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Gingen.

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Llsfeld, Hungen, Nidda ra- sföröemö wirken, liegt es wei: friedlich im schuhe feine n und lärme. Zwar ijt d, »er Westseite, beträchtlich übt iusgemad)(en; aber da» 3nwn n auch heute noch in trfreuiidr Bill» einer tpötrnitielaitersch

ur einer Ansiedlung ernxitir chloß angliederte. Biele W diefem ebenso malerisch ci ll'anten Bau, nicht immer n Stempel aufgebrüdt. Siete len, bie in das 12.3Munt- i» Portal der älteren w nai^anct und Darock vertu: chäude gilt al» das älteste, r.: hnte Schloh Deutschlands. 2- stammt die Remigiuskirche Ge­rn Stadtteil ©roffenborf, w- jrere Ortschaften. 3n bet M ft sie unzweifelhaft bas oW s und tritt in Wettbewerb m-. chard--Lasilika und der MN

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Elftes Blatt________________________

Dfenburg schwer zu leiden. Von seinem Beginn bis in unsere Zeit ist in der Stadt kein einziges hervorragendes Gebäude mehr entstanden. Die reformierten Büdinger Grafen muhten ihr tat­kräftiges Eintreten für die Sache des Protestan­tismus schwer büßen. 1635 wurde die Grafschaft für ein wecken Landfriedensbruchs verwirktes Terri­torium erklärt und die Verwaltung den Darmstädter Landgrafen übertragen, denen es bis 1643 ver­blieb. Nach dem Sieg der Kaiserlichen bei Nörd­lingen (1634) wurden Stadt und Grafschaft wieder- holt ausgeplündert. Auch die übliche Begleiterin der Kriege, die Pest, blieb nicht aus. Ihr sollen im Jahre 1635 allein in Büdingen 400 Menschen zum Opfer gefallen sein. Als en. .ich der Friede geschlossen wurde, war die Bevölkerung auf ein Drittel zu­sammengeschmolzen. Von Grossendorf und Hinter­burg standen kaum noch ein paar Häuser, und der aus Urkunden bekannte Vorort Wenigendorf war so gründlich vertilgt, daß man heute nicht einmal seine Lage mehr festzustellen vermag. Die Grafen suchten durch weitgehende Vergünstigungen materieller Art (Stellung von Bauholz, Gewährung von Ab­gabenfreiheit u. dgl.) sowie durch einen damals seltenen Grad von Toleranz fremde Ansiedler mit Erfolg herbeizuziehen. So fanden sich Sektierer aller Art hier ein; am bedeutungsvollsten ward die Nie­derlassung der Herrnhuter (1736) auf dem naben Herrenhaaa. Hier entstand eine blühende Kolonie, doch infolge von Streitigkeiten mit der gräflichen Regierung wanderten sie nach einigen Jahrzehnten aus.

Wahrend Rothenburg ob der Tauber sich weit ausgreifend am Rand der Hochebene ausbreitet und so den Eindruck einer weit größeren Stadt erweckt, drängen sich imhessischen Rothen­burg" die Häuser in schmalen Gassen auf engstem Raum zusammen, und während dort stattliche Pri­vatgebäude von erheblichem Wohlstand der reichs­freien Bürger zeuaen, weisen hier die durchweg höchst bescheidenen, fast ärmlichen Häuser auf eine in kleinbürgerlich-beschränkten Verhältnissen lebende Bewohnerschaft hin. Einer um 1900 beginnenden regen Bautätigkeit, die zahlreiche schmucke Villen schus, machten Krieg und Inflation ein jähes Ende. Für größere gewerbliche Unternehmungen boten in früherer Zeit die engen Mauern des Städt­chens, bei geringer Wasserkraft, keinen Raum, und den paar später im Bahnhofsviertel entstehenden Fabriken war kein rechtes Gedeihen beschieden. So verharren noch jetzt alle Handwerker wie die meisten Geschäftsleute und kleinen Beamten in jenem Zu- stände, den Goethe inHermann und Dorothea" als den idealen preist:Heil dem Bürger des kleinen Städtchens, welcher ländlich Gewerb mit Bürger- gewerb paart! Auf ihm liegt nicht der Druck, der ängstlich den Landmann beschränket; ihn verwirrt nicht die Sorge der vielbegehrten Städter." Der Kunde freilich, dessen Geduld zur Erntezeit oft auf eine harte Probe gestellt wird, findet diesen Zu- stand nicht immer ideal; indessen hat er den Bür­gern die Nöte der Kriegszeit wesentlich erleichtert, wie auch der Brennstofimangel den 400 Leseholz- berechtigten weit weniger fühlbar war.

