."
Der alte Förster empfahl sich bald darauf und trug ein frohes Herz nach Haufe, wie jeder Mensch, der uneigennützig eine gute That vollbracht hat.
„Nun danke ich Ihnen, Herr Herrmann," sagte der Ober» förster, der nach einer Weile das Zimmer, in welchem der Kranke lag, betrat, zu seinem Secretär. „Gehen Sie nun, bitte, und stärken Sie sich." — Zu seinem Abendbrod hatte der Oberförster eine Flasche Wein gestellt. — „Bis zwei Uhr werde ich die Wache übernehmen und Sie dann wecken — gute Nacht."
„Gute Nacht, Herr Oberförster."
Der Kranke athmete schwer und fieberte stark. Der Oberförster setzte sich an das Bett und dachte an den vergangenen Tag. Er pries das Geschick, das zur rechten Zeit Hilfe sandte. Welch' ein edler Mann muß es fein, sagte er sich, der selbstlos in die kalte Fluth springt, zwei Menschenleben rettet und deren Eltern nun Freudenthränen weinen. — Er nahm ein Buch aus seiner Tasche, das er bei seinem Schützling gefunden hatte und las: „Baukalender" und unten in Gold eingepreßt: „Arthur Heyd, Regierungsbaumeister, Etfenbahnbetriebsamt Bromberg."
„Also das ist mein Patient," sagte sich der Oberförster. „Nun, morgen früh werde ich an seine vorgesetzte Behörde schreiben, an Baurath Wiebe, meinen alten, lieben Schul- sreund." —
Drei Stunden gingen dann langsam dahin, dann erwachte der Kranke und schlug mit den Händen wild umher, so daß der Oberförster Mühe hatte, ihn im Bette zu halten.
Unverständliche Worte brachte er wild hervor, dann rief er laut und angsterfüllt: „O John, John — halt, halt — der Wagen — mein Gott — Hilfe, Hilfe. — O Gott — Himmel, sie stirbt, sie stirbt. — Leb' wohl — sei glücklich — mein — guter — Arthur. Mein Gott — Hertha — Hertha."
Dann fiel er ermattet zurück.
Dem Oberförster ging es durch und durch, als er den Namen seiner Tochter hörte. „Seltsam, höchst seltsam," sagte er und begrub die Worte wilder Phantafie in seinem Innern.
Folgenden Tages — es war gegen 10 Uhr am Vormittage, als der Obersörster am Krankenbette mit gefalteten Händen saß — schlug der Bäumeister plötzlich die Augen auf und sah erstaunt umher.
„Wo bin ich," hauchte er kaum vernehmbar.
„In guten Händen," entgegnete der Oberförster, der fich über das Bett gebeugt hatte, „doch seien Sie, bitte, recht ruhig, Sie waren krank und werden bald gesund sein."
„Aber wo war ich nur, Herr, und wie kam ich hierher? — Ach, vom Wasser! — Sind sie gerettet?"
„Ja, Herr Baumeister, Sie haben das edle Werk vollbracht, doch nun bitte ich — recht ruhig."
Der Oberförster gab dem Kranken zu trinken und Heyd schlief ruhig wieder ein.
Der Arzt kam und ging und er kam wieder und ging, und fand, daß die Krankheit so verlief, wie er es vorausgesagt. Am dritten Tage erhob sich der Kranke, doch der Oberförster drückte ihn sanft zurück. „Es wird nun besser werden," lispelte Heyd, „würden Sie wohl die Güte haben, an Herrn Baurath Wiebe nach Danzig zu —"
»Ist schon geschehen, Herr Baumeister, es traf auch heute
die Antwort meines lieben Freundes ein. Er bedauert Ihre augenblickliche Lage aus tiefstem Innern und wünfcht Ihnen gute Besserung."
Mit dankbarem Blick sah Heyd nach dem Oberförster, der ihm einen stärkenden Trank reichte; dann schloß der Kranke die Augen und lag bald in tiefem Schlummer.
