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Nr. 99 Zweiter Blatt

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Mittwoch, 29. April (925

Die kommunistische Gefahr in Bulgarien.

Don R. Lasiere Rack off

Der vor einigen Lagen gemeldete räuberische Lledersall aus den König, das Domdenattentat in her Sofioter Kathedrale und die in letzter ßeit sich häufenden politischen Morde in Bul­garien. denen vor einigen Wochen in Sofia auch Atoci Mitglieder deS Parlamente. Mtteff oon der Regierungspartei, und der Kommunist Stra- schimirolf, -um Opfer fielen, werfen ein grelles Licht auf die Zerrüttung, die feil Kriegsende dem inneren politischen Leben des Landes ihr Gepräge gibt und nun in dem -ähen Kampf -wischen den bürgerlichen Parteien auf bei einen Seite und den Anhängern deS Agrarbollchewis- muS und des Kommunismus auf der andern ihren äußerlichen Ausdruck findet

Das Erbe, das die Regierung Zankosf nach dem gewaltsamen Stur-e StamboliiltiS vor ein­einhalb Jahren antrat, (teilte die gegenwärtigen Machthaber vor Aufgaben, die in der seither verflossenen Zeit gänzlich zu bewältigen weder ihre OKad>t imstande war. noch die Methoden, die -ur Anwendung kamen. Die Korrumpierung, die während deS Regimes StambolijfkiS auf allen Gebieten des Staatslebens um sich gegriffen und das Ansehen der Autorllät deS Gesetzes schwer geschädigt hatte, lieh in Bauernkreisen den ©tau­ben entstehen, daß ihre -ahlenmähige lieber! egen- beit allein genüge, die Gesetzgebung, die Derwal- tung des Landes und die Verwendung der ftaat- Uchen Mittel nach eigenem, nur dem Dorfe Augute kommenden Ermessen einzurichten. Der bürgerliche Lei! des Volkes müsse von der Ge­staltung des politifchen und wirtschasUichen Lebens -deS Landes auSgeschaltet fein. Bekräftigt wurde seinerzeit dieser Jrrtum durch eine nicht un­geschickte Propagandaarbeit der Regierung Stam­bolijfkiS. der eS auch gelang, die Gegensätze -wi­schen Stadt und Land in einer Weise zuzuspitzen, daß daS ganze Volk in zwei sich fremd und feind- lid) gegenüberstehende Lager g"' 'alten wurde. Da« gröbere von ihnen, der (Bv der Bauern, erreichte eine absolute Macht, gcgc . deren kultur­lose und gewalttätige Uebergriffe die Intelligenz des Landes zur völligen Machtlosigkeit sich ver­urteilt sah. Der Begriff der Volksgemeinschaft verschwand gänzlich aus dem politischen Leben, und im Parlament fand dieser Zustand darin seinen Ausdruck, dab den 230 Stimmen, die die Regierung Stambolijskis nach den Wahlen im Jahre 1923 in allen ihren verfassungswidrigen. Vorschlägen unterstützten, insgesamt nur 14 Stim­men der Opposition gegenüberstanden.

Wohl gelang eS den bürgerlichen Parteien in stiller Zusammenarbeit und unter zeitweiliger Hintansetzung aller Parteiunterschiede den An­schlag vorzubereiten, der der Diktatur Stambo­lijskis ein Ende setzte. Aber schon in den ersten Monaten zeigte e« sich, dass die Einigkeit und der Wille zur aktiven Mitarbeit aller an der □Bicber- berfttilung der verfassungSmäbigen Ordnung Be­teiligten nicht von längerem Bestand sein werde. Die Cinheltlichkeit der neuen Regierung Zankosf. deren Zusammensetzung anfangs eineDolksgemcin- schaft im wahren Sinne des Wortes bedeutete waren doch in der Regierung ausnahmslos alle bürgerlichen Parteien, zu denen auch noch bie ge­mäßigten Sozialisten traten, vertreten und die mit Enthusiasmus an die Aufgabe heranging, dem rechtsstaatlichen Gedanken im Lande wieder Geltung zu verschaffen, wurde durch Kompetenz- ftreitigiciten und Eifersüchteleien zwischen den einzelnen Parteien untergraben. Der Zusammen- schl'.lst ward erschüttert und zum Schluß verblieben in der Regierung nur noch die Anhänger der ..Demokratischen Einheit", einer restlosen Ver­schmelzung der Rarodnjaken- und Progressisten- parteien, und die parlamentarischen Vertreter der Demokraten- und Radikalenpartei. Der Provinz­anhang dieser beiden letzten Parteien und die ganze nationalliberale Partei von Stambolijski wegen ihres Anschlusses während des Wellkrieges an die Mittelmächte heftigen Verfolgungen aus­gesetzt. ohne jedoch an Boden in der Bevölkerung

