Einzelbild herunterladen

Kr. 201 oweues vlau

Äiegener Anzeiger (^Lacccti-ÄNze>ger |ut üivetyegeitz

Am Rande Europas.

Aon (£. O. Wognc!

(Nochdn ck, auch mit Quellenangabe, ocrbotcn ) Bukarest, Mitte August 1925.

Der Bucur, der vor fo etwa lausend

Jahren Bucurcjchti «Bukarest) aegründet haben Hal von Etädiebaukunst keine Ahnung gehabt, na­türlich. Er ging gelegentlich die Dimbooiza entlang durch den Urwald, sand an dieser Stelle vermutlich guten Lehm und machte es so, wie cs in der Walachei noch heute gemacht mirb: schlug vier Pfähle in die Erde, setzte ein Schilfdach draus und klebte aus Schilf und Lehm und Mist eine Mauer zwischen die Pfähle. Uebritzens eine beinahe kosten lose Bauweise, Sochoerstandigenstudiums würdig j Hält unter Umstanden lebenslänglich.

Bucurs Weller wurde zur Siedlung, ein Krieg»- platz fchlleßlich und im Lause der Zeil eine Stadt, Hauptstadt der Walachei, endlich Landeshauptstadt. Misten in völlig reizloser Ebene liegt sic nun groß und breit. Reine Spur mehr vom alten Urwald. Nur die menschlichen Behausungen in den äußeren Be­zirken erinnern vielleicht noch an Bucurs Zeiten, und das sehr urwüchsige, primitiv-ländliche Wesen da draußen in der Mahala, wo die kleinen Schweinchen vergnügt im dicken Straßenkot sich tummeln

Die Stadt verstießt säst ohne Grenze in die Ebene. Nicht Großstadt: eine riesige große L a n d st a d t. Verblüffend vielfältig in chrer Gestalt. Glänzendstem Palast nicht sern ist die armseligste Zigeunerhüste. Rassiniertester Luxus, erschütterndste Anspruchslosigkeit. Ich sah ein Zigeunerweib mit großem Behagen norm Tore eines Palaisgarlens Millagsmahl halten: drei Zwiebeln, eine Handvoll Maissterz. Und in der Birch fuhren stolze Kokotten mit einem geschminkten Offizier vorbei.

Das Gegensätzliche erschöpft sich nicht in Betzrissen wie Kultur und Unkultur, arm und reich. Hier ist Europa und Orient zusammengeprallt, und die Stadt ist voll der Späne und voller nicht ausgeglichener Spannungen. Schön und häßlich in einem, großartig und bedrückend ärmlich. Dem Orientalen so befremdlich wie dem Europäer. Aber es ist nicht nur der Zauber der Fremde, der uns die Stadt interessant macht: Seltsame Romantik umhüllt sic, umhüllt ihr doppeltes Antlitz. Nicht die Romani! l unserer alten burgengefrönten Städte. Sondern hier leuchtet noch ein Schimmer von Byzanz, und die Doppelkreuze der unzähligen Kirchen und Kapellen umspielt ein leiser Schein vom alten Rom.

Nicht Bukarest, die Stadt mit dem halb morgen- ländischen, halb abendländischen Wesen das platte Land, die Walachei, bringt einem Ru­mänien näher. Es gibt ein Spottlied aus diewilde Walachei, das von zerbrochenen Fensterscheiben han­delt und von Strohdächern. Wenig verheißend. Wer aber offenen Sinnes hier Gast ist, dem wird dieses Land zum Erlebnis, obgleich sehr viele Fenster- scheiben zerbrochen, obgleich viele Häuser nur mit Stroh ober Schilf gedeckt sind, manches mehrmale­risch" als vollkommen ist.

Aber diese Weiten! Das ist, was uns Mittelländer hier fo merkwürdig beruhigt, was die Landschaft so ganz unterscheidet von der unfrigen: Horizonte, un­eingeschränkte Horizonte. Dies Land ist ein Meer, saatgrün: golden zur Zeit der Reife. Auf leichten Wellen trägt 5 dich ins Ungeineffenc. Diese große Ebene westlich von Bukarest, im Argesch, am un­teren Oltfluß, ist nicht wie die ungarische Steppe ein­förmig und ohne Schwung, hier sind überraschende Senken, durch die kleine Gewässer rinnen, weithin gestreckte Haine, die flache Taler füllen, Zuflucht der Wölfe und Füchse. Aber vom Plateau sieht das Auge nur die großen, kaum durch die Schatten- liniert der Luncc, der fruchtbaren Auen, ununterbro- chenen Flächen wogenden Korns, tiefgrüne Mais- und Tabatfelber dazwischen. Manchmal wie Schiffe auf See, verdämmernd im Blauen, schmale Gruppen non Eichen, über die wie die Segel hohe Akazien- bäumc au fragen zur iingeheuer weiten Kuppel des Himmels.

