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»och der Schatten von dem, was sie gewesen, als sie vor zwei oder drei Monaten hier war."

Hier?" wiederholte ich erstaunt.

Und darauf erzählte sie mir, daß Christa ihr im Herbst einen Besuch gemacht hatte, um ihr für die Blumen und Früchte zu danken. Wenn ich doch an dem Tage zu Hause gewesen wäre!

Seit mich Mrs. Barton verlassen hat, bin ich in rastloser Bitterkeit über diese verkehrte Welt im Zimmer auf und ab gelaufen. Hier sitze ich nun mit meinem täglich sich vergrößern­den Reichthum und dort, nicht weit von mir, ist Christa und arbeitet sich krank; und ich bin überzeugt, daß sie nicht ein« mal ein Paar Handschuhe von mir nehmen würde, wenn ich sie ihr anböte. Sie sprach mit eisiger Kälte zu mir, als ich sie das letzte Mal sah. Doch Geduld, ich muß abwarien, was die Zeit mir bringt.

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Es ist gut, daß Richard mir heute Abend nicht in den Wurf kommen kann- Es würde ganz gewiß heiße Worte zwischen uns geben, vielleicht noch mehr als Worte. Wenn ich bedenke, was er durch seine schändliche Schurkerei Aller angerichtet hat, könnte ich wahnsinnig werden. Ein Glück, daß er nicht da ist!

Noch etwas Anderes macht mich sehr besorgt und un- ruhig. Leonhard hat sein Haus viel zu tief und der Bucht viel zu nahe gebaut. Der Winter ist so weit, wenn auch kalt, doch ungewöhnlich trocken gewesen. Sollte das Wetter aber umschlagen und wir plötzlich Hochwasser bekommen, so schau­dert er mich bei dem Gedanken an dar, was geschehen könnte. Jedenfalls darf ich augenblicklich die Gegend hier nicht ver­lassen. Ich muß hier bleiben, den Lauf der Dinge beobachten und bereit sein, zu helfen, sobald es Roth thut-

Was Christa anbetrifft, so muß und werde ich sie mir früher oder später gewinnen. Trotz Allem, was vorgefallen ist, nehme ich keinNein" an; über kurz oder lang führe ich Dich doch al» mein geliebte» Weib heim.

16. Capitel.

Christas Erzählung.

Mitten im traurigsten Winter erfüllte sich endlich, worauf ich so lange gehofft, was ich vom Himmel so inbrünstig erfleht hatte.

An einem stürmischen Nachmittag, al» ich eben die Lampe anzündete und das Essen für Oscar, welcher noch nicht nach Hause gekommen war, vorrichtete, da that sich leise die Küchen- thür auf und Gertraud trat auf die Schwelle.

Ich war nicht überrascht nur im höchsten Grade auf­geregt. Ich glaube, ich hatte es stets erwartet.

Ich nahm sie ruhig bei der Hand und führte sie wie ein Kind in ihr Zimmer, drückte sie sanft auf das Bett nieder und küßte sie. Es war, als wären die alten Zeiten wieder­gekehrt, wo ich stets für Gertraud gesorgt hatte.

Sie hob die Hand und strich mir liebkosend die Wange.

Christa," sprach sie weich,freust Du Dich, mich wieder­zusehen ?"

An ihrem Finger glänzte der Trauring, ein dicker, gol­dener Reif. Sie war genau so gekleidet, wie an dem Tage, an welchem sie verschwunden war, dasselbe schwarz und weiße Wollenkleid, denselben langen, grauen Regenmantel. Einen Augenblick lang konnte ich mir einbilden, die ganze trostlose Zeit, welche zwischen damals und jetzt lag, sei nur ein böser Traum gewesen; aber der Trauring und der Um­stand, daß alle ihre Sachen feucht und beschmutzt, von der Reise verdorben waren, vertrieben schnell solche Illusionen. Sie trug keine zierlichen Kleinigkeiten an sich, mit denen sie sonst ihre Toilette zu vollenden pflegte und eine jede, mochte sie noch so einfach sein, nett zu machen verstand; ihr schönes Haar war nicht wie sonst künstlich frisirt, sondern glatt zurück­gestrichen und in ein dichtes, schwarzes Netz gesteckt.

Das Alles sah ich mit einem Blick und dann erwachte ich plötzlich zu dem Bewußtsein, daß ich Fanny von Gertrauds Rückkehr unterrichten mußte, ehe Oscar nach Haufe kam. Ich

eilte in da» Wohnzimmer, schlang die Arme um Fanny» Hal« und flüsterte ihr die Neuigkeit in das Ohr.

