Die Ergebnisse der Reichspräfidenienwahi in Hessen
Wie wir bereits mitteilten, ist jetzt die von der Zentralstelle für die Landesstatistik herausgegebene Zusammenstellung über die „Ergebnisse der Reichs» Präsidentenwahl im Dolksstaat Hessen am 29. März und 26. April nach einzelnen Gemeinden bzw. Stimmbezirken" im Hessischen Staatsverlag erschienen. Die nachstehenden Ausführungen seien hier wiedergegeben: Don den Wahlberechtigten haben beim ersten Wahlgang 568 752, d. s. 66,1 Proz., beim 2. Wahlgang erheblich mehr, nämlich 668 758, d. s. 77 Proz., abgestimmt.
Beim ersten Wahlgang ist der verhältnismäßige Anteil an der Gesamtzahl der gültigen Stimmen bei der Sozialdemokratie (von 35,7 auf 38,2), beim Zentrum (von 15,9 auf 17,4), ganz wenig auch bei dem Bewerber der Deutschen und Deutschnationalen Dolkspartei (von 33 auf 33,3 Proz.) gestiegen, bei allen übrigen Parteien dagegen gefallen, und zwar bei den Demokraten von 8,7 auf 7,5 Proz., bei den Kommunisten von 5,3 auf 3,7 und bei den Nationalsozialisten von 1,3 auf 0,6 Proz.
Die Stimmen der Sozialdemokraten (Braun) hatten seit der Reichstagswahl am meisten in den Kreisen Offenbach (von 39,7 auf 44,8 Proz.), Worms (von 34,2 auf 38,3, Groß-Gerau (von 45,3 auf 48,9 Proz.) zugenommen. Der Anteil der Zentrumswähler (Marr) ist im Kreise Bingen von 39,3 auf 47,3 gestiegen. Die oolks parteilichen und deutschnationalen Wähler (Jarres) Haden besonders stark ^genommen in den oder- hessischen Kreisen: In Schotten von 68,7 auf 73, in Büdingen von 53,5 auf 58,4, in Alsfeld von 62,5 auf 67 Proz., ferner in den Kreisen Erbach von 38,1 auf 44,6 und Darmstadt von 40,5 auf 45,2 Proz., im Kreise Mainz und Worms dagegen sind sie erheblich zurückgegangen; von 13,3 auf 10,9 bzw. 37,1 auf 33,7 Proz. Die Abnahme der k o m m u n i st i - schenStimmen (Thälmann) war besonders stark in den Kreisen Heppenheim (von 9 auf 5,5 Proz.) und Offenbach (von 14,1 auf 9,6 Proz.). Die demokratischen Stimmen (Hellpach) sind in den Kreisen Darmstadt von 8,4 auf 5,2 Proz., in Alzey von 21,9 auf 18 Proz. und Oppenheim von 15,5 auf 12,4 Prozent zurückgegangen, während sie entgegen der allgemeinen Annnahme im Kreise Mainz von 12 auf 14,7 Proz. gestiegen sind. Die nationalsozialistischen Stimmen (Ludendorff) haben in allen Kreisen abgenommen, am stärksten in Erbach von 4,2 auf 0,5 Proz., in Alsfeld non 2,9 auf 0,7 Proz., in Büdingen von 3,1 auf 0,8 Proz. und in Schotten von 2,6 auf 0,4 Proz.
Im zweiten Wahlgang hat die Zahl der Wähler von Thälmann in allen Kreisen zugenommen, mit Ausnahme von Offenbach und Mainz, die von Marx in den Kreisen Dieburg, Groß-Gerau, Heppenheim, Offenbach und in sämtlichen rheinhessischen Kreisen, besonders stark im Kreise Mainz (von 56 284 auf 66151). Die Stimmen für Hindenburg haben im Vergleich zu den Stimmen für Held, Jarres, Ludendorfs in allen Kreisen stark zugenommen; besonders stark sind sie in den oberhessischen und rheinhessischen Kreisen gestiegen, und zwar am meisten in den Kreisen Alzey (von 33,0 auf 44,4 Prozent) und Oppenheim (von 30,8 auf 41 Proz.). In Starkenburg tritt der Kreis Erbach mit einer Zunahme von 45,4 auf 55L hervor.
lieber 60 Proz. der gültigen Stimmen vereinigte Marx auf sich in den Kreisen Mainz (80,6 Proz.), Bingen (74 Proz.), Heppenheim (69,5 Proz.) und Offenbach (68,1 Proz.), Hindenburg in den oberhessischen Kreisen Schotten (80,8 Proz.), Alsfeld (76,4 Proz.), Lackterbach (72,9 Prozent), Büdingen (65,7 Proz.) und Gießen (60.3 Prozent).