zu verlieren standen außerhalb derRegierungs- gierungskoalllton, und die Position der Regierung verlor die Festigkeit. die ihr den entscheidenden Lieg über die Schwierigkeiten innerpolitischcr Ratur, die auf den Plan traten, gesichert haben würde Der Umstand, daß die Wege der am Um­sturz beteiligten bürgerlichen Parteien ausein- anbergingen, ermutigte -um Widerstand der immer noch sehr zahlreichen Dauernbündler, die nunmehr im Verein mit den Kommunisten da« gegenwärtige Kabinett öanfoff stürzen und an feiner Stelle eine bolschewistische Regierung einzu- setzen sich bcftrebeir

Die kommunistische Bewegung in Bulgarien, die bei einem normalen Gange der Entwicklung des Landes keinen Boden fassen könnte, nd) dem verlorenen Kriege aber, insbesondere it dem Sturze Stamboliilkis eine ständige Gefährdung de« inneren Friedens bildet und dadurch auch die wirtschaftliche und die außerpolitische S^llung de« Landes erschwert, ist im Grunde nur als eine Etappe auf dem Dege der von Sowjetrußland angeflrelten Bolschewisierung des Balkan« zu werten. Da« Moment, das Bulgarien als Stelle deS geringsten Widerstandes gegen Sowjetruß- landÄ Plan kennzeichnet und eine Entwicklung der Dinge nach dieser Richtung begünstigt, ist die zu­nehmende innere Zermürbung des Landes, die ihrerseits eine natürliche Folge der ungeheuren Anspannung deS Kriege«, des unerbittlichen wirt­schaftlichen Drucks und der Zersplitterung der vor- kriegszeitlichen Parteieinigkeit ist. So kommt es, daß die Tätigkeit der Kommunisten in Bulgarien, die bisher lediglich auf die Ausbeutung ihrer Stellungen als bezahlte Agenten Moskaus be­dacht waren, sich in letzter Zeit nicht mehr auf die Mittel der Verhetzung und der Wühlarbeit beschränkt. Vielmehr sind die in den letzten Mo­naten sich mehrenden Anschläge der treibenden Elemente d s Kommunistenlagers ein Vorzeichen dafür, daß mit dem kommenden Frühling die Fälle von individuellen Ausschreitungen. Heber- fälle an staatlichen Institutionen und Beamten immer schärfere Formen annehmen werden. In­wieweit die im bereits erlassenen Gesetze zum Schuh der bestehenden Staatsordnung enthaltenen Bestimmungen und die neuen, seitens der Regie­rung angefünbiflten Maßnahmen ihren Zweck er­füllen werden, bleibt abzuwarten Die oppositio­nellen Parteien vertreten die Ansicht, daß nur eine Umbildung des Kabinetts auf breitester Basis die aktive Mitarbeit der gesamten Ration für eine wirksame Abwehr der bestehenden und immer anwachsen den Gefahr im Lande herbei­führen könnte Ob und mit welch'm Erfolg diese Ansicht, der di' Regierung Kankofs vorläufig sich verschließt, sich durchsetzen mag. wird die nächste Gestaltung der Dinge im Lande zeigen.

