56
haste Witz« ein zu wenig interessantes Objekt jab. geben, aber einer jungen Wittwe, weil man ihr , einige Rechte mehr eingeräumt hat, wie einem jungen Mädchen, späht man dafür auch auf Schritt und Tritt nach, und wehe ihr, wenn fie etwa« unter- i nimmt, was nur im Geringsten verschiedener Deutung unterliegt, dir böse Welt wählt sicher nicht die beffere. Ich darf aber mich und meinen Ruf solchen Möglichkeiten nicht aussetzen, und um so weniger, da Sie, Herr Geheimroth, und nicht minder Ihre Tochter dadurch in Mitleidenschaft gezogen werden."
„Sie können v-rstchert sein, gnädige Frau, daß kein vernünftiger Mensch auf den reinen Spiegel , Ihres Rufes auch nur den Schatten eines Makel« ■ werfen wird I :
„Und wenn es nur ein Einziger thäte, so wäre dieser Einzige schon zu viel!"»
„Meine arme Frieda! Jetzt weiß ich, daß Sie uns verlassen werden!"
„Muß ich nicht? Die Verleumdung ist stets ein ■ unfehlbares Mittel, der man machtlos gegenübersteht, und Pflicht ist es gegen sich selbst, ihr aus dem - Wege zu gehen, denn mein Verhältniß kann, ich j sage kann, wie es bereits geschehen, der Medisance i einen Anhalt geben, und Wahnsinn wäre es mit i dieser furchtbaren Macht einen Kampf einzugehen, aus dem Niemand unverletzt hervorgeht!" '
(Fortsetzung folgt.)
Maudereien vom Hage.
Der unberechtigte Nachdruck dieser Plaudereien — auch im einzelnen — ist streng verboten.
Was ist Bildung? Sie lachen, werthe Leserin? Aber die Frage ist wirklich gar nicht so dumm, wie fie aus sieht; birgt doch wohl kaum irgend eine der brennendsten Zeitfragen soviel Fragezeichen, als gerade diese: was ist Bildung? namentlich, wenn man hinzusetzt bei den Frauen! Der eine be» lehrt uns mit fast mathematischer Beweisführung darüber, daß sie eigentlich von Gott und Rechtswegen dazu berufen feien, in niederen oder höheren Töchterschulen gebildet zu werden und im Grunde ein Te Deum erheben sollten dafür, daß jene altgermanischen und nachfolgenden Zeilen grauer Dämmerung für sie vorüber, in denen sie erst zur allerdunkelsten Nacht der Unwiffenheit bestimmt waren, um später dann höchstens au« Winkel- und Volks- Schulen ihre Weisheit zu schöpfen. Der Andere dispurirt mit großem Eifer, ob sie Gymnasialbildung zu erhalten würdig seien oder nicht, und konstatirt schließlich mit großer Majorität und unter fast einstimmigen Beifall, (denn mit Schrecken und Grauen sehen die Abstimmenden — natürlich nur au«
Männern bestehend -* ,schon im Geiste noch ein Bischen mehr versalzene Suppen und nicht ang> nähte Knöpfe al« ohnehin schon auf der Tages» ordnung!) Da« Letztere! — Wieder eine andere Stimme — die« Mal eine weibliche und zwar einer modernen Jakobinerin — plaidirt für unbedingter „Freiheit und Gleichheit", ohne Unterschied de« Geschlechtes, und mit besonderer Berückfichtigüng de« erschwerenden Umstandes, daß die Frauen so viele Jahrhunderte hindurch bereit« ihrer eigentlichen Rechte rechtswidrig beraubt seien; vermuthlich erhält in diesem Falle der Untergangs der Männerherrschast, den Pythia II. orakelt, der Mann den ehrenvollen Ruheposten eines Herkules am Spinnrocken, und die angenehme und nützliche Beschäftigung, in Küche und Keller, Haus und Kinderstube zum Rechten sehen zu dürfen!---„Bildung macht
frei!" ruft der Eine, — „nur nicht zu gebildet!" der Andere; — der Eine versteht unter Bildung Ver-, der Zweite Ueber-, der Dritte Miß-, der Vierte Un-, der Fünfte Ei:.- und der Sechste gar Zerr- Bildung. — Ja, da« Bildungsbestreben unserer Tage, der Wunsch, für gebildet zu gelten, hat sich bi» in alle Rangschichten der Gesellschaft erstreckt, gleich einer Epidemie, welche sogar Einlaß gefunden in die geheiligten Hall.n der Küchenregionen. — „Nur immer gebildet!" — Und in der That, man lernt jetzt viel, sehr viel, zuweilen fast zu viel, um „gebildet" sein zu können. Jener Schulmann aber war unstreitig ein weiser Mann, der da sagte, daß die Erzieh»- g der Frau vor allem im elterlichen Hause richtig geleitet werden müsse! — Die Schule kann viel, doch sie kann nicht Alles; — Die Schule — ob nun Volks-, Bürger-, höhere oder höchste Töchter- oder Mädchenschule kann wohl gute Samer- köiner pflanzen, — auch in das Innenleben der Schülerinnen. — die Schule allein indessen kann nicht Moral, Sitte, Religion, sie allein kann nicht jene „Bildung des Herzens" »beibringen, die so unerläßlich nothwendtg gerade auf dem Lebenrpfad der Frauen ist. — Was hilft wohl aller äußerer Firniß, wenn die echte, innere Bildung fehlt, ohne die sie nur ein tönendes Erz und eine klingende Schelle bleibt, wenn fie vernachläsfigt oder ihr gar nicht zu Theil wurde? Diese wahre innere Bildung aber vermag nur der häusliche Heerd ihr zu verleihen, wo jeder Einzelne nach seiner besonderen Individualität herangebildet werden kann. Das einfache Wissen und Können ist viel höher al» „Vielwisserei und vielerlei Können", denn „Gelehrsamkeit ist ein großer Schlüsselbund, der aber noch lange nicht alle Schlösser ausschlteßt", — die „Herzen».Bildung" allein, welche dahin strebt zu: „denken wa» wahr, fühlen war schön, und wollen, was gut ist", — fie verleiht der Frau da» reichste Wissen, das ein Mann auf Erden nur besttzen kann, und zwar ein«, bei dem sie keine Conkurrenz zu fürchten hat, denn da» besitzt und beherrscht sie als ein Gebiet, dessen ausschließliche» Eigenthumsrecht ihr erb- und eigenthümlich ist.
»Aaction: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'scheu Druckerei (Jr. Ehr. Pietsch) in Eichen.