Groß und mächtig geht hier die Sonne auf. Eben war noch tiefe Nacht, und nun ist plötzlich der ganze Himmel hell und tief roter Schein im Osten. Morgen und Aoend haben fast keine Dämmerung.

75 Jahre Main-wefer-vahn.

Don Dr. Paul Schüler.

Sehnsüchtig schlug das Herz, wenn seine Weisen Das Posthorn sang im nächt'gen Waldrevier Jetzt pfeift der Dampf und läßt im Sturm uns reifen.

Verwandelt ward die Zeit und wir mit ihr.

Emanuel (Seibel.

Bor 75 Zähren, Ende August 1850, wurde die Eisenbahnstrecke LollarGießen dem öffentlichen "Verkehr übergeben. Hiermit war die Main-Weser- Bahn (KasselFrankfurt a. M.) mit Ausnahme der Strecke GießenFriedberg vollendet. Ihre Bcdeu- tung rechtfertigt einen kurzen Rückblick auf ihre Geschichte.

Noch viel mehr als heute standen vor hundert und in den folgenden Jahrzehnten die Eisenbahnen im Brennpunkt des öffentlichen Interesses, war doch 1825 die erste Dampfeisenbahn der Welt in England eröffnet worden. Da jedoch in Deutschland die Industrialisierung und Kapitalbildung noch nicht so weit fortgeschritten war wie dort, dauerte es trotz vieler Projekte noch länger als ein Jahr­zehnt, bis auch hier die ersten Eisenbahnen im 2ohre 1838 verwirklicht wurden.

Bereits im Jahre 1832 plante das Kurfürsten- tum Hessen-Kassel den Bau einer Eisenbahn von Hamburg und Bremen über Kassel und Frankfurt a. M. nach Lüddeutschlanb. Aber die Vielgestaltig­keit des polüischen Deutschland und Kapitalmangel verhinderten seine Verwirklichung. Immerhin ge­hört hiermit die Main-Weser-Bahn zu den ersten größeren deutschen Eisenbahnprojekten. Es muß rühmlichst anerkannt werden, daß, im Gegensatz zu Preußen, die meisten deutschen Staaten von An- fang an die große Bedeutung der Eisenbahnen er­kannten und bestrebt waren, ihren Ländern die Segnungen dieses neuesten Verkehrsmittels so schnell und reichlich wie möglich zuteil werden zu lasten. Zu dielen Staaten gehörten auch die an der Main- Weser-Bahn beteiligten, nämlich das Großherzog­tum Hesten. das Kurfürstentum Hessen-Kassel und die freie Reichsstadt Frankfurt a. M.

Da, wie erwähnt, Prioatkapital nur in geringem Maße zur Verfügung stand, den meisten Privat- fapitaliften auch das Risiko, ihr Kapital in Eisen­bahnen anzulegen, zu groß erschien, schlosten diese Staaten am 6. Februiar 1845 einen Vertrag über die Erbauung einer Eisenbahn von Kastel über Treysa, Marburg, Gießen, Friedberg nach Frank­

furt a. M. auf Staatskosten derartig, daß jeder der beteiligten Staaten die Kosten der auf sein Gebiet entfallenden Strecke zu tragen habe, und daß die späteren Ueberschüsse bzw. Fehlbeträge Verhältnis- mäßig unter die drei Staaten geteilt werden sollten. Für Bau, Verwaltung und ^Betrieb der Bahn wurde eine gemeinschaftliche Direktion in Kassel eingesetzt. Der Bau begann am 6. August 1846. Die erste Teilstrecke KasselWabern wurde am 19. Dezember 1849 in Betrieb genommen. Am 2. Januar 1850 folgte Wabern-Treysa, am 4. März 1850 TreysaKirchhain, am 3. April 1850 KirchhainMarburg, am 10. Mai 1850 Fried­berg-Frankfurt, am 25. Juli 1850 Marburg- Lollar, am 25. August 1850 LollarGießen, am 9. November 1850 ButzbachFriedberg, am 1. Mai 1851 LanggönsButzbach und am 15. Mai 1852 als letzte GießenLanggöns. Die Gesamtstrecke war 199 Kilometer lang mit einer Maximalsteigung von 1:125 auf der Strecke KasselTreysa und von 1:150 auf der Strecke Treysa-Frankfurt a. M. Der Bau kostete 46 284 000 Mark.

