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nachdem Du Dich von dieser Verpflichtung losge- sagt hast, erkenne ich sie für mich allein ebenfalls nicht mehr an."

Hat die Sängerin selbst"

Ich wiederhole, daß ich keinen Ausschluß geben werde; überdies läge es wohl in Deinem eigenen Interesse, diese Angelegenheit nicht weiter zu ver­folgen."

Ehe der Landrath eine Antwort geben konnte, hatte Vera sich entfernt.

Wüthend warf er das Etui in eine Schublade seines Schreibtisches, dann wanderte er eine geraume Weile rastlos auf und nieder.

Endlich zog er hastig an der Glocke; dem ein­tretenden Diener befahl er, die Zofe der gnädigen Frau zu rufen. (Fortsetzung folgt. )

Deutsche Köfe und Hauptstädte zu Anfang des 18. Jahrhunderts.

(Fortsetzung).

Von dem Hasse des Königs gegen bunte Kleider­pracht erzählt unser Gewährsmann eine ergötzliche Anekdote. Einer der Beamten erschien bei Hofe in neumodischen Pariser Kleidern; das Mißfallen des Königs und das Gespötte der Höflinge veranlaßte ihn, dieselben sofort wieder einzupacken und einfach gekleidet zu Hofe zu gehen. Loön nennt die auser­lesene Kriegsmannschaft den schönsten Schmuck des preußischen Hofs, und das große Grenadier-Regiment zu Potsdain dessen hervorragendste Zier. Die Waffenübungen dieses Heeres seien das schönste und kriegerischste Schauspiel der Welt. Die Präciston und Raschheit der Bewegungen lasse ein qanzes Regiment gleich einem durch eine einzige Triebfeder geleiteten Körper erscheinen. Schon damals hatte Friedrich Wilhelm I. bereits so viele Schätze ange- häust, daß er leicht seine Armeen hätte verdreifachen können; wies er doch die meisten seiner Einkünfte, von welchen die Taxen und Sporteln für erkaufte Titel einen erheblichen Theil bildeten, der Schatz­kammer zu. Einst ging der kleine Kronprinz mit seinem Gefolge unb den Officieren mit dem Könige im Schloßhofe spazieren. Ersterer spielte, mit seinem Stöckchen klopfend, an jenen Pallisaden, hinter denen die Schatzkammer liegt und rief dabei aus:Wie froh werden diese Gefangenen einmal sein, wenn man sie erlösen wird." Die Ossiciere belachten die Worte des Kronprinzen, der König nahm aber dieselben sehr mißvergnügt auf, er erkannte in dem Ausspruch des Kindes den Einfluß anderer Leute. Daß sich Friedrich Wilhelm I. nicht getäuscht halte, geht aus der späteren Geschichte der Jugend seines Sohnes hervor.

Von allen Ständen war dem Soldatenkönig jener der Advokaten am Verhaßtesten. Seinem

strengen, säst patriarchalischen Gerechtigkeitssinns waren diedurch ihre Zungendrescherei in den Ge­richtshöfen alles verwirrenden und weit hinaus spielenden Advokaten ein Greuel." Auf königlichen Befehl mußten sie schwarze Mäntel tragen; sie ließen dieselben aber von so dünnem Seidenzeuge anfertigen, daß sie Ordensbändern glichen und sich leicht in die Tasche stecken lieben. Freilich hätte der König, nach Loöns zutreffender Ansicht, statt dieser vexatorischen Vorschrift besser durch ein leicht verständlichesein­fältiges" Landrecht, eineLandesordnung", für die Vereinfachung der Rechtspflege gesorgt. Auch war Friedrich Wilhelm der Erste ein abgesagter Feind der königlichen Einmischung in den Strafvollzug; sein Ausspruch lautete:Ein jeder weiß, was verboten ist; und wo man das Böse nicht straft, da ist keine Ordnung und Sicherheit im Lande zu hoffen!" Gleich streng und unnachsichtig wurden Zölle und Accisen eingetrieben; die Aufseher durchwühlten die Gepäckstücke der zu Berlin ankommenden Fremden so scharf und stramm, daß letztere von der Leutselig­keit und Gastfreiheit in der Hauptstadt kaum einen freundlichen Begriff empfingen. Der König forderte eben von allen seinen Beamten, hohen und niedrigen, treueste Pflichterfüllung, leuchtete er selbst doch allen in derselben voran. Kein König und kein Fürst nahm sich nach Loön, damals mehr der Geschäfte an, als der König von Preußen. Seine beiden Staatsminister, die Herren von Ilgen und Prinz waren von gleicher Unermüdlichkeit beseelt; der Letztere war auch Oberhofmarschall, doch nahm ihn dieses Amt nur wenig in Anspruch. Von Prinz heißt es:Er arbeitete als Staatsminister für sechse." Oft mußte Prinz, dem bei vorgefaßten Meinungen gerne beharrenden König widersprechen; er that dies ft> freimüthig, daß er manchesmal den Abschied von seinem Herrn empfing, doch sobald Ilgen die Stelle von Prinz einnehmen sollte, ließ der König den letzteren, den er weder entlassen konnte noch mochte, wieder berufen und betraute seinen treuen Rath nach wie vor mit den wichtigsten Staatsgeschäften.

Die Vergnügungen des Berliner Hofes waren durchaus nicht mit jenen der Hofhaltungen zu Wien und zu Dresden zu vergleichen. Schauspielvor­stellungen fanden damals ' in Berlin fast niemals statt; das Beispiel des Königs wirkte auf die Be­völkerung, deren Lebensart übrigens Loön wohlge- fiel. Bei den Hofleuten vermischten sich französische und deutsche Manieren in ihren besten Eigenschaften. Auch war, entgegen einer vielfach verbreiteten An­schauung, noch die französische Sprache im Jahre 1718 in Berlin am Hofe vorherrschend, obgleich sich bereits die deutsche Sprache zureinstem Geschmacke" emporgeschwungen hatte.

Roch erwähnt der Verfasser derMoralischen Schilderten" bei verschiedenen Anlässen eines eigen« thümlichen Hofbeamten, des Hofnarren von Gundling, welcher zur Kurzweil und zum Stichblatte der oft nicht besonders gewählten Späße des Königs und