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(Siebener Anzeiger - Jubiläums-Ausgabe

Viertes Blatt

Seite 27

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Gemeinnützige MSbelvevsovsuns

für das Rhein-, Main- und Lahngebiet. G. »n. b. &

Auf

langfristige Teilzahlung

Die Tierwelt unserer 5)eimat ist noch nicht völlig erforscht. Unter den Säu

Der Präsident des Landgerichts der Provinz Oberhessen, Herr Neuenhagen.

Dem „Gießener Anzeiger“ sende ich zu seinem 175jährigen Geschäftsjubiläum meine besten Wünsche. Da ich als Gießener die Entwicklung dieses Blattes Jahrzehnte lang verfolgt habe, kann ich seinem derzeitigen Stande nur wärmste Anerkennung zollen. Möge der „Gießener Anzeiger“ wie seither auch fernerhin, getragen von dem Bewußtsein der hohen Aufgaben unserer Tagespresse, durch objektive, dem wahren Sachverhalte entsprechende Berichterstattung und Darstellung auf allen Gebieten, insbesondere auch auf den mir zunächst am Herzen liegenden, der Rechtspflege, zur Aufklärung weiter Kreise unseres Volkes zu dessen Heile sein gutes Teil beitragen!

früher so häufige niederdeutsche Schaf. Aus dem Spessart wechseln Wildschweine besonders in die Schützer Gegend herüber: überall, auch in unferm Stadtwald, kommt das Reh vor, während der Edel­hirsch auf einige Gebiete des Vogelsbergs beschränkt ist. Einen herrlichen Bestand an Rotwild weist da- gegen der nahe, aber schon im Preußischen liegende Krofdorfer Forst auf: Damwild finden wir gleich­falls in Hessen-Nassau, im Tiergarten des Schlosses Braunfels gehegt. Er gibt uns noch eine Vorstellung von den großartigen Wildgehegen, wie sie früher in Deutschland zu den Schlössern gehörten. Der be­rühmteste derartige Tierpark war derjenige des Schlosses Münzenberg in der Wetterau, der schon im Jahre 1450 erwähnt wird.

Spätfliegende Fledermaus, die z. B. am Albacher Teich fliegende Wasserfledermaus und die Kleine Hufeisennase: ob noch andere Nachtflattcrcr Vor­kommen, ist mir nicht bekannt. — An Insekten­fressern ist häufig bei Gießen der Igel, Maul­wurf, die der Fischerei schädliche Wasserspitzmaus sowie die nützliche Wald-, Zwerg- und Feldspitz­maus. — Unter den Nagetieren richten großen Schaden an Waldwühlmaus, Feldmaus, Wasserratte, Wanderratte, Hausmaus, Waldmaus, Brandmaus, Zwergmaus sowie der bei Gießen auf Feldern zu­weilen vorkommende Hamster. Selten ist der u. a.

gelieren, treffen wir Oberhessen sicher an die

Lagev der wivtschastsrentrate für das westdeutsche .Handwerk Nnö einwandfreies Material Moderne Formen

- n Artenzahl ist die Vogelwelt Nordost­deutschlands am reichsten: sie nimmt gegen Süd­westen immer mehr ab. Von den 240 verschiedenen Stand-, Strich- und regelmäßigen Zugvögeln Deutschlands finden sich nur etwa 90 in Oberhessen: vor allem mangelt es an Wasser- und Sumpf­vögeln, woran die intensive Kultur Schuld trägt.’ Als Gießen vor 100 Jahren noch Festung und die Lahn noch nicht korrigiert war, da gab es noch drunten am Heßler gegen Dutenhofen zu eine Ko­lonie von wohl hundert Reihern, häufig hörte man das stierartige Gebrüll der Großen Rohrdommel und über dem Ried schaukelte sich im Balzflug die Rohrweihe.-Dringend erwünscht ist, daß wenigstens die wenigen noch in Oberhessen vorkommenden Reiher geschützt werden, denn sonst verschwindet wieder ein schönes, unser Landschaftsbild belebendes Tier. Freilich ist der Reiher ein Fischräuber, aber man nehme sich bei uns ein Beispiel an jenen württembergischen und pommerschen Gutsbesitzern, die als Naturfreunde an ihren Fischwassern ruhig die Reiher bzw. Kormorane sich gütlich tun lassen.

Lru-ettplatz Kv. 1

GieSerr an der Lahn

Die heimatliche Fauna.

Von vr. H. E r h a r d , Professor an der Universität Gießen.