Im übrigen hat natürlich das Städtchen von der Schwere der Zeit sein redlich Teil empfunden. Bei Ausbruch der Revolution machte sich eine Handvoll Soldaten zu Herren der Lage, und geraume Zeit herrschte hier mancherlei Willkür, wenn es auch zu größeren Ausschreitungen und Blutvergießen nicht kam. Immerhin war die Gärung, zumal in den umliegenden Dörfern, zeitweilig so groß, daß die Entsendung einer Maschinengewehr-Abteilung von Gießen für notwendig erachtet wurde. Die politischen Verhältnisse, welche die Revolution hier vorsand, waren eigenartig. Wie die Bewohner der meisten großen und kleinen Residenzen waren auch die Büdinger herkömmlicher Weise stark radikal ge­sinnt. Das zeigte sich bei den Wahlen, die stets mit alleiniger Ausnahme der Hindenburg-Wahl eine starke (sozial-)demokratische Mehrheit ergaben, tat aber der Anhänglichkeit der Bürgerschaft an das einheimische Fürstenhaus keinen Abbruch. Die traditionelle Leutseligkeit der Ysenburger tat dazu das Ihre; so erfreute sich besonders der 1906 ver­storbene Fürst Bruno einer beispiellosen, wohl­verdienten Beliebtheit. Sie kam auch seinem von dxr Revolution überraschten Sohn Wolfgang zu­gute, der weniger in die Öffentlichkeit trat. Er wurde persönlich kaum angefochten. Der weit ver­breitete und künstlich genährte Landhunger wußte von den fürstlichen Pächtern bedeutende Flächen zu erlangen. Inzwischen haben die meisten ein­gesehen, daß sie die Feld- und Gartenerzeugnisse billiger kaufen, und der Ruf nachmehr Land" ist so ziemlich verstummt.

Die Einwohnerzahl Büdingens war stets sehr bescheiden; mehr als einmal wurde sogar, eine bei Landstädtchen nicht seltene Erscheinung, das lang­same Wachstum durch eine rückläufige Bewegung unterbrochen. Sie betrug 1820: 2300; 1843: 3007; 1871: 2510 (!); 1925: 3513. Eine industrielle Ent- Wicklung des freundlichen Städtchens ist wenig wahrscheinlich und vielen nicht einmal erwünscht; es wird vorwiegend Kleinbürger- und Beamten­stadt bleiben. Der hohe landschaftliche Reiz ihrer Lage und Umgebung, die sehenswerten altertüm­lichen Bauten ziehen fortgesetzt Ausflügler, Histo­riker und Künstler an, und mancher Rentner wird auch in Zukunft finden, daß es sich hier ganz an­genehm leben läßt.

Friedberg.

Don Bürgermeister Dr. Seyd, Friedberg.

Friedberg, die Perle der goldenen Wetterau und zweitgrößte Stadt Oberhessens, einst die nordöst­lichste römische Stadt auf germanischem Boden, er­hielt bereits anfangs des 13. Jahrhunderts (1232, 1240, 1257) Stadtrechte durch die Hohenstaufen. Hier im Mittelpunkt eines der fruchtbarsten Landstriche Deutschlands erblühten Handel und Gewerbe. Die Stadt zerfiel seit 1245 in zwei Teile, in die Freie Reichsstadt und in die Freie Kaiserliche Burg; beide wurden im Jahre 1834 vereinigt. Schwer zu leiden hatten die Stadt und ihre Bürger durch den 30jäh- rigen und die folgenden Kriege (16181815). Als Wahrzeichen einstiger Macht und Größe bilden die große Liebfrauenkirche (1250), die breite Kaiser- ftrafje, das Judenbad (1260) sowie die Burg mit dem Adolfsturm (1347) und dem Schloß (1610) heute die Hauptsehenswürdigkeiten aus der Vergangenheit der Stadt.

