1888.

Nr. 114.

da die

derartig-« Glück mir zu Theil, die Einzige, welche mir dasselbe hätte verwirklichen können, meinte Tante Ulrike, mußte meinem Vater gegenüber sich ohn- i mächtig bekennen "

;Oder vielmehr Ihrer Tante Irmgard, sollt' ich \ denken", schaltete Egon achselzuckend ein.

Hinsichtlich meine« Beruf« wohl weniger", fuhr $ Ulrich bitter lächelnd fort,obgleich diese gute Tante recht viel auf dem Kerbholz hat. Nein, sie war durch« ! au« nicht abgeneigt, mich in der Uniform zu erblicken, ! im Gegentheil! Der Osficierstand erschien ihr l stet« al« die eigentliche Domaine de« Adels. E« mag meinem Vater, ter natürlich die materielle Seite » in Betracht zog, viele Ueberredung gekostet haben, . sie für seine Idee zu gewinnen, genug, ich hielt mich ! von jener Zeit an für einen verlorenen Menschen, da mein ganze« Sehnen und Denken soldatisch war." \Weshalb versuchten Sie nicht anderswo Dienste ; zu nehmen?" fragte Egon theilnehmend.

Ja, lieber Doktor, das ist ein eigenes Kapitel", ! versetzte Ulrich seufzend,Ihr braver Onkel rieth i wir nach der verlotterten Studienzeit selber dazu und trieb eine zeitlang militärische Studien mit mir. - Dann kam eine Katastrophe mit dem Vater, welche I mich in die Welt hinausschleuderte; erlaflen Sie mir j da« Weitere, ich habe viel erduldet» doch niemals einen Defect meiner Ehre zu beklagen gehabt, war sogar eine zeitlang brasilianischer Soldat, auch Hin« f terwälder, Ackerkrecht, gemeiner Matrose, Alle«, nur j kein ehrloser Verbrecher, zu welchem die eigene Hei- , i matb mich erst stempeln will."

1 l Ulrich« Stimme brach btt den letzten Worten, ' und ausstöhnend schlug er die Hände vor'« Gesicht. - Eine Weile blieb er still wie im Grabe, worauf

sten Monaten mein Reisebegleiter auf einer neuen Expedition sein wollen, soll e« mir angenehm sein."

O, von Heizen £.ern, mein theurer FreundI" rief Ulrich gerührt und erfreut.Wie soll ich Ihnen, der mir bislang ganz fremd gewesen, es jemals vergelten, was Sie an mir thun. Ich bin i

älter und müßte mich schämen,"

Unsinn, Ulrich! Des Menschen Schicksal gestaltet sich rur zu häufig nach seinen natürlichen Anlagen und den äußeren Verhältnisien, in welchen er ausgewachsen ist. Mir wurde da« Glück zu Theil, eine harmonische Umgebung und einen sehr ruhigen, der Beständig! it zugeneigten Charakter zu besitzen, der mich da« eine begehrenswrrthe Lebensziel be­stimmt in'« Auge fasten und unbeirrt verfolgen ließ. Wohlverstanden unter drr sorgsamsten Pflege, den günstigsten Verhältnissen, die am Ende auch die un« scheinbarste Blüthe zur lieblichen Entfaltung zu

Donnerstag dm 27. September.

Im Kaufe Immendorf.

Original-Roman von Emilie Heinrichs.

(Fortsetzung.)

Nun haben wir noch den fürwitzigen Dctectiv in Betracht zu ziehen. Dieser schlaue Patron nahm mein Ehrenwort in Empfang, mich morgen früh dem Staatsanwalt vorzustellen, was Onkel Tellkamp na­türlich auslösen muß. Er wird ohne Zweifel, sobald er von meiner schnellen Abreise hört, Lunte riechen und sich genau nach der Stunde derselben erkundigen. Es wäre natürlich wünschenswerth, wenn jener Referendar sich nicht genau darauf besinnen könnte. Doch gleichviel, man wird diese Dinge hoffentlich nicht als Ehrenpunkt auffaffen, sondern dem über­eifrigen Beamten, dem schlauen Detectiv einen Rüffel geben, was ihn in Zukunft vorsichtiger und höflicher machen kann. Und nun hören Sie unfern Plan, den Sie selbstverständlich corrigtrrn, annehmen oder verwerfen können. Während ich noch einige Tage entweder hier oder anderswo incognito mich aufhal­ten werde, kehren Sie morgen früh direct nach der Heimath zurück und fahren vom Bahnhof unter Ihrem Rarg und Namen zuerst zu meinem Onkel, um von diesem alsdann in Ihr Vaterhaus geleitet zu werden. Unser gestriger Besuch dafilbst galt, merken Sie wohl, Ihrer Heimkehr, auf welche ich, der Sie draußen in der Welt getroffen, die Familie vorbereitrn wollte. Wenn Sie alsdann in den näch«

bringen vermögen." s , - - -

Sie mögen darin recht haben", nickte Ulrich, i möchte wissen, ob der Bursche noch lebt?

düster vor sich hinblickend,denn niemals wurde ein :Es ist anzunehmm", versetzte Egon,

Egon ihm die Hand auf die Schulter legte und mit > festen männlichen Worten ihm Trost und Zuversicht, i Muth und Selbstvertrauen einzuflößen suchte.

Wie die Sache augenblicklich liegt", fuhr Egon fort,so kommt es im Grunde hauptsächlich darauf an, ob selbst jener Mensch, um dessentwillen Sie in diese Patsche gerathen sind, keine Ahnung Ihres wirklichen Namens und Ihrer Abstammung Hal?"

Er kannte mich nur unter dem Namen Adam ; Sturm, weil ein unbestimmtes Gefühl, nennen Sie ! es meinetwegen Hochmuth, mir verbot, den alten, "i ruhmreichen Namen meiner Vorväter zu verun- , glimpfen. Er nannte sich John Walter, doch hatte ? ich Ursache, ihn ebenfalls für einen mißrathenen i Sprößling einer vornehmen Familie zu halten. Ich

Hießener Iamilienblätter

Belletristisches Beiblattzum Gießener Anzeiger.