Neuntes Blatt
Gießener Anzeiger . Jubiläums-Ausgabe
Seite 71
1922 wurden sie von 328 Schülern besucht. Man sieht daraus, daß auch die landwirtschaftliche Bevölkerung Oberhcssens den Wert einer theoretischen Vorbildung — besonders für Obstbau und Viehzucht — erkannt hat.
Gewerbeschulen besitzt Oberhessen in Friedberg und Gießen mit einer durchschnittlichen Schülerzahl von 200. In Lauterbach besteht außer« dem eine W e b s ch u l e.
Seit 1901 ist in Friedberg ein Polytechnikum mit Abteilungen für Maschinenbau, Elektrotechnik, Vauingenieurwesen und Architektur. Seine Besuchsziffer steigt, besonders stark seit 1919, unfr hatte mit annähernd 600 schon 1923 das Dreifache des letzten Vorkriegsstandes überschritten. Zwei Drittel der Besucherzahl studieren Maschinenbau. 9tur ein Sechstel der Studierenden sind Hessen, fast zwei Drittel stammen aus Preußen, ein Zeichen des guten Rufs, dessen sich die Anstalt auch außerhalb Hessens erfreut.
Zeitungen erscheinen in Oberhessen in den Kreisstädten, ferner in Grünberg, Hungen, Nidda, Bad-Nauheim, Butzbach, Vilbel und Schlitz, und zwar in Gießen 5, in Friedberg und Bad-Nau- heim je 2, in den übrigen Städten je 1. Von diesen Zeitungen sind Tageszeitungen: Der „Gießener Anzeiger" (älteste), die „Oberhessische Volkszeitung" (Gießen), die „Oberhessische Zeitung" (Alsfeld), der „Oberhessische Anzeiger" und die „Neue Tageszeitung" (Friedberg), die „Bad-Nauheimer Zeitung", die „Butzbacher Zeitung" und der „Lauterbacher Anzeiger . (Darunter 3 parteilos.) In die neuere Zeit fallen nur die Gründungsjahre der „Oberheffifchen Volkszeitung (1894, sozialdemokratisch) und der „Neuen Tageszeitung" (1907, rechtsgerichtet); die übrigen können alle auf ein langes Bestehen zurückblicken.
Theater besitzt Oberhessen in Bad-Nauheim und in Gießen. Das letztere (1907 gegründet) verdankt seine Entstehung freiwilligen Spenden der Bevölkerung. Es ist nicht nur, wie seine Inschrift besagt, „ein Denkmal bürgerlichen Gemeinsinns', sondern auch ein Zeugnis für das Höherftreben der oberhesfischen, speziell der Gießener Bevölkerung.
Trotz der eigenartigen Struktur Oberhessens und seiner räumlichen Trennung von dem übrigen Hessen, sind dennoch die Fäden, die sich infolge wirtschaftlicher und verwandtschaftlicher Beziehung oder Wohnsitzwechsel (Beamtenversetzungen, Hochschulbesuch) 'hinüber- und herüberspannen, so zahlreich, daß sie zu einer Brücke werden, die Oberhessen mit Starkenburg und Rheinhessen verbindet.
Die Bäder und Mineralquellen Oberhessens.
Von Dr. med. Alfred Martin, Bad-Nauheim.
„Es ist eine gesunde Luft im Lande, auch gute, beide süße und Sauerbrunnen", schreibt unter anderem Erasmus Alberus der Wetterau, seinem Vaterlande zu Ehren, „daß die Einwohner Gott danken und loben um das schöne gute Land, das er ihnen gegeben hat".
Ja, die Wetterau ist wirklich mit Sauerbrunnen gesegnet, in einer Zahl, wie sie kein anderes Stück Erde auf gleichem Raume aufweisen kann. Zwar hat sich keiner zu einem bedeutenden Trinkkurort, wie Spa, Langenschwalbach oder Pyrmont entwickelt, dafür sind einige als gute Tafelwässer in der ganzen Welt getrunken worden. Ihres milden Geschmacks wegen wurden sie schon im 16. Jahrhundert vor anderen „räsen" (scharfen) Sauerbrunnen hervorgehoben.