Die Teuerung und der gewaltige Steuer- druck, hervorgerusen durch die die Zahlungskraft des Landes stark überschätzenden Reparations­forderungen. denen Bulgarien bisher regelmäßig nachgekommen ist. hat die Lebenshaltung weitester Kreise der Bevölkerung in« Angemessene erschwert. Auch der festgelegte und demnächst durchzusüh- renbe Abbau einiger, tausend Beamten eine Maßnahme, die neben dem Vorteil, daß sie für den überbürdeten Staatshaushalt eine gewisse Entlastung bedeutet, auch bie Schattenseite zeitigen muß, daß der Hn^uf nebenbei! neue Rahrung zugeführt wird stellt die Regierung vor eine neue Schwierigkeit. Andererseits bilden die Schwie­rigkeiten, die Der Regierung aus der Versorgung der aus Mazedonien und Thrazien vertriebenen sünfhunderttausend mittellosen Flüchtlinge ent­stehen, und die andauernde unfreundliche Haltung der nachbarlichen Siegerstaaten insbesondere Griechenlands und Jugoslawiens weitere Hem­mungen für die Beruhigung des Landes und die Rormalisierung der innenpolitischen Lage.

Es ist der Regierung Zankosf, bie unter den geschilderten Umständen einen überaus schwierigen Kampf nach mehreren Fronten zu bestehen hat, bisher in vollem Verantwortungsgefühl gelungen, der Untergrabung des Staates durch den Kom­munismus Einhalt zu gebieten: die bereits einmal zutage getretene Einmütigkeit der Parteien, durch die allein die Riederwersuna des großangelegten

Schach-Ecke.

Bearbeitet von W. Orbach

Endspiel Nr. «.

Schwarz:

Die obige Stellung bildet ein höchst charak­teristisches Beispiel zur Behandlung des Endspiels Dame gegen Turm

8

7

6

5

3

4

2

b

h

h

8

7

6

5

4

3

2

d c

Weiß:

d e

k

Schwarz am Zuge macht Remis. Weiß: 2 Steine. Kf2, D14.

Schwarz: 2 Steine. Kh3, Tg3

1. Tg8-g2+. 2. Kfl (falls 2. Kf3 1o 2. . .,

Tf24-, 3. Kf2; patt.». lgl + , 3. Kf2, (falls 3. Kgl:, patt:), Tg2+ 1. Kc3, 1g3-f- ufw. Der weiße König kann dem ewigen Schach nicht entgehen, denn so wie er die 4 - Linie betritt, folgt Tg4 mit Damen- Verlust.

Aus der Lchachwelt.

R. Röti spielte vor seiner Heimreise von Ar­gentinien nach Wien im Automovelklub zu Sao Paulo am 7. Februar 1925 29 Partien ohne An­sicht des Brettes, wovon er 20 Partien gewann.

agrarkommunistischen Aufstandes im September 1923 möglich wurde, war ein Prüfstein für die politische Reise und daS staatliche Selbstbewußt­sein des besonnenen Telle« der Bevölkerung Stete Wachsamkeit und eine erhöhte Bereitschaft gegen die Minierarbeit Sowjetrußlands sind die Ausgaben, vor die auch heute Regierung und Volk in Bulgarien gestellt sind, und die sie im Interesse nicht nur der inneren Befriedigung deS eigenen Landes, sondern auch der Erhaltung des Friedens auf dem ganzen Balkan zu lösen bemüht sind. Es geht um bie Abwendung einer Gefahr, die obwohl nur eine Zeiterscheinung, weil auf äußere Umstände begründet, die der Veränderung unterliegen und schließlich von der Entwicklung selbst beseitigt werden -, von verhängnisvollen Folgen für die StaatSeristenz Bulgarien« werden könnte: das derzeitige Verhältnis zwischen Sieger und Besiegten auf dem Balkan ist ein derartiges, daß Bulgarien im Augenblicke höchster Gefahr auf keine äußere Hilfe rechnen kann, dagegen aber viele Gründe hat, die Interventionsfreudig­keit der Rachbarn, denen ein Umsichgreifen größe­rer Unruhen in Bulgarien willkommen wäre, zu fürchten.

Die Reichsbahn A. G.