Zu Beginn des neuen Jahrhunderts setzte erneut ein Aufschwung ein. Als wichtiger Eisenbahnknoten­punkt (6 Bahnlinien) und Umschlagsbahnhof für den Güterverkehr wurden die Bahnhofsanlagen dauernd vergrößert. Am 10. August 1913 konnte der neue Bahnhof in Betrieb genommen werden. Auf 11 200 Einwohner der Stadt entfallen allein etwa 2000 Eisenbahner" mit ihren Familien. Im Süden der

Giehener Anzeiger » Jubiläums-Ausgabe

Seite 83

Stadt ist ein neues Viertel erwachsen, dessen Ausbau durch den Krieg jäh unterbrochen wurde. Eine Reihe stattlicher Neubauten entstand (Blindenanstalt, Post, Gewerbeschule, Oberförsterei, Hochbauamt, Finanz­amt). Die Stadt baute ferner ein neues Gymnasium, ein Zollamt, ein modernes, den Anforderungen der Neuzeit entsprechendes Hospital (130 Betten) und war Dank des großen Opfersinns der Bürgerschaft in der Lage, einen stolzen Schwimmbadbau zu er­richten. Dem von Frankfurt a. M. hierher verlegten Reichsbahnbetriebsamt wurde ein modernes städti­sches Gebäude zur Verfügung gestellt. Das Jahr 1913 brachte der Stadt, in welcher sich bis 1870 ein hessisches Gardejägerbataillon befunden hatte, wieder Garnison, und zwar das 3. Bataillon des 5. Großh. Hess. Infanterie-Regiments Nr. 168. Alle Be­mühungen der zuständigen Stellen, nach dem Kriege wieder Garnison nach Friedberg zu legen, scheiterten am Einspruch der Entente, da Friedberg sich inner­halb des Bannkreises der von den Franzosen be­setzten ehemaligen Festung Mainz befindet. Als Er- satz für die Garnison erhielt die Stadt die 2. Ab­teilung Hessischer Schutzpolizei in Stärke von etwa 280 Mann in die frühere Militärkaserne.

Die Stadtverwaltung hat seit einigen Jahren den Grundbesitz der Stadt planmäßig vergrößert, insbesondere wurde für die Industrie geeignetes Ge- lande angetauft. Die in der Vorkriegszeit bestehende Ansicht, tfrieöberg solle für ewig die Beamtenstadt bleiben und die geräuschvolle Industrie mit ihren teilweise unangenehmen Nebenerscheinungen fern­halten, ist heute von der Mehrheit einsichtiger Männer als veraltet, unzeitgemäß und entwick­lungshemmend über Bord geworfen. Wenn auch augenblicklich angesichts der schlechten wirtschaft- lichen Lage der Industrie und der allgemeinen Geld­not an Errichtung neuer Fabriken kaum zu denken ist, so wird doch ein Umschwung sofort nach Ein­treten besserer Verhältnisse erwartet.

Eine der wichtigsten Fragen, die Arbeiterfrage, läßt sich unschwer lösen. Tausende gelernter und un­gelernter Arbeiter der ganzen Wetterau fahren noch heute täglich in die Frankfurter Fabriken. Daß diese Arbeiter eine Beschäftigung in dem ihrer Heimat näher gelegenen Friedberg vorziehen würden, braucht wohl, nicht besonders erwähnt zu werden.

Musik, Literatur und Kunst werden nach wie vor eifrig gepflegt. Ergänzend treten die Theater und

icsser

auf

das Jahr 17 $o.

Wit Hochförstl. Hcssmdarmstädnfcher gnädigsten Erlaubm'ß.

MM

Giessen, bey Johann Philipp Krieger.

