Aach dem Senator Lissier ergriff
Finanzminister Caillaux
das Wort. In der gleichen Weise wie heute nacht in der Kammer erörterte er die Rotwendigkeit der von ihm anempfohlenen Finanzmastnahmen Man sage ihm. er habe lange gewartet, aber er sei der Ansicht, dah jede Lösung Zeit brauche. Man hatte neue Vorschüsse von der Dank von Frankreich verlangen können, außerdem die Bewilligung eines Moratoriums für die Rückzahlung der Dons. Beides habe er nicht gewollt.
Man habe alsdann von einer zwangsweisen Konsolidierung der Bons gesprochen. Gr sei aber der Ansicht, dah man. bevor man das unternehme. zum letztenmal einen dringenden Appell an das Land richten müsse.
Die Konsolidierung der schwebenden Schuld sei notwendig, aber um sie durchzuführen, müsse man den französischen Staatsbürgern ein stabiles Rentenpapier anbieten.
Auch
Ministerpräsident Painlevs
ergriff das Wort. Meine Regierung, so erklärte er, hat keine Derantworiung für die jetzige Lage. Jede andere Regierung kann übrigens nichts anderes vosg«schkagen haben, als das. was wir jehr verlangen. Weml das Parlament sich der Regierung anschlösse, würde das Land dem Rus, der an es ergehe, Folge leisten. Er sei kein Freund der Inflation, aber die Inflation, die die Regierung jetzt Vorschläge, sei beschränkt und solle die Durchführung der notwendigen Konsolidierung der schwebenden Schuld durchzusühren gestatten. Dis April hätte man nicht eine Erhöhung des Rotenumlaufs um 4 Milliarden, sondern um 10 Milliarden fordern müssen. Troh- dem das seine Meinung gewesen sei. habe er die Verantwortung für die Regierung in einem Augenblick übernommen, in dem man rasch habe handeln müssen. Die Abstimmung werde einen großen Cinflrch auf das Land ausüben.
Rach weiterer kurzer Debatte wird die Generaldebatte geschlossen und zur Abstimmung geschritten, die das oben gemeldete Ergebnis hatte. Abd el Krims Offensive.
Vor einer Enscheidung?
Paris, 29. Juni. (TLl.) Rach einer Havas- meldung aus Fez wurde die Rif-Offensive, die seit dem 23. ds. Mts. im Gange ist, überall rechtzeitig von btn französischen Parteigängern aufgefangen. Besonders schwere Kämpfe spielten sich auf der Linie an der algeri- schrn Grenze ab. Teilweise ist es den Rifleuten gelungen, die Gingrbvrenen-Truppen einige Kilometer zurückzudrängen und.sich so an die französischen Stellungen heranzuarbeiten. Der Havas-Berichterstatter hebt hervor, dah der Feind auf einer Front von nahezu 100 Km. größtenteils durch Eingeborene mit französischen Ma - schinengewhren und Kampffliegern in Schach gehallen wird. Der Einsatz arvherer französischer Kampfeinheiten konnte bisher vermieden werden.
Die Kriegsberichterstatter der Morgenblätter stellen fest, dah die Offensive im Abflauen begriffen ist. Andererseits werden Truppen- zusammenziehungen gemeldet. Man ist das Auf- .fassung, dah sich die entscheid ende Schlacht in der Gegend von T a z a abspielen wird.
Friedensfühler.
I Paris. 28. 3unt (Wolff.) Der Korrespon- -Lent des »Petit Parisien" in Madrid glaubt zu ^wissen, dah die französische Delegation bereits ^jetzt über die Einzelheiten des spanischen Standpunktes über die den Rifleuten zu gewährenden Friedensbedingungen ge- nau unterrichtet sei. Die Ansichten des Direktoriums über diese wichtige Frage seien bereits dem Quai d'Orsay mitgeteill worden. Man könne unbedenklich bestätigen, dah in dieser Angelegenheit die spanische Auffassung von der französischen nicht abweicht.
Griechenlands neues Kabinett.
Paris, 27. Juni. (Wolff.) Havas meldet aus Athen: Das neue Kabinett ist endgültig gebildet worden. ES ist gestern vom Präsidenten der Republik vereidigt worden. Zum Ministerpräsidenten und Kriegsminister ist General Pangalvs bestellt worden. Das Marineministerium und ebenso interimistisch das Ministerium des Aeuheren hat Konteradmiral Had - j i r i a k o s übernommen. Das Kabinett besteht in seiner Mehrheit auS OKifgliedern der Nationalversammlung.