Die Stimmen für Marx im 2. Wahlgang hatten gegenüber den Stimmen von der Gesamtstimmen, zähl von Braun, Hellpach, Marx im ersten Wahlgang in 485 Gemeinden zu-, in 425 abgenommen und sind in 32 gleich geblieben. Die von Hindenburg hatten in 915 Gemeinden zu-, in 23 abgenommen, in vier sind sie gleich geblieben.
Der Fall Wirth.
Eine Aenßcrung Fehrenbachs. - Einberufung eines Parteitages.
Berlin, 25. Aug. Der Vorsitzende der Zen- trumsfraftion des Reichstags, Fehlen dach, richtete an die Fraktionsmitglieder uni) an andere prominente Zentrumsführer im Lande ein Schreiben, in welchem er zu dem Au stritt Wirths aus der Zentrumsfraktion Stellung nimmt. Es heißt darin: Dieser tief bedauerliche Schritt war vorauszusehen; er war von Dr. Wirth in der Fraktion im Verlaufe des letzten Jahres drei- oder viermal angekündigt worden. Eine so intensioe Zusammenarbett mit der Rechten, wie sie die großen Gesetzgebungswerke Aufwertung, Steuer und Zoll erforderten, war für ihn, der von der Rechten so ungerecht und maßlos angegriffen worden war, untragbar.
Die Fraktion ist bei der Bildung des Kabinetts Luther den weg der Zusammenarbeit mit der Rechten gegangen und muhte ihn gehen. Damals in lediglich opponierender Minderheit zu bleiben, wo die größten gesetzgeberischen Aufgaben zur Lösung bevorstanoen, hätte der ganzen nut auf bas vaterländische Interesse gerichteten Tradition des Zentrums widersprochen.
Sich festzulegen nach der linken Seite auch bei den veränderten Verhältnissen, hätte weitere Entfremdung von der Zentrumspartei zur Folge gehabt. Wenn sich Wirth „als Vertreter des sozialen und republikanischen Zentrums bezeichnet" und damit einen gewissen Gegensatz zur Fraktion konstruieren will, so ist dagegen Einspruch zu erheben. Wenn auch nicht alle Mitglieder der Fraktion so begeistert« Republikaner sind wie Wirth, so stehen sie doch alle fest auf dem Boden der republikanischen Staatsverfassung und verwerfen nicht nur jeden gewaltsamen All, sondern erkennen die Republik als die gegebene unb zur Zeit einzige mögliche Staatssorm an.
Die heute morgen vom „Vorwärts" gebrachte Mitteilung über den
Austritt der Berliner Windthorstbündler aus der Zentrumspartei wird von der „Germania" bestätigt. Diese Sezessionserscheinung habe jedoch mit dem Vorgehen Wirths keinen unmittelbaren Zusammenhang, wenn auch in beiden Fällen letzten Endes dieselben Beweggründe maßgebend gewesen seien. Angeblich wollen die ausgetretenen Windthorstbündler sich der christlich-sozialen Gruppe Vitus Heller in Würzburg anschließen. Das Blatt schreibt bann weiter: Die Vorgänge in der Zentrumspartei und die zahlreichen Auseinandersetzungen grundsätzlicher und praktisch
politischer Art in der Zentrumspreise haben inzwischen eine solche Spannung erfahren, daß die Einberufung eines außerordentlichen Parteitage s unseres Erachtens nicht mehr zu umgehen ist.
