Und die ganze Rückfahrt liegt noch vor Dir," ergänzte ich.

Ach was! Spottet nur!" brummte Asmus.Du bist überhaupt ein ganz anderer Kerl geworden, Wuz! Ich würde wenigstens Dir die Freundschaft kündigen, wenn wenn nicht

Er brach ob und schwieg. Ich glaube, er dachte an die

Rückzahlung der zweihundert Mark.

Am späten Abend feierten wir gewissermaßen unsere Ver­lobung. Mit zahlreichen anderen Menschen lagerten wir am Promenadenstrand zu Füßen der alten, von Syringen und Gold­regen umblühten Veste Akerhus. Noch um Mitternacht war es belebt, dabei sommermilde und tageshell. Vor uns plätscher­ten sanft die Fjordwellen. Lichter blitzten aus dem Hafen und von den traumverlorenen Inseln. Ferne Musik schallte zu uns herüber. Es war nicht wie eine Nacht im hohen Norden, sondern wie ein stiller Abend in Malaga oder Palermo.

Hand in Hand saßen Minnie und ich dicht nebeneinander. Daß die Welt so schön sein könne, hatten wir bisher Beide

nicht geglaubt

Die Rückfahrt von Christiania durch die Schären, die Be­sichtigung des stattlichen Gothenburgs, das Wiedersehen mit dem dicken, rothen Capitän und den skatspielenden Studenten, dies Alles ging ziemlich spurlos an uns vorüber. Ja, sogar die erneute kleine Attacke der Seekrankheit auf der Rückfahrt nach Kiel schädigte nur Asmus. Letzteres besonders insofern, als sie seinen Plänen auf eine junge dänische Millionärin, die sich in Gothenburg mit eingeschifft hatte, empfindlich in den Weg trat. Der neue weiße Filz, den er sich extra gekauft, um Eindruck auf sie zu machen, verfehlte seine Bestimmung.

Und doch hatte Asmus einen reellen Vortheil von dieser Reise. Vernünftiger machte sie ihn nicht, die Tuttlinger Mineralwafferfabrik ward auch nicht begründet, allein durch Vermittelung meines Schwiegervaters erhielt er einen netten kleinen Posten bei einer Kölner Firma, für welche er heute fidel künstlichen Guano fabrizirt.

Mein Schwiegervater hat stch vollständig mit der Wahl seiner Tochter ausgesöhnt. Er ist schon ein paar Mal mit mir imrothen Löwen" gewesen, wo er den Stammgästen Schauergeschichten über unsere norwegische Reise auftischte, in denen Bären, Walfische, Eisberge und das Nordcap eine her­vorragende Rolle spielten. Asmus könnte es nicht schöner ge­macht haben.

Und Minnie?

Ich erwähnte im Anfang meiner Bekenntnisse, daß Je­mand, der hinter mir gestanden, mich am Ohr gezupft und laut gelacht habe, als ich die Frage stellte, warum Asmus und ich uns durch Schicksalsfügung in Kiel rasiren ließen und Asmus so eine dumme Zeitungsannonce lesen mußte?

Wenn ich nun mittheile, daß dieser Jemand unvergleich­liche Spätzle bäckt und Frau Doctor Döderlein heißt, so wird jenesWarum?" wohl für leidlich scharfsichtige Leute seine Erledigung gefunden haben.

Mir bleibt nur noch übrig, Eins hinzuzusügen.

Nach Niederschrift diesesPfingstausfluges" (welche un- gesähr ein Jahr nach den geschilderten Geschehnissen vollzogen wurde) warf ich befriedigt die Feder hin und mich selbst in die Arme der erwähnten Frau Doctor Döderlein.

Ingo," flüsterte sie,wie gut ist es doch, zuweilen im Leben leichtsinnig zu sein!"

Gefährliche Theorie, mein Kind! In das Kapitel Leicht­sinn gehört es nämlich ebenfalls, wenn sich Leute nach kaum dreitägiger Bekanntschaft blindlings verloben."

Dies ist aber doch schon manchmal einigermaßen gut gegangen, mein Herr und Gebieter."

Meinst Du? Ja, dann muß dem leuchtenden Prototyp des Leichtsinns, unserem Asmus, allerdings die Belohnung zu Theil werden, die er mir seiner Zeit so großmüthig in Aus­sicht stellte."

Welche Belohnung?"