Lin Direktorium in Griechenland.
Paris, 28. Juni. (WB.) Rach einer Meldung der „Chikago Tribüne" aus Athen herrscht dort die Ansicht vor. General Pangalos habe die Absicht, eine Militärdiktatur nach dem Muster Primo de Riveras aufzurichten. Morgen werde das neue Ministerium vor die Kammer treten. Aber es sei wahrscheinlich, dah es kein Vertrauensvotum erhallen werde. Unter diesen Bedingungen könne es nur zurücktre- ten oder die Diktatur proklamieren Im übrigen verhalte sich daS Land gegenüber den politischen Ereignissen vollkommen indifferent.
Der Sicherheitspakt.
Ministerbefprechung in Berlin.
Berlin, 27. Juni. (WB.) In der Besprechung des Reichskabinetts mit den Staats- und Ministerpräsidenten der Länder, die mit einer kurzen Mittagspause von 10 Uhr morgens bis gegen Abend dauerte, wurden die wichtigsten, zur Zeit im Vordergründe stehenden auhenpoli- tischen Probleme eingehend erörtert. Hierbei ergab sich eine grundsätzliche Ueberein- stimmung in der ^Beurteilung der Lage und der zu treffenden Mahnahmen.
Französische Vermutungen.
Paris, 28.Juni. (WB.) Der „Temps" erörtert die Frage, ob die französische Regierung zwecks Förderung der Verhandlungen Über einen Sicherheitspakt eine Konferenz anneh- men werde. Er glaubt, für den Augenblick handle es sich nur darum, die Verhandlungen fortzusehen. Man versichere, dah die deutsche Antwort auf die Rote vom
16. Juni nicht vor zehn Tagen zu cr- iD arten sei. weil Berlin wünsche, über dte Bedeutung und Folgen gewisser Grundsätze vollkommen unterrichtet zu fein. In Berlin scheine man der Ansicht zu fein, dah die strittigen Fragen auf einer Konferenz der interessierten Mächte, auf der Deutschland Gelegenheit gegeben werde, zugunsten seiner These zu manöverieren. verhandelt werden können.
Die Möglichkeit einer internationalen Konferenz vor Erzielung eines grundsätzlichen Abkommens über die Grundlagen eines internationalen Paktes mühte in klarer Weise zurückgewiesen werden. Eine derartige Konferenz könne nur die Dinge verwickeln, indem ie die durch die Verträge entschiedenen Probleme irib die durch das französisch-britische Einver- tändnis festgelegten Grundsätze wieder in Frage zu stellen suche. Das toärS der Versuch eines Manövers und nicht ein aufrichtiger Wunsch zu einer Regelung. Direkte Verhandlungen zwischen Berlin und Paris müßten genügen, um Klarheit über die Lage zu schaffen. Was übrigens die Bedingungen für den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund anbetteffe, so seien sie ja Deutschland bekannt, weil sie für alle Mitgliedstaaten die gleichen wären und weil niemanden eine privilegierte Stellung eingeräumt werden könne.
Beginn der Ruhrräumung.
Düsseldorf, 27. Juni. (Sil.) Wie die Telunion an zuständiger Stelle erfährt, hat die Äat'm.ing d S besetz e i Geb etes bere ts begonnen. An der nördlichen Besetzunasgrenze sind kleinere Tcuppenabteilungen aus ihren Quartieren ab* gerückt.
Heute vormittag 8,35 ilhr fuhr Marschall P e t a i n wieder von Düsseldorf ab. Es verbautet, dah seine Anwesenheit im Ruhrgebiet vollständige Klarheit über die Methode der Räumung gebracht hat. Die Zurückziehung der Truppen erfolgt etappenweise. Zunächst soll die Bochumer, dann die Essener, danach die Mühlheimer und zuletzt die Duisburg-Ruhrotter und Düsseldorfer Zone geräumt werden.
Die deutschen Handelsverträge.
Berlin, 27. Juni. (WTB.) Der Reichs- tag sausschuß für die Handelsoer. träge setzte die Generaldebatte über die Zolltarif- Vorlage fort. Reichswirtschaftsminister Ne u h a u s führte über das Ergebnis der Handelsvertragsver- Handlungen mit Belgien und die schwebenden Verhandlungen mit Frankreich, Italien und Polen etwa folgendes aus:
Der Grundgedanke der deutschen Handels- Politik muß die Erreichung der allgemeinen unbeschränkten und unbedingten Meistbegünstigung für unsere Ausfuhr sein. Die zweite Aufgabe der Handelspolitik ist der Abbau der Zollmauern. Diesem Zweck soll der Inhalt der Tarifabmachungen dienen, die in einer Anzahl von Handelsverträgen enthalten waren und auch wieder erstrebt werden sollen.