OieStockholmerAirchenkonserenz
Stockholm. 25. Aug. <Wolff.) Die Weltkonferenz der christlichen Kirchen trat heute unter stärkster Spannung in die Beratung der internationalen Beziehungen ein. Der Kommissions- bericht stellt zunächst fest, daß zahlreiche Einzel- fragen, auch Ine Kriegsfrage, nicht geklärt seien und schlägt int Anschluß daran formulierte Entschließungen zu der Frage „Krieg und Völkerbund" vor. Die Kirch» soll den Völkerbund als zur Zeit einzige Organisation für die Herstellung einer internationalen Völkergemeinschaft dem t atsächlichen Wohlwollen der Christen empfehlen in der Hoffnung auf seine künftige größere praktische Wirksamkeit. Professor H a b o r n - Bern betonte dann, daß es Hauptsache sei, ein gegenseitiges Verständnis auf der Grundlage des Evangeliums zu erzielen, aus der staatlichen Isolierung herauszutreten und in die Weltgesellschaft auf der Grundlage der Gemeinschaft mit Christus cinzutreten. Bischof Brent-Buffalo sprach über btc Anwendung des Evangeliums auf das nationale und internationale Leben und hob hervor, daß die Kirchen nationalisiert wurden, statt daß die Rationen christianisiert worden wären. Der Völkerbund brauche die Unterstützung und Sympathie der Kirchen und die
Errichtung eines kirchlichen Bureaus in Gens sei teert, in Erwägung gezogen z'u werden, wenn seine Tätigkeit auf das geistige und moralische Gebiet beschränkt unb von politischen Intrigen serngehalten werden könnte. Lady Parin o o r = England schlug vor. daß die Konferenz einen Aufruf mit der Mahnung an die Kirche Christi erlassen sollte, für die Verbreitung des Gefühls des christlichen Evangeliums in einer Weise zu arbeiten, daß der Krieg unmöglich werde. Gegen diesen Vorschlag wandte sich Dr. Kapier- Deutschland, indem er erklärte, daß ein solcher Aufruf nicht zu dem beabsichtigten Ziel führen werde. Pastor D r y e r ©nglanb betonte dagegen, daß man mehr tun mühte, als sich nur Brüder zu nennen, man müßte sich vielmehr einander als Brüder unter voller Loyalität anerkennen. Pastor Ainsie- Amerika äußerte sich zu dieser Frage u. a.: Wenn die Kirche jetzt nichts tut, dann wird ein neuer Krieg ausbrechen und die Verantwortung hierfür fällt auf die Kirche. Die Menschen müssen zu der Einsicht erzogen werden, daß der Krieg eine Sünde ist.
3n der Abendsitzung sprachen der englische Dölkerbundsdelegierte Lord P a r m o o r und der Berliner älniversitätsprofessor Dr. Deiß- m a n n, außer ihnen ein Franzose und ein Amerikaner zu dem Thema: „Was kann die Kirche tun, um den Frieden zu fördern und die Kriegsursachen zu beseitigen?" Lord Par- moor führte u. a. aus:
Das Christentum lehrt nicht, daß die Pslich- ten des Patriotismus vernachlässigt, sondern daß sie aus eine höhere morattsche Linie gestellt werden sollen.
Wird nicht in der Botschaft des Christentums die Pflicht des selbstlosen Handelns für daS gemeinsame Wohl als leitendes Prinzip aufgestellt, so wird die Katastrophe, die toir hinter uns haben, wiederkehren. Eine positive pazifistische Politik ist erforderlich.
Von lebhaftem Beifall begrüßt, begann bann Umversitätsprofessor Deißn nn»Berlin mit einer Charakterisierung der L..je des unbefrie- beten Europa. Er sagte: Die Worte der Freiheit, Gleichheit unb Brüderlichkeit sind mattePhra- s e n geworben. Der nahe Orient ist ein Trümmerhaufen. Der ferne Osten pocht brohenb an die Kontore seiner Ausbeuter. Sn dieser Lage will die große ökonomische Bewegung nicht aus den verschiedenen Völkern unb Kirchen eine einförmige graue Völkermasse Herstellen, vielmehr sie alle in ihren Eigentümlichkeiten zu einer großen Zusammenarbeit auf dem Boden des Evangeliums zusammen führ en. Dem Völkerbund gegenüber kann ich nicht die gleichen enthusiastischen Töne anschlagen, wie manche meiner amerikanischen Freunde.
