N-. 104.

MensLkg 6te 3. September

1895

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Ihr Vermächtmß.

Roman von Maximilian Moegelin.

deutlich seine Spur zeigte, so haben sie doch manchen Sturm in unserem Vaterlands erlebt. Ganze Generationen sind in diesen ehrwürdigen Bauten geboren und gestorben. Die starken Häuser, wie man sie nur noch in Nürnberg und ver­einzelt in alten deutschen Städten findet, geben Zeugniß sür den soliden Sinn unserer Urgroßväter.

In eines dieser Häuser, auf dessen Treppenpfeilern sich zwei große Steinkugeln befinden, trat gegen Abend der Bau­meister Heyd. An einer Thür im ersten Stockwerke befindet sich ein von Eisenblech und Kupfer getriebenes Schild, auf dem die schwarz ausgelegte Gravirung zeigt: Karl Hellmuth, Ingenieur. Der Baumeister drückte die Klingel und eine kleine Frau, die freundlich grüßte, bat, einzutreten.

Der Herr Ingenieur," sagte sie,hat den Herrn schon erwartet, er ging soeben zum Friseur und wollte bald wieder- kommen," und dann entfernte sie sich.

Der Baumeister bewunderte die stylvolle, vornehme Jung­gesellenwohnung, die sich sein Freund eingerichtet hatte. Das Wohnzimmer war ganz mit einem weichen, werthvollen Teppich belegt, die Möbel waren von Eichenholz mit antiken Schnitze­reien.

In der Ecke stand ein großer Bibliothekschrank mit meist wissenschaftlichen Werken in eleganten Einbänden.

Auf diesem Bibliothekschrank stand ein Globus und lagen verschiedene zusammengerollte Zeichnungen. Vorn standen die Modelle eines Trockendocks neuester Construction und ein Torpedoboot in Längenschnitt. Ein großes Eisbärensell lag vor dem Schreibtische, auf dem die Bilder seiner Eltern und seines Bruders standen. An der einen Wand hingen zwei große Kupferstiche, darstellend die Blüthe Griechenlands und das Zeitalter der Reformation, und in deren Mitte das große Oelgemälde: Kaiser Friedrich in der Uniform seiner schlesischen Dragoner. An der anderen Seite hingen zwei Aquarelle, Kunstwerke ersten Ranges: Der Dogenpalast von der Adria aus und der Rialto. Auf dem Aufsatz eines Paneelsophas standen Trinkhörner, Krüge und altdeutsche Humpen, darüber hing das Bild der Helvetia, jener Verbindung, der Hellmuth und Heyd so viele frohe Stunden ihres Lebens verdankten. Auf dem ovalen Tische lagen Bücher und Zeitschriften aus­gebreitet. Ein Buch war aufgeschlagen und umgedreht, augen­scheinlich hatte der Ingenieur unlängst gelesen.

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(Fortsetzung.)

Er setzte seinen Hut auf und ging hinaus, um nach dem Wege zu sehen. Der leichte Wind brachte das Geräusch eines schnellfahrenden Wagens näher, der vom Kreuzwege zu kommen schien. Alsbald schlugen auch die Hunde an und das Gefährt kam in leichtem Trabe den Weg herunter. Als die schweiß­bedeckten Pferde hielten, sprang Hertha behende vom Wagen und grüßte herzlich ihren Vater.Mein guter Vater," sagte sie,Tante Walten läßt Dich auch schön grüßen und sendet diese Blumen Dir. Sieh' nur, Deine Lieblingsblumen, die ersten Veilchen in diesem Jahre, freilich nur aus dem Treib­hause," und sie legte den Arm um den Hals ihres Vaters und küßte ihn.

Aber sage nur, Kind, Du kommst ja heute so spät, ich war schon in großer Angst, daß Dir ein Unglück zugestoßen."

Ja, Vater, ein Extrazug war es, der daran schuld war. Auf Weichselthal mußten wir wohl zwanzig Minuten warten, daher die Verspätung."

Nachdem Hertha die Tante Doctor begrüßt hatte, wurde das Abendbrod aufgetragen, und man erzählte nun von hier und dort und wie es geht und steht. Als Hertha auf Tante Doctors Fragen sagte, daß Curt nicht auf Walten war, schüttelte sie leicht mit dem Kopfe.

Drittes Capitel.

SBer' zum erstenmal dis Frauengasse in Danzig betrat, dem werden die alten und soliden Häuser dieser Straße auf­fallen. Meist Giebelhäuser auf starkem Fundament mit wett in die Straße hineingehenden Treppen und Vorbauten. Schön gearbeitete Dachrinnen aus Kupfer mit getriebenen Ver­zierungen in altdeutscher Renaissance sind angebracht, besonders an den Vorderseiten, wo die Giebel zusammenstoßen. Diese Hauser mit den schönen Erkern versetzen uns in die Zeit miserer Altvorderen. Damals baute man noch nach anderen Grundsätzen, und wenn auch diese Häuser nicht für die Ewig­keit bestimmt waren und bei manchen der Zahn der Zeit

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