Mit Belgien wurde ein für 18 Monate mit sechsmonatiger Kündigungsfrist laufender Handelsvertrag abgeschlossen, der auf dem Grundsatz der Meistbegünstigung beruht. Für die lleber- gangszeit, die teilweise sechs Monate und teilweise ein Jahr beträgt, wurde dieser Grundsatz durchbrochen.
Mit Frankreich sind Verhandlungen seit Herbst 1924 im Gange. Zur Zeit kann unstreittg mit Rücksicht auf die ilngeflärt- heit der ganzen wirttchaftlichen Lage nur über ein Provisorium verhandelt werden.
Der Minister machte weiter vertrauliche Mitteilungen über den Stand der Verhandlungen mit Italien. Es ist einstweilen ein vorläufiges Handelsabkommen abgeschlossen worden, das sich jedoch nicht auf ein Ausfuhrverbot erstreckt. Beide Teile äußerten indessen den Wunsch, die Ausfuhrverbote rwch vor Abschluß des endgültigen Handelsvertrages abzubauen.
Polen ist nicht mehr bereit, Zollbindungen gegenüber Deutschland einzugehen. Mit dem Abschluß eines umfassenden Handelsvertrages ist daher zunächst nicht zu rechnen. Jetzt hat Polen am 17. Juni Einfuhrverbote für die wichtigsten deutschen Einfuhrwaren erlassen. Die Maßnahme richtet sich ausschließlich gegen Deutschland. Deutschland wird dadurch gezwungen, gegen Polen entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Sollte Polen dennoch die schwebenden Verhandlungen fortsehen, so wird sich Deutschland dem Wunsche, die Beziehungen vorläufig zu regeln, nicht entziehen. Ob eine solche Regelung aber nach der durch das polnische Verhalten eingetretenen Verschärfung der Lage noch möglich erscheint, ist fraglich.
Mit Rußland stoßen die Handelsvertragsverhandlungen auf große Schwierigkeiten, was bei der Verschiedenartigkeit der Wirtschaftssysteme verständlich ist. Eine weitgehende Annäherung wurde in den Fragen des Konsularver- trages, Rachlaßabkommens, See- und Dinnen- schisfahrtsvertrages sowie Rechtshilfeabkommens erzielt.
Freispruch im Beltheimer Führenprozeh.
Hannover, 27. Juni. (Wolff.) 3m Prozeß gegen den Oberleutnant Jordan beantragte der Vertreter der Anklage Freisprechung des Angeklagten. Die Verteidigung schloß sich diesem Antrag an. Oberleutnant Jordan wude freige- sprachen. Die Kosten wurden der Staatskasse auserlegl.
In der Urteilsbegründung heißt es nach Schilderung der geschichtlichen Ereignisse vom 31. März, die von dem Angeklagten angeordneten Maßnahmen zur Rettung der ins Wasser gestürzten Mannschaften hätten den tatsächlichen Erfolg gehabt, daß sie besser wirkten und dadurch mehr Menschen gerettet wurden, als wenn die militärischen Bor- schriften befolgt worden wären. Was die subjektive Seite dieser Momente angeht, so kann in keinem Falle dem Angeklagten ein Vorwurf gemacht werden, daß er seine Pflichten als Offizier in irgendeinem Punkte vernachlässigt habe. Aus diesen Gründen hat sich das Gericht nicht von der Schuld des Angeklagten überzeugen können. Daher mußte Freispruch erfolgen.
Gegen einen amerikanischen Kredit für die Stadt Berlin.
Paris, 29. Juni. (T. U.) „Neunork Herald" meldet aus Washington, der bekannte Rechtsanwalt Levis Mc Gowan habe an die Generalftaate-
anwaltschaft des Staates Neuyork einen sehr energischen Bries gerichtet, in dem er auf Grund eines Staatsgesetzes ersucht, die Auslegung der Anleihe der Stadt Berlin in Hohe von 15 Millionen Dollar zu untersagen. Gowan behauptet, von gegenwärtigen Inhabern der Schatzanweisungen des Berliner Magistrates zu feinem Schritt ermächtigt worden zu sein. Der Rechtsanwalt gibt in seinem Briese die Auffassung bekannter Juristen wieder, die dahin geht, daß die Stadt Berlin verpflichtet wäre, vor der Unterbringung der neuen Anleihe ihre alte Schuld abzutragen.