Von Tag zu Tag wurde es nun besser und am achten Tage konnte er das Bett verlassen. Es war ein freundlicher Tag und die Frühlingssonne meinte es besonders gut. Der Oberförster führte den Kranken in den Garten in eine Laube, die den erwärmenden Sonnenstrahlen ausgesetzt war, wo Beide Platz nahmen.
„Sie waren ein folgsamer, artiger Patient," sagte der Oberförster, „jetzt haben Sie die Gefahr überwunden und dürfen wieder heiter in die Zukunft sehen."
„Sie haben sich des Fremden angenommen wie ein Vater, wie foll ich es Ihnen nur danken," sagte der Baumeister ruhig.
„Beruhigen Sie sich, denken Sie nicht daran, sondern an Ihre Gesundheit und wenn es Ihnen recht ist, so würde ich mir erlauben, Ihnen meine Angehörigen vorzustellen."
„Es wird mir sehr lieb sein, ich bitte sehr darum, Herr Oberförster." Dann zog der Oberförster die Decke zurecht, in die er den Kranken gehüllt und eilte nach dem Hause.
Heyd sah sich ringsum, er befand sich in einem Garten, der im Sommer prächtig sein mußte. Wie schön er in den acht Tagen geworden ist und wie freundlich heute die Sonne lacht. Der Baumeister blickte nach dem Himmel und athmete freudig auf. Fleißige Hände waren hier thätig, die überall ihre Spuren zeigten. Bunte Crocufle und zarte Schneeglöckchen um die Beete; und wie fich der Wald ringsum in die Höhe zieht. Wie herrlich ist es doch hier in diesem lieblichen Thals. — Auf der Bank bemerkte er jetzt erst ein Buch liegen und nahm es zur Hand — Lenz und Liebe — war in goldenen Buchstaben auf grünem Sammet gepreßt. Ein seidenes Band hing herunter.. Der Baumeister schlug die Stelle des Buches auf und las:
Schneegl ö ckchen.
Der Schnee, der gestern noch in Flöckchen Vom Himmel fiel, .
Hängt nun geronnen heut' als Glöckchen Am zarten Stiel.
Schneeglöckchen läutet; was bedeutet's Im stillen Hain?
O kommt geschwind! Im Haine läutet's Den Frühling ein.
O kommt, ihr Blätter, Blüth und Blume, Die ihr noch träumt, All' zu des Himmels Heiligthume! Kommt ungesäumt!
Gedankenvoll legte Heyd das Buch wieder weg. „Gute Menschen müssen es sein, die hier wohnen," sagte er sich, und er lauschte dem Rauschen des Baches, der unter dem Erlen- und Weidendache dahinfloß.
Mit zwei Damen sah Heyd den Oberförster au« der Thür treten. — Sehe ich recht, sagte er sich, ist e« Wirklichkeit oder ist es Sinnnestäuschung, und er faßte sich nach der Stirn.
„O Gott im Himmel, da ist sie ja wieder. Ja sie ist es wirklich — wahrhaftig und ich habe so sehr, so sehr gewünscht, ihr nie mehr im Leben zu begegnen. Wie ist es nur möglich, wie ist es nur möglich, daß man immer und immer wieder dahin gelangt, wo man weit, recht weit entfernt sein möchte? Sollte es wirklich ein Verhängniß sein? und er neigte trauernd sein Haupt.
Der Oberförster trat mit den Damen zur Laube.
Heyd erhob sich und begrüßte ehrerbietig die Kommenden.
„Bitte — nur ruhig wieder hinsetzen," sagte der Oberförster und stellte gegenseitig vor; ihm, der seine Tochter wohl beobachtete, entging es nicht, wie sie ihre Erregung verbarg. „ ,
„Viel Aufregung, viel Mühe und Arbeit habe ich auch