Der Völkerbund darf nicht der große Weltpapierkorb sein für hie ungelösten Rätsel der Welt.
Die Kirche hat die Ausgabe, den Problemen fest ins Auge zu sehen. Die internationale christliche Verständigung beginnt mit der Arbeit am eigenen Volke. Mit der Pflege von Heimatsgefühl unb Vaterlandsliebe in Zeiten vaterländischer Rot wird sich die Kirche, wie dies die deutsche Kirche ganz selbstverstänblich getan hat, mütterlich vor ihr Volk stellen. Die Kirche muh auch die Hüterin der Minderheiten im eigenen Lande fein. Wan muß auch darin einen ökumenischen Dienst organisieren. Der Redner empfiehlt zum Schlüsse einen kirchlichen Nachrichtendienst, Austausch von Studenten, gegenseitige Besuche der Synoden und Kirchenparlamente und die Heranbildung eines Stabes christlicher Dolmetscher.
Abschluß des Stuttgarter Katholikentages.
Stuttgart, 25. Aug. (TU.) Der vierte Verhandlungstag der 64. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands brachte wieder eine große Anzahl von Sonderveranstaltungen, darunter die Tagung des Verbandes für die katholischen Auslanddeutschen Von besonderem Znteresse war der Vortrag eines Vertreters der deutschen Katholiken in Polen, die hauptsächlich unter dem polnischen Klerus und dem polnischen Episkopat zu leiben hätten. Es wohnen in Polen ungefähr 500 000 deutsche Katholiken, es fehle aber an deutschen Geistlichen. Ein Geistlicher könne sich überhaupt nur im Amte halten, wenn er ordentlich gegen die Deutschen losziehe. Auf diese Weise würden viele deutsche Katholiken durch die Geistlichen polen isiert. Die Versammlung nahm eine Entschließung an, die sich für starke Werbung der Arbeit der deutschen katholischen Auslandverbände einsetzt.
Die dritte Versammlung, die den Abschluß des Deutschen Katholikentages bildete, war vorwiegend politischen unb sozialen Gegenwartsfragen gewidmet. Der ehemalige österreichische Bundeskanzler Seipel sprach über „Katholische Liebe und Völkerfrieden". Er führte u. a. aus: Die katholische Kirche hat den Krieg nicht
schlechthin verboten, solange rnajl ausreichend Wittel gesunden sind, um auf einem anderen Wege die Konflikte zwischen den Rationen unb Staaten zu erledigen. Wenn aber die Entwicklung der Menschheit soweit fortgeschritten sein wird, dann wird die Kirche hervortreten und die Konsequenzen arrs dem Grundgedanken des Gebotes der christlichen Rächstenliebe ziehen.
Der Katholikentag schloß mit kurzen Dankeste ort en des Präsidenten. Baron v. Cramer- Klett. und des Iubelbischofs Dr. v. Keppler.
Differenzen aus dem internationalen Sozialistenkongretz.
Arbeitslosigkeit und Versailler Vertrag.
Paris, 26. Aug. (TU.) Innerhalb der Arbeitslosenkommission des Internationalen Sozialistenkongresses in Marseille hat sich gestern die englische Delegation gegen d i e Naturalleistungen aus dem Versailler Vertrag gewandt, die der Hauptgrund der Arbeitslosigkeit in England seien. Die Friedens- und Re- parationsDerträge wurden von ihr als Hauptursache der allgemeinen Arbeitslosigkeit bezeichnet. Der Kongreß wurde aufgefordert, die Aushebung der bestehenden Verträge zu fordern. Dieser Vorschlag wurde mit elf gegen acht Stimmen angenommen. Der Vorsitzende, der belgische Sozialist Brouckärc behauptete, daß ein Mißverständnis vorliege und gab seinen Rücktritt bekannt. Die Sitzung wurde unter großer Erregung abgebrochen. Bei Wiederaufnahme der Verhandlungen brachte der deutsche Delegierte D i ß m a n n eine Entschließung ein, die lediglich feststellt, daß die Arbeitslosigkeit durch die aus den Verträgen resultierenden ungelösten Probleme verschärft worden sei. Die Engländer sprachen gegen diese Entschließung und hielten an ihrem Entwurf fest. Schließlich wurde mit fünfzehn gegen eine Stimme der deutsche Entwurf angenommen. Die Engländer hatten während der Abstimmung den Sitzungssaal verlassen.
