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Es war Fioretta.

Lothar ging nicht eher, bis der Ntilitärarzt erklärt, Gil» zingen's Wunde sei nicht gefährlich, er werde nur den Zeige­finger einbüßen.

Beffer ein Finger als der ganze Kerl!" hatte Stephani hinzugesetzt, und man hatte darauf Anstalt gemacht, .den ohn­mächtigen Gilzingen in die Kalesche zu schaffen.

In demselben Augenblicke kam ein hoher Offizier, begleitet von zwei berittenen Dienern dahergesprengt.

Teufel, der General!" brummte Braga.

>Was geht hier vor?" rief die Excellenz und ritt dabei

auch schon an die Truppe heran.Alle Teufel! Ein Duell? Trotz meiner Verbote? Braga, Ihren Degen; auch Gil­zingen ist Arrestgefangener!"

Alles schwieg, Fioretta aber stieß einen Jubelschrei aus:

Ach, die Excellenz von Speccia!"

Fioretta bist Du es?" gab der alte Herr zurück.

Ich bin's!"

Und nun folgte zwischen den Beiden ein Gespräch, das man wegen der Schnelligkeit nicht verfolgen konnte.

Zur Aufklärung des Lesers bemerken wir jedoch, daß Fiorettens Vater ein reicher Kaufmann zu Speccia war, in dessen Haufe der General als Badegast viele Jahre hinter einander wohnte, bis harte Schläge den Mann verarmen ließen und er fort nach Rom zog.

Der General hatte Florette als Mädchen auf den Knieen geschaukelt, jetzt erfuhr er ihr ganzes Unglück, und daß der

* Rittmeister der Vater ihres Knaben sei. Sie setzte hinzu, die Excellenz möge doch Gnade für Recht ergehen lassen.

Das war Gilzingen's Glück!

Als er, gewitzigt durch den Unfall, geheilt das Lazareth verließ, befahl ihn der General vor sich.

Gilzingen", sagte er scharf,Sie haben eines Officiers unwürdig gehandelt! Wollen Sie Ihre Fehler gut machen und die arme Fioretta hetrathen, so will ich mit meinem Freunde, dem Minister der öffentlichen Arbeiten, sprechen; ge­wiß hat er für Sie einen Inspektor» oder Directorposten denn Ihren Abschied werden Sie noch heute nehmen müssen!"

Bei Gilzingen schien auch so etwas wie Reue zum Durch­bruch zu kommen; er willigte in alles und erhielt die Stelle. Lothar ließ ihm 5000 Gulden zur Einrichtung seines Haus­standes, angeblich als Fiorettens Mitgift, heimlich überreichen.

Rach Wochen erst erhielt Alexandrine durch einen Dank- brief Fiorettens Einsicht in die ganze Affaire Gilzingen. Sie schauderte über ihren Verdacht und umarmte mit Thränen ihren Lothar.

O Du herzensguter, lieber Mann," rief sie,wo stecke ich in Deiner Schuld! Sogar Dein Leben setzest Du für meine Ehre ein?"

Hättest Du es nicht auch gethan, Alexandrine?" frug Lothar.

Gott weiß es, mit tausend Freuden!"

Siehst Du, so bist Du nicht in meiner Schuld, denn Du vergiltst mir Liebe mit Liebel"

Auf Villa Hillershausen wohnt ein hohes Glück, und das seltene Paar lebt eine noch seltenere Musterehe.

Jetzt weiß Alexandrine auch, wer ihr damals den ersten Gruß zu ihrem zwanzigsten Geburtstage gesandt hat.

Iwei Aindlings.

Eine Criminal-Erzählung.

------- (Nachdruck verboten.)

Düster brannte der letzte Rest einer Kerze in einem über­aus armselig ausgestatteten Raume eines Häuschens, da» noch zu Anfang der 70er Jahre inmitten der großen und reichen Stadt Paris in der Nähe der Universität zu finden war und das seinem Aeußeren nach kaum für den Aufenthalt von Men> schen bestimmt sein konnte. Die dunkle Mansarde enthielt nur einen Ösen, einen Tisch und eine gebrechliche Bettstelle, aus

deren Rand eine junge Frau saß und ein kaum einjähriges Kind in ihren Armen wiegte. Ein junger Mann, der eben eingetreten war, legte ein großes Bündel vor sie hin, atbmete tief auf und sprach dann mit dumpfer Stimme:Jetzt ist Alles zu Ende, Claire; ich konnte das Kleid bei keinem der Pfand- Verleiher mehr anbringen; überall hieß es, es sei zu schlecht, und nirgends, nirgends Arbeit und Verdienst! Ich habe Alles versucht, es ist keine Hoffnung mehr und das Kind verhungert!" schrie er plötzlich jammernd auf.Er bleibt uns nichts mehr übrig, Claire; Du mußt Deine Arbeit wieder auf­nehmen, die doch wenigstens etwas einbringt und der Kleine muß in's Findelhaus."