Schon seit einigen Wochen gehen in polt- tischen Kreisen allerlei beunruhigende Gerüchte um über eine Krise, bie sich bet der Reichs­bahn entwickeln soll. Im Bereiche des Herrn O e s e r aber schweigt man sich nach guter, alter bürokratischer Sitte grundsätzlich aus und über­läßt es den beteiligten Kreisen, an den Ge­heimnissen solange herumzurätseln, bis sie selbst eine befriedigende Lösung gefunden haben. Das

7 renu» machte und nur 2 verlor Mrt dieser Glanzleistung hat Röti den Aliechmichen Rekord «welcher MannlHd) in Paris 28 Blindpartien spielte! Überboten

Der diesjährige Kongreß desMlltelrheini- schen Schachbundes' beginnt Ende Mai Zum Mellterschaf töt urnier werden 8 Spieler zugelassen.

Problem Nr. 9.

Bon Frrh Präger in 'Frankfurt a M

Schwarz:

a b c d e f g h

2 2

8

3

a b c d e f g 11 Weiß: Matt in drei Zügen.

Weiß: 5 Steine. Kd3, Tel, Tf7, Lj8, Bc4.

Schwarz: 3 Steine. Kd6, Bc6, Beo.

Lösung des Problems Rr. 8.

1. De3 - c2!, Bc5: 2. Dd3 + 4-,

1....., Kc5: 2 De5++.

1......e4 2. Dh5++.

1....., Sc4, e4, bl ufw.. 2. Dc4+-r.

ist natürlich ein Unfug. Die ReichSeisenbahn lai nur gewinnen, wenn sie sich mit der Wirtfcha verbunden lühlt und infolgedessen auch mit ofs. non Karten spielt. DieS ganze Verhalten ist ui so auffallender, alS der neue Generaldirektt Oeser in den ersten Monaten feiner Tätigte um das Vertrauen der Presse geradezu gcrnoi ben und ihr zugesagt hat. daß er mit ihr zu sammengehen wolle. Bei der ersten Probe abe die auf dies Drempel gemacht werden soll, ve sagt die Reichsbahn. Sie kann sich freilich so mell darauf berufen, daß Herr Oeser z u r Ze i auf Urlaub ist. aber gerade die Tatsaö dieses Urlaubs ist ja der Drehpunkt der ganv Kombinationen.

Wenn man heute noch von Kombinationc reden kann. Wahrscheinlich handelt eS sich u sehr viel mehr. Ausfällig bleibt jedenfalls, d< Herr Oeser, nachdem die Umorganisation d Eisenbahn gerade abgeschlosien war. einen zw monatlichen Urlaub antrat im unmittelbaren A schluß an eine Sitzung de« AufsichtSratS, wo, er heftige Auseinandersetzungen über die f in a zie11en Grundlagen der Dahn und "ül Die Haltung des Generaldirektors g?gnüber d< wilden Streiks stattgefunden haben. Roch au fälliger wird dieser Urlaub dadurch, daß d beiden berufenen Vertreter des Den raldirektors nicht mit seiner Stellvertretung b auftragt wurden: der eine von ihnen fuhr viel mehr am selben Tage c ben a 116 in Ur­laub nach Kissingen, der andere wurde über­gangen und an Stelle deS Herrn Oeser über­nahm der frühere Staatssekretär ©tiefer, der als Vertreter der Reparationsgläubiger dem Der- waltungSkörper angehört, die Leitung deS gan­zen Unternehmens. Das kann nur heißen, daß

Die Drechselbank deSletzten Ritter«".

Kaiser Maximilian I., der .letzte Rllter", hat,

Gnädiges Fräulein, sehr geehrter Herr!

75 Häuser von mir entfernt halten Sie täg­lich Ihre Siegmund- und Sieglindenprobe ab. Gestatten Sie mir gütigst dazu eine Bemerkung. Man kann dieWalküre" auch fingen, ohne das die -1/, Kilometer weiter hausenden, Richard Wagner kennenden Anwohner mit Schmerzen konstatieren müssen, wie wenig Eie beide tn die Geheimnisse des Ribelungen-Ringes cinge- drungen sind. UebrigenS hat auch Ihr Begleiter vom Klavierspiel keinen Schimmer. Ich spreche daher im Tiamon vieler, wenn ich Sie bitte, bet Ihrem vierstündigen musikdramatischen Versuchen, die Fensterflügel zu schließen.

