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auch nicht!"
(Fortsetzung folgt.)
Sebe*gie trat jetzt zurück von dem Spiegel und nahm einige I Haideblumen vom Tische, die sie an ihrem Gürtel befestrgte. 1
So, wenn er die Blumensprache versteht, dann mag er | daraus ersehen, daß ich auf der Haide war und seiner Worte gedachte - bis mich der alberne Herr Leonhard rauh aus meinen Träumen rüttelte."
Sie lachte hell auf bei dieser Erinnerung.
„Die Eitelkeit schöner Männer grenzt doch ans Lächer- liche!" spöttelte sie. „Zu glauben, ich harre dort seiner und spähe von diesem Platze aus nach ihm und seinen wohlbestell. ten Feldern, das ist doch etwas sehr stark von Herrn Leonhard, I auch wenn er ein schöner Mann und reicher Rittergutsbesitzer ist! — Und dann sein verblüfftes Gesicht, als ich über diese I überspannte Vermuthung seinerseits in ein schallende» Gelächter ausbrach und wie er dann mit rochrothem Antlitz so gravitätisch von dannen schritt, es war wirklich zum Todtlachen! I Ich fürchte, trotz meiner deutlichen Rede und meines Hohngelächters habe ich ihn doch noch nicht von seinem Wahne ge- heilt und er wird trotz alledem wieder mit mir tanzen und sich dabei geberden, als thue er mir die größte ®jre an.
Unter diesem Selbstgespräch hatte sich Dora zum Fort- . gehen gerüstet und ging hinunter nach der Tante ihrem Zimmer, wo schon die Frau Apotheker ihrer harrte, unter deren Schutz Dora den Ball besuchen wollte, da die Tante wegen Kränklichkeit dem Ballfeste nicht beiwohnen konnte.
Die Saison sollte mit diesem Vergnügen eröffnet werden und die Gesellschaft in dem hellerleuchteten Casinosaal war sehr zahlreich vertreten. Allem Anschein nach schien es ein flotter, glänzender Ball zu werden, die Herren zeigten, was nicht immer der Fall, eine riesige Tanzlust und Dora hätte sich gewiß, da sie eine gesuchte Tänzerin war, sehr gut amüsirt, wenn sie sich unbefangen dem Vergnügen hätte hingeben können, aber das war ihr nicht möglich; eine fieberhafte Unruhe hatte sich ihrer bemächtigt, seit ihr Blick beim Eintritt in den Gaal auf des Affeffor Borns blasses und ernstes Antlitz gefallen war. Und diese Unruhe steigerte sich merklich, als Born bei einem Contre neben Dora stand. So nahe hatten sie seit jener Wasserpartie nicht nebeneinander gestanden.
Born hatte seitdem jede Begegnung mit Dora vernsieden und heute vollends zeigte er ihr eine fast verächtliche Kälte.
Für ihre zarte Blumensprache schien er durchaus kein Ver- ständniß zu haben, und Dora erröthete jetzt fast über diese kindische Idee ihrerseits. Als der Contre vorüber war und die Paare auseinandergingen, wollte es der Zufall, daß sich Born mit einem Fuße in die lange, spitzenvesetzte Schleppe Doras verwickelte und einige Spitzen dabei abtrat. Dora bückte sich bei diesem fatalen Zwischenfall einen Moment, und dabei entfiel ihr der Blumenstrauß aus dem Gürtel.
Born, der jetzt einige förmliche Worte der Entschuldigung zu Dora sagte, hob den Strauß auf.
„Jedenfalls ein theures Andenken," sagte er spöttisch lächelnd, indem er ihr die Blumen überreichte. „Ich sah die Haide heute zum ersten Mal in der malerischen Beleuchtung des Abendroths und in diesem flammenden Licht bemerkte ich ein glückliches Paar unter einer alten Kiefer."
Dora wurde dunkelroth. , r
„Ein glückliches Paar fchwerlich," stotterte sie mit beben- den Lippen. , , ,,, L r,„
„Run, ein unglückliches schien es mir auch nicht, der schöne Freier kreuzte wenigstens mit glückstrahlendem Antlitz nachher meinen einsamen Pfad und freute sich, daß uns Männern heutzutage die Eroberungen so leicht gemacht würden, er sprach sogar von girrenden Täubchen, denen gegenüber man kein Un-
auch so, Herr Assessor? Nun, wir sind ja auch keine Unmenschen solchen liebegirrenden Täubchen gegenüber."
