aber hatte sie zu ihrer aufrichtigen Freude einen aufrichtigen Bewunderer ihres Herrn und Meisters gefunden und das hatte ihn ihr sofort sympathisch gemacht. Sie wollte ihm er­zählen, was ihr der Maler aus Mailand geschrieben, und nun widmete er sich beständig einer der reiferen jungen Damen. Ihre Ungeduld verwandelte sich allmählich in Zorn. Die prachtvollen Toiletten, Onkel Strehlens Braut erregte förm­lich Sensation, vermochten sie heute nicht zu interessiren. Tausend Kleinigkeiten, die zu anderer Zeit ihre Spottlust herausgefordert hätten und mit denen sie die jüngste Jugend zu electrisiren pflegte, entgingen ihrem dafür geschärften Be­obachtungsvermögen. Sie antwortete auf Elsa von Toffskys hämische Bemerkung, warum sie heute so still sei, kein Wort und litt es geduldig, daß Annette ihr immer von Neuem ihre Courmacher aufzählte. Ein Gefühl trostloser Verlassen« heit kam über sie. Sie wäre am liebsten davon gelaufen, sich in einem stillen Winkel auszuweinen. Sie schaute sich um. Alle, die sie umgaben, waren heiter und vergnügt. Schwager Hans war lebhaft und witzig, manchmal beinahe ausgelassen lustig. Auf Ernas Lippen wohnte ein verbindlich liebens­würdiges Lächeln. Sie kam ihren Pflichten als Wirthin mit der größten Anmuth nach- Die Geldgeschichte mit dem fremden Mann konnte nicht schlimm abgelaufen sein. Onkel Strehlen war lebhaft und beredt. Er erging sich in glänzenden Schil­derungen seines italienischen Aufenthalts und sprach mit dem Feuer eines Jünglings. Seine Lebendigkeit täuschte über sein Alter hinweg. Leonie strahlte in stolzer Schönheit.

(Fortsetzung folgt.)

Gemeinnütziges.

Gegen das Rauchen der Lampe«. Das lästige Rauchen von Petroleumlampen, sowie das damit verbundene Verkohlen der Dochte kann dadurch vermieden werden, daß man letztere vor dem Gebrauche in möglichst starkem Essig ein­weicht und nachdem sie wieder trocken geworden, in die Lampe einzieht. Durch dieses einfache^Verfahren wird das Rauchen und Dunsten beseitigt.

* *

Mittel gegen Nasenbluten. Das von Nasenbluten befallene Individuum athmet bei festgeschloffenem Munde durch die Nase tief ein, schließt sodann mittels der Finger die Nase fest und athmet durch den nunmehr geöffneten Mund aus. Die atmosphärische, durch die Nase eingeathmete Luft bringt bekanntlich das Blut in der Nase zum Gerinnen, die auf 38° R. geheizte Lungenluft würde die Gerinnung wieder beseitigen, wenn sie nicht durch den Mund entfernt würde. Probiren! *

Wenn Gesundheit im Hühnerhof herrschen soll, ist folgendes nöthig. Reine Luft und pünktlichste Rein­lichkeit in den Stallungen, Schutz vor Näffe, gutes Trink- waffer und richtige Abwechslung von Weichfutter und Körnern, sowie von Zeit zu Zeit Umgraben des Auslaufs und Beschotterung desselben mit frischem Sand und Kies; letzteres unumgänglich nothwendig bei beschränkten^ Räumlichkeiten!

Bei Einrichtung eines Taubeubodeus sind alle außen an den Gebäuden angebrachten einzelnen Nistkästchen, ebenso die freistehenden Taubenhäuser zu verwerfen. Auch einen gewöhnlichen Haus-, Scheunen- oder Stallboden kann man nicht empfehlen. Als der zweckmäßigste Raum für einen Tauben­schlag kann in erster Linie nur der auf dem südlichen Giebel befindliche Teil eines über einem alleinstehenden Stallgebäude gelegenen, zur Aufbewahrung von Rauhfutter dienenden Boden­raums bezeichnet werden. Vom Innern des Stallgebäudes wird ohne Schwierigkeiten ein besonderer Zugang durch eine kleine Thüre und Treppe herzustellen sein. Einen Tauben-

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schlag für mehr als 50 Tauben einzurichten, ist nicht anzü- rathen, da hierdurch die Aufsicht, Abwartung und Pflege sehr erschwert wird.

