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Graf auf seinem Schlöffe int Komitat Kaschau, außer dem Kreishauptmann und mehreren eingeladenen Oberosficieren der Gespanschaft, die Edlen Csanad, Szobrancz, Bacsa, MarmaroS, Thurocz, Stranicza, Verbozy und andere Magnaten. Das Jagdgefolge, 63 Reiter mit einer Menge von Förstern, Jäger­burschen und Haiducken, bot ein glänzendes und buntes Bild dar. Mehr als hundert bewaffnete Treiber, meist arme Bauern von den umliegenden Gütern, standen zum Dienst bereit, und der Zug setzte sich nach den Höhen in Bewegung. Auf dem über 3000 Fuß hohen Hernad-Plateau, angesichts der auf jähen Felsen thronenden Burg Miskolecz und eines jener kühlen Alpenseen, welche im Karpathenlande den poetischen Namen,Meeraugen" führen, begann mit lautemTaja" die Waidmanns­arbeit. Kleinwild wurde unbedingt verschmäht. Die Treiber erhielten Anweisung Wölfe aufzutreiben und auf den Stellen einrukreisen, wo der lichtere Eichen- und Buchenwald die Reiterjagd gestattete.

Rach dreistündigem Treiben sprangen die Jäger aus dem Sattel und ließen sich an einer offenen Stelle nieder, wo sonst ein von Räubern oder Wild­dieben niedergebranntes Forsthaus gestanden hatte, um ein leichtes Mahl bei trefflichem Tokayer einzu­nehmen und dann zum Schluffe der Jagd eine Fasanensuche zu veranstalten.

. Plötzlich erscholl aus dem dichten Unterholze ein verworrenes Geschrei und einige entferntere Schüsse krachten. Betroffen fuhren die Jäger auf, um sich nach der Ursache des Lärmens zu erkundigen. Da stürzte ein Förster her und meldete dem Jagdherrn in fliegender Hast, daß der Räuber Woddeck, ein in den umliegenden komitaten von Kaschau bis Erlau gefürchteter Strauch­ritter, mit zweien seiner Bande von Treibern in der Kreuzbachschlucht" aufgestört worden sei. Sogleich griffen die Jäger zu ihren Büchsen und nun begann eine Hetze, wie sie in den Karpathen nur selten vor­gekommen sein mag. Woddeck commandirte eine Bande von etwa 30 Räubern, aus Magyaren, Raitzen und Slovenen bunt zusammengewürfelt, welche weder die Edelhöfe noch die Pußten ver­schonte und daher fast allgemein gehaßt war. Der Anführer selbst hatte beinahe zwei Jahre lang alle Anstrengungen der Behörden, seiner habhaft zu werden, zu Schanden gemacht. Bald erschien er als Thierarzt, bald als Viehhändler, Jäger, Osficier oder Gutsbe­sitzer, um die verwegensten Streiche sozusagen unter den Augen seiner Verfolger zu begehen oder neue Raubangelegenheiten auszukundschaften. Der Jagd­herr selbst hatte schon mehrfache Streifzüge nach ihm veranstaltet, weil Woddeck ihm sein Vorwerk in Brand gesteckt, seinen Verwalter niedergeschossen und die armen Bauern unter der schlauesten Maske mit dem Vorgeben ihn aufzuhetzen versucht hatte, daß der Graf als Besitzer einer Papiermühle, eines Eisenwerks, sowie einer Musterwirthschaft nach holländischem Betriebe rc. das Land aussauge, auch ein verrätherischer Parteigänger sei. Unter diesen

Umständen bot der Jagdherr mit seinen Freunden Alles auf, um diesmal die Jagd durch Woddecks Fang zu krönen.

Die Spur der Räuber führte nach einem ver­lassenen Bärenstande, wo wüst umhergestreute Fels­stücke und Baumleichen eine Art natürlicher Festung bildeten. Hinter den Felsen blinkte in jäher Tiefe ein kleiner See, dicht mit Brombeeren umrankt. Die» rechte Seite war durch Unterholz und Dornen­gestrüpp fast unzugänglich, die linke belagerten die erhitzten Treiber, während die adeligen Magyaren und Officiere sich den Felsen gegenüber schußfertig postirten. Die Wuth der Belagerer steigerte sich, als mehrere verstreute Haiducken einen alten Forst- laufet herbeitrugen, der nach seinem Bericht von Woddeck und fünf Raubgesellen mit gespreizten Beinen an zwei gegen einander gebogene junge Birken aufgehängt worden war und bereits einen Blutsturz erlitten hatte, als seine Erlöser herbei- kamen. Aber noch ehe diese Höhlenbelagerer einen Erfolg erzielten, ja nur einen der Räuber erblickten, stürzten die Edlen Marmaros und Bacsa, von Kugeln getroffen, die aus dem Gestrüpp gegen sie abgezielt wurden. Der Graf stürmte jetzt, von den Kühnsten gefolgt, in die Felsengruppe, die Tretber, nach ungarischer Sitte sämmtlich gut bewaffnet, drangen von der Seite ungestüm vor. Mehrere fielen, von den Kugeln der Bande getroffen, im dichten Haufen. Nach drei Minuten war der Bären­stand erreicht. Zwei Räuber, in denen die Treiber berüchtigte Pferdediebe erkannten, verfingen sich im Gestrüpp rechts und wurden zu Boden geschlagen. Einen Dritten erreichte die rächende Hand in der Höhle. Nur Woddeck selbst fehlte. Als mehrere Verfolger die Kuppel des Felsens erklettert hatten, sahen sie ihn nebst einem andern Räuber in der Tiefe dasMeerauge" durchschwimmen. Man sendete Kugeln nach, die nicht trafen. Die Jäger bestiegen hastig ihre Rosse, um den Entkommenen beim Aufsteigen aus dem See in die Flanke zu fallen. Der Weg führte nach einer von hohen Fichten umstandenen Lichtung, welcher Miscolecz gegenüber lag.

Hier endlich sah man, kaum fünfzehnhundert Schritt, entfernt, den gewandten Strauchdieb wie eine Katze an dem schroffen Felskegel emporklettern. Im gestreckten Trabe eilten zwanzig Reiter näher an den Fuß des Miskoleezsteins heran. Die ersten legten ihre Büchsen an und Woddeck kollerte, von fünf Kugeln getroffen, in die Tiefe hinab. Er war bereits tobt, als die nachstürzenden Treiber ihn packten. Die Wüthenden würden ihn ohnedies zer­rissen haben.

Der Rückzug von dieser zur Menschenhetze ge­wordenen Treibjagd glich mit den Leichen von Marmaros und Bacsa einem Trauerconduct.

Maetitn: 21. Schema. Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.