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drückt in ihrer Pflanzenproduktion eine Summe von Ge­danken aus.

Sie spricht in den Bäumen großartig, elegisch und episch, in ihren Blüthen und Früchten didaktisch, in ihrem tausendfachen Blumenflor lieblich und lyrisch! Aber siehe da, auch das komische Genre ist vertreten!

Er ist der Komiker im Reiche der Pflanzenwelt, der kurz­beinige, großhutige Pilz, wenn er im Frühling, Sommer, besonders aber im Herbste nach einem günstigen Regenguß gnomenhaft in Busch und Hag hervorlugt. Wie ein Kobold erscheint er über Nacht plötzlich und ungeahnt auf einem Fleck der Bildfläche.

Welche reiche Physionomik! Vom koketten hochstieligen Parasol, desien schuppiger Hut ost einen Durchmeffer von einem Fuß erreicht, bis zum drolligen, kleinen Bovist, der wie eine Kanonenkugel ungestielt aus der Erde hervorschießt, und dem ihm verwandten Staubpilz, kenntlich schon von fern an seinem eigenartigen kräftigen Geruch.

Ein humoristisches Lebensbild entwickelt dieser kleine Staubpilz schon vor unseren Augen: in der Jugend ist er wohlschmeckend und angesehen wie flaumiger Bisquit; älter, grau und zäh und ungenießbar wie ein Philister, um zuletzt sein Inneres in dürren Staub zu verwandeln, der, mit den Augen des Menschen in Berührung gebracht, nicht ungefähr­liche Eigenschaften für diese besitzen soll.

Ein wie reiches, wechselvolles Bild entrollt das komische Geschlecht der Pilze vor unseren Blicken! Besehen wir uns das stummwirkende Personal dieses Naturtheaters genauer! Wie sie Gesichter und Gestalt annehmen, die kleinen Kobolde!

Da tritt uns zuerst der dicke, respektable, braunkuttige Kapuziner entgegen, als wolle er sich zu einer Kapuziner­predigt über das lustige Gesindel um ihn her anschicken, nicht weit von ihm steht der aufgeschwollene Fltegenschwamm, der wie ein zorngerötheter Hauswirth aus dem Busche giftig nach einem schlanken Helmpilzchen hinüberblickt, das keck wie ein jüngster Lieutenant im Moos steht!

Dort äugt ein Satanspilz wie ein Mephisto seitwärts, wo sich ein gemächlicher, fleischiger Butter schwamm, dem ich die Rolle der komischen Alten zuertheilen möchte, breit macht; jung ist er butterweich und delicat, wie auch sein Vetter, der Schmerling, alt dagegen, vollgesogen, schwammig und aufgeblasen.

Hier hängt der sentimentale Thränenpilz seinen trüben Gedanken nach und an der Chausiee lauert der spinöse Tintenpilz auf alle Tagesneuigkeiten, um schließlich seine Pilzexistenz in eine tintenartige Flüssigkeit aufzulösen.

Tief im Schatten des Buchenwaldes, zu Füßen der Wach- holderbüsche, verträumt der idealere Reizker, im Volksmunde Schüffelchenschwamm" genannt, von graugrüner Färbung, während sein Säst orangegelb ist, sein Dasein, wenn es nicht im Kochtopf der Bäuerin endet. In seiner schalenartigen Vertiefung birgt der Reizker den Tau des Waldes und sieht aus, als Habs soeben eine kleine Blumenelfe ein Bad in seinem zierlichen Hütchen genommen.

Ja, auch poetische Züge weisen die Komiker des Waldes auf, denn seht, dort! Sieht es nicht aus, als habe die Bach­nixe ihr Spielzeug, das sie aus dem Meeresgrund sich herauf­geholt, achtlos hingestreut? An Gebilde aus der Oceantiefe erinnern sie, der zierliche goldgelbe Hahnenkamm, die rosi­gen, ästigen Korallenschwämmchen dort leuchtet der schöne Erdstern herauf!

Auch die Farben des Blumenbeetes ahmt das Pilz­völkchen nach.

