- 112

Gemeinnütziges.

Neue oder seltene Blumensamen für 1893. Dianthus cariophylus flore plenoGuilland", Guilland-Nel» ken. Diese neue Sorte blüht wie die Margarethen-Nelke bei richtiger Frühjahrsaussaat schon im Herbst, indeß etwa einen Monat später als die Margarethen-Nelke, in überreichem Maße. Die Blumen, welche nicht platzen, sind sehr groß und gut geformt und dauern lange an; man findet auch alle Töne von hell ms dunkelgelb darin, welche bei den Margarethen-Nelken ganzlrch fehlen. Deßhalb werden sich die Guilland-Nelken einen hervor­ragenden Platz in den Culturen erobern. Dianthus cario­phylus semperflorens fl. pl.Mad. Guilland". Neue Nemon- tant-Nelke- Straffer, reichverzweigter Wuchs, große, gutge- süllte Blumen von leuchtendem Gelb mit einigen fernen rothen Strichen machen diese Nelken, welche treu aus Samen sällt, sehr begehrenswerth.

*

Junge Gemüseeultur. Jeder sehnt sich nach Ab- bruch des Winters nach den ersten frischen Gemüsen, doch den Wenigsten ist es vergönnt, sich den Genuß derselben durch Früh- beetpflanzungen früher als durch Kauf auf dem Markt herzu­stellen. Die in unserem Klima meist lang anhaltende Kälte und späten Fröste im Frühjahr machen eher das Ausflanzen junger Gemüsepflanzen in das Gartenland, als das frühe Säen derselben möglich. Schon Anfangs März werden daher unge- fähr 14 cm hohe Töpfe mit lockerer Erde gefüllt, an ein Fenster mit Sonnenseite gestellt. In jeden Topf legt man 56 Samenerbsen; am besten eignen sich hiersür die Buchs- baumerbsen, oder auch die Wunder von Amerika. Bei feuchtem Erdboden keimen sie bald, und bringt man die einige cm langen Triebe alsdann in kalte Frühbeetkasten, die in einem geschütz­ten sonnigen Platze stehen müssen. Während der Nacht sind die Kasten mit Fenstern, in kalten Nächten selbst mit Stroh- matten zu schließen. Am Tage sind die jungen Pflanzen durch Oeffnen der Fenster mehr und mehr an die Luft zu gewöhnen, und nach einiger Zeit an einen geschützten Ort m's Freie zu pflanzen. Bei günstiger Witterung geben sie alsdann eine jedenfalls zeitige Ernte. Aehnlich verfährt man mit Bohnen, die Ende April in Töpfe zu säen, Anfangs Mai ungefähr zu verpflanzen sind, und Ende Juni oder Anfangs Juli eine frühe Ernte geben können. Am günstigsten für dies Verfahren eignen sich: die Wachslangschotige Bohne, die gelbe englische Trieb- Lohne und die sogenannte Puffbohne. Ebenso mag man die Fruchtsorte der Kartoffel, wie die Sechswochen-Nierenkartoffel, in einem warmen Ort, vielleicht einem Stall, neben einander- gelegt, zum frühen Treiben zu bringen. Sind die Keime einige cm lang geworden, so bringt man sie in ein wohloorbereitetes Feld in geschützter Lage, und hat man sie von Mitte oder Ende April an getrieben, so vermag man Ende Mai oder An­fang Juni schon die ersten Kartoffel zu erzielen.

»

Azaleen zum Blühen zu bringen. Diese Zier- pflanze verlangt als Untergrund gute Heide-Erde. Die Um­pflanzung geschieht Ende März oder im April. Der Standort im Freien muß geschützt und vor dem Blühen etwas sonnig sein. Zieht man Azaleen im Zimmer, so muß die Wärme darin mindestens 7 bis 8«, höchstens 10 bis 12° R. betragen, auch muß die Pflanze regelmäßig und reichlich begoffen werden.

*

*

Nachtlicht. Ein Licht, welches die ganze Nacht brennen soll, z. B. im Krankenzimmer, das, ohne einen Hellen Schein zu verbreiten, mit wenig Kosten verknüpft ist, stellt man dadurch her, daß man fein pulverisirtes Salz auf die brennende Kerze streut, bis dasselbe den geschwärzten Theil des Dochtes erreicht. Auf diese Art erhält man ein mildes, ruhiges Licht, welches nur einen kleinen Theil der Kerze auszehrt.