Titelseite des ersten Jahrgangs des »Giesser Wochenblatt"

Der Krieg hat auch unserer Stadt schwere Wun­den geschlagen. Trotzdem geht sie, wobei ihr aller­dings durch'die heute nur spärlich zur Verfügung stehenden Mittel enge Grenzen gezogen sind, ziel- bewußt den für die Weiterentwicklung der Stadt als notwendig erkannten vorgezeichneten Weg. Fried­berg,die Stadt der Schulen und Behörden" wohl kaum eine zweite Stadt von der Größe Fried­bergs besitzt eine gleiche Anzahl solcher Einrich­tungen kann und darf, um so mehr, da ihm größere Industrie heute noch fehlt, nicht an einen Abbau" von Schulen denken. Im Gegenteil: nach dem Krieg wurde die Realschule aur Oberrealschule ausgebaut, der höheren Mädchenschule wurde eine Frauenschule mit Fröbelkindergarten angegliedert, das staatliche Lehrerseminar wurde in eine Aujbau- schule umgewandelt, und die Verlegung einer land­wirtschaftlichen Haushaltungsschule nach Friedberg ist beschlossen. Das Städtische Polytechnikum wurde nach Durchführung einschneidender Reformen weiter ausgebaut. Heute zählt es bereits 650 Studierende. Es kann mit Stolz auf seine Leistungen blicken, wurden doch bei dem kürzlichen Preisausschreiben zur Erlangung von Entwürfen für den Neubau des Polytechnikums durch das Preisgericht, in welchem auch Darmstädter und Offenbacher Baufachmänner von Ruf sich befinden, die beiden höchsten Preise einem Dozenten sowie einem ehemaligen Studieren­den des Polytechnikums zuerkannt! Das städtische Museum, Archiv und Bibliothek erfuhren unter der sachkundigen Leitung der Professoren Dr. Blecher und Dr. Dreher weiteren Ausbau.

Da durch den Wegfall der militärischen Er­ziehung die gesundheitliche Heranbildung der Jugend, Deutschlands Zukunft, nicht mehr genügend gewähr­leistet ist, unterstützt die Stadtverwaltung alle auf Hebung der Gesundheit und körperliche und geistige Erstarkung gerichteten Bestrebungen; sie stellte für mehrere Sportplätze bas Gelände zur Ver­fügung. Neue Anlagen wurden geschaffen, Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerk ausgebaut.

Der Stadt mangelt es leider es ist dies eine Versäumnis früherer Jahre an einem modernen Kanalsystem. Angesichts der ungeheueren Kosten konnte vorerst nur die etappenweise Ausführung in Angriff genommen werden.

Konzerte der Nachbarstädte Bad-Nauheim, Gießen und Frankfurt a. M. hinzu.

In Friedberg befinden sich heute 19 Aerzte, bar- unter mehrere Spezialärzte; Handelskammer, Reichs- bank sowie eine Reihe weiterer Gelbinstitute sorgen für bie Interessen bes Hanbels, bes Gewerbes, ber Jnbustrie unb der Landwirtschaft.

Zur Behebung ber Wohnungsnot unb Förde- rung bes einheimischen Hanbwerks stellte bie Stabt vor kurzem ben Betrag von 326 000 Mk. als Bau- barlehen an Private auf bie Dauer von 15 Jahren zu dem mäßigen Zinsfuß von 5 Proz. zur Ver­fügung. Leiber fehlen z. Z. bie Mittel, um bringend notwendige Schulneubauten sowie eine ebenso not­wendige geräumige Stadthalle und ein Schlacht­haus zu errichten.

Zusammenfassend kann mit Befriedigung trotz der Nöte der Zeit, trotz der beschränkten Mittel und trotz ber heutigen steuerlichen Schröpfung ber Bür- gerschaft auf allen Gebieten ein gesunder Fortschritt festgestellt werden. Friedberg wird seine Schulen und Behörden nach wie vor als kostbares Kleinod hüten, es wird die Industrie, weil lebensnotwendig, fördern und wird vor allem auch diese These ist für Friedberg als natürlichen Mittelpunkt der Wet­terau mit Naturnotwendigkeit vorgezeichnet stets den Grundsatz vertreten und vertreten müssen: Stadt und Land, Hand in Hand!"

Der Wiederaufbau muß und wird kommen!

Marburg an der Lahn.

Von Oberbürgermeister Dr. Voigt in Marburg.