Französische Werber im Saargebiet.
Saarbrücken. 25. Aug. (TU.) 3n ben letzten Tagen werben besonders aus dem Ruhrgebiet arbeitslose Deutsche unter dem Versprechen, ihnen in den saarländischen Bergwerken gutbezahlte Arbeit zu verschaffen, nach dem Saargebiet verschleppt, von wo sie unter irgendwelchen Vorspiegelungen dem französischen Werbebureau in 6 a argem ü nb zugef ü hr t werden. Runmehr ist aber auch festgestellt worden, daß auf der französischen Bergwerksdirektion in Saarbrücken unter stillschweigender Duldung b er treu- händeris chen Regierungskommission des Völkerbundes ein französisches Werbebureau eröffnet worden ist, wo z. D. heute ein von Essen mit Frau unb Äinb unter Vorspiegelung von Arbeits- Möglichkeit verschleppter Maschinist Heinrich Ma- thaes auf Zimmer 17 angeworben werden sollte. Wie die Telegraphen-llnion zuverlässig erfährt, ist der geistige Leiter unb Geldgeber des französischen Werbebureaus Konsul Krechlin, der als Service des etudes et economigue mit seinem Stab bei der französischen Bergwerksdirektivni geführt wirb und als Vizepräsident des separa- tisttschen Saarbundes Societe des amis de la Sarre bekannt ist.
Aus aller Welt.
Der sechste deutsche Richtertag.
Dom 12. bis 15. Septeniber findet in Augs- bürg der sechste deutsche Richtertag statt. 3m deutschen Richterbund sind etwa 13 000 deutsche Richter und Staatsanwälte bereinigt. Zur Beratung stehen folgende, für die Allgemeinheit außerordentlich wichtige Gegenstände: 1. Die Stellung des deutschen Richters. Be- richterstatter: Landgerichtsdirektor Dr. Wunderlich. Leipzig, M. b. R. 2. Der letzte Entwurf zum Arbeitsgerichtsgesetz. Berichterstatter: Oberlandesgerichtsrat Universitäts- Professor Dr. Silberschmidt. München. 3. Der Entwurf zum neuen Reichs st raf* gesetzbuch. Berichterstatter: Oberreichsanwalt Dr. Ebermaher, Leipzig.
Amundsens Polarpläne.
3n einer Unterredung mit einem deutschen 3ournalisten führte Amunbsen aus, daß a n eine neue Rorbpvlexpebition vor Sommer 192 7 nicht zu denken sei. Er hält vorläufig an dem Plane fest, für fett : Unter« nehmungen Flugzeuge zu verwenden. Voraussetzung dafür ist, daß der Flug qhne Zwischenlandungen von statten gehen kann, lieber fein Verhältnis zu den Eck euer scheu Plänen erklärte er, daß er durchaus eine selbständige und abwartende Haltung einnehme. Der Forscher glaubt, baß der Plan einer 2uft- schiffexpedition nach dem Rordpol verhältnismäßig größere Geldsummen erfordern würde. Er hat nicht die Absicht, auf seiner Reise Friedrichshafen zu berühren. Das Ziel seiner Reise ist, B a s e wo er sich mit seinem Schwager Els- worth treffen will, um die Finanzierung seiner Pläne zu besprechen. Von einem Aufkauf von Flugzeugen in 3talien könne gleichfalls nicht die 2tebe fein. Er beabsichtigt, wenn möglich, für eine neue Expedition wieder dieselbenDe- gleiter zu gewinnen. Amunbsen fand erneut anerkennenswerte Worte über feinen deutschen Begleiter Feucht bei der letzten Rordpolex- pedition.
Schweres Tvuristen-Anglück im Karst.