Teurer Freund von nebenan!

Glaubst Du, Deine melancholische Srllärung, daßWien die Stadt Deiner Träume ist", ober daß Dumal wieder in Ginzing" fein möchtest, wie Du allabendlich mit Deiner krächzenden Reib- eifen-Baritonstimme versicherst, sei so ungeheuer wichtig daß wir alle sie hören müßten? Meinst Du nicht, Dein Schlager-Repertoire vomVogZ- Händler" bis zurMariza" flingt ebenso schön, wenn Du die 2ufe zumachst und Dich allein daran ergötzst? Denn auch von Dir gilt, was Dörries Freiherr von Münchhausen von dem alten, fünf­zehn Male den einen Vers seines Lieblings- liedes singenden Obriften sagt:Er fang nicht schön, aber er fang laut". Sooo laut fingst Du, daß Deiner Töne Macht sogar den Dackel PimpS meines Hauswirtes zu einer schaurig- jaulenden Protest-Kundgebung veranlaßt. Wrnn Du, teurer Freund, kein Mitleid mit m i r hast, dann erbarme Dich dieses Hundes (denn Pimps ist ein musikalisches Tier), und schließ die Fenster!

Lieber Onkel Adolf aus Rr. 15!

Dieletzte Rose" ist ein schönes Lied. Tiber b-Dur hat nur ein b, kein vorgezeichnct Die Rote fis, die mich bei Deinem Spiel täglich zur Verzweiflung bringt, muß f heißen. Du lernst eS ja doch nicht mehr, denn leit 8 Wochen übst Du daran. So mach doch bitte wenigstens d i c Fenster zu.

Du auch,

liebe Tante mit dem Harmonium aus Rr. 9, wenn Du zum 15. Male am Rachmittagdie Macht der Liebe" angebekt hast

deS Herrschers war. Ob Kaiser Mar die Dreh­bank, die ihm im Jahre 1513 verehrt wurde, noch benutzt hat, ist zweifelhaft, denn er starb bereits im Jahr daraus. Tiber daS Geschenk an sich weist schon darauf hin, daß derletzte Ritter" an einem solchen Werkzeug große Freude hatte. Das Drechseln ist ja lange Zell eine Lieblingsbeschäftigung hoher Herren gewesen, und im Kunstgewerbemuseum zu Düsseldorf ist noch eine Drehbank erhalten, an der der Landgraf Karl von Hessen gearbeitet. Sr benahm sich dabei so gewandt, daß ein Bauer, der den Herrscher an der Drechselbank sah, 1770 bei ihm einen Stockknopf bestellte.

Die Röntgenphotographie der Fingerabdrücke.

Ein neues System, durch das die Identifi­zierung mit Hilfe von Fingerabdrücken noch sicherer gemacht wird, ist in Frankreich auÄgearbeitct worden. Die Finger werden mit einer Art Salbe eingerieben, die Blei enthält, und dann wird eine Röntyenphotogra- p h t c gemacht Die Linien tn der Haut, die mit der Bleisalb. ausgefüllt sind, erscheinen da­durch lehr viel tlarcr. und zugleich erhält man eine Röntgenphotographie der Knochen des Fin­gers. Man hat gefunden, daß die Gestalt der Knochen niemals bei zwei Personen dieselbe ist, fo daß auf diese Weise ein: doppelte Möglich­keit der Identifizierung gegeben wird. Diese Röntgenphotographie von Fingerabdrücken ist auch in England und Amerika bereits Dielfad erprobt, und kürzlich wurde zum erstenmal ein solches Röntgenbild eines Fingerabdruck- von Reuyork nach Chicago telegraphiert

Man verlange ausdrücklich

IGießener Brauhaus-Pilsener!

