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I Bruder Zahlmeister behielt es noch eine Weile prü*
pflegen soll."
Die Stimme des alten Mannes zitterte stark und er fuhr mit der Hand nach den Augen, um ein paar Thränen fort« zuwischen, die langsam hervorquollen.
„Haben Sie das Schmuckstück zurück erhalten? fragte
tochter erfahren und will uns Mittheilung davon machen. — I Lasten Sie den Mann hereinkommen."
„Ach so, das ist etwas Anderes. Na, soll mich doch wun- I dern, was wir hören werden," brummte Michalina und rannte I hinaus.
Nach einigen Minuten kam ste wieder. Sie hielt den I Kopf stolz erhoben und indem ste den Alten in den Salon I führte, musterte sie ihn mit geringfchätzenden, hochfahrenden I Blicken. Der Lieutenant hatte sich furchtbar verändert. Seine I Haltung war hinfällig und gebeugt, das Gesicht blaß und ab- I gezehrt. Der graue Mantel schlotterte faltig und unordentlich I um den hageren Leib herum und der offenbar lange nicht ge< I reinigte Schaschka hing ihm falopp und verrostet von der Hüfte I herab. Er brachte eine unangenehme Kälte und einen starken I Juchten-Geruch in das köstlich parfümirte und behaglich durch- I wärmte Zimmer hinein. ...
Nachdem er sich auf dem weichen Smyrnateppich den I Schnee von den schweren Stiefeln abgetrampelt hatte, legte er j die in Pelzfäustlingen steckenden Finger militärisch grüßend an I dm alten Lammfellbaschlik, den er über den struppigen Kopf I gezogen hatte, sank aber gleich darauf wie erschöpft in einen I Fauteuil, der nahe der Thür stand. m I
„Gut, daß ich Sie noch in Lygotta antreffe, Herr Graf," I sagte er matt, „denn ich habe Ihnen ein Kleinod zu übergeben, I das vermuthlich Eigenthum Ihrer Familie ist. — Es kam I durch Zufall in meine Hände" — er seufzte — „Sie wissen I doch, daß die Jadwiga, die hier auf dem Edelhofe erzogen I wurde, mein Adoptivkind ist. Jetzt ist ste fort, weit fort, denn I das niederträchtige Menschengestndel von Czenstochau that ihr I weh, so weh, daß sie in purer Verzweiflung auf und davon I lief. Ja, es war eine große Ungerechtigkeit von unserer I schwarzen Madonna, daß sie gerade an ihrem Ehrentage dem I armen Mädchen das schreckliche Leid widerfahren ließ — und I das Beten wollte mir seitdem auch gar nicht mehr gefallen; ich haderte mit Maria, mit Gott und allen Heiligen und zuletzt kam eine böse Stunde über mich, wo ich den Rosenkranz in Stücke schlug, einen Strick hervorsuchte und ein Ende machen wollte mit allem Erdenleid. Schon hörte ich die Engel im Himmel pfeifen, da kam die alte Mascha angelaufen und schnitt den Strick zum Teufel. Sie zeterte und jammerte laut und redete mir meine schwere Sünde in die Seele hinein, daß ich vor Reue zusammenknickte wie ein schwaches Rohr. Und gleich darauf kam auch die Strafe, denn ich wurde sterbenskrank. Nun wäre mir wirklich nichts daran gelegen gewesen, wenn das elende bischen Leben flöten ging und ich hätte mich gefreut, meine Bona da oben wiederzusehen, aber Gott hatte es nicht gewollt und die treue Mascha auch nicht, denn sie pflegte mich Tag und Nacht, bis ich wieder auf die Beine kam. — Als ich gesund war, kam ein Brief von der Jadwiluschka an. s>te erinnerte mich darin an mein Versprechen, ihr das goldene Herz wieder zu schaffen, das sie am Wallfahrtstage der Jungfrau Maria geopfert hatte." _ 1. „
„Sie haben Nachricht von Jadwiga, Pan Wytek? rief Frau von Bielinska erfreut. „Wie geht es ihr? Hat ste eine gute Unterkunft gefunden?"
