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Ur. 199 Erstes Blatt

175. Jahrgang

Mittwoch, 26. August (925

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

vruck und Verlag: vrühl'fche Universitäls-Vuch- und Steinörudcrci R. Lange in Stehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 7.

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Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlichtz, auswärts 10 Goldpfennig; für Ne« Klame-Anzeigen v 70mm Breite 35 Goldpfennig, Plahoorfchrist 20°/, Auf­schlag. - Verantwortlich für ‘Politik u. Feuilleton: Dr. Friede. Will). Lange; für den übrigen Teil: Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil: HansBeck, sämtlich in Gießen

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fierung alle ihre Machtmittel anwenden, um ungerechtfertigte Preisverteuerung der Kartelle

bifler Seite folgendes gesagt werden: Die bürd) die Steuergesetzgebung erfolgte Entlastung der Wirtschaft, insbesondere die Herabsetzung der Umsatzsteuer, muß unbedingt zu einer Verbilligung der Waren führen, wenn auch die Birfung nicht gleich am 1. Oktober einsetzen wird, da viele noch im Handel befindliche Waren noch mit den alten Steuern belastet sind. Ferner dürfen die neuen autonomen Zollsätze nicht zu einer etwa gleich hohen Preisoerteuerung benutzt werden, da erst die in den Handelsvertragsoer­handlungen zu vereinbarenden Zölle der Preis- jeltaltung zugrunde zu legen sind. Um dies zu er- reichen, wird auf die beteiligten Wirtschaftsorgani- Nationen hingewirkt. Des weiteren wird die

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Die Preissenkungsaktion der Regierung.

Berlin, 25. Aug. (WB.) Ueber die Absichten der Regiening zur Berhinderuna einer weiteren Preissteigerung und der Herbeiführung einer Preissenkung kann nach Mitteilungen von zustän-

zu verhindern. Die Anrufung des Kartellgerichts bietet dazu die Maßnahmen. Durch den Reichs- I Wirtschaftsminister können Beschlüsse von Kartellen I aufgehoben werden. Aber auch einzelne Mit- (Hiebet können die Beschlüsse anfechten, und ferner rann das Karlellgericht Zwangsmittel der Kartelle I gegen einzelne Mitglieder aufheben. Die Regie- I rang wird solche Schritte unterstützen. Auch wird 1 Die Regierung von ihrem Rechte Gebrauch machen, I 1 e Nichtigkeit eines Kartellbeschlusses durch Klage I beim Kartellgericht feststellen zu lassen, wenn das I Kartell durch seine Preispolitik die Allgemeinheit I «hädigi. Auch kann das zuständige Ministerium I Neubildung anderer Verbände mit dem gleichen .üel wie das aufgehobene Kartell verhindern. 2luch die Nichtigkeit von Kaufverträ- I 1 e n kann ausgesprochen werden, wenn die 23er» I tiagsklauseln das Gemeinwohl gefährden.

Die Regierung beabsichtigt ferner, rücksichts­los etwaige aus der Inflationszeit lammenbe Klauseln des gleitenden iind freibleibenden Preises zu be- , impfen, ebenso Kaufabschlüsse in frem­der D a I u t a. Beim

RahrungSinittelhandel

| gestalte! sich die Einwirkung schwieriger, da I eigentliche Kartelle dort nicht bestehen. Gleich- I wohl besteht aber gegenüber den Friedenspreisen I im Lebensmittelhandel eine unerhört große I Spanne zwischen Erzeuger- und Kleinhandels- I DreiS. Beim Fleisch macht sie nicht weniger I ulS 80 Prozent aus, und zwar hauptsächlich in- I folge der wesentlichen Vermehrung der I Jleischverkäufer, trotz des geringeren Fleischverbrauches gegen die Vorkriegszeit. Die I Regierung hofft durch die Entfesselung einer rücksichtslosen Konkurrenz die- i 'ent älebelftanbc abzuhelsen und rechnet dabei auf «ine Härtere Preiskontrolle der Ver­braucher. Gegebenenfalls soll das Kontingent i h<r Einfuhr von Gefrierst ei sch. das . e&t 80 000 Tonnen im Jahre beträgt, erhöht -Dtrbcn, um eine preissenkende Wirkung auf das Fleisch zu erzielen. Von Regierungsseite wird schließlich vor 'Angstkäufen gewarnt, da ciiue allgemeine Erhöhung der Preise keineswegs !■- befürchten sei, und eine solche törichte Hand- | lumgSweike gerade preisfördernd wirken würde.

DieAmerikareiseDr.Schachts

Berlin, 26. Aug. (SU.) In einer halb- I amtlichen Erklärung heißt es, daß Reichsbank- I Diäfiöent Dr. Schacht den Wunsch habe, den ß Besuch des Präsidenten der Federal Reserve- Lank in Reuyork zu