Die Römer kannten sie natürlich und tranken sie. Nirgends ist eine Vorrichtung zum Baden entdeckt worden, wenn man auch eine solche in Vilbel vermutete, weil dort der kostbare, im Darmstädter Museum aufbewahrte Mosaikboden mit Tritonen- darst-llungen gesunden wurde, der den Grund eines Wasserbeckens bildete.
Am heutigen Selzerbrunnen bei Groß- korben fand man 700 Meter vom römischen Kastell eine Niederlassung und in beiden Scherben von Sauerbrunnenkrügen, die durch eine besondere Vorrichtung als solche kennbar sind.
Die gleichen Krüge fand man am heutigen Ludwigsbrunnen bei Großkarben, im Römerbrunnen bei Echzell, dem einstigen
Grundschwolheimer (hier mit römischen Münzen zusammen) und am Rosbacher Sauerbrunnen in einem in den Fundamenten aufgefundenen Brunnenhause.
Am einstigen Faßbrunnen im Schwal- heimer Brunnengebiet bei Bad-Nauheim lag ein gepflasterter Platz, der wohl beim Krug- füllen benutzt wurde, hier fand man Bruchstücke von Gefäßen mit römischen Töpferftempeln. Dicht dabei lag der Perlbrunnen, der 36 römische Münzen bara^ und etwas weiler ab, im heute noch benutzten Schwalheimer Sauerbrunnen fand man bei mehreren Reinigungen insgesamt gar über 100, Opfergaben, die den Dank an die Quellnymphe für den gespendeten Trank ausdrücken.
Weiter zurück läßt sich der Gebrauch wenigstens der Nauheimer Solquellen nachweisen, aber nicht zum Bad (auch nicht zur Zeit der Römer, wie man das irrtümlich aus deren Badefreudigkeit geschloffen hat), sondern zur Gewinnung von Speisesalz. Nauheim hatte die größte Sudsaline der sogenannten La Töne-Zeit, die im 1. Jahrhundert vor Christus ihren Untergang fand. Für einen Gebrauch der Solquellen Oberhessens, auch zur Salzgewinnung, seitens der Römer ist nirgends ein Anhalt gefunden worden.
Im Laufe der Jahrhunderte hat Oberhessen 5 Salinen gesehen, die bedeutenderen zu Nau-
ncnnt. Es sind die heutigen: Selzerbrunnen und Ludwigsbrunnen bei Groß-Karben, der Rosbacher und der Schwalheimer Sauerbrunnen.
1584 hören wir in der Vorrede des Neu-Wasserschatz von Dr. Jakob Theodor von Bergzabern (Tabernaemontanus), Amtsarzt in Worms, zum ersten Male von tatsächlichem Gebrauch eines hiesigen Sauerbrunnens zu Heilzwecken. 1569 hatlö der Bischof Marquard von Speyer gegen seines Leibes Blödigkeit in Frankfurt den Fülfeler (Vil- beler) Sauerbrunnen kurgemäß zu trinken angefangen, eine gewichtige Empfehlung des Schwal- bacher Weinbrunnens bewirkte jedoch, daß er mit diesem die Kur zu Ende führte.
Sonst weiß Tabernämontanus 1584 vom Fülfeler Sauerbrunnen zu berichten, daß bei Regen- weiter die Nidda hineinfließt und ihn ungenießbar macht, und daß das Landvolk ihn in Krügen in großen Mengen nach Frankfurt bringt.
Auch den Stavener und die vier von Winter beschriebenen Sauerbrunnen nahm Tabernämontanus in sein Werk auf.
Es ist hier nicht der Ort, die Geschichte der einzelnen Sauerbrunnen Oberhessens zu bringen. Im allgemeinen werden sie von den Einwohnern der Umgebung getrunken, dem armen Mann er-
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heim, Wisselsheim, Salzhausen und die kleinen zu Büdingen und Treis-Horloff. Nur die Nauheimer ist noch in Betrieb. Ihr Zweck ist heute nicht mehr allein die Gewinnung von Kochsalz, sondern auch von Salz und Mutterlauge zu Badezwecken.