„Ja, sie hat an mich geschrieben, da» arme Kind. — Er suchte in allen Taschen umher und hob endlich nut triumphirender Miene ein zerknittertes, beschmutztes Papier in die Höhe. „Die Jadwiga vergißt ihren alten Vater nicht und es geht ihr gut, obgleich sie unter den Nremkis lebt. In Posen, bei einer alten Wittwe, wohnt sie und näht und plättet für die vornehmen Herrschaften. Sie verdient ein hübsches Stück Geld, denn sie schickte mir drei Rubel, damit ich mich
hinauf, was mir sauer genug wurde, denn die lange Krankheit hat mich um alle Kraft gebracht. So mußte ich denn auch beim Denkmal de» Jan Grodiecki erst eine gute Weile verschnaufen, ehe ich mich mühsam weiter schleppen konnte. Oben angelangt, stieg ich sogleich die Leitern hinan, welche zu dem Oberstock führen, in dem sich die Mönchszellen befinden- Doch hier war kein einziger Pater zu sehen und zu hören, denn eilt Theil derselben spazierte im Garten, Andere kegelten in den Klosterlauben, die meisten aber saßen müßig im Refeetorium und langweilten sich. Sie müssen wissen, Väterchen, wir haben jetzt auf unserm Jasnagora lauter alte, mürrische und griesgrämige Priester. Eigentlich könnten sie ganz vergnügt und guter Dinge sein, denn sie haben Essen und Trinken in Hülle und Fülle, einen großen Weinkeller und im Winter einen warmen Ofen und eine gute Pfeife Tabak. Mit einem Wort, sie haben weder Roth noch Sorge, dafür aber alle Tage etwas Schönes zu beißen und zu brocken und nur das bischen Seelsorge und Beten. Sie werden feist, fett und faul bei solchem Leben I — Als ich zu ihnen in das Reflectorlum trat, da glotzten sie mich an wie ein Wunder und lachten und höhnten. „Kommst auch einmal auf den heiligen Berg gekraxelt, Du alter Sünder, Du I" tief mir ein dicker Schmeerbauch entgegen. , Willst wohl Buße thun, denn der Branntwein schmeckt gewiß nicht mehr, seitdem das Mädchen fortgegangen ist!" — Und nun brachen die Andern in ein lautes Spottgelächter aus.
Mir schwoll der Kamm, ich biß mir beinahe die Zunge ab, um nicht mit unehrerbietigen Reden ihren Hohn zu erwidern, und schluckte den Aerger herunter.
Als der Lärm zu Ende war, sagte ich ganz ruhig: „Ehr- würdige Herren, ich bin kein frommer Klosterbruder wie Ihr, und darum jeder weltlichen Anfechtung ausgesetzt, ich bitte, laßt Euern Spott- Thut mir lieber die Gnade an und führt mich zu Hochwürden, dem Prior, ich habe ein wichtiges An- liegen^an machten große Augen und der Pater Eusebius mußte mich zum Abte führen. Himmel, wie elend sah die I Zelle des frommen Vaters aus, meine J;ba ist em Prunk- I zimmer dagegen. Nichts war vorhanden, als ein eisernes Bett mit Strohsack und rauher Decke, ein Stuhl und ein geschnitztes Betpult mit einem Cruzlfix darüber. Ja, unser Herr Prior vorn Kloster ist ein rechter Christ, ein wahrer Diener der Kirche, der in Frömmigkeit und Entsagung alle Mönchs über* I trifft. Und ihm kann man schon sagen, was man auf dem Herzen hat, ohne kleinlaut zu werden, denn er verdammt d e sündigen Menschen nicht gleich, sondern verweist sie auf die | Barmherzigkeit Gottes.
I So fiel ich auch gleich mit der Thür ins Haus und brachte mein Anliegen vor. Der geistliche Herr machte ein ernstes Gesicht und zog die Stirn in krause Falten- „Es ist wohl zum ersten Mal, mein Sohn," sagte er, „daß eine der Madonna von Czenstochau geweihte Opfergabe zurückverlangt
I worden ist. Da aber besondere Umstände dazu Veranlassung I sind und Jadwiga ein von mir stets geschätztes frommes Beichtkind war, so will ich die ungeheure Bitte ausnahmswel e er» füllen; doch nur unter der Bedingung, daß Du das Kleinod | ofort der Eigenthümerln zustellst und Sorge dafür trägst, daß I die heilige Mutter aufs Reichlichste dafür entschädigt wird.
Und dies mußt Du mir auf das Cruzifix schwören'"
I Ich war sofort bereit und gelobte mit feierlichem Eid,
| daß ich thun würde, was der fromme Vater von mir »et* I langte; ich versprach ihm auch außerdem em Paar große, ge- j weihte Wachskerzen für den Gnadenaltar.
Und nun gab der Prior dem Bruder Zahlmeister den Auftrag, mir das Kleinod auszuliefern. Ich durfte ihn in die Schatzkammer des Klosters begleiten, in der ein großer Theil der kostbaren Opfergaben aufbewahrt ,st. Es kostete«Mühe, unter den in reicher Menge angehäuften Schätzen von Gold, Silber und edlen Steinen das kleine, unscheinbare Herzchen
der Graf. _ ,
„Ja, gnädiger Herr, und deshalb komme ich her. Doch | ^dttLand.^'üehte'und wendete es nach allen Seiten
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