Außer dem eigenen lebhaften Lokalverkehr fiel der Lahn von Anfang an auch der BerlinFrank­furter Durchgangsverkehr zu, da die Strecke Ber- linBebraKassel bereits seit 1849 im Betriebe war. Hierzu kam ferner 1856 nach (Eröffnung der hannoverschen Staatsbahnstrecke HannoverKastel der Durchgangsverkehr von Hamburg, Bremen, Hannover und Magdeburg nach Frankfurt a. M. und darüber hinaus. Aber jetzt begann Preußen, seine eisernen yangarme vorzustrecken. 1868 eröff­nete es die BedraHanauer Bahn und entzog der Main-Weser-Bahn den Berliner Durchgangsver- kehr. 1876 verminderte sich durch Eröffnung der Strecke BedraFriedland auch der NordSüd- durchgangsoerkehr erheblich. Die anderen in ihrem Verkehrsgebiet gebauten Linien, wie DeuyGießen und KoblenzWetzlar sind nicht von durchgreifen, dem Einfluß für ihren Verkehr geworden, da sie ihr teils Zuwachs des Verkehrs brachten, teils fol­gen entzogen. Troydem ist die Rentabllität dieser Bahn im Vergleich zu den meisten anderen immer eine verhältnismäßig gute gewesen, und zwar er­hielte sie eine durchschnittliche Verzinsung von 6 Prozent.

Durch die politischen Veränderungen des Jahres 1866 fiel der Anteil des Kurfürstentums Hesten- Kastel und Frankfurt an Preußen, das gleichzeitig den übrigen Teil vertraglich in Verwaltung und Betrieb nahm. Am 1. April 1880 ging auch dieser käuflich in das Eigentum Preußens über.

Wild, maßlos fmd die Gewitter, die über die riesige Ebene hinbrausen, ungeheuer der Sturm der nir­gends Hemmnisse findet.

Wild und schon ist die Natur, einfach das Leben. Wer sich von der Zivilisation erholen will, gehe In die Walache ' Hier qibl'o keine Komplikationen, keine grausamen Zusammenstöße mit mechanisierter Umwelt. Dieter Ziehbrunnen mit seinem Himmel- ragenden Balken, seinem schlichten Mechanismus stand wohl schon vor Jahrhunderten. Vor Iahrhun- denen schon iahen die Häuser so aus. klein, wind- geduckt, primitiv, Handgemach!, sauber aeweißt all- jährlich. Aus ganz alttestamentarische Weise, noch mit der Sichel sicht man den Landmann muhjarn fein Getreide schneiden, mit dem felbftgeiertigten Pflug

nomcE, der doch in Paris studiert hat. ist lacutu durchcus gewachsen

Deamna schreibt er eine: Tages an die Guts­herrn, der Teppich meines Ledens wäre schlimm aemebt, wenn ich nicht "Marte fände, zu danken . . 0. Tacutu hat Stil. Lebensart, ötol < Seine Kleider sind ja arg gestickt, aber feiertags leuchtet fein weißes, kunstvoll gesticktes Hemd, und mit neuen bunten Riemen sind die Opanken am Fußgelenk de festigt

Sonntags gegen Abend iahen wir im kleinen iepp'chgejchmuckten Honorauorenstübchen des Dori- gaskhaufes. Tranken Dragafchanierwein. Ein Roen- garten glühte vor der offenen Tür. Auf dem Platz

Das große Heimatblatt

der eingesessenen. Bevölkerung (Büßens, der ganzen Provinz Oberhessen und des benachbarten preußischen Lahngebiets ist der im 176. Jahrgang erscheinende

Gießener Anzeiger

mit seinen drei in eigener Redaktion bearbeiteten und in eigenem Betriebe gedruckten regelmäßigen Beilagen