Zum Bad durfte die Sole Jahrhunderte lang nicht benutzt werden. Den Ueberschuß der Quellen, der nicht versotten werden konnte, ließ man weglaufen. Erst die Autorität des großen Arztes Hufeland bewirkte die Freigabe zu Badezwecken. So find die Solbäder wenig mehr als ein Jahrhundert alt.
Im Mittelalter hören wir nur von einem Sauerbrunnen in Oberheffen, der „6 u r e b u r n e" bei Groß-Karben (der heutige Ludwigsbrunnen) wird 1411 urkundlich erwähnt.
Der schon genannte Erasmus Alberus gedenkt des Sauerbrunnens von Staben, und 1548 tritt der Schwalheimer Sauerbrunnen bei Nauheim in die Geschichte ein. Es besteht Streit zwischen der Gemeinde Schwalheim und der Friedberger Bürgerschaft, die wegen des unentgeltlichen Gebrauchs des Brunnens Geld zum Reinigen geben soll. Der Friedberger Burggraf einigt die Parteien dahin, daß Friedberg jährlich 4 Gulden an Schwalheim zahlt, „dagegen ein Jeder gaistlichs ober welt- lichs stanbs, es seien burger, burgerfen, ober die beisassen Judden, so den oonnoetten, zu gebrauchen macht haben sollen".
Die Erfindung der Buchdruckerkunft zeitigte im 16. Jahrhundert auch verhältnismäßig zahlreiche Bücher über Bäder und Mineralquellen. Daß die Wetterauer Sauerbrunnen darin Beachtung finden, zeugt für ihr Bekanntfein. Allerdings hat — und bis ins 18. Jahrhundert hinein — meist ein Schriftsteller vom anderen abgeschrieben. Sie übernehmen gewöhnlich wörtlich den Bericht aus dem lateinisch geschriebenen Kommentar über Bäder und Heilwässer van Johannes Winter (Guintherius) van Andernach, der 1565 in Straßburg erschien und vier ausgezeichnete Sauerbrunnen unseres Gebietes
setzen sie den Wein. Auch gegen Fieber gebrauchte man sie, natürlich nur als durstlöschenden Trank.
Eine größere Bedeutung gewannen nur die Sauerbrunnen ober ihr Quellgebiet, bie über größere Wassermengen verfügten. Allmählich bildete sich ein in weite Ferne gehender Versand heraus.
Um 1722 ließ die Burg Friedberg den stark ver- finterten „Dfarber Sulzbrunnen" (heutigen Selzerbrunnen) durch den Nauheimer Salzmeister Joseph Todesco neu fassen, gab ihm einen geschmackvollen Auslauf in 12 Röhren mit gärtnerisch schöner Umgebung, die in einem Kupferstich fest- gehalten wurden. Der Brunnen ging viel nach Frankfurt, wo er mit dem dort beliebten Tönnis- fteiner in scharfen Wettbewerb trat.
Von 1827 an ließ ein angesehener Offenbacher Kaufmann bie verfallenen Anlagen instand setzen und brachte einen jährlichen Versand von mehreren Tausend Krügen zustande, der hauptsächlich nach Bayern, der Schweiz und Frankreich ging. In der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts war der Brunnen nach ein beliebter Ausflugs- und Versammlungsort.
Seit den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts wurde auch der in der Nachbarschaft gelegene „Großkarber Sauerbrunnen" versandt, der auf den Krügen nun den Namen Ludwigsbrunnen führte.
1872 nahm man eine dritte erbohrte Quelle dieses Gebietes, den Taunusbrunnen, in Betrieb. Taunus- wie Selzerbrunnen hatten vor dem letzten Kriege einen starken Versand und gingen als Tafelwasser viel ins Ausland.
Die weiteste Verbreitung fand wohl der Ros - b a d) e r Brunnen. Er war vor dem Kriege seit 1901 im Besitz des Lord Dewar, durch dessen Werbetätigkeit ein jährlicher Absatz von rund 1 Million Krüge im Inland und rund 2 Millionen Krügen im Ausland erzielt wurde.