Vermischtes.

Woher der Name Backfisch kommt- Unsere niedlichen aufkeimenden Mädchen werden nicht selten mit dem Worte Backfisch bezeichnet. Diese Bezeichnung stammt aus den ostdeutschen Küstenländern. Die dortigen Fischer versenden die Fische nach den Hauptstädten, die kleinen geringen Thiere verwenden sie sür sich zum eigenen Bedarf, die Äittelsorten jedoch schonen sie, indem sie dieselben in den Booten in einem besonderen mit Wasser gefüllten Raum, dieBack" genannt, geben, um ste später in das Meer zu werfen, wo sie aus Backfischen" zu großen schönen Fischen werden sollen- Also dieBackfische" find zu schonen, damit sie später ihre Aufgabe um fo besser erfüllen. Und so paßt denn diese Bezeichnung für die künftigen Jungfräuleins.

In der Reitstunde.Sie haben mir etwas vorge­redet, Herr Stallmeister. Sie haben mir gesagt, nach 24 Stunden würde ich reiten können!"Ja lieber Herr, es ist aber doch nicht meine Schuld, wenn Sie während dieser 24 Stunden öfter auf der Erde als auf dem Pferd gesessen haben!" * *

Zur Wahl.Weshalb denn so ärgerlich, Herr Pump» heim?"Denken Sie sich das schauderhafte Pech, hab' ich an der Wahlurne meinen Remontoiruhr- Versatzzettel abge­geben."

Nach dem Commers. Professor der Geographie: Hm! ich weiß ganz genau, wo alle Flüsse und Städte der Erde liegen, aber wo ich selbst gelegen habe, das ist mir völlig unklar." * *

Erkannt. Frau:Hör mal das Gedicht, Schatz, das ich diesen Morgen gemacht habe!" Mann:Ach, hast du denn fchon wieder nichts gekocht, daß du mir auf diese Weise den Appetit vertreiben willst?" *

Verdient. Banquier: *Denk' Dir an, den rothen Adlerorden hab' ich bekommen! Endlich finden doch meine Verdienste mal Anerkennung!" - Frau:Ach, wieviel hast Du denn den Herren gesagt, daß Du verdient hast?"

Gewohnheit.Rechtsanwalt 3E. verheirathet sich dem­nächst, hat es aber bei seiner Braut durchgesetzt, daß sie die Schwiegermutter nicht ins Haus nehmen."Je nun, da hat er eben gethan, was er so oft als Vertheidiger thut, er hat um mildernde Umstände gebeten."

Literarisches

Jugend-Gartenlaube. (Verlag der Kinder-Gartenlaube in Nürnberg. Vierteljährlich 1 Mk.) Heft 10 Bd. III (1893) enthält: Das GedichtFrühlingslied" von Käte Dorn; die anziehende Erzählung Nadine" von Fr. Holle, mit gutem farbigem Bild; das liebliche Ge­dichtMaitanz" von Heinr. Zeise;Am Strande der Ostsee" von F. v. Minra, mit Ansicht aus Swinemünde;Wiegenlied" von G. Lang;Der alte Nettelbeck", patriotisches Drama von Hans von der Mark; dieSage von Wilhelm Tell" mit zwei Abbildungen:Tells Sprung aus dem Boot" undDie hohle Gasse". Dann zahlreiche kleine Mittheilungen aus der Geschichte, Raturgeschichte, Scherz, Räthsel und Aufgaben. Briefkasten. Wir müssen gestehen, daß die Redaction der Jugend-Garten­laube es sehr ernst nimmt mit ihrer Aufgabe, daß sie Gutes, und nur Gutes liefert.

Nedaction: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.