Vermischtes.

In keinem Lande der Welt wird es mittellosen Damen der befferen Stände so leicht gemacht, Geld zu verdienen, als in England, und stets aus's Neue finden sich Berufsarten für Frauen, deren Nadelgeld zu knapp bemeffen ist. Daß ich manche Engländerinnen, die eine gewiffe sociale Stellung ;ei kargen Geldmitteln einnehmen, gegen genau fixirte Taxen dazu hergeben, junge Leute in die vornehme Gesellschaft einzu^ ühren, ist allbekannt; andere wieder füllen ihre Portemonnaies, ndem sie jungverheirathete Frauen bei allen Fournisseuren vorstellen, welche sür erstere von Interesse sein können. Am merkwürdigsten ist aber ein neuer Berusszweig für Damen, der in London seit Kurzem prosperirt und nun auch, wie der N. Fr. Pr." geschrieben wird, in Paris Nachahmung findet. Dieser Beruf erfordert keine anderen Behelfe, als ein elegantes Exterieur, gleichgestimmte Toilette und als einziges Wiffen die Kenntniß des ABC. Man muß nur lesen können, nicht mehr und nicht weniger! Ersüllt man diese Vorbedingungen, dann ist man für den neuen Beruf, durch Suggestion Zeitungs- Abonnentinnen zu werben, ganz gut geeignet. Mühevoll ist die Sache gar nicht. Man hat einfach mehrere Stunden des Tages hindurch im Omnibus zu fahren, oder eine Fensterecke in der Eisenbahn einzunehmen, oder in einem besuchten Park eine Bank zu okkupiren, oder in Wartefälen, Restaurations- localitäten rc. den Operationsplatz aufzuschlagen natürlich immer, scheinbar mit Wonne, in die Lüctüre jenes Journals vertieft, für das man Propaganda macht. Man hat natürlich dabei darauf zu achten, daß der Titel der Zeitung für die Nachbarn deutlich sichtbar sei. Damit aber ist die Mission er» schöpft, das Uebrige kommt von selbst. Die Damen zur Rechten wie zur Linken verabsäumen es selten, einen neugierigen Blick aus das Blatt zu werfen, das eine elegante Leserin so sehr in Anspruch nimmt, und wenn sie derselben Zeitung in kurzen Zwischenräumen achtundeinhalbdutzendmal begegnet sind, ist ihr Interesse für das unbekannte Blatt längst erregt, und der Abonnemententschluß, hervorgerufen durch Suggestion, gereift. Diese neue Industrie wird im Frühjahre, in welchem milde Tage die Propaganda in den öffentlichen Gärten sowie im Bois de Boulogne erleichtern, eine bedeutende Ausdehnung nehmen, ja, mehrere Blätter, die keine Reclamekosten scheuen, wollen sogarLeserinnen" in die eleganten Seebäder schicken! Auf die Leser politischer Blätter hat man bis jetzt noch keine der- artigen Sugzestionsattentate gemacht, vielleicht weil die Herren der Schöpfung im Allgemeinen weniger dankbare Medien sind.

Ein fideles Gefängniß. Ein unter dem Verdachte des Diebstahls verhafteter Landstreicher wird in der Sitzung freigesprochen und ihm vom Richter eröffnet, daß er sofort entlaßen werde.O bitt' schön, Herr Gerichtshof," sagt der Vagabund,dürst' ich nicht noch einen Tag im Arrest bleiben! In unserer Zelle sitzt auch ein Schneider, der hat mir schon vier Touren vom Frantzaise g'lernt, und ich möcht' halt jetzt die fünfte auch noch lernen/' *

Aus dem medicinischen Examen. Profeffor: Was würden Sie thun, wenn Sie beim Seciren des Körpers eines Menschen noch Leben verspürten?" Studiosus:Natür­lich würde ich mich vor Allem bei dem Betreffenden höflichst entschuldigen l" » #

Ein Pessimist.Donnerwetter! Ans der Welt geht doch alles natürlich zu, mein Ueberzieher geht natürlich nicht zu!

Auch eine Trauer. Mann:Du, Frau, ich geh' jetzt zum Begräbniß vom Kausmann Müller gib mir um. drei Mark!"Drei Mark? . . . Aber hör' 'mal, so stark brauchst Du um diesen oberflächlichen Bekannten doch nicht M trauern!"

Redaction: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.