Der bekannte Genremaler Georg Roehler in München ist im Alter non 64 Jahren an einem Herzschlag g e ft o r ben. Seine Werke standen auf allen Ausstel­lungen in bestem Ansehen. Diele davon befinden sich auch in Gießener Privatbesitz.

LiebeS Geigen-Brüderpaar von drüben!

Zu Euch zuletzt: Seit ich Euch fideln höre, verstehe ich die alte (5tubentenmutter, die jedem Bruder Studio, wenn er eine Bude suchte, vor­her nut sorgenvoller Miene erklärte: ..Herrens, die Ieije spiesin, nehme ich nicht. Das Hingt immer, als ob einem die Knochen anjesächt wer­den". Fürwahr, die prächtige Frau hatte recht. Einer meiner Leidensg.kährten hat einmal das bitter-ernste Wort geprägt: Die Dioline ist cm sehr komplizierter Mechanismus, greift man darauf 2 bis 3 Zentimeter daneben, so entsteht schon ein falscher Ton." Run, Ihr edlen

bekundet und einen unwiderstehlichen Hang zu Handwerken aller Art befeffen. Daß er Harnischschmiede und Geschützgießer besuchte, um sie bei ihrer Tätigkeit zu beobachten, ist bei feiner Vorliebe für das Waffenwesen nicht ver­wunderlich. Aber derWeißkunig", den Treyh- Sauerwein in seinem also benannten Lobgedicht auch als ben besten Koch unb den geschicktesten Tierarzt verherrlicht hat. übte selbst das Hand­werk des Schmiedes und HchlofserS aus, und nun wird durch einen neuen Fund erwiesen, daß er sich ebenfalls als Zimmermann unb Drechsler betätigte. In ber Wiener Kunst zeit- schristBelvedere' behandelt Allreb Walcher- Mollhein eine dem Kaiser gestiftete unb noch erhaltene Drehbank, bie sich in der berühmten (Sammlung des Grasen Wllozek zu Kreuhen- ftein befindet. Wie der Verfasser nachweist, wurde diese Drechselbank, die selbst mit kostbaren Holz­schnitzereien geschmückt ist, dem Kaiser von einem Mitglied des Geschlechtes Fuchs von Fuchsberg gefeßenft, bdfen Wappen sich auf ber Bank findet Wahrscheinlich war eS Ehristoph Fuchs von Fuchsberg, der Hauptmannschalts- verwalter zu Kufstein, der ein naher Freund

Drüber, Eure geometrischen Kenntnisse sind sehr aufbesserungsbeoürstig. Aller Ansang ist schwer. Bei Euch hört man etwa 65 Prozent falsche Töne. Darum bllte ich auch Euch von ganzem Herzen:Die Fensterzu, dir Fensterzu, geschwinde, geschwinde!

Meine Herrschaften l Ich empfehle mich Euch unb Ihnen mit dem Bemerken, baß ich in einer Fensterglas- und einer Lebensversicherung bin.

Mit hochachtungsvoll ergebenem Gruße MusicuS.

Sreuttöe, nicht solche Töne".

Offene Briese.

Holde Rachbarin von gegenüber!

Was hat man Dir, Du armes Kind, getan, baß Du täglich so kläglich Deine Mignon-Sehn- sucht nach dein Land,wo die Zitronen blühen", auf die Straße Hinausschluchzeft? Du weißt nicht, was es bedeuten soll", daß Du nach dem Abend- brot immer so traurig bist? Ich auch nicht. Es interessiert mich auch nicht. Vielleicht bist 'Du, ohne es Dir einzugestehen, bekümmert über Dein miserables Klavier. daS seit zehn Jahren nicht gestimmt wurde, ober über Deinen noch mifcrable- rcren Gesang, schöne Rachbarin.Singe, wem Gesang gegeben!" Dir ist er nicht gegeben. Aber singe meinetwegen stundenlang, nur mach die Fenster zu!

fo sehr er auch der Romantik der Vergangenheit zugewandt war, doch auch für die Tätigkeit des aufstrebenden Bürgertums großes Interesse