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Mgeyängt? Dis KulturWoriker mögen darüber entscheiden.

Ich wallte von Meinem Igel Casimir erzählen und bin unversehens in die Sagengeschichte gerathen. Kehren wir zum Haupistoff zurück. Ich fand ihn eines Abends am Meer, wo er, ein undeutlicher grauer Klumpen, sich langsam »um Wasier hinschob. Was er da wollte, ob er ein Bad zu nehmen beab­sichtigte oder ob er wie Victor Hugo'» grausam ge­kränkter Räuberhauptmann ein Gelübde gethan hatte, seinen Durst mit bitUrin Wässer zu löschen, blieb unklar; es war Abends 11 Uhr und so dunkel, daß ich beim besten Willen sein Treiben nicht näher be­obachten konnte. Also nahm ich ihn mit und habe ihn drei Monats lang in einem kleinen Gelaß neben meinem Schlafzimmer beherbergt.

Er erwies sich als eine gemüthliche Seele, rumorte Anfangs ziemlich viel bei Nacht, gewöhnte sich das aber mehr und mehr ab, als ihm sein Futter, Milch, Mäuse, Käfer, Fleisch, kleine Reste jeder Art, bei Tage beigebracht wurde.

In den ersten drei Wochen rollte er sich sosort ein, wenn ich oder ein anderer Mensch in seine Nähe kam; nachher war er weniger schm und ließ sich sogar ausgestreckt auf der Hand tragen, ohne die Stacheln nach außen zu kehren. Labei war er aber immer auf dem Sprung, sich einzmollen, und oft genug lief über seine Schnauze ein höchst komisches Mienenspiel, welches dadurch zu Stande kam, daß seine Hautmuskeln sich abwechselnd in Bewegung und wieder in Ruhe setzten. Sein Sieb* lingsfutter waren dicke schwarze Käfer, mit unfern Rhirroceroskäfern verwandt, die sich in Südeuropa häufig finden. Mit denen gewann ich feine Hoch­achtung und trat allmählich in ein vertrauteres Ver- hältniß zu ihm.

Bei Tage wurde sein Gelaß geöffnet und er machte mir Besuche, verschwand aber meistens bald wieder, wenn keine materiellen Genüsse zu holen waren. Ein paar Mal entwischte er auch und trieb sich im Hause hemm; das endigte dann gewöhnlich damit, daß Jemand ihn fand, wo er ihn nicht zu finden wünschte; Casimir besaß nämlich in Anbe­tracht seiner plumpen Gestalt ganz merkwürdig ent­wickelte Fähigkeit, zu klettern, und er benutzte die­selbe mit Vorliebe um sich an den Plätzen einzu- stellen, wo man ihn am wenigsten brauchen konnte, z. B. im Innern eines Kanonenstiesels, im Cylmser- Hut eines Zimmernachbarn und schließlich auch a f dem Sessel, in den die wohlgenährte Signora, meine Hauswirthin, sich grade setzte; bei der letzten Ge­legenheit wäre er beinahe noch nachträglich gepfählt worden.

Ich hatte aber anderer mit ihm vor; ich wollte wissen, wie sich ein honneter Igel anstellt, wenn er mit einer giftigen Schlange zu kämpfen hat. Be­kanntlich gilt das Thier für gifrf ft. und nach Ver­suchen von Lenz und andern ist in bei That nicht zu

; bezweifeln, daß er eine ungewöhnliche Widerstands : kraft gegen mineralische, besonders ätzende Gifts be- | sitzt. Üeber sein Verhalten gegen Schlangenbisse - liegen weniger zuverlässige Mltßeilungen vor. Ich | fand nun vor Kurzem in der französischen Zeit- i schriftNature" eine Angabe, die mit meiner eigenen Wahrnehmung durchaus übereinstimmt, sodaß mir l wahrscheinlich ist, das geschilderte Verhalten sei g unter den Igeln allgemein.

Eines Abends gelang es mir, eine Kreuzotter | von gut zwölf Zoll Länge zu erwischen. Es war I heißer Sommer und das Reptil vermuthlich stark < genug, einen Menschen zu iödten. Die Schlange | wurde mit Büffelhandschuhen beim Halse gefaßt und \ in einer Schachtel nach Hause gebracht; Casimir f machte als Vorbereitung eins hungrige Nacht durch, \ und am andern Morgen wurde die Schlange in | seiner Gegenwart losgelassen. Er schnüffelte lüstern s hinter ihr drein, und wie sie sich mit heftigen

l Windungen, aber doch langsam, auf dem glatten

| Fußboden des Zimmers fortbcwegie, schoß er piötz- s lich mit ein paar schnellen Schritten auf sie zu.

I Sein Laufen erinnerte mich an das Huschen einer i

s Kröte. Bei ihr angrlangt, biß er sie ganz behaglich l in den Schwanz. Mtt wüthendem Fauchen fuhr die | Otter herum, richtete sich auf, so weit sie konnte, E und schlug mit ihren Giftzähner» nach ihm. Er i aber hatte sich den Schwanz seiner Feindin zwischen i | den Zähnen behaltend, schnell zusammengerollt, und die Schlange traf beim Zuschlägen mitten in das ; Stachslgewirr des Igel». Natürlich fuhr sie mit blutendem Maul zurück. Freund Casimir aber ließ nicht los, sondern biß ruhig weiter. Die Otter | wurde wild und immer wilder, wußte aber in ihrer steigenden Wuth nichts anderes zu thun, als immer wieder auf den Stachelknänel lorzuschlagen, selbst­verständlich nur zu ihrem eigenen Schaden. Etwa zehn Mmul-m dauerte der Kampf, der von feiten der Schlange mit Zischen und Wüthen, von feiten des Igels mit gemüthrruhigem Srillhalten geführt wurde; dann war die Otter so Übel zugrrichtrt, daß sie nicht mchr schlagen konnte und ihre Anstrengungen aufgab; ihr ganzer Kopf war von Blut und Wunden unkenntlich geworden. Hierauf wickelte der Igel sich langsam auseinander, ging an das Vorderende seiner Feindin heran, beschnüffelte es, fand es richtig vorbereitet und biß mit einem Griff den Hals der Schlange durch. Dann verspeiste er die hintere, größere Hälfte, ließ aber die vordere liegen.

Er scheint sonach, daß der Igel beim Kampf mit giftigsten Reptilien die Giftfestigkeit seiner inner« Organismus überhaupt nicht in Anspruch nimmt, sondern sich einfach auf sein angebornes Universal- verthsidigungsmittel, den Stachelpanzer, verläßt; dar muß ihm auch offenbar am nächsten liegen, grade so nahe, wie unfereinem Büffelhandschuhs und derbe i Stiesel, wenn er auf den Schlangenfang geht.

(Köln Ztg.)

Redaction: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gieße».