Nun, er wird in nicht allzu ferner Zeit hier eintreffen

und dem Herrn Pfarrer in Frack und weißen Glacss ein ein­ziges, schreiendes Bündelchen präsentiren dürfen, welches"

Ein Kuß schloß mir energisch den Mund. Und da ein Kuß für alle Herzensgeschichten unbedingt den erfreulichsten Schluß bildet, so endige er hiermit auch die meinige.

Was sollen wir trinken?

Müssen wir denn überhaupt trinken? Ja, das ist un­umgänglich nothwendig. Unser Körper besteht zu drei Vierteln aus Wasser. Hiervon verlieren wir durch die Haut und die Nieren im Durchschnitt täglich zwei Liter, und die müssen wieder eingebracht werden. Der Durst meidet sich deswegen gebie­terischer als der Hunger und läßt stch viel weniger lange er­tragen. Einige Hungerkünstler, die unsere Zeit hervorgebracht hat, sind bis zu vierzig Tagen ohne feste Nahrung ausge­kommen, unter der Bedingung, daß sie nach Belieben Wasser tranken; dagegen erfolgt nach vier- bis fünftägiger Entziehung aller Flüssigkeiten in der Regel unter großen Qualen der Tod.

Nun ist aber erstens zu bedenken, daß in aller festen Nahrung: int Brod, im Fleisch, im Gemüse, noch mehr im Obst, Wasser enthalten ist, und daß die meisten Speisen mit Wasser ober wasserhaltigen Flüssigkeiten bereitet werden. Man muß also nicht das Exempel so ansetzen, daß man sagt: Ver­liere ich zwei Liter, so muß ich auch zwei Liter trinken. Das richtige Maaß müßte eigentlich der Durst geben. Er thnt es auch, wenn man ganz naturgemäß lebt und ihn nur mit dem natürlichsten Getränk, mit Wasser stillt. Wenn Menschen im Trinken unmäßig sind, so wendet man wohl allerlei kräftige Vergleiche aus dem Thierreich auf sie an. Aber damit thnt man den Thieren großes Unrecht: sie übernehmen sich nicht im Trunk. Der Mensch hingegen, wenigstens in allen Cultur« ländern, trinkt häufig nicht um den Durst zu stillen, sondern weil's ihm gut schmeckt, ober weil er von dem Getränk ange­nehme Wirkungen verspürt. Ja, er richtet wohl gar seine Nahrung danach ein, um sich einen künstlichen Durst zu züchten, damit er desto mehr trinken kann. Das erreicht er durch scharf gesalzene und stark gewürzte Nahrung. Das betreffende Getränk mag nun Wein, Bier, Branntwein, Kaffee, Thee oder wie immer heißen; mit jeglicher Art von Zusätzen besteht es doch zumeist aus Wasser, und die Folge alles übermäßigen Trinkens ist also, daß dem Körper zuviel Wasser zugeführt

wird.

Und die Folge davon? Nun, die fällt schon äußerlich in die Augen bei den vielen Biertrinkern, die, um mit ihrem Liebesgetränk recht viel Alkohol zu genießen, solche Mengen davon zu stch nehmen, daß ste zuletzt wie wandelnde Bierfässer aussehen. Alle Gewebe des Körpers werden aufgeschwemmt, mit mehr Wasser durchzogen, als sie enthalten dürfen. Das Blut, dieser hochwichtige Bestandtheil des Körpers, an den die ganze Ernährung und die Fortschaffung aller verbrauchten Stoffe gebunden ist, wird ungebührlich verdünnt; das Herz und die Adern .'müssen sich übermäßig anstrengen, um es im beständigen Kreislauf durch den Körper zu erhalten. Trinker neigen deshalb zu Schlagflüssen; das heißt, es springen ihnen leicht Adern, besonders im Gehirn. In Bayern, wo mehr Bier getrunken wird, als sonstwo in der Welt, giebt es die meisten Herzleidenden Es steht bei den Aerzten längst fest, daß diejenigen Menschen, die durch Trinken ohne Blaß ihr Blut verschlechtern, und ihren Körper aufgeschwemmt haben, allen ernsten Eikrankungen ober Verletzungen viel leichter er« liegen, als nüchterne Menschen.

Wasser haben wir vorhin das natürlrchste Getränk ge­nannt. Als solches hat es einige große Vorzüge. Es löscht den Durst besser, als jede andere Flüssigkeit. Es verleitet nie zur Unmäßigkeit. Es ist bis jetzt noch überall umsonst zu haben. Und doch hat man gerade in den letzten Jahren an­erkannt, daß Wasser ein sehr gefährliches Getränk werden kann Der Wanderer, der den silberhellen Bergquell aus der