Viel traf man im Ausland auch den Römer- brunnen an, über den unter dem Namen des Grund-Schwalheimer Brunnens 1742 eine Gießener medizinische Dissertation herauskam.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde der Schwalheimer Sauerbrunnen bei Nauheim ein Liebling heimischer gelehrter Kreise. Die Deröfsent- lidjungen berichten, baß unmittelbar vor bem Revo- lutionskriege ein Absatz über Bremen, Hamburg unb Lübeck nach Hollanb, Englanb, selbst nach dem Kap der guten Hoffnung zustande kam. 1856 wurde am Brunnen van dem bekannten französischen Hydrotherapenten Fleury eine Kaltwasserheilanstalt errichtet, die kurzen Bestand hatte. Eine Trinkkur am Ort kam — wie auch bei dem schon angeführten Sauerbrunnen — nicht in Gang. In neuerer Zeit erbohrte man dicht beim alten Brunnen die Löwenquelle. Beide gelten nicht nur als gute Tafelwässer, sondern ihres Eisengehaltes wegen auch als Heilwässer gegen Blutarmut. Eine dritte im Gebiet gelegene Quelle, der Germaniabrunnen, kommt nur als Tafelwasser zum Versand.
Die ungünstigen Verhältnisse des alten Vilbel e r Sauerbrunnens an der Nidda gaben die Veranlassung zum Graben und Erbohren neuer Brunnen, die zum Teil wieder eingingen. Jetzt sind dort fünf in Benutzung: Brobscher Sprudel (früher Viktoria - Melitta - Sprudel), H a s s i a - Sprudel, E 1 i s a b e t h e n q u e 11 e , Lud- roigsbrunnen, tiuifenbrunnen.
Von diesen Sauerbrunnen wirb ber 1900 erbohrte Brodsche Sprudel zum Baden benutzt. Die Zahl der jährlich abgegebenen Bäder stieg in den Jahren 1900 bis 1905 von 200 auf 5000, wozu das größere Bad- Nauheim 9 Jahre brauchte: ein guter Anfang, über dessen Fortgang leider nicht berichtet wird.
Damit bin ich bei den Badeorten Ober- Hessens angelangt. Zwei gingen aus Salinen hervor, Nauheim unb Salzhausen. Die schwach salzhaltigen Quellen ber einstigen Wisselsheimer Salinen würben nur vorüoergehenb von Nauheimer Kurgästen (in ber ersten Zeit des Babes) zum Trinken benutzt.
Der Oebraudj ber Sole zum Bab ging aus ber Kaltwasserbehandlung hervor, welche Fluß- unb Seebäber zeitigte, unb bie Ähnlichkeit ber Sole mit bem Meerwasser gab bann van selbst bas Solbab, bas zum Rettungsanker für manchen Salinenort mit schwachprozentiger Sole wurde, ber nicht bas Glück hatte, mit bem Bergbohrer hochprozentige Sole ober Steinsalz zu erschließen.
Die hessen-darrnstäbtische Saline Salzhausen kränkelte sehr, schon 1826 gesellte sich das Solbab zu ihr, 1864 ging sie ein. Die kurhessische Saline Nauheim war bebeutenber (im 18. Jahrhunbert sogar bie bebeutenbfte Subsaline Deutschlands mit schwachprozentiger Sole), aber auch sie litt unter dem Umstand, daß die Bohrungen nicht bie Hoffnungen auf hochprozentige Sole ober gar Steinsalz erfüllten. 1835 bekam auch Nauheim sein Solbab.
Beibe entwickelten sich zunächst wie anbere Solbäder, wurden gegen Skrophulose, Hautleiden, Rheumatismus und Frauenleiden gebraucht. Salzhausen ist heute noch Solbad, es unterscheidet sich von der großen Menge der anderen dadurch, baß es kein ausgesprochenes Kinberbab würbe. Nauheim ging zu einem Teil den üblichen Weg, unb heute hat es vier Kinderheilstätten, wie es benn überhaupt bas erste Bab Deutschlands an sozialer Fürsorge ist. Daneben entwickelte sich ein zweites, bas zuerst in ber Spielbank bestand, Nauheim teilweise zu einem Luxusbad machte, das dann vom Herzbad abgelöst wurde. Dies war durch Arbeiten des damaligen 1. Brunnenarztes Dr. Friedr. Wilh. B e n e k e , des späteren Marburger Professors, so vorbereitet, daß das Verschwinden der Spielbank keine Lücke hinterließ. Beneke trat in seinen Arbeiten unermüdlich für die Behandlung Herzkranker in Nauheim, zunächst nur im Anschluß an Rheumatismus, ein. Das bewirkte aber, daß Herzkranke jeder Art nach Nauheim strömten. Die Aerzte I. G r ö d e l, Aug. Schott, Sigurd ©räupner u. a. suchten unb fanden auch für die Herzleiden nichtrheumatischer Art einen wissenschaftlich begründeten Heilplan mit Nauheimer Bädern, bei denen sie als hauptsächlich wirksamen Bestandteil der Quellen die reichlich vorhandene Kohlensäure ansahen.