Das Landschaftsbild Oberhessens ist gar verschie­denartig! Herrliche Laubwälder wechseln ab mit üppigen Wiesen und Weiden, fruchtbaren Feldern und blühendem Gartenland. Das Land wird von zahlreichen Bächen durchrieselt; es fehlen nur größere Seen, es fehlt Steppenland sowie fast ganz Oedland und Sumpfland. Die Tierwelt Oberhessens ist dementsprechend recht abwechslungsreich: zumeist fehlen allerdings die seltenen und fremdartigen Formen, die wir etwa im Steppenland südlich von Darmstadt, an den norddeutschen Seen oder am Kühkopf am Altrhein antreffen.

Herr Generalstaatsanwalt Hofmann.

Ich möchte nicht verfehlen, dem „Gießener Anzeiger“ anläßlich seines 175jährigen Bestehens meine herzlichsten Glückwünsche darzubringen und insbesondere dem Wunsche und der Hoffnung Ausdruck zu geben, daß es dem rührigen Verlag und einer in dem traditionellen Geiste auch weiterhin geleiteten Redaktion des Blattes gelingen möge, die angesehene, sowohl in Oberhessen wie den angrenzenden preußischen Landes­teilen unbestritten führende Stellung als Tageszeitung auch fernerhin zu erhalten und seinen Leserkreis noch zu erweitern.

Als treuer Abonnent des ,,Gießener Anzeigers" während meiner nahezu 13jährigen amtlichen Tätigkeit in Gießen habe ich diesen nicht nur als ein sehr gut bedientes, seine Leser schnell und zuverlässig unterrichtendes Nachrichtenblatt kennengelernt, sondern auch wegen seines sonstigen gediegenen Inhalts, insbesondere wegen der von echt vater­ländischem Geist beseelten, jedem Parteidoktrinarismus abholden Behandlung der politischen Tagesfragen und wegen der besonderen Pflege, die er in den Feuilletons und in seinen Sonderbeilagen, insbesondere den ,,Familienblättern", den literarischen, künstlerischen und sonstigen kulturellen Interessen angedeihen ließ, stets hochgeschätzt.

Möge es dem Gießener Anzeiger vergönnt sein, am Ende des 2. Jahrhunderts seines Bestehens mit gleicher Befriedigung auf seine Erfolge als immer einflußreicherer Träger hessischer Kulturarbeit zurückblicken zu können, wie er es heute in seinem 176. Jahr­gang mit berechtigtem Stolz tun kann.

inbegriffen wird. Leider sind feit einer Reihe von wahren die Wasser- und Bodenverhältnisse den hier angedeuteten Pflanzenschutzbeftrebungen nicht mehr günstig: das Moor ist sehr trocken geworden. Dazu kommt noch, daß die Soften, welche eine gründ­liche Bewirtschaftung der Parzelle beansprucht, allzu doch schienen, so daß alle Bestrebungen der letzten Jahre nur der Erhaltung der noch vorhandenen Pflanzenbestände gelten konnten.

Ein weiteres, floristisch sehr reichhaltiges Gebiet, das im Sinne der Naturschutzbestrebungen Be­achtung und Schonung verdient, sind die Salz- wiesen und S a l z s ü m p f e in der Nähe von Bad-Nauheim. Nicht nur an den salzreichen Ab­flußgräben, an den Gradierwerken des Badeortes selbst fallen dem Pflanzenkundigen allerhand salz- liebende Arten auf (vor allem Spergularia salina, Plantago maritima und das dickblättrige Atriplex patulum sativum), sondern auch namentlich die bei Wisselsheim sich entwickelnden, von Salzwasssr durchtränkten Wiesen sind durch ihre Flora höchst bemerkenswert. Namentlich fallen die dichten Be­stände des Juncus Gerardii, die eigentümlichen Aehren des Stranddreizacks Triglochin maritima, der dichte Flor des salzliebenden Trifolium fragi- ferum und das regelmäßig beblätterte Milchkraut Glaux maritima auf, — Daneben die große Zahl von Wasser- und Sumpfpflanzen, die hier auf dem chlornatriumhaltigen Boden ebenso gut gedeihen wie anderwärts auf salzfreiem.