Gießener Familienblätter

der Unterhaltung und Belehrung dienend durch sorg­fältig ausgewählten, gediegenen literarischen Lesestoff

Heimat im Bild

der heimatlichen Landschaft, ihren besonderen Eigentüm­lichkeiten und ihrer Kultur in Bild und Wort gewidmet

Die Scholle

von Fachleuten und Kennern der Heimaterde für die Land, wirtschaft und Gartenbau treibende Leserschaft bearbeitet

Für die Geschäftswelt, Behörde und Familie, für Wirt­schaft, Handel und Verkehr ist der Gießener Anzeiger

Das große Anzeigenblatt

den Acker aufritzen, wenige Zentimeter tief. Und es wächst, wächst ungeheuer. Zweimal erntet ber Eifrige in der ßunce.

Der Cioban Radu lacutu ist mein Freund ge­worden. Er hütet die Schafe der Moschie. Oft war ich draußen am Wald in feiner Sommerwohnung, die ganz aus Schilf ist. Wir verstehen uns nicht mit Worten, aber mit Augen und Mienen.

Seinem Namen entsprechend ist lacutu wirklich ein sehr schweigsamer Mann. Er kann stundenlang stehen, auf seinen Stab gestützt, in die unendlichen Weiten des Argesch schauen und träumen. Seine großen schönen dunklen Augen sind bann umflort. Aber man muß diesen Vetter des Tacltus dann in der Gemeinde Versammlung sehen, etwa wenn von der großen Landverteilung die Rede ist. Davon retien sie jetzt alle. Die Landlosen sitzen mit gekreuz­ten Beinen im Gras vor dem Rathaus, dem kleinen Hause des Prirnars. Und Tacutu redet, redet leben­dig, aufgeregt, in farbenreichen Bädern, trefflichen Vergleichen. Eine fabelhafte Dialettif. Dem Agro-

Dorrn Haus tanzte die Jugend Hora und Sarba, die alten nationalen Reigentänze, zum raschen Syn- kobenfpiel der ßautari.

Jemand hatte die tragische Geschichte vom Pan- burenffirften Tudor Vsabimirescu erzählt, von den ersten schüchternen Anfängen rumänischer 'National­politik vor hundert Jahren. Hinter uns an ber Wand, zwischen den Heiligenbildern, starrten die steifen grellbunten Bildnisse der alten Walachenfürsten, von Vlad Zepesch bis Eusa. Ein junges Zigeunerpaar, ionntäglid) ausgeputzt, rote Blumen hinterm Ohr, lang uns zur Laute ein jchwermütig-monotones Lied vom Herrn Tudor, fang vom vielgeliebten Mädchenräuber Terente, den alten Sang von Man- druliza de la Munt dem Liebchen vom Berg.

Ich fuhr in die Berge. In die Karpathen. Der Hauptteil der kleinen Walachei ist erfüllt von den Ausläufern ber Karpathen. Weite Maisfelder, dann plötzlich reiches Weinland, auf nieder» Hügeln große Rebkulturen. Ganz fern, im Blauen, liegen

Die Main-Wefer-Bahn führt durch eine ber schönsten Gegenben Deutschlands. Sie hat Handel und Wandel gehoben und zur wirtschaftlichen Ent­wicklung ihres Verkehrsgebietes erheblich beige­tragen. Darum ein ehrendes Andenken allen den­jenigen, welche die Anregung zu ihrem Bau ge­geben und den Mut zu seiner Durchführung ge­funden haben.

Lin oberhessischer Prähiftonker.

Zum 8 0. Geburtstag Professor Dr. Wolffs.