Pola, 26. Aug. (WTB. Funkspruch.) Acht Mitglieder des 3ulischen Alpen-Clups und die zwei Führer, die sie begleiteten, wurden v o n einem Wasser st rubel erfaßt und stürzten in eine Höhle bei Pinguente hinunter. Die beiden Führer waren auf der Stelle tot. Die 8 Touristen sollen alle n och am Leben fein. Sie antworten auf die Rufe und Zeichen der Hilsskolonne, die unter Führung des Vorsitzenden des Touring-Clubs ununterbrochen am Rettungswerk arbeiten. Man hofft, die Verunglückten heute morgen aus ihrer Lage zu befreien. Der Unfall soll sich infolge eines Erbrüt s<h es am Eingänge der Höhle, der durch eix Gewitter verursacht wurde, ereignet haben.
Aus Stabt unb Land.
Gießen, den 26. August 1925.
** Grumetgrasvcrsteigerung der Stabt Gießen. Cs wurden folgende Durs>- schnittspreise erzielt: Hohleiche pro Merger ca, 20 Mk., Heegstrauch pro Morgen ca. 15 Mk., Waldbrunn en pro Morgen ca. 12 Mk., Plocks- brücke pro Morgen ca. 20 M7.. Wiefecktal pro Morgen ca. 30 Mk.
** 25jähriges Dienstjudilä um. Ein in jetziger Zeit seltenes 3übiläum kann Frl. Elise Küster feiern. Dieselbe ist feit 25 Jahren ununterbrochen in Stellung bei Frau Geheimrat Diermer. Die Vorsitzende des Alice-Frauen- vereins überreichte Frl. Küster als Zeichen bet Anerkennung ein Diplom und eine silberne Brosche.
* Die Voltshallenbaulotterie erweckt in allen Schichten der Bevölkerung Ober- Hessens besonderes 3ntereffe. Viele, denen es nicht möglich war, seither etwas zu diesem stattlichen Bau beizutragen, begrüßen die Gelegen- beit, durch die Volkshallenbaulotterie auch etwas opfern zu können. Aber neben der Opferfreudigkeit zieht auch bet Gedanke, für wenig Geld unter Umständen außerordentlich wertvolle G e- Winne zu erhalten. Auch- dj,e Aussicht aus einen Freiflug im Funkers-Flugzeug gibt Manchem Veranlassung, sich rechtzeitig in dey Besitz von Losen zu sehen.
•* Verzeichnis b$r gefundenen und verlorenen Gegenstände. Das Verzeichnis über die in der Zeit vom 1. bis 15. August 1925 auf dem Fundbureau als gefunden unb verloren gemclbetcn Gegenstände liegt vom Tage der Veröffentlichung dieser Bekanntmachung auf die Dauer von einer Woche auf dem Polizeiamt, Weidengaffe Rr. 5, Zimmer Rr. 3, zur Einsicht offen.
* * A11besitzer von Industrieobli. g a t i o n en werden durch den Hypothekengläubiger- und Sparerschutzverband aufgefordert, ihre Ansprüche anzumelden. (Siehe Anzeige.)
• * Der Gießener Ruderklub Has - f i a veranstaltet am nächsten Sonntag zum Abschluß der diesjährigen Rudersaison ein Sportfest auf der Lahn, bei dem recht spannende Wettkämpfe zu erwarten sind. Die von dem Verein errungenen Preise sind im Schaufenster des Schuhhaufes Süß in der Marktstrahe ausgestellt.
X Der R a d s a h r e r b u n d Gau Hessen unternahm am Sonntag seine letzte Gau-Wanderfahrt mit dem Ziel Marburg. Vormittags um 8 Uhr erfolgte die Abfahrt der Gießener Radfahrer- vereine über Lollar—Niederwalgern, leider war die Sttaße infolge des vorhergegangenen Regenwetters an manchen Stellen verschlammt. Nach Ankunft in Marburg gegen 10| Uhr wurde in den Stadtsälen ein Frühstück eingenommen; später erfolgte eine eingehende Besichtigung der historischen Sehenswürdigkeiten der Stadt. Gegen 4 Uhr erfolgte die Rückfahrt, welche durch inzwischen erfolgtes Abttock- nen der Sttaße bester vonstatten ging. Schönes warme, staubfreies Wetter gestaltete die Fahrt zu einer schönen Tour.