Schon vor dem Kriege hat Herr Lehrer O ß - wald (Bad-Nauheim) auf das wissenschaftliche Interesse hingewiesen, das die Nauheimer Halo- phytenformationen für sich in Anspruch nehmen dürfen, und hat empfohlen, einen geeigneten Anteil der Wiesen in irgendeiner Form unter Naturdenk­malschuh zu stellen Nach dem Kriege sind diese Pläne verwirklicht worden, nachdem der Besitzer der Wiesen, Herr Frhr. von Loew, mit sehr dankenswerter großer Anteilnahme an der wissen­schaftlichen Bedeutung der Aufgabe 1924 zwei Parzellen vom landwirtschaftlichen Betriebe aus­geschlossen hat. Damit ist nicht nur der Erhaltung einer außergewöhnlichen Pflanzengesellschaft gedient, sondern auch für die Einleitung wichtiger Versuche die Vorbedingung geschaffen worden. Es wäre sehr zu begrüßen, wenn die bisher reservierten Wiesen­parzellen sich noch erweitern und sich auf ihnen Saatversuche in größerem Umfange wiederholen ließen, die mit Unterstützung des Verfassers schon im vergangenen Frühjahr eingeleitet worden sind. (Aussaat von Salicornia, Salsola, Samolus, Aster tripolium U. a.)

Daß die eigenartigen Verhältnisse, welche im Quellengebiet von Bad-Nauheim und Umgebung verwirklicht sind, auch der Kryptogamenflora einen besonderen Zug verleihen, ist selbstverständlich. SDlit - aufrichtigem Dank für ihr Entgegenkommen ist mit- zuteilen, daß die Kur- und Badeverwal- tung von Bad-Nauheim dem Botanischen Institut zu Gießen einen kleinen Beobachtungs­pavillon zum Studium der Mikroorganismenflora über einem besonders salzreichen Rinnsal errichtet hat.

Fük weitere pflanzenbiologische Forschungs­anlagen böte selbst die allernächste Umgebung von Gießen Gelegenheit. Ein alter Wunsch des Gießener Botanischen Instituts wäre es, ein kleines Lahn- Laboratorium eröffnen zu können, das wenigstens mit bescheidenen Mitteln die Beobach­tung unserer lahnbewohnenden Wasserpflanzen (Grün- und Rotalgen, Blutenpflanzen) an den na.irlichen Standorten möglich machte. Die Ver­wirklichung des lange gehegten Planes ist bisher an den Kosten gescheitert.

An Wasservögeln kommt meines Wissens nur noch an einer einzigen Stelle in Oberhessen der Große oder Haubentaucher vor, dagegen kann man überall häufig — besonders im Winter an der Gießener Lahnbrücke — den Zwergtaucher sehen. Die Stockente und die kleine Krickente sind die ein­zigen hier regelmäßig vorkommenden CnMi Dem Jäger geht das Herz auf, wenn er die ersten Schnepfen puitzen hör: oder das Meckern der be- sonders am Hochmoor auf dem Vogelsberg richt seltenen Bekassinen. Im März gaukeln bei Wieseck massenhaft in der Luft die Kiebitze: auf den meisten Fischteichen schwimmen das Blaßhuhn (mit weißer Kopfplalte) und das grünfüßige Teichhuhn (mit roter Kopfplatte); seilen, doch sicher bei Laubach rorfommenb, sind Wiesenralle oder Wachtelkönig und Wasserralle, doch wage ich nicht bestimmt zu be­haupten, daß sich das äußerst scheue gesprenkelte Parzellanhühnchen noch in Oberhessen vorfindet. Ein Schmuck vieler hessischer Dörfer sind die Storchennester; dasjenige in Wieseck wird wohl den meisten Gießenern bekannt sein.

Recht selten sind die W 1 l d h ü h n e r geworden. Die letzten Auerhähne in der Gießener Gegend sind kurz vor dem Krieg erlegt worden, jetzt kommt dieser größte Hühnervögel nur noch zwischen Schlitz und dem Knüllgebirge vor; noch seltener ist das Haselhuhn. Fasanen wurden früher in fürstlichen Fasanerien, z. B. in Lich, gehalten; sie sind bann verwildert und überall spärlich anzutreffen; neuer* dings sind sie wieder in der Schützer Gegend aus­gesetzt worden. Häufig ist das Rebhuhn, seltener die Wachtel. UeberaU in den oberhessischen Wäldern hort man das Rucksen der drei deutschen Wild­tauben, der taubengrauen Hohltaube, kenntlich pm schwarzen Streif im Flügel, der mit weißem Flügelfleck versehenen Ringeltaube und der kleinen zimtfarbigen Turteltaube. Die Ringeltaube brütet sogar in einem Garten in der Südanlage, die Hohl- taube brütet u. a. in einer hohlen Buche 200 Meter südlich des Forsthauses Hochwart mit dem Schwarz­specht und der Dohle im gleichen Baum.

Jeder größere Raubvogel heißt in Oberhessen em „Habch" und wird von nicht weidgerechten Jägern heruntergeholt. Meistens ist es bann ber zumeist nützliche Bussarb. An Tagraubvögeln sehen wir außerbem sehr selten in ber Alsfelber Gegenb ben etwas schlankeren Wespenbussarb, ben zu schützenben herrlichen Roten Milan ober Gabelweich, ferner Habicht, Sperber unb Turmfalk, sowie äußerst selten ben Baumfalken unb ben Wander­falken. Den Bussard kennt man daran im Flugbild, daß er breite Flügel und breiten Schwanz (Stoß) hat, den Milan daran, daß er einen gegabelten Stoß hat: der Habicht unb ber kleinere Sperber haben breite Flügel unb schmalen Stoß; bie Falken he­figen schmale Flügel unb schmalen Stoß. Wo sich ber Fischabler in Oberhessen niebergelassen hat, sei hier verschwiegen. An Nachtraubvögeln hausen in ben Wälbern Waldohreule und Waldkauz, auf Scheunen Schleiereule, in altem Gemäuer Stein­kauz, während die untertags fliegende Sumpfohr­eule Durchzugsvogel ist.

An Klettervögeln hören wir überall im Wald den Kuckuck, häufig in Gärten Wendehals und Grünspecht; schon im Februar hort man das „Läuten" des Schwarzspechts, in den Wäldern hacken Großer, Mittlerer und Kleiner Buntspecht, in mehr bergigen Gegenden lebt ber seltenere Grauspecht. Erst Anfang Mai kommt zu uns ber bis Anfang August rastlos über Gießen fliegenbe zu den Schwirrvögeln gehörige Mauersegler; selten ist bie rinbenfarbige Nachtschwalbe in ben Bergen. An Sitzfüßlern sehen wir besonders im Winter pfeilgerade niedrig über der Lahn den Eisvogel fliegen, während der schöne Wiedehopf fast ausgerottet'ist.

.Zu den Singvögeln rechnet der Zoologe auch die Raben. Im Sommer sind bei uns Saat­krähen, im Winter Rabenkrähen mit vereinzelten grau und schwarz gefärbten Nebelkrähen; Dohlen gibt es überall, doch nicht allzu häufig. Recht feiten ist die früher sehr häufige, jetzt noch an der Baden­burg unb am Wettenberg uorfommenbe Elster. Im falten Winter 1923/24 tarnen bis in bie Gießener Gärten bie vielen Eichelhäher. Vereinzelt hort man im Walb bas laute Flöten bes Pirols unb auf ben Hausbüchern tummeln sich Stare. Sonst kommen vor Amsel, Singbrossel, Mistelbrossel unb (auf bem Durchzug) Wacholberbrossel, ©olbammer, Rohr­ammer, unb seltener bie Grauammer, namentlich im Vogelsberg ber Gimpel, in Oberhessen „Blut­fink" genannt, ber hier auch gezüchtet wirb, Haus- unb Felbspatz, Hänfling, Stieglitz, Buchfink, Girlitz,

am Hangelstein oorkommende zierliche mausgraue Siebenschläfer, ben man an seinem buschigen, leier­förmigen Schwanz erkennt. Das Eichhörnchen kommt in ber Regel in seiner rotbraunen Abart vor; vorzüglich sinb bie Hasenjagben. — Was bie 91 a u b, t i.e r e betrifft, so wissen wohl nur wenige Gießener, baß sich schon in unserem Stabtwalb be­fahrene Fuchs- unb Dachsbauten befinben; ber eine Dachsbau liegt am sog. Professorenweg, ber vom Forsthaus Hochwart zu bem über bie Hochwarthöhe führenben Weg nach Annerob führt, 50 Meter rechts bes Anaerober Weges Der letzte Fischotter würbe vor etwa 25 Jahren geschossen, bagegen sinb nicht allzu selten Baummarber (mit gelbem Kehlfleck), Hausmarber (mit weißem Kehlfleck), der ber Fischerei schäbliche Iltis sowie Großes unb Kleines Wiesel. Das Große Wiesel liefert in seiner weißen Winterfärbung ben kostbaren Hermelin. — Unter ben Paarhufern interessiert uns vor allem bas genügsame rotbraune Vogelsberger Rinb, bie in Oberhessen sehr gut gebeihenbe Saanenziege sowie bas in ben letzten 50 Jahren nicht mehr wie