Me Hasse des Urinzregenten.

Eine wahre, humoristische Episode, erzählt von Robert von Hagen.

(Schluß.)

Dank der Bereitwilligkeit mehrerer biederer Gleiwitzer Einwohner, sowie eines liebenswürdigen Porzellanwaarenhändlers, welch' letzterer speciell für die höheren Herrschaften bestimmte prachtvolle, schwer- vergoldete Tasten herlieh, wurde indeß bis zehn Uhr Abends so ziemlich alles Nöthige zusammengetrommelt. Die ganze Nacht über wurde nun rüstig in Küche und Keller hantirt, im Wartesaal erster, zweiter und auch dritter Klaffe die Tafeln geo.dnet und ge­deckt, und gleich einem Feldherrn vor der Schlacht musterte, änderte und verbefferte dec Wirth dieser und jenes. So war es Morgen geworden und plötzlich kam die Meldung, daß der königliche Zug von der letzten Station abgegangen fei und in zehn Minuten in Gleiwitz einträfe. Schnell eilt der Wirth nach der Küche besteht die großen Kaffeebretter mit den vergoldeten Taffen, prüfte den Kaffee und ermahnt feine Leute, alles fix und gut zu machen. Kinder", ruft er,die hohe Ehre, unfern aller­gnädigsten Herrscher bewirthen zu können, kommt uns im Leben wohl schwerlich ein zweites Mal vor, also, Jeder auf seinen Posten I"

Endlich brauste der Zug heran, von ebenso brausenden Hochs empfangen. Der Prinz-Regent nach allen Seiten hin grüßend, verließ den Salon- wagen, und geleitet vom Commandrur Prinz Hohen- lohe, einem Adjutanten und dem in funkelnagelneuer Paradeuniform fungtrenden Bahnhofsinspektor, be­trat er den Wartesaal erster Klaffe, woselbst er von unserm braven Herrn Korbjuhn in eines Taglioni würdigen Posttion empfangen wurde. Sodann erst entstiegen die anderen Herrschaften den Waggons, und nun gab's ein gar buntes Bild. Hier eilte der Kammerdiener des damaligen Prinz-Regenten Engel (auch heute noch der gute Engel unseres Kaiser«) seinem hohen Herrn warme« Wasser aus der Küche holend, da umdrängten eine Anzahl Leib- läger den in Schweiß gebadeten Wirth mit der Frage, wo die Waschgeräthschaftm für ihre Herr- schäften seien, und brummten etwas von Krähwinkel, als ihnen die Plätzchen, die irgend nur frei waren, auf dem Flur, den Treppen rc. angewiesen wurden. Die respectiven Toiletten waren höchst primitiver Natur; irgend ein (manchmal auch defekter) Rohrstuhl, eine Waschschüffel daraus, ein Stückchen Seife, ein Handtuch dabei das war Alles. Die Herren Prinzen und Würdenträger Preußens, sie mußten eben sehen, wie sie fertig wurden. Spiegel das waren Luxusartikel die gingen von Hand zu Hand. Ein älterer Herr des Gefolges, welcher wohl bemerken mochte, daß keine genügende Anzahl bedienender Geister vorhanden sei, commandirte sechs Leibjäger zur Auchülfe nach der Küche. Mittler- weile waren die Herrschaften mit ihrer Toilette

fertig, und als auch der Prinz-Regent erschien, wurde das Zeichen zum Setzen an der Tafel ge­geben. Der Wirth eilt zur Treppe, welche zur Kaffeeküche führt und kommandirt:

Kaffee anrichten zuerst dann den Theel" Da schalt ihm von unten herauf etwas entgegen, was ihn fast umstnken macht:Aber bitt' ich schön", so antwortete das polnische Dienstmädchen,die Herren Prinzen trinken Kaffee ihrige« gleich hier in Küchel (Küche)."

Flugs eilt der halb verzweifelte Korbjuhn hinab und siehe da! rechts und links, in allen Ecken und in den Nebenräumen der Küche überall sieht er betreßte Leibjäger mit ihren Fsderhüten dis trinken aus güldenen Taffen den duftenden, für die hohen Herrschaften bestimmten Mokka. Den armm Mann droht der Schlag zu treffen nm so mehr, als man oben bereits ungeduldig des Kaffee'« harrt. Der alte Herr von vorhin kommt persönlich nach der Küche geeilt, sich zu erkundigen die Geschichte von den Prinzen, die in der Küche ihren Kaffee verzehren, geht von Mund zu Mund, ein Theil murrt, der größere lacht und viele von den hohen Herren, unter ihnen der hochfelige Prinz Carl, b « geben sich nach der Küche, um sich diese Kapital­köchin näher zu betrachten.

Na ich kann wohl meinen Kaffee auch hier einnehmend" sagte Prinz Carl gutgelaunt zu der derben Polackm.

Nein", erwidert diese, vor Aerger über ihren Mißgriff und über die Schelte, welche sie seitens ihres Herrn bekommen hatte, weinendnein, sb:$ hier kriegt Niemand mehr Kaffee fall ich nicht mehr drauf rein und wenn Sie haben noch ein­mal so viel goldene Bürte auf Rock, Leibjäger kriegte nix mehr!"

Lachend gingen die hohen Herren wieder nach oben. Nun kam aber im höchsten Grade ärgerlich der Kammerdiener Sr. königlichen Hoheit Engel in die Küche herabgeetlt und mir den Worten: So etwas kann aber auch nur in so einer polnischen Gegend vorkommen", bemächtigte er sich der Kaffeemühle, mahlte eine entsprechende Portion, brühte den Kaffee, nahm eine schlichte, einfache, weiße Taffe, schüttete ste voll und avistrend:Platz da, Kaffee für Seine Königliche Hoheit" brach er sich in dem Gewirre Bahn. Auch die Hrrren des Gefolges bekamen dann bald ihren Kaffer und dank der Tüchtigkeit der Köchin aus dergolsenen Gans", welche für pünktliche Fertigstellung der diversen Braten und Ausschnitte Sorge getragen hatte, und welcher die Herrn Leibjäger weniger imponirt hatten als ihrer polnischen Collegin, nahm das Dejeuner nunmehr seinen ungestörten Verlauf, und unser Freund Korbjuhn athmete endlich wieder erleichtert und frei auf. Ja, al« dann nach aufgehobenem Frühstück sich die hohen Herrschaften reisefertig machten, und Se. Excellenz der Herr Hrusminister sogar zu ihm herantrat und ihm bedeutete, daß Se. Königliche Hoheit mit dem Gebotenen und Genossenen