Georg Wolff, ber hervorragende Erforscher der heimischen Ur- und Frühgeschichte, feiert heute feinen 80. Geburtstag. Prof. Wolff, ein geborener Kurhesse, war bis 1890 in Hanau und bann am Frankfurter Kaiser-Friedrich-Gymnasium als Ober- lehret tätig. Schon währenb feiner Lehrtätigkeit in Hanau beschäftigte er sich mit ausgedehnten archäologischen Studien, in erster Linie mit ber Er- kunbung der reichen römischen Siedlungen und Kastelle in Hanaus Umgebung: Kesselstadt, Groß- Krogenburg, Heldenbergen, Okarben, Rückingen usw. Rach seiner Ueberpeblung nach Frankfurt wandte er sich feiner eigentlichen Lebensaufgabe zu, ber Durchforschung und Ausgrabung der Römerstadt Nida bei Heddernheim, einem Vorort Frankfurts. Jahrzehntelang ging er hier mit nie erlahmender Liebe ben Spuren römischer Kultur nach. Eine un­übersehbare Fülle von Kunstschägen förberte er aus tausendjährigem Schlaf ans Tageslicht: er stellten den Grundriß ber gewaltigen Römerstadt fest und legte die hervorragendsten Gebäude Nidas frei. Die vielen Einzelstudien, die Wolff darüber ver- faßte, finden in dem Buch der Reichslimeskommis­sion krönenden Abschluß. In demselben monumen­talen Werk deutscher Forschung hat ber greife (Be­lehrte auch die Kastelle Groß-Krotzenburg, Helden- bergen, Hofheim, Kesselstadt, Marköbel, Okarben und Rückingen bearbeitet.

Neben diesen mit peinlicher Gewissenhaftigkeit ausgefuhrten Studien fand aber Wolff noch hin­reichend Zeit zu ausgedehnten Forschungen über die Siedlungen und Kultur ber Ur- und Vorbewoh- ner Nassaus und vor allem Oberhessens. In langen Monaten und Jahren folgte der schlichte Mann ben Spuren ber stein glichen Siedlungen big zu der fränkischen Periode.

Zehn Jahre widmete Wolff im Auftrage ber Reichslimeskommission dem süblichen Teil Oberhestens, der Wetterau, ferne Forscher­

Steädg, 28. August (925

weil hüiflebreitet die Fogarascher Berge. Wolken ballen sich davor, sie vergehen. Im Naherkommen sieht man: Wald, mächtige Flachen dunklen Walde». Sie decken das ganje Gebirge. Doch aus Sthrunben leuchtet cs in dünnen Streifen weiß von Schnee. Run treten Gipfel bervor, nackt, aber gleich wieder von Wolken überhüllt.

Der reißende Olt uns zur Seite. Mitten im Ge- birge. Steil steigt der Wald neben uns auf, ganz breit ist das gelbe Wasser de: Stromes Ein gran­dioser Gebirgspaß. Immer wieder sind neue läler tief klaffend aufgerissen, ungeheure Kulissen inein- andergefchoben.

Kulissen . . Wohl das sind Kulifsen, da» ist die Bühne, die dem Riefenausmaß der historifchen Dramen entspricht, die da» Land erlebte. Als sich Dazier und Trazier und Romer zuerst begegneten, zur Zeit ber Völkerwanderung, bei ben vielen Türkeneinfällen immer kam diese Strafte das Schicksal geschritten, war dieser Paft letzte Hossnung. Zwischen Rimnic und Turnu Roschu, der Grenz- befeftigung am Roten Turm, die die Rumänen nun nicht mehr zu brauchen hoffen.

Hier bei Rimnicul erfüllte sich vor hundert Jahren bas Schicksal des mehr ..mufenfrcunblid)en ab und militärisch

Alerander Hypsilantis und seinerheiligen Schar". Furchtbares Drama von Verrat, List und Schicksals­verstrickung birgt sich in dieser Geschichte, in der Geschichte dieses Freiheitsmannes, den deutsche Ro- manffk fo töricht verklärte.

*

Aber das ist cs ja: Es leuchtet hier alles so von Romantik, hier am Rand Europas, wo außer Bären und Wolfen noch heute Räuber wohnen Die liebenswürdigsten und höflichsten Räuber der Welt.

Laßt euch die Geschichten vorsingen von den Zigeunern. Beim Wein von Dragaschani, dessen Reben vom Rhein stammen und dessen Trauben in der Hitze des langen walachischen Sommers gereift sind. Da ist das heimatlich Herbe aufs Wunderbarste gemischt mit der süßen Ucppigfcit des Süden:

Aus rumänisch singen diese Zigeuner die Ro­manzen, auf ungarisch. Und wenn man will, in ihrer seltsamen Sprache, die höchstwahrscheinlich ein korrumpiertes Sanskrit ist.

Alles das gehört zur Romantik vom Rande Europas. Wie die rote Blume hinterm Ohr ber Zigeunerin ....

Wozu deutsche Landwirte gut sind.

Von unserem südafrikanischen Verichterstotter.