Von der Rentenbank.
Berlin, 27. Juni. (Wolff.) Gemäß Paragraph 14 Absatz 3 der Satzung wurde in der durch den Aufsichtsrat der Deutschen Rentenbank unter Mitwirkung vom Reichsrat und vom Präsidenten des deutschen Rechnungshofes bestellten Kommissare vorgenommene Revision festgestellt, dah die durch die Rentenbankverordnung vom 15. Oktober 1923 in Verbindung mit dem Gesetz über die Liquidierung des Umlaufs an Rentenbankscheinen vom 30. August 1924 vor- geschriebene Deckung der Rentenbriefe und Rentenbankscheine vorhanden ist.
Ausnahme bei der Weinsteuer.
Berlin, 26. Juni. (TU.) Im Steueraus- schuß des Reichstages wurde beschlossen, daß von der Weinsteuer ausgenommen sein soll die als Haustrunk zum eigenen Verbrauch und zur unentgeltlichen Verteilung an die Arbeiter des eigenen Betriebes gegebene Menge. Schließlich wurde auf Antrag des Abg. Kerb (Z.) auch noch der Wein als steuerfrei erklärt, der dem Verbrauch bei der Kelterbehandlung ohne Lagerung als sog. Küfertrunk dient. Weiterberatung am Samstag.
Deutscher Reichstag.
Beschlußunfähig.
Berlin, 27. Juni. Das Haus genehmigt zunächst ohne Debatte den Gesetzentwurf über den Schutz des zur Anferttgung von Schuld - urkunden des Reichs und der Länder verwendeten Papieres gegen unbefugte Rachaß ug in allen Lesungen und wendet sich bann der Beratung des Haushalts des Reichsfinanzmini st eriums zu.
Abg. Eggerstedt (Soz.) weist darauf hin, daß der Gedanke Erzbergers, die Vereinheitlichung der Steuer durch das Reich vornehmen tzu lassen, von Finanzminister v. Schließen übernommen worden sei.
Der Redner wendet sich sodann gegen die Dranntweinrnonopolverwaltung. Die amtlichen Zahlen liehen einen erfreulichen Rückgang des Alkoholismus erkennen. Leider entspreche das aber nicht den Tatsachen, denn es werde tatsächlich mehr Trinkalkohol als vor dem Kriege verbraucht. Der Redner begründet dann einen sozialdemokrcttischen Antrag, der eine Aen- berung des Dranntweinmonopolgesetzes wünscht, dahingehend, daß der Monopolverwaltung ein rein kaufmännisches Arbeiten ermöglicht wird. Weiter wird die Regierung ersucht, auf die Bendin® und benzolverbrauchenden Behörden ein» zuwirken, daß im Einvernehmen mit der Monopokverwaltung Versuche angestellt werden, an Stelle dieser Stoffe Spiritus zu verwenden.
Abg. Dr. Oberfohren (Dtntl.) erklärt namens seiner Fraktion, daß sie die Etatgebarung und vorsichtige Finanzpolitik des gegenwärtigen Finanzministers vollkommen billige und dem Ministerium ihr Vertrauen ausspreche.
Abg. Cremer (Dt. Vpt.) führt aus, durch die Reichssteuern werde eine neue Klammer um die einzelnen Reichsteile gelegt und es sei daher zu begrüßen, daß der Finanzminister auch Sympathien für diesen Gedanken habe. Der Redner glaubt, daß die Schwarzbrennereien heute unter der Monopolverwaltung größer geworden sei, als sie es immer war. Die Frage der Rotreform der Beamtenbesoldung könne nicht gelöst werden, bevor ein llcberblicf über die Finanzverhältnisse des Reiches vorhanden sei.
Abg. Dr. Schreiber (Zentr.) wünscht Klärung der noch vorhandenen organisatorischen Unklarheiten beim Reichsfinanzministerium, die namentlich noch über den angegliederten Abteilungen des ehemaligen Wiederaufbauministeriums und Schatzministeriums beständen. Mit dem Standpunkt der einheitlichen Reichsfinanzverwaltung habe der Minister absolut recht.
Da sich ziemlich wenig Abgeordnete im Saale befinden, beantragt Abg. Stöcker (Kom.) die Vertagung des Hauses.