Voll innerem Ingrimm hörte Born diese Reden des aufgeblasenen und tactlos über ein Stelldichein schwatzenden Menschen mit an. „
„Warum verlassen Sie aber Ihre Dame?" fragte Born dann plötzlich mit einer vor Erregung bebenden Stimme und fügte nun auch feinerseits spöttisch hinzu: „Sehen Sre, dort lächelt der Mond, jetzt erst naht die Stunde, die Liebenden so $°lb Leonhard schien über diese Anspielung etwas verlegen zu ! sein und suchte nach einer passenden Antwort, Born jedoch überhob ihn derselben, indem er sich kurz empfahl und den schmalen Heimweg nach dem Flusse zu einschlug.
* *
Dora hatte zu dem Ball am heutigen Abend Toilette gemacht und stand vor dem Spiegel, mit prüfenden Bucken dieselbe musternd. Das cremefarbene, reich mit Spitzen garnirie Seidenkleid fchmiegte sich prächtig um die zurliche Gestalt, einige dunkle Rosen leuchteten in dem Haar und ein Pracht« voller Brillantschmuck funkelte an Hals und Armen. Die junge Dame blickte spöttisch auf all' diese Eleganz.
Ein wenig wird ja meine unscheinbare Erscheinung dadurch gehoben," murmelte sie, „allerdings wäre es lohnender, wenn dieser kostbare Diamantenschmuck einer Schönheit biente, dann wäre es mir vielleicht möglich, ein verlorenes Herz durch die Allgewalt der Schönheit wieder zu gewinnen, da man aber auch mit allem Selbe sich kein liebendes Herz erkaufen und bamit ben Glauben gewinnen kann an Liebe und Treue, so werde ich an der Macht des Goldes zweifeln bis an mein
menfch ist."
„Schändlich!" rief Dora. „Und Sie glaubten wirklich, Sie glaubten, ich — ich —"
„Ich glaubte, was ich sah und das war em Stelldichein auf einsamer Haide, und nun sehe ich zarte, rosafarbene Haide- blumen an Ihrer Brust!" ,
Dora schleuderte die Blumen wert von sich.
„Die Blumen hatten einen anderen Zweck, „einen ganz anderen, als Sie vermuthen, ich pflückte sie selbst."
„Ach, vielleicht zur Erinnerung an eine unvergeßlich schöne @tUttb©ie wollen mich beleidigen und vielleicht sind Sie auch berechtigt dazu, denn ich — ich war — ich habe —"
In Borns Augen flammte es auf, als sie in solcher Verwirrung vor ihm stand. Bereute sie ihre einst so beleidigenden Worte ihm gegenüber? Es schien eine schüchterne Entschuldigung auf ihren Lippen zu schweben, aber jetzt preßte sie dieselben fest zusammen, nein, so zu demüthigen vermochte sie sich doch nicht vor ihm und ihm eingestehen, wie sehr ihre beleidigenden Worte jenes Abends sie gereuten. Nur etn schüchterner, fast hilfloser Blick der kindlichen braunen Augen verrieth ihm theil- weise ihren Herzenszustand; und als sie sich jetzt umwandte I unb weiter ging, ba schaute er ihr sinnend nach, dann hob er verstohlen den Haideblumenstrauß auf
Welche Bestimmung mochten bte Blumen gehabt haben? War es die, daß sie in seiner Hand ruhen sollten? Nun haf- leien seine Blicke wie verloren darauf, als gelte es, ein süßes Räthsel zu lösen. • . „
Dora war nach der Garderobe gegangen, um ihre m Un- I ordnuug gerathene Toilette wieder in Ordnung zu bringen unb I Born Halle bie Augen unverwandt nach der Saallhür gerichtet, um ihr Eintreten zu erwarten, denn er wollte trotz des fatalen Zwischenfalles sich einen Tanz von ihr erbitten und dann vielleicht das Räthsel lösen. Aber die junge Dame erschien nicht wieder. Sie halte sich in die dunkelste Ecke der nur sehr mangelhaft beleuchteten Garderobe gesetzt und hmg dort trau- merifch ihren Gedanken nach. Die Last zum Danken war ihr vollständig vergangen, unter all' den Tänzern, die auf ihrer Tanzkarte standen, war nicht Emer, der Gnade vor ihren Augen gefunden hätte, sie waren ihr Alle gleichgllUg.
Wenn er mich engagirt hätte, seufzte fU „dann wurde ich noch hier bleiben, aber nun habe ich keinen Tanz mehr frei, wenn er auch wirklich mir die Ehre noch anthun wollte. Es ist vielleicht das Beste, ich gehe zu Hause, tobtmübe bin ich ohnedies von meinem weilen Spaziergang heute, und den ganzen Abend mit anzusehen, wenn er mit Anderen tanzt, das mag ich