Es besteht in Südafrika die Absicht, fünf­zig deutsche B a u e r n f a in i i i c n aus dem Rheinland als Musterfiedlcr auf den Kendrewformen im Bezirk Graaff-Reinet anzufehen: Ein Vertreter der Gesellschaft be­findet sich bereits in Deutschland, um die Aus­wanderung vorzubereiten und dafür zu sor­gen, daß nurbestbefähigte Bauern ausge­wählt werden, die berühmt sind wetzen ihres Fleißes und ihrer Tatkraft." Man nimmt an, daß der im September erwartete erste Trupp von 50 Familien vorbildliche Sachverständige auf dem Gebiete des Molkereiwesens des Weinbaus und der Schweinezucht mitbriugt. Sollte dies zutreffen, so werden weitere deutsche Ansiedler für den Nordwestteil von Kendrewangenommen" werden, bis es ins­gesamt 200 sind. Der Leitgedanke des Ken- drewer Ansiedlungsplaues ist die Schaffung eines zum Wetteifer ansporneu- den Vorbildes: und zwar soll den Afrikanern der Nordteil, und die Mitte der Niederlassung einschließlich des Ortes behalten sein. Später sollen die unteren Teile von Kendrew für Norweger und Dänen freigegeben werden. Auf die Art hofft man die Möglichkeit zu schaffen, daß mit einem Blick die Arbeit jedes Ansiedlertrupps ver­glichen werden und ein gesunder Wett­

tätigfeit. In jedes Wetteraudors ist er gekommen, und in jedem Dorf warWolff aus Frankfurt" ein geschätzter lieber Gast, dem man willig und gern bei seinen Entdeckungsfahrten hals. Hunderte von Grabstätten legte er mit Hilse freunbroilliger Hände frei und barg ihren Inhalt für die hessischen und nassauischen Museen. Seine ganz besondere Aufmerksamkeit wandte der Forscher dem in frühe­ren Zeiten so vernachlässigten Nidder- und Nidda­tal zu, warm und sachkundig unterstützt von den hessischen Forschern An Ihrs, Helmke und Müller. Mit meisterhafter Klarheit stellte er die Heerwege fest, die in Urzeiten die Wetterau und das Nassauer Land schnitten und kreuzten: die vor­römischen Straften ber MainNiddaWetter- Linie, des Niddertales, des Kinzigtales, bann das römische Straßennetz des 2. und 3. Jahrhunderts: die Elisabethenstrafte von Kastell über Hofheim nach dem Vogelsberg, die Straften nach der Saal- bürg, über ben Feldberg und die Limesstraßen mit ihren ungezählten Verästelungen. Neben der Stra- ßensorschung spürte Wolfs den römischen Sieblun­gen Oberhessen nach, überall fanb er Unentdeck­tes, hob er neue Schätze aus und fanb feine auf- gestellten Theorien glänzend bestätigt. Es fei an dieser Stelle nur an die Fundstätten von Hosheim, Altenstadt, Höchst a. M., Nied a. M., Kaichen, Hel- benbergen, Vilbel und Okarben erinnert.

Die Ergebnisse dieser großartigen Arbeiten legte Wolff 1913 in dem MonumentalwerkDie süd­liche We tterau in vor- und früh- geschichtlicher Zeit" nieder, einer Arbeit voll einer Unsumme Fleißes und bisher nicht erreichten Klarheit der Darstellung. Das Werk bildet in der archäologischen Forschung einen Markstein.

Vor elf Jahren wurde dem greifen Gelehrten von ber Berliner Akabemie ber Wissenschaften die goldene Leibnitzmedaille verliehen, vor wenigen Monaten ernannte ihn die Darmstädter Technische Hochschule zum Dr.-Ing. b. c. Fast alle historischen Gesellschaften nennen Wolff mit Stolz ihr Ehrenmitglied.

In ben Kreisen der archäologischen Wissenschaft gilt Wolff als ein Bahnbrecher und Forscher, dessen Arbeiten als Meisterwerke geschätzt und gewürdigt werben. Und noch heute arbeitet der greife Gelehrte unablässig an der Lösung neuer archäologischer Probleme. An dem achtzigsten Geburtstag dieses seltenen Mannes aber nehmen weite Beoölkerungs- treffe, mit denen er in vielen Jahrzehnten als For­scher in Berührung kam, und vor allem die reiche Zahl feiner Freunde und Schüler herzlichen Anteil,