* Der Geflügel- unb Dogeizuchtverein Gießen unternahm am Sonntag. 23 August, per Lastauto einen Ausflug nach Echzell, der Hochburg der hessischen Geflügel- zücht, um dem dortigen Geflügelzuchtverein einen Besuch abzustatten unb besonders die Tiere der bedeutendsten Züchter zu besichtigen. Die Teil- nebmer waren nicht wenig erstaunt über das wunderbare Material hauptsächlich an schweren Hühnerrassen, wie: Orpington, Whandotten in verschiedenen Farbenschlägen, Helle Süsser unb weiße amerikanische Leghorn; aber auch leichtere Rassen waren vertreten in: Minvrka, Italiener, Hamburger. Rheinländer, Thüringer Pausbäckchen unb Kaulhühner. 3n den meisten Geflügel- Höfen fehlten auch die Tauben nicht. Es warm zu sehen: Altdeutsche, Hestische und Brünner Kröpfer in mehreren Farbenschlägen, Elster- Tümmler und Luxtauben. Richt unerwähnt dürfen die Zwergraffen bleiben, deren fehr schwierige Aufzucht in Echzell bei ben meisten Züchtern mit Erfolg gefrönt würbe. Hierin teuren vertreten: Weiße unb schwarze Zteergwyandotten. Goll>- unb Silber-Sebright Bantam, schwarze Bantam und deutsche Zwerge. Diese Tierchen sind bic Liliputaner unter ben Hühnerrassen unb erweckten allseitiges 3nteresse. — Die Besichtigung von 20 Gehöften nahm fast den ganzen Tag in Anspruch, so daß nur noch kurze Zeit für ein gemütliches Zusammensein mit ben Echzeller Zucht- tollegen übrig blieb, wobei freundschaftliche Reden gewechselt wurden. — Die Heimfahrt ging unter fröhlichster Stimmung der Teilnehmer glatt von statten, so daß alle noch lange mit Freuden des schönen Tages gedenken werden.
• * „Die Rächt des3nferno" heißt her große Film, der heute zum letzten Male im Lichtspie Ihaus Bahnhofstraße lauft. Es sind zum Teil grandiose Bilder von erschütternder Wucht, die da bei dem Gang durch Dantes Hölle gezeigt werden. Menschenmassen. gualvoll leidend, strömen in hilfloser Racktheit an unserem Auge vorüber, gepeinigt von teilten Dämonen, die unablässig neues Elend auf ihre büßenden Schultern häufen. So sehen wir hic Geizigen, die Verschwender, die Wollüstigen, die Selbstmörder ihre Sünden büßen, wie sie Dante in seinem großen Werk gezeigt hat.
** Feuer in Ehringshausen. (Ei> gene Drahtmeldung.) Heute Rächt, kurz vor 3 Uhr, brach in einer Scheune unseres Orte« «euer aus, das sich leicht auf die umliegenden Gebäude, Schuppen und Wohnhäuser hätte aus- breiten können, zumal ein kräftiger Wind d« Flammen schürte. Durch das schnelle Eingreifen der O r t s w eh r und vor allem auch der Wetzlarer Motorspritze konnte jedoch die Gefahr bald beseitigt werden. Die von den Rachbarorten herbeigeeitten Wehren brauchten nicht meh» in Tätigkeit zu treten.
Wettervoraussage.
Rach abermaliger Aufheiterung Zunahme ter Bewölkung unb Regenfälle, vielfach auch Rebel' bilbung.
Landkreis Gießen.
<L Wieseck. 25. Aug. Am Sonntag abend sand im Sihungssaale der Bürgermeisterei eine außerordentliche Sitzung des Gemeinte* rats statt, um ben neugewähllen Beigeordneten Karl Schäfer aus Anlaß feiner 25 3 ahre langen Tätigkeit als Beigeordneter in würdiger Form zu feiern. 3n seiner Ansprache an den 3ubilar würdigte der Bürgermeister S ch o m b e r die Verdienste des Beigeordneten um die Geschicke der Gemeinde. Unter seiner
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Urteil
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Zünftler hing der Seme willigt hatte in erlesenem Gesck im TrHMbau
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