Die alten Heilanzeigen ber Solbäber bestehen weiter, burdj seine natürliche Wärme, seinen hohen Chlorkalziumgehalt hat Nauheim einen wesentlichen Vorteil gegenüber anderen Solbädern. Der Kohlensäuregehalt hat es auch zum Bad für Nerven- unb Rückenmarkskranke gemacht.
Butzbach, Kasernenhof.
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Hatte schon bie Spielbank bas Aeußere des Bades Nauheim durch Anlage eines neuen Kurhauses und des Parkes günstig beeinflußt, ergab die steigende Besucherzahl den Anlaß zu weiteren Neubauten, so daß heute Nauheim in seinen Einrichtungen von wenigen Bädern erreicht wird.
Nicht vergessen sei das junge Bad Selters bei Ortenberg, das in seinem Benediktussprudel eine kalte, verhältnismäßig kohlensäurereiche sdjwachprozentige Solquelle hat.
Beachtenswert ist bie Tatsache, daß sich der Gehalt der Quellen von Nauheim, Salzhausen, Selters an Chlorkalzium und Gips im Verhältnis zum Gesamtgehalt ber festen Stoffe nach Südosten zu so ändert, daß das Chlorkalzium ab-, der Gips zunimmt, die Quellen, je mehr sie nach Süboften liegen, vom Nauheimer Charakter ab- unb bem Kissinger zurücken.
Ich stelle kurz zusammen, über was für Bäber Oberhessen verfügt:
Einfache Solbäber: Bab-Nauheim (durch die Gradierwerke entgast, enteisent und entkalkt), Salzhausen (mit geringem Kohlensäuregehalt).
Schwachsalzhaltige tohlensäurereiche Bäder, die gewärmt werden müssen: Vilbel, Selters, Bad-Nau- Heim. Vilbel hat den geringsten Salzgehalt, Selters bie wenigste Kohlensäure. In Bab-Nauheim nennt man sie Brunnenbäder.
Die 3 naturwarmen Sprudel Bad-Nauheims. Sie sind kohlensäurereiche chlorkalziumhaltige Stahl- foltfjermen, untereinander verschieden durch Salzgehalt und Wärme, im Kohlensäuregehalt durch direkte Leitung in bie Wanne ober Stehenlassen im luftdichten ober offenen Behälter abftufbar.
Die Trinkquellen Bad-Nauheims, Salzhausen, Selters unb Vilbels sollen nicht unerwähnt bleiben, wie auch bas Inhalatorium Bab-Nauheims unb bie jetzt gern als Freiinhalatorium bezeichneten Gradierwerke zu Bad-Nauheim unb Salzhausen.
Vilbel hat nur ein Badehaus, Selters unb Salzhausen finb kleine ruhige, ibyllisch gelegene Kurorte. Bab-Nauheim hat sich zum Weltbad empor« geschafft und bietet alles, was dazu gehört. Etwas Einhalt in den vom Zeitgeist beherrschten Treiben würde seinem Heilbad zugute kommen. Die meisten Kurgäste hatte es im Jahre 1912, es waren 35 876 anwesend, die 486 157 Bäder nahmen. Am 24. Juli 1911 wurde die höchste Bäderzahl an einem Tage, 4456, erreicht.
Der Krieg hat die Bäder arg geschädigt. Ein allmähliches Aufblühen ist zu bemerken. Mögen die alten Verhältnisse bald wieder erreicht sein.
Butzbach, Korngasfe.
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