Die Entwicklung der Stadt Marburg in den letzten 25 Jahren zu beschreiben, wird mir nicht leicht fallen, da ich erst seit kaum 25 Wochen in Marburg tätig bin. Vorher habe ich von Marburg wohl gewußt, daß sie bie Stadt zahlreicher Kon­gresse ist, an denen ich selbst mehrfach sehr befriedigt teilgenommen habe, auch fyabe ich öfters gehört, daß Freunde der Natur und Kunst bei ihrer Durchreise durch bas Lahntal angesichts bes wunbervollen Auf­baues ber Stabt an dem vom Landgrafenschloß ge­krönten Berge ihre Reise unterbrochen haben, um die Schönheiten näher zu betrachten. Die Eigenart ber Stabt, ben Stanb ihrer Kultur und Wohlfahrts­

pflege und ihre wirtschaftlichen Entwicklungsmög­lichkeiten zu durchschauen, bedarf es aber embrin- genber Tätigkeit in längerer Zeit. In ber Tat ist in Marburg vieles eigenartig, nicht zum wenigsten die soziologische Schichtung seiner Bevölkerung. Grund dafür ist die bas Leben in ber Stabt be- herrschende P h i l i p p s - U n i v e r s i t ä t, bie erftc protestantische Hochschule in Deutschland, die kurz vor ihrem 400jährigen Jubiläum stcht. Sie übt einen so starken Einfluß auf bie Zusammensetzung der Bevölkerung aus, daß z. B. genau so viel Klassen höherer Schulen eingerichtet werden mußten, wie Volksschulklassen bestehen. Die Stadt muß natürlich ein humanistisches Gymnasium und ein Real-Gymnasium ebenso besitzen, wie eine Ober­realschule und ein Oberlyzeum. Als eine Folge des Bestehens der Universität ist hier vom Bezirksver- bande Kassel eine große Lanbesheilanstalt gegründet, deren Direktor dem Lehrkörper der Universität an- gehört, ferner ein Krüppelheim und endlich zwei eigenartige Institute, dieDeutsche Burse für bas Deutschtum im Auslanbe", bereu umfangreiche und nützliche Tätigkeit stetige Erweiterungen nötig macht, und bie im Kriegsjahre 1917 gegrünbete Hochschulbücherei, Stubienanstalt unb Beratungs- stelle für blinbe (Stubierenbe, eine Anstalt, bie nicht allein tiefgehenbes Interesse ber Fachleute unb ber Akaberniker, sonbern eines jeben M-mschenfreundes erregen muß.

Wie sehr in ben letzten Jahrzehnten bie Uni­versität auch bie bauliche Entwicklung beeinflußt hat, geht baraus hervor, baß in bieser Zeit eine Anzahl großer Universitäts-Neubauten entstanden ist Da das architektonisch bemerkenswerte hoch­ragende gotische Universitätsgebäude, bas vom Alt­meister Schäfer erdacht, im Jahre 1878 aus dem Felsen gewachsen ist, bie stetig fteigenbe Zahl der Studierenden nicht mehr aufnehmen konnte sie wuchs von 1200 im Jahre 1900 auf 2220 im letzten Semester mußte ein großes neues Auditoriengebäude, dasLandgrafenhaus" erstellt werden, bas auch einen Teil ber Universitäts- Verwaltung ausnahm. Ferner entstauben ein neues Physikalisches Institut, ein Zahnärztliches Institut, eine Kinderklinik, eine Neroeuklinik unb eine Klinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten. Zur Zeit wird ber Neubau einer Hals-, Nasen- unb Ohrenklinik begonnen, unb bie Pläne für ein kuusthift 0 - risches archäologisches Institut sind bereits fertig, woburch bie Marburger Bevölke- rung auch in ben Genuß von modernen M u feumsräumen kommen wirb, in benen burch Wauberausstellungen nicht allein Spitzenwerte früherer Kunstepochen, sonbern auch bas Kunst- schaffen ber Jetztzeit gezeigt werben soll. Auch die wertvollen heimatkundlichen Sammlungen des Hessischen Geschichtsoereins und des Marburger Altertums- unb Kunstvereins werben bort eine bleibenbe Stätte finben.

