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auf der anderen Seite eben so wenig mit dem stillen Geschäfte der feineren Reproductionsorgane, wodurch im naturgemäßen Schlafe der Verlust an feinerer Lebenskraft ersetzt wird. Menn die tägliche Erfah­rung lehrt es, daß auf eine starke oder zu spät ein- genommene Abendmahlzeit unfehlbar eine unruhige Nacht ein nicht erquickender, von beängstigenden Träumen unterbrochener, Schlaf folgt, aus welchem man nur halbfähig zu den Geschäften des Tages erwacht. Demnach stnd auch die Abendstunden für den Genuß einer reichlichen Mahlzeit ungeeignet.

Aus Allem geht unwiderfprechlich soviel hervor, daß man, um naturgemäß zu verfahren, als den passendsten Moment zur vollständigen Befriedigung oes Hungers denjenigen Zeitpunkt wählen müsse, wo zwischen Anstrengung der physischen und psychischen Kräfte und eigentlichem Schlummer ihrer Thätigkeit ein Mittelverhältniß eintritt nämlich die Mittags­zeit. Wie diese die Höhe de- Tages bezeichnet, den Moment, wo die Sonne in ihrer scheinbaren Fortbe­wegung am Horizonte den höchsten Standpunkt erreicht hat, so sehen wir auch in der lebendigen Thätigkeit der organischen Welt eine, diesem Zeitab­schnitte entsprechende Periode eintreten. Denn der Einfluß des Tagesgestirnes, welcher die Thier- und Pflanzenwelt zu regen Lebensäußerungen anreizt, wirkt um die Mittagszeit, wo er seins höchste Kraft entwickelt, wie jeder zu starke Netz, erschlaffend auf die organischen Gebilde ein, uno so sehen wir gleich- sam einen Ruhepunkt in der allgemeinen LebenSthäiig- kett entstehen, der sich in der Pflanzenwelt durch Welken der Blätter, in der Thierwelt durch körper­liche und geistige Trägheit und Bewegungsscheu am- spricht. Darum ist es gerade der Mittag bhfcr Moment allgemeiner Abspannung, wo auch der Mensch in seiner Geschäftigkeit gern eine Pause macht welcher sich für das Einnehmm einer Mahlzeit bi» zur vollen Sättigung vorzüglich eignet.

(Fortschung folgt)

Wermischtes.

gerichtet werden sollte, fertig zu sein, beschloß er, Abends zu arbeiten.

Er zündete sich daher seine Laterne an und gmg nach der Vorhalle der Kirche, wo sein Atelier war, nahm sein Licht heraus und arbeitete fleißig; als er ziemlich fertig war, schlug es elf vom Thurme, kaum war der letzte Schlag verklungen, so hörte er dicht an seinem Ohr das Wortbis, er fuhr zu­sammen, schaute sich um, sah aber nichts, ruhig arbeitete er weiter, jedoch bald hörte er denselben Ton noch einmal, er schrack wieder zusammen, Furcht und Schrecken ergriff ihn, aber er mußte fertig werden und es schlug halb zwölf. Er ergriff noch einmal den Meißel, denn er hatte nur noch die Buchstaben zu verbessern und bog deshalb den Kopf dicht auf den Stein, aber lauter und unherm- licher ließ sich das ominöse Zischen vernehmen. Er warf daher den Meißel hin, ergriff feine Laterne, steckte das Licht hinein und eilte unter dem Glocken­schlage zwölf seiner Wohnung zu.

Er ging zu Bett, konnte aber nicht emschlafen und unwillkürlich drängte sich ihm der Gedanke auf, daß dieser Ruf an heiliger Stätte, und zwar drei- | mal, eine Aufforderung sei, sich zu dem letzten I Gange zu bereiten. Er war bereit, vor den höheren I Richter zu treten, denn sein Wandel war -ein reiner, aber gleichwohl war die Erde doch zu schön, um sie l schon zu verlassen, und die Aufforderung war von s keiner Engelsstimme gekommen, es klang eher wie - das Zischen einer Schlange. Von solchen Gedanken \ bewegt, verging ihm die Nacht schlaflos und je mehr sich der Morgen näherte, desto ängstlicher ward er.

Seine Frau, die noch keine Nacht gesehen hatte, t welche ihrem Mann schlaflos vergangen war, ward i sehr ängstlich und bereitete ganz betrübt ihr Früh­stück, als sie auf einmal ausrief:Du lieber Gott!"

Auf's neue erschreckt sprang der Todtengräber aus dem Bette und beide betrachteten die Perücke desselben, von welcher alle Haare abgesengt waren.

Jetzt war unser Held wieder ein fröhlicher und glücklicher Mann, denn das Zischen war erklärt. Er war in feinem Arbeitseifer dem Lichte zu nahe gekommen und hatte seine Perücke verbrannt.

Eine Gespenstergeschichte. Zu Wakefield in Yorkshire lebte ein alter Mann, der einen munteren Geist, ein gutes Herz und eine dauerhafte Gesundheit hatte. Er war Sacristan und der würdige Pfarrer sein Vorbild, zugleich war er aber auch Bildhauer und Todtengräber, d. h. er begrub seine Tobten, schmückte deren Gräber und schneb die Grabschriften auf Platten und Kreuze. Aus oben angegebenen Gründen war er weder furchtsam noch abergläubisch und auf dem Kirchhofe zu jeder Stunde M Hause. .

Spät im Herbst hatte er auch eine Grabplatte zu fertigen, war aber oft von seiner Arbeit abge- rufen worden; um nun zu dem Tage, wo sie auf-

Als scharfsinnige Beobachter der Natur haben die Chinesen die Entdeckung gemacht, daß man sich des Katzenauges sehr wohl zur Be- stimmung der Zeit bedienen könne. Der Augapfel der Katze zieht sich nämlich gegen Mittag mehr und mehr zusammen und verengt sich, wenn die Sonne ihren höchsten Stand erreicht hat, so sehr, daß es nur noch wie ein dünner Strich aussieht, der senk­recht über das Auge läuft; nach Mittag erweitert es sich allmählich wieder. In chinesischen Dörfern kann man oft die Wahrnehmung machen, daß die Bauern die Augen der Katzen betrachten und danach die Zeit bestimmen. Sollte das wirklich wahr sein? _____

Redaktion: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schm Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.