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der Richter sich damit begnügen. Nicht für mich fürchte ich, sondern für Sie, zumal Sie noch königlicher Beamter sind. Der Gefangene glaubt dadurch, daß er auf Sie die Aufmerksamkeit des Richters lenkt, sich selbst aus der Klemme ziehen zu können und darin unterstützt ihn der Förster Hellmuth, der Ihrer Tochter wegen Sie haßt."
In den Augen des Oberförsters blitzte es zornig auf; immer dichter wurden die Rauchwolken, die er vor sich hinblies.
(Fortsetzung folgt.)
Das Huessenfinden.
Schon der alte Aristoteles erklärte bekanntlich das Wasier als eines der vier Hauptelemente. Thales, der Milesier, hielt es sogar als das Urelement, aus welchem alle übrigen Körper entstünden und der berühmte Dichter Pindar pries es höher als alles Andere. In der That, man kann das Wasier die Mutter alles organischen Lebens nennen, wohl keine Substanz tritt in so vielerlei Berührung nut dem menschlichen Leben, als das Wasier und schon die Geschichte erzählt uns, daß die meisten alten Volker in ihren heiligen Quellen den großen Geist verehrten, der ihnen dieses köstliche Labsal schenkte.
Auch diese Sage beschäftigt sich vielfach mL dieser Lebenskraft und weiß schon aus den ältesten Reiten allerhand wunderbare Begebenheiten, in drnen Wasier eine Hauptrolle spielt, zu berichten. Wer erinnerte sich nicht der biblischen Erzählung von dem Stabe Mosi», mit welchem der Prophet dem starren Felsgestein Wasierstrahlen zur @rqmctung unb Rettung des fast verschmachtenden Volkes entlockte, oder der Legende von jenem christlichen Heiligen, der Wasier auf dürren Boden goß, aus welchem nun das belebende Element hervorquoll? Noch heute zeigt man in bett Ruinen ber Mamertinrschen Kerker in Rom bie Quelle, welche nach ber Legenbe aus das Gebet des gefangenen Apostels Petrus entsprang, damit er Wasier habe, seine neubekehrten Mckge- fangenen und Kerkerknechte zu taufen, und von Kan dem Großen erzählen alte Chronisten, daß, als sein Heer nach einer heißen Schlacht nut ben Sachsen Durst litt unb kein Brunnen aufzutreiben war bas Roß bes Kaisers mit bem Hufe in ben Erbboben schlug, aus welchem sofort eine mächtige Quelle aus-
sprubelte.
Uralt ist auch die Kunst des Quellrnfinbens. In Griechenland soll dieselbe zuerst Danaos, der aus Egypten eingewanderte mythische König von Argos, ausgeübt haben, der in dem wasserarmen Araos zahl-eiche Quellen auffand. Im alten Italien galten die Etrusker als berühmte Quellen- sinder und scheint es sogar, als ob sich ihre Kunst auf ein gewisies Studium der Gesteinsschichten und
Unebenheiten des Bodens gestützt habe. In einigen älteren römischen Schriftstellern finden sich An- leitungen und Rathschläge zur Aufspürung von Wasier, denen man zuweilen noch bei unseren Landleuten begegnen kann. Hierher gehört namentlich die Angabe, daß Plätze, wo Binsen, Werden, Dchllf, Epheu und andere einen feuchten Boden siebenden Pflanzen wachsen, auf Wasser in der Tiefe deuteten, was freilich nur auf einer ganz willkürlichen Annahme beruht. Dennoch ist es richtig, daß einzelne Pflanzen mit einer gewissen Bestimmtheit auf das Vorhandensein von Waffer in ihrer Rahe deuten, so z. B. die Bachmontie (Montia rivulans). Ebenso sind erwiesener Maßen verschiedenen wilden Volker- stämmen gewisse Pflanzenarten bekannt, aus deren Existenz sie mit untrüglicher Sicherheit darauf schließen, daß sich Wasier in einem bestimmten Um- kreise befindet und neuere wie ältere Reisende wissen ^^Auch^der ^Aberglaube spielt beim Wasiersuchen seit undenklicher Zeit seine Rolle, man braucht hierbei nur an die Wünschelmthe zu denken. Wie man mit der Wünschelmthe vergrabene Schätze, Metall- adern u. s. w. aufzufinden vermeinte, so glaubte man auch durch dieses Zaubermittel Quellen und unterirdische Wasierbehälter ausspüren zu können und in der Erzählung von dem Wunderstabe Mofis> kann man leicht die uralte Sage von der Kraft ber Wünschelmthe wiedererkennen. Den Glauben des Volkes an diese Wunderkraft benutzend, durchzogen im Mittelalter sogenannte Ruthengänger das Land, um mit einem gabelförmigen Zweig, gewöhnlich vom Haselnußstrauch, den sie derartig trugen, daß der Stiel der Gabel in die Höhe stand, nach verborgenen Quellen zu spähen, deren Ort sich dadurch anzergen sollte, daß sich der Stiel nach demselben bewegen sollte. Der Glaube an die Kraft der Wunfchel- rnthe war so groß und allgemein verbreitet, daß sogar bis in unser Jahrhundert hinem ine Physiker die verschiedensten Versuche anstellten, um die Bewegungen der Wünschelruthe auf natürliche Ursachen zurückzusühren. — Daß verschiedene -rchiere die Gabe, in wasierarmen Gegenden die Orte, an denen sich Quellen oder überhaupt Ansammlungen von Wasier befinden, schon auf weite Entfernungen zu „wittern", ist bekannt. Der Mustang der amerikanischen Prairien wie das Kameel der ungeheueren Sandwüsten Afrikas erheben schon auf Mellen den Kopf, wenn sie irgendwo Wasier spüren und schrecken freudig auf diesen Platz zu. In den durch ihre Wasierarmuth bekannten Ebenen des südlichen Afrikas befreien in Zeiten, wo die Gefahr des Verschmachtens nahe liegt, die Reisenden die Zugthiere von den Wagen und mit sicherem Jnssinete schlagen die Thiere alsbald die Richtung ein, in welcher Waffer zu finden ist.
Auch Menschen giebt es, bereit erhöhte Sensibilität sie befähigt, Wasier zu ftnben, jobalb fte bett Hoben überschreiten, bet das Element birgt, doch durch der. artige Ausnahmen mird der Kunst des Wasier-


