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eine Seite eines Vierecks, das einen geräumigen Hs? umschloß, zu dem man nur durch dis Durchfahrt int Vorderhause gelangen konnte. Das Hinterhaus und die beiden Seitenflügel hatten, gleichwie das Vorder« haus ein hohes Mimsardendach und waren wie dieses zweistöckig. Das Ganze war früher ein Stift gewesen, deffcn Oberin das an der Straße gelegene Gebäude inne gehabt. Jetzt gehörte es einem Rentier und da im Hinterhause und in den beiden Seitenflügeln nur je zwei und zwei Zimmer an eine Person vermielhet wurden, zu keinem derselben aber eine Küche gehörte, da außerdem die Mtethrn nicht hoch, so waren von den dreißig Wohnungen die größte Anzahl stets vermielhet, und zwar die Hälfte, die nothdürftig möblirt war, an los« und lediges Volk, wie Studenten, Äonfervatoristen, Angehörige der Oper und des Ballets ec-, die andere Hälfte an Personen der verschiedensten Art.
(Fortsetzung folgt.)
Are Hasse des IrinzregenLen.
Eine wahre, humoristische Episode, erzählt von Robert von Hagen.
Am 28. Oktober 1860, Abends gegen 6 Uhr, da herrschte reges Leben auf dem Bahnhofe von Gleiwitz. Eine gewisse Hast und Aufregung verrteth sich auf Jedermanns Antlitz. Auch der Stab des in Gleiwitz garnisonirmden Ulanenregimentr unter Führung seines damaligen Kommandeurs Prinz Hohenlohe hatte sich eingefunden. Die Regiments- mufik nahm am Perron Aufstellung.
„Es ist mir nichts bekannt," Eure Durchlaucht", sagte der Bahnhofsinspektor zu dem Prinzen, welcher ihn in ein Gespräch gezogen hatte. „Meine Instruktion geht einzig dahin: „Bahnhof frei halten. Königlicher Zug um sechs ein halb Uhr durch nach Myslowitz."^ Der Zug dürfte demgemäß wohl hier
„Verlassen Sie sich darauf." — erwiderte der Prinz lächelnd — „der Zug wird halten."
Mittlerweile klippte drinnen im Bureau der Apparat lustig, und eine langathmigr Depesche erblickte in Gleiwitz das Licht der Welt. Die Depesche war an den Haurminister von Schleinitz gerichtet und für den dtenstthuenden Bahnbeamten der Vermerk beigefügt, derselbe möge dieselbe während des Passirens des Zuges in den königlichen Salonwagen, wo sich Se. Excellenz besinden werde, hineinwerfen. Eine Aufgabe, die sich allerdings eher befehlen als ausführen läßt. Dem Inspektor wurde angst und bange zu Muthe; — er sann hin und her, wie er sich seines Auftrages entledigen sollte, ohne unter die Räder des dahinbraufenden Zuges zu kommen und klagte dem Prinzen feine Roth.
„Beruhigen Sie sich, mon eher", sag-e dieser „der Zug wird unbedingt halten. Im Uebrigen Herr Inspektor, ein wenig mehr Takrik mehr Taktik entwickeln. Depesche nehmen; in größtes Brief- couvert, das aufzutreiben ist, hineinstecken; — wenn Zug in Sicht — Brief hoch in die Luft halten — damit Locomotivführer bemerkt — dann geht Alles famos!"
Die Idee war gut und wurde auch von dem Beamtrn aurgeführt. Der Zug kam in Sicht, der Inspektor, eine lange, hagere Gestalt, streckte sich noch um einige Zoll höher, erhob den rechten Arm mit dem riesrnhaften Brief und--der Lokomotiv
führer, irgend eine Gefahr befürchtend, pfiff zum Bremsen; langsam, immer langsamer fuhr der Zug in den Bahnhof ein und hielt endlich st.ill. Am Fenster des königlichen Salonwagens aber erschien, von der Menge mit enthusiastischen Hochs und von der Musik mit der preußischen Hymne begrüßt, die sympathische Heldengestalt der Prinzregenten, unseres heutigen Kaisers.
„Wo find wir?" fragte der hohe Herr, und schon stand vor ihm der Kommandeur und antwortete, ehrerbietigst salutirend:
„In Gleiwitz, Kömgliche Hoheit."
„Ah, Du bist es, Hohenlohe, ich freue mich, Dich zu sehen", sagte der Prntzregent, reichte dem Oberst die Hand und befand sich gleich darauf mit dem ihm engbefreundeten Prinzen im intimsten Gespräch.
„Schade — schade", sagte schließlich der Regent „daß die Zeit so gemessen ist, indeß übermorgen auf der Rückreise, will ich hier einen längeren Halt machen. Aber ganz sans fagon, so möchte ich es haben, hörst Du, Hohenlohe?"
„Königliche Hoheit, ich bin hochbeglückt--“
„Nun, dann leb' wohl bis dahin. Adieu, grüß Dein Regiment von mir."
Herr von Schleinitz hatte durch den Inspektor längst die für ihn bestimmte Depesche erhalten, das Zeichen zur Abfahrt wurde gegeben und ein Viertel- stündchen später war der Prrron wieder vereinsamt und leer. Nur bei Inspektor .ging im Vollbewußt- sein dessen, daß er seine Aufgabe glänzend gelöst hatte, in nicht geringer freudiger Aufregung hastig hin und her, warf sich in die Brust und lispelte für sich: „Bravo, mein Junge, das hast Du gut gemacht. Zu übermorgen muß die neue Paradeuniform fertig sein, und wenn der Schneider die beiden Nächte durch arbeiten müßte. Hm, Hml übermorgen längerer Aufenthalt; — wer kann wissen, von welcher Tragweite das sein kann." Und schmunzelnd griff der Herr Inspektor ganz unwillkürlich nach der linken Brustseite, die noch gewaltig viel Raum für Dekorationen aufwies.
„Es wäre ja nur wegen meiner Frau —" murmelte er des Weiteren vor sich hin, quasi die lichs Eitelkeit so? sich selbst entschuldigend, — „in-