Der erst rosenrothe, dann dunkelroth-sammtene Spei- teufel blickt düster-prächtig drein, der narziffenduftende, schwefelgelbe Ritterpilz und seine violetten rc. Brüder stehen wie buntgekleidete Pagen da; die Familie der Täublinge hat sich vielfarbig herausgeputzt und die der Glasköpfe erscheinen wie Modedämchen nur in den neuesten

Farben: papageigrün, hochroth, wachsgelb rc. Die Dickfüße erscheinen wie Kirchenprälaten in blaßlila und vellchenblau.

Welche Farben! Welche reiche Gestaltung!

Ein ironisches Schild hängt die Natur diesen Pilzgebilden an! Je schöner, je giftiger! Je einfacher, je mehr ist ihnen zu trauen!

Im Allgemeinen stimmt dies; die Natur sucht einen Aus­gleich zu bahnen zwischen schön und nützlich und angenehm. So ist die Nachtigall die schlichteste und bezaubernste Sängerin, die farbenprächtigsten Blumen des Herbstes sind duftlos und der grauröckige einfache Champignon ist der vornehmste unter der Familie der Pilze. Er ist der König, die Anderen sind feine Vasallen. Machen wir ihm unsere Reverenz!

Es ist reizend, mit Goethe zu singen, frisch hinaus:

Durch Wald und Feld zu schweifen, Mein Liedchen wegzupfeifen, So geht's den ganzen Tag!

Und es gibt kaum ein intereffanteres Studium, kaum eine köstlichere Unterhaltung für den Naturfreund, der Wald und Flur durchstreift, und die Erscheinungen, die seinem Auge sich dort bieten, mit Interesse verfolgt, als das Studium der Familie der Pilze giftiger sowohl wie genießbarer Mit­glieder an der Hand eines gut illustrirten Werkes.

Mir erschloß sich diese ich sage Wunderwelt in ihrer verschiedenartigen Physiognomie zuerst in Thüringen, in desien Laub- und Nadelwäldern eine unglaubliche Menge von Pilzen emporsprosien.

Wir sammelten dort dieselben auf unseren * Studien- excursionen in dazu angefertigte weiße Säckchen- Zu Hause wurde die eingeheimste Sammlung nach dem Werke aussortirt und durchstudirt.

Man kann, ohne sich selbst zu gefährden, giftige Pilze nicht stundenlang im geschlossenen Zimmer aufbewahren; sie wirken in größerer Menge schon betäubend und ohnmacht- erregend durch ihren penetranten Duft.

Von den eßbaren Pilzen stehen obenan natürlich der Champignon und die Trüffel, die Familie der Morcheln und Lorcheln, der Steinpilz und Reizker, welche besonders in Thüringen sehr geschätzt sind; ferner der Maischwamm, der einen sehr ähnlichen giftigen Bruder besitzt; sodann die ganze Verwandtschaft des Steinpilz: Ziegenlippe, Schmerling rc. und der vom Volke weniger gekannte Butterpilz, der, wie auch Bovist und Staubpilz, in Italien geschätzt und viel gegessen wird. Auch der kokette Parasol ist eßbar, aber sein Fleisch ist zäh und trocken.

Das Komische seiner Erscheinung ist beim Pilz also auch mit dem Nützlichen verbunden, und es wäre wünschenswerth, daß man seinen edleren Sorten, die in unseren deutschen Wäl­dern häufig find, einige Aufmerksamkeit schenken wollte, um eventuell für einen Theil der Bevölkerung einen ergiebigen Nahrungszweig daraus zu schaffen; mögen auch Trüffeln immerhinKaviar" für das Volk bleiben.

Der Gedanke, den ich hier anzuregen versucht, ließe sich jedenfalls überlegen.

Und wenn man zuerst über den Komiker Pilz lustig mit­gelacht hat, so soll man zuletzt Respect vor ihm haben, denn man weiß ja nicht, was aus der Familie der Pilze in Zukunft noch werden kann!

Vermischtes.

Uebertünchte Höflichkeit. Kannibalenmutter (vor der Abreise ihres Sohnes nach Europa):Im Umgang mit jungen Damen bist Du noch sehr linkisch. Damen mußt Du stets den Vortritt lassen, indem Du sagst:Nach Ihnen, mein Fräulein!" Junge Deutsche (zu dem als Gast bei Tafel anwesenden Fremdling):Was darf ich Ihnen noch reichen? Wonach haben Sie Appetit?" Kannibalenjüngling:Nach Ihnen, mein Fräulein!"

Redaction: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.