In ganz Deutschlanb unb namentlich bei ben beutschen Akabemikeru ist bekannt, welch re-es unb fröhliches Stubentenleben im alten, schönen Mar­burg herrscht, bas namentlich von ben ersten Semestern als Universitätsstabt gewählt wirb. Nicht in gleichem Maße ist bekannt, wie opferwillig bie Alten Herren" ber altberühmten Marburger 23er- binbungen für bie Korporationshäuser sorgen. Nicht weniger als 9 H ä u f e r in größen Ausmaßen finb in ber Berichtszeit entstauben, bas Allemannen- haus, das Teutonenhaus, das Arminenhaus, das Korpshaus Guestphalia, das Korpshaus Hasso- Nassooia, dis Häuser der Hasso-Borussen, Phi- lipinen, Friderizianer und des Akademischen Turnvereins, alle architektonisch unb in ihrer Inneneinrichtung bemerkenswert, meist herrlich an ben grünen Beraabhängen gelegen.

Außer den öffentlichen Schulen, zu welchen in der letzten Zeit auch noch eine Gewerbeschule für Mädchen hinzugekommen ist, dienen dem Unterricht unb der Erziehung unserer JugendDr. Müllers Wissenschaftliches Institut", das Knaben und Mab- chen für bas Abiturienten-Examen vorbereitet unb von mehreren hunbert Schülern besucht wirb, bie zum Teil im Alumnat leben, ferner eine Anzahl Pensionate für junge Mäbchen. Einige von diesen in schön gelegenen Villen untergebracyten Anstalten sind weithin bekannt.

Daß die Universität auch auf das kulturelle Leben in der Stadt ausstrahlt, ist natürlich. Nur in wenigen Städten, auch in solchen, die größer sind als Marburg, wird die Bürgerschaft so viel Gelegenheit haben, Vorträge über Kunst, Wissen- schäft und Kultur anzuhören, wie die Marburger. Für den großen Teil der Bevölkerung, der sich, früher in höherer Berufsstellung, Marburg als Ruhesitz erkoren hat, ist dies ein wichtiger Faktor, zumal da auch die Musik wiederum unter Be­einflussung des hervorragenden und rührigen Uni­versitätsmusikdirektors sick einer besonderen Pflege erfreut. DieStadtsäle , ein im wesentlichen der Stadt gehöriger, in privatwirtschaftlicher Form verwalteter Saalbau, geben nach ihrer geschmack­vollen Wiederherstellung den Rahmen für die be­kannten Konzerte desMarburger Konzertvereins" unb heroorragenber Solisten, bie fast alle auf ber Reise von Frankfurt nach Kassel bie Marburger mit ihrer Kunst erfreuen. In biefem Saale muß auch z. Z. noch Theater gespielt werben. Das Gie­ßener Stabttheater hat sich freundlichst bereit er­klärt, bie besten ber in Gießen aufgeführten Stücke auch ben Marburgern ju Gehör zu bringen. Die Aufführungen finben in stäbtischer Regie statt, nachdem bie städtischen Körperschaften bie erforber- lichen Mittel für bie Einrichtung bes Theaters und für die Aufführungen bewilligt haben.

Zur Aufnahme größerer Versammlungen dient die F e st h a l l e, auf der Bürgerwiese gelegen, die im letzten Sommer das Mitteldeutsche Sänger» bundesfest mit seiner prächttgen, volkstümlichen Kunst und seiner liebenswürdigen Fröhlichkeit und viele andere Veranstaltungen ausgenommen hat.

Daß sich mit der geistigen Kultur die Körperpflege namentlich der Jugend verbinden muß, hat in der Nachkriegszeit auch in Marburg feinen Ausdruck dadurch gefunden, daß ein großes, nach neuesten sportlichen Grundsätzen angelegtes Stadion auch wieder gemeinsam von Universität und Bür­gerschaft erbaut wurde. Trotz ungünstiger Wasserverhältnisse wird der Schwimm- und Rudersport, der Reitsport unb natürlich auch bas Fechten eifrig betrieben unb geförbert. Der Bau einer Schwimmhalle darf und wird nicht lange auf sich warten lassen.

Wer sich im anmutigen Lahntal erholen will, findet dazu Gelegenheit in dem vortrefflich an­gelegtenLudwig-Schüler-Par k", der in der 'Frühlingsblüte dieses Jahres der Blütenpracht bes Frankfurter Palmengartens kaum nachstand. In ihm steht ein Denkmal von feinster finniger Architektur zum Andenken an die Gefallenen des Marburger Jägerbataillons, dessen Traditionen auch die des freundlichsten Zusammenlebens mit der Marburger Zivilbevölkerung von dem jetzt hier