Die Frau schauerte zusammen bei dem Worte, das doch unausgesprochen auch auf ihren Lippen schon seit Tagen ge­legen hatte.

Minutenlang starrte sie still vor sich hin, dann stand sie auf, ergriff ein Tuch, schlang er um das Kind und schritt wortlos hinaus. Drinnen horchte lautlos der Gatte auf den sich entfernenden Schritt, dann sank er an den mit Papier ver­klebten Fenstern zu Boden und schluchzte bitterlich.

An dem großen Hospiz am Ufer der Seine, in welchem alljährlich etwa 8000 elternlose Kinder Aufnahme finden, er­tönte noch spät Abends die Klingel. In die verhängntßvolle Nische, die gleich einem Tabernakel nach innen gedreht werden konnte, war ein Kind gelegt worden. Draußen entfernte sich ein leichter Schritt und jetzt öffneten zwei Männer die Nische, um nachzusehen.

Das ist Nummer sechs in dieser Nacht," brummte einer derselben,aber meinetwegen! Kommt, Marcard, tragen wir'» ein; das Weitere ist nicht unsere Sache."

Der Andere trat an ein Pult und notirte nach dem Dictat des Alten:Anscheinend ungefähr ein Jahr alt, ein Knabe, dunkles Haar, schlecht ernährt, Kleidung buntes Jäckchen, wollene Strümpfe und blaues Umschlagetuch, keine Wäsche, kein Namenszeichen; doch dort, ein altes Medaillon, ein Zettelchen darin das ist jedenfalls das Geburtsdatum und darunter steht der Name Etienne; das ist Alles."

Hiernach zog der jüngere der beiden Männer ein kleines Täfelchen an blauem Bande mit der Nummer 5209 hervor, hing es um des Kindes Brust, schrieb den Namen Etienne da­runter und nunmehr nahm eine barmherzige Schwester das Kind in Empfang.

Fortan war dasselbe ein Findling, der bis zum vierzehn­ten Jahre eitern- und heimathlos aufwuchs, um dann in der fremden Welt draußen weiter mit dem Fluche zu kämpfen, der es unschuldig schon in der Wiege getroffen.

In einem jener zahlreichen ärmlichen Bauerndörfer, deren Insassen den Tag über in Paris als Tagelöhner arbeiten und Abends ihren kleinen Acker noch bestellen, während die Weiber als Wäscherinnen für das moderne Babel thätig sind, trat eben gegen sieben Uhr Abends der Arbeiter Louis Legros schwan­kenden Schrittes, offenbar angetrunken, auf seine Hütte zu. Beim Oeffnen der gebrechlichen Thüre bemerkte er sofort, wie seine Ehehälfte drinnen, eine sehr verkommen aussehende Frau mit häßlichem Gesichtsausdruck, auf einen kaum zweijährigen Knaben losprügelte, den sie von einer Ecke in die andere schleu­derte, um, wie sie sagte, der Kanaille das Laufen beizubringen. Trotz seiner Trunkenheit wollte der Mann den Kleinen, der jammervoll schrie, schützen, aber die Frau stieß ihn zurück und rief mit heiserer Stimme:Jawohl, das fehlte noch! Du brauchst da» Geschrei der kleinen Bestie nicht den ganzen Tag anzuhören, wie ich für die lumpigen vierzig Francs aus dem Findelhanse. Leg' Dich nieder und schlaf' Deinen Rausch aus, Du Trunkenbold, der seine arme Frau hungern läßt und sein Geld im Branntwein verthut!"

Weib, schweige!" fuhr der Mann jetzt aber heftig auf und hob den wimmernden Kleinen vom Boden auf.Du und nur Du bist an unserem Elend schuld, weil Dich der Hoch- muthsteufel und der Leichtsinn ritt, bis mein ganzes schönes