Sie fuhr mit einem Schrei in die Höhe und rief: ,,W- ist sie?"

Nachdem ich er ihr gesagt hatte, lief sie in mein Zimmer und umschlang Gertraud mit ihren Armen, worauf wir Alle weinten, daß es einen Uneingeweihten ernstlich hätte beunruhi» gen können.

Dann zündete ich Licht an und nun sahen wir erst, wie sehr sich Gertraud verändert hatte, wie schmal und elend sie geworden war. Ihre blauen Augen waren noch so schön wie immer, die tiefen Schatten darunter boten aber einen trau« rigen Anblick. Deine Schönheit, Gertraud, war dahin.

Sie mußte einen großen Theil zu Fuß gegangen fein, denn ihre Stiefel waren zerrissen und ihre Füße wund ge> laufen. Ich holte warmes Wasser herbei und badete sie ihr, worauf ich sie mit weichem Leinen umwickelte.

Dann brachte ich Thee und Butterbrod herbei, das sie wie eine Halbverhungerte verschlang, und darauf legte sie sich wieder auf das Bett nieder und schloß die Augen.

Sie hatte sehr wenig gesprochen, nur ein paar alltäg« liche Fragen über ihre Reise beantwortet, welche sie, wie fte sagte, zuletzt zu Fuß zurückgelegt hatte. Sie war sichtlich völlig erschöpft.

Ich bat sie, sich vott mir auskleiden und zu Bett bringe« zu lassen, und geduldig unterwarf sie sich allen meinen Ä«> ordnungen; sie war zu matt, um einen eigenen Willen > haben, und ach, wie glücklich war ich, wieder für sie sorge zu können!

Indessen hörten wir Oscar kommen und Fanny eilte ihm, den kleinen Fritz auf dem Arm, entgegen, um ihm die Neuigkeiten mitzutheilen.

Ich weiß nicht, auf welche Weise sie es that, noch war er zuerst dazu sagte; doch al« Gertraud endlich still in ihrem Bette lag und ihr goldene» Haar über die weißen Kissen fiel, trat Fanny an die Thür, um zu fragen, ob Oscar herein« kommen dürfte.

Ja, ja!" rief Gertraud eifrig und streckte beide Hände aus.

Im nächsten Moment küßte Oscar sie, als ob nie etwas zwischen sie Beide getreten wäre und sein Gelöbniß, daß sie seine Schwelle nie wieder überschreiten solle, gänzlich ver« geffend. Sein Zorn war verschwunden, wie ein Traum lit der Nacht.

Aber dennoch kam mir sein Benehmen etwa» sonderbar vor. Er sprach ein paar freundliche Worte zu ihr, fragte aber nach nichts und nach wenigen Minuten ging er wieder aus dem Zimmer-

Eine kleine Weile darauf vernahm ich von der Verandü her ein leises Geräusch und als ich hinaustrat, fand ich Oscar in Thränen. Er ergriff meine Hand und drückte sie krampfhaft.

Christa," sprach er dabei,sei stark. Gertraud ist heimgekommen, um zu sterben!"

Seine Worte verloren sich in lautem Schluchzen. Er ließ meine Hand sinken und ging hinan» in die dunkle Nacht, während ich wie angewurzelt stehen blieb und mich der Hoff« nung hinzugeben suchte, er werde sich täuschen.

Gertraud so sagte ich mir war jetzt überangestrengt; am Morgen, nachdem sie die ganze Nacht geruht, würden wir sie weit besser finden; und ich wollte Alles thun, was in meinen Kräften stand, um sie wieder gesund zu machen.

Doch der Morgen zeigte uns die Veränderung, welche mit ihr vorgegangen war, nur noch deutlicher. War das wirklich Gertraud ober nur ihr Geist, welcher zu uns zurück« gekehrt war?

Am Tage nach seiner Rückkehr von Melbourne kam Arthur zu uns herübergeritten. Ich sah ihn in Famwi I Gegenwart nur wenige Minuten und wir sagten ihm, daß Gertraud wieder da sei.

Al» er sich erhoben hatte, um zu gehen, zögerte er noch eine Weile und sah mich innig an, doch plötzlich erscholl aur dem Nebenzimmer ein matte»Christa" und ich eilte, dem ' Rufe nachzukommen. So groß die Versuchung auch w»r,