Abg. Hol le in (Kom.) bezweifelt die Beschlußfähigkeit des Hauses.
Das Büro ist sich über die Beschlußfähigkeit nicht einig. Es findet hierüber eine namentliche Abstimmung statt, die ergibt, daß von den 493 Abgeordneten sich nur 207 im Saale befinden. Das Haus ist also nicht beschlußfähig.
Präsident Lobe schließt daher um 31/» -Upr die Sitzung.
Luftschiffe am Nordpol.
Berlin, 26. Juni. (WB.) Heute nachmittag hat im Reichsverkehrsmini st erium zwischen der internationalen Studiengesellschaft zur Erforschung der Ark- t i s mit dem Luftschiff und dem Luftschiffbau Zeppelin eine Besprechung stattgefunden, in der Dr. Eckener, Geheimrat Professor Kohlschütter, Hauptmann a. D. Bruns, Geheimrat Professor P e n ck und Direktor Dr. D l e i - stein teilnahmen. Die Besprechung führte zu folgendem Ergebnis:
Der Luftschiffbau Zeppelin will für die Zwecke der Studiengesellschaft ein geeignetes Luftschiff bauen und Frithjof Raufen, dem Präsidenten der Gesellschaft, für zwei Polarunternehmungen zur Verfügung stellen. Die Kosten für den Bau des Schiffes will der Luftschiffbau Zeppelin selbst aufbringen. Die Kosten für die Durchführung der arktischen Erforschung sollen international getragen werden. Es ist beabfichttgt, das Luftschiff nach Erledigung der arktischen Unternehmungen anderen international zus ammengesetzten Studiengesellschaften zu anderen wissenschaftlichen Zwecken, insbesondere für die Erforschung weiterer unbekannter Gebiete der Erdoberfläche zur Verfügung zu stellen.
Der Luftschiffbau Zeppelin tritt in die Studiengesellschaft ein. Dor feinem Eintritt wird die internationale Studiengesellschaft noch intern beraten, ob das vom Luftschiffbau Zeppelin angebotene Luftschiff für die wissenschaftlichen Be
dürfnisse der Gesellschaft auSreicht. Die A u S» gestaltung des Luftschiffes wird Lurch die technische Kommission der Internationale:! Studienkommission festgesetzt, in der der Luftschiffbau Zeppelin Sitz und Stimme hat. Siq Führung des Schiffes wird der Lust*. fchiffbau Zeppelin derart regeln, daß der Begründer und Geschäftsführer der Internationale^ Studiengesellschaft, der ehemalige Luftschiff« sührer Hauptmann a. D. Bru ns, beteiligt wird Rach-dem Eintritt des Luftschiffbaues Zeppelin in die Studiengesellschaft wird diese an die beut- fche Regierung einen Antrag richten, in dem sie bitten wird, die Bauerlaubnis für das die Begriffsbestimmungen überschreitende Luftschiff bei der Botfchafterkvnferenz nachzusuchen. EinedeutscheNordpoiexpeLition.
Dr. Eckener, der in Berlin eingetroffen ist, äußerte sich zu einem Pressevertreter, daß der Nordpol nur mit einem Zeppelin zu erreichen sei, weil Flugzeuge das Starten und Landen erschweren und den Strapazen des Nordpolfluges nicht gewachsen seien. Er selbst hmfe zuver- sichtlich, daß cs gelingen werde, mit einem Zeppelinkreuzer, der im übrigen keiner besonderen Verbesserung oder Veränderung bedürfe, den Nordpol zu überfliegen. Er werde nicht verfehlen, Amund- sen, der erfreulicherweise in Deutschland Unterstützung für seine künftigen Pläne suche, seine Hilfe angedeihen zu lassen Bei den kommenden Verhandlungen im Neichsoerkehrsministerium, die sich mit einem neuen großangelegten Plan der Nordpolerforschung befassen, wird auch, wie Eckener mit- teilt, daß Projekt der Nordpolexpedition des beut- schen Hauptmanns Bruhn erörtert werden, dessen Expedition gegebenenfalls dem Zeppelinfluge eingegliedert werden soll.
Kleine politische Nachrichten.
Das portugiesische Kabinett ist zu. rückgetreten. Ein Antrag der demokratischen Partei, durch den die Regierung anstatt der Der» langten sechs Budgetzwölftel nur ein Budget, zwölftel zugebilligt wurde und der mit 52 gegen 25 Stimmen angenommen wurde, hat den Rücktritt des Kabinetts veranlaßt.
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Die Verhandlungen über den deutsch, türkischen Handelsvertrag werden im Laufe dieser Woche beginnen. Das Deutsche Reich wird durch den Gesandten Nadvlny vertreten werden.
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Aus aller Welt.
Grotzseuer in Kreuzburg.
In Kreuzburg in Oberschlesien brach am Svnntagvvrmittag im Haus des Kaufmanns Blumental Feuer aus, das große Ausdehnung annahm und auch auf die Nachbarhäuser Übergriff. Trotzdem die Ortswehr sowie die umliegenden Wehren und selbst eine Motorspritze aus Oppeln den Brand bekämpften, wurden 9 Häuser eingeäschert. Wie gemeldet wird, find bei dem Brande die Frau des Kaufmanns Blumenthal und seine zwei Kinder ums Leben gekommen. 30 Familien sind obdachlos. 12 Geschäfte sind vernichtet worden. Jedoch ist der Schaden größtenteils durch Versicherung gedeckt.
Flugzeugunfall.
Bei einem inGörlitz ftattgefun&enen Flugwettbewerb ist am Samstag der Flieger Ger - mershaus en mit seinem Mark-Eindecker D 284 aus geringer Höhe abgestürzt, wobei er sich einen Handgelenkbruch zuzog. Das Flugzeug wurde vollständig zertrümmert. D 284 ist durch die Landung Unter den Linden bekannt geworden.
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Wettervoraussage.
Heiter bis wolkig, auffrischende Winde, Temperaturen wenig geändert, noch vorwiegend trocken.
Das isländische Tief hat stark an Ausdehnung und Stärke gewonnen. Seine Ausläufer liegen bereits über Großbritannien. Unter Einströrnen von westlichen Winden wird die Bewölkung langsam zunehmen. Falls das Vorrücken des Tiefs in die- fern Tempo weitergeht, können wir bereits übermorgen mit beginnenden Niederschlägen rechnen.
Aus Stabt und Land.
Gießen, den 29. Juni 1925
Richtige und falsche Anschriften an Behörden.
Kaurn auszurotten ist die Gewohnheit, Schrift, stücke für Behörden nicht an die Behörde, fonbem an einen leitenden Beamten persönlich zu rich- ten. Da wird geschrieben an Herrn Oberbürgermeister Dr. Müller, Herrn Beigeordneten Schulze, Herrn Oberregierungsrat Dr. Lehmann, Herrn Verwal- tungeamtmann Meyer. Das ist falsch.
Richtig schreibt man an den Herrn Oberbürgermeister zu Gießen, an das Städtische Wohlfahrtsamt zu Darmstadt, an das Städtische Bauamt zu Mainz, an das Kreisamt Alsfeld, an das Fi- nanzamt Gießen.
Warum es falsch ist, an Beamte perjön- lich zu schreiben, zeige folgender Fall, der sich tatsächlich zugetragen hat:
Der Präsident eines mitteldeutschen Gerichts befindet sich während der Gerichtsferien zur Kur in einem kleinen Badeorte Südtirols. Während er morgens das vorgeschriebene Bad nimmt, klopft es und es wird ihm zugerufen, es sei ein eingeschriebener Brief für ihn angekommen. Auf seinen Vorhalt, daß es ihm jetzt unmöglich sei, den Brief in Empfang zu nehmen, wird entgegnet, dann müsse er ihn auf dem eine Stunde weit entfernten Postamt gegen Vorlegung von Paß ober Postkarte in Empfang nehmen, ober der Brief gehe zurück. Der Empfänger unterbricht nun sein Bad, zieht sich Hals über Kopf an, begibt sich unter der Gefahr einer Erkältung hinaus und nimmt den Brief gegen Quittung in Empfang. Er ist gerichtet an den Herrn Landgenchtspräfidenten Dr. Schulze und enthält das Bewerbungsgesuch eines jungen Mannes um die ausgeschriebene Stelle eines Kanzleihilfsarbeiters am Landgericht zu D. Der glückliche Empfänger des Briefes beschafft sich nicht ohne Mühe einen Briefumschlag in Aktenformat und sendet ihn nach seinem Amtssitze. Als der Brief dort ankommt, ist die Bewerbungsfrist abgelaufen und die Stelle besetzt. Nicht jeder Fall verläuft so tragikomisch, aber Verzögerungen und schwere Nachteile für den 21b« sender können entstehen. Es erscheint angezeigt, gerade jetzt, in der Zeit der sommerlichen Beurlaubungen, darauf hinzuweisen.
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