Hichmer Isamiüenblälter.
Belletristisches Beiblatt futn Gießener Anzeiger.
Nr. 149.
Dienstag, dm 18. Dezember
1888.
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„Ich habe Recht I" rief Körber zuversichtlich.
„Nur auf Em» kommt es jetzt an — auf Ruhe — Ruhe!' Er strich mit der Hand über dis Stirn. „Ja, Ruhe und Klarheit hier, damit ich nicht selbst wieder verderbe, was ich endlich gewonnen Habel Aber ich will vorsichtig fein. Schritt für Schritt will ich weiter gehen — es lohnt ja der Mühe. Und Ama, noch Einsl An dem Tage, wo Hein- rich frei in das Försterhaus zmückkehtt, an dem
zweifelnd blickte Anna ihren Verlobten an. Führte dessen Phantaste ihn nicht zu weit? Es wurde ihr schwer, nach so vielen kummervollen Tagen der Hoffnung mit einem Male wieder vollen Ein- tritt in ihre Brust zu g-währen.
Körber bemerkte, was in ihr vorging.
„Du glaubst mir nicht", fuhr er fort. „Du ölaubß, bßB ein Traum mich hinreißt — nein, . 06 ..ich blicke klar! O, es drängt sich mir mit emem Male so viel auf, — ich vermag es kaum zu f°ss-nl Run — nun komme ich zu meinem ZieleI" i m ^ber den Mann nicht erkrank der das
z Portemonnaie hierher geworfen hat", warf Anna -in. s »Ich werde ihn findenI" rief Körbr, „verlaß ! Dich auf mich. Ich habe seine Gchült, feinen Gang gesehen und ich werde ihn finden, müßte ich auch jeden Menschen hrer in der Stadt etuzeln aufsuchen und vergleichen! Nun ober schweig, Anna!' Nie- mand darf eine Ahnung davon hob n! Ich allein will mir das Verdienst erwerb n, Demen Bruder zu befreien und den Schmer; von Deinem Herzen zu nehmen — ich Habs es Dir ja gelobt, als Du mir Seine Hand schenktest! Ich will dem Crtminal- r-chter gsgenübertteten und sagen: Lassen Sie den Förster in Freiheit — der ist der Mö der Bergers! Ich will mich an feinem ungläubigen Erstaunen wüden. Er hat ja über mich gelächelt, so oft ich einen Zweifel an Heinrichs Schuld ausgesprochen, — er hat ja gesagt, daß die Liebe meine Augen bihsb gemacht habe — ich will ihm beweisen, daß sie durch die Liebe — durch die Liebe zu Dir geschärft sind! Ja, Anna, — Deine Lreb- ist die Retterin Deines Bruders! Hättest Du mir nicht Dein Herz geschenkt, — ich würde nimmermehr in »ergangener Nacht hierhergekommen sein — ein neuer Beweis gegen Deinen Bruder wäre gesunden, und er wäre rettungslos verloren gewesen."
Noch nie hatte Anna den Geliebten in so freudiger Erregung und Begeisterung gesehen. — Liebc- voll drückte sie ihm die Hand.
„Möge Gott geben, daß Du Recht hast!" sprach sie.
Dunkel!
Erzählung von Friedrich Friedrich.
(Fortsetzung.)
„Ich begreife es!" tief Körber und sein Auge leuchtet« freudig. „Heber die Mauer ist es geworfen, vorige Nacht. Sich' — es hat hier noch nicht lange gelegen — das Leder ist kaum feucht. O! Anna ™ ~ nun habe ich wieder Muth und Hoffnung! Endlich eine Spur, und ich will sie schon weiter verfolgen — verlaß Dich auf mich! Meine Ahnung . S? betrogen I Ein Bubenstück -
ein schändliches Bubenstück! - Anna - Anna, nun befreie ich Deinen Bruder — er ist unschuldig!"
Erstaunt blickte Anna ihn an. Sie verstand ibn nicht.
„Du verstehst mich nicht", fuhr er freudig erregt fort. „Sieh — hier, dies Portemonnaie soll Deinem Bruder den Kerker öffnen, ihm Freiheit und Leden retten! Du begreifst mich nicht. Höre zu, aber schwelge, Anna — versprich — daß Du jetzt noch schweigen willst, keinem Menschen darfst Du em Wort davon sagen - selbst Deiner Mutttr nicht — es gilt Deines Bruders Freiheit — gilb mir die Hard daraus."
Schweigend reichte ihm Anna ihre Rechte entgegen. Er erfaßte er sie und hielt sie in seiner Hand fest. „Sieh", sprach er leiser, „dies Portemonnaie ist hierher geworfen, um den Verdacht gegen Hrinr ch zu verstärken. Es sollte hier gefunden werden, es war ja wahrscheinlich, daß es bekannt wurde. Das - Portemonnaie des Ermordeten in dem Garten, das l der Mutter desjenigen gehörte, auf welchem bis jetzt der ganze Verdacht ruht, der des Mordes angcklagt ist! Ahnst — begreifst Du nun den Zusammenhang? O — dies Bubenstück! Auch Dich — auch Deine Mutter hätte es in die Untersuchung hinein- 8 rissen, wenn mich mein Glücksstern nicht vergangene Nacht hätte von hier fortgehen heißen! Haha! — Anna — blickst Du nun klar? Heinrich ist unschuldig — o, ich habe in der letzten Zeit, als meine Bemühungen vergebens blieben, oft an seiner Unschuld gezweifelt — aber jetzt weiß ich sie. Die Beweise, die gegen ihn sprechen, die ihn in den Kerker geführt haben, die Brieftasche in seiner Woh- nung — da» Notizblatt in seinem Gatten — eine Bubenhand hat sie dort hingeworfen, um den Verdacht auf ihn zu werfen — vielleicht nur, um ihn zu verderben — vielleicht, um den Verdacht von sich abzuwenden!"


