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ersteres zu, vor welchem eine Gruppe von Wallnußbäumen stand und unter letzteren saß auf einer Bank eine junge Dame, wie es schien, ganz verlieft in die Lectüre eines Buches. James hätte sich gern um die Lady herum gedrückt, aber es ging wirklich nicht, jetzt sah sie auch auf und er stieg nun ab, nahm den Mustang am Zügel und ging auf die Dame zu. Dieselbe, eine herrlich gewachsene Brünette, vielleicht 18—20 Jahre zählend, mit prachtvollen großen Augen und einem klassisch geformten Gesicht, betrachtete den sich langsam Nähernden prüfend und erwiderte besten linkischen G^uß mit einer stolzen Neigung des Kopfes. Als dann James das Gespräch mit den Worten eröffnete:
„Bitt um Verzeihung, Miß — bin ich hier wohl recht auf Mr. Thornton's Settlement?" — gab die Lady mit wohlklingender Stimme zur Antwort:
„Gewiß, Sir — wenn Sie vielleicht meinen Onkel zu sprechen wünschen, so wollen Sie sich hinüber nach dem Wohnhause bemühen, er ist soeben von der Suche nach-ein paar verlaufenen Kühen zurückgekehrt und nimmt gerade sein hierdurch verspätetes Mittagsmahl ein. Es würde meinen Onkel jedenfalls sehr freuen, wenn Sie ihm hierbei Gesellschaft leisten wollten; für Ihr Pferd wird dort Sip sorgen."
Das junge Mädchen deutete bei den letzteren Worten auf einen herbeischlendernden Negerburschen, dem James, nachdem er der Nichte Thornton's eine etwas ungelenke Verbeugung gemacht, den Mustang übergab und während er selber dem Hause zuschritt, murmelte er vor sich hin:
„Teufel, die ist noch viel hübscher, als Susy Briar. . . hm, James, alter Junge, wie wär's mit einem neuen Anlauf? Ja, wenn ich hier nun aber auch nachgehinkt komme?"
Unter dem Eindrücke dieses letzteren, für ihn keineswegs sehr tröstlichen Gedankens, betrat der junge Mann das Haus und gleich darauf die sehr saubere und nett gehaltene Wohnstube, in der Mr. Thornton, eine kurze gedrungene Gestalt, allein an einem einfachen hölzernen Tische saß und einer auf demselben aufgetragenen sehr reichlichen Mahlzeit, aus Hirschbraten, fettem, gekochten Schweinefleisch, süßen Kartoffeln, gekochtem Welschkohl und Mais- brod bestehend, alle Ehre widerfahren ließ. Als James mit kurzem Gruß die Büchse in eine Ecke gestellt und seinen Namen genannt hatte, schlug der Farmer mit einem kräftigen „Hallo" auf den Tisch und dann dem Besuch die Hand entgegenstreckend, rief er aus:
Was, Ihr feid James Thompson, der Aelteste meine#, alten Kameraden Thompson? Na, das ist höllisch gescheidt von Euch, daß Ihr Euch einmal hier bei uns umschaut, könnt mit mir gleich morgen zu ’ner groben Büffeljagd reiten, das paßt sich ja herrlich. Aber vor allen Dingen müßt Ihr mitesten, ehe Ihr erzählt, was für ein Wind Euch von den Casch-Sümpfen hierherweht."
James mußte sich mit an den Tisch setzen, eine ältliche Negerin brachte noch einen Teller nebst Messer und Gabel für den unerwarteten Gast und dieser hieb auch gar wacker ein, denn er hatte während des langen Nittes von Briar's bis zu Thornton's Farm nur einmal etwas kalten Braten zu sich genommen, der sich noch in seiner Jagdtasche vorfand. Nachdem die Mahlzeit vorüber war, brachte der alte Thornton eine steinerne Kruke zum Vorschein, aus welcher er sich und seinem Gaste einen vortrefflichen Whiskey einschenkte, worauf der Farmer anhub:
„So, James, jetzt schießt 'mal los, was Euch so weit herauf zu uns treibt — hat Euch vielleicht der Alte hergefchickk, um nach gutem Boden Umschau zu halten? Da könnt ich Euch gut rathen, wir haben ganz herrliches Land hier in der Gegend."
„Hm", entgegnete Thompson ziemlich verlegen, „Land suche ich gerade noch nicht, aber . . . aber .... 'was anders . . ."
„'was anders, Mann?" lachte der Farmer, „so geht doch nicht wie der Bär um 'nen wilden Bienenstock herum, sondern sprecht Euch aus 1"
James that einen tüchtigen Zug aus dem vor ihm stehenden Blechbecher mit Whiskey und sagte:
„Na, also, Mr. Thornton, ich sehe schon s'ist am Besten, wenn ich offen mit der Sprache herausrücke, d'rum vernehmen Sie: Mein Alter schickt mich auf die Heirath aus und sollte ich erst bei Briar's Umschau halten, von wegen der beiden Mädels, und . . und da . .
„Und da haben Andere Euch dieselben weggeschnappt, nicht wahr?" fiel Thoxnton aus vollem Halse lachend ein, „ja, ja, s'ist ärgerlich, wenn man bei so etwas zu spät kommt. Na, tröstet Euch nur, 's gießt im gesegneten Arkansas noch mehr hübsche Mädels und ein so strammer Bursche, wie Ihr, findet allemal noch sein Schätzchen — meint Ihr nicht selber, James."
Dieser rückte indeffen unruhig auf feinem Sitz hin und her und Thornton, welcher merkte, daß seinen Gast noch irgend etwas drückte, ermunterte ihn gutmüthig, fein Herz nur auszuschütten und so gestand denn endlich James, welche Absicht ihn hierher geführte habe. Er verhehlte nicht, welch' tiefen Eindruck die Nichte Thornton's auf ihn gemacht habe, ließ aber zugleich deutlich durchblicken, daß er zuvor gern, wiffen möchte, ob er hier nicht vielleicht auch zu spät käme. Der alte Thornton hatte seinem Besuch zugehört, ohne denselben zu unterbrechen, als dieser aber nun schwieg und seinen Gastfreund verlegen anblickte, versetzte Thornton, indem er dem jungen Thompson wohlwollend auf die Schulter klopfte:
„Ihr seid offen gegen mich gewesen und so will ich auch keine langen Umschweife machen.
(Fortsetzung folgt).
Redaction: A. Scheyda. — Druck mW Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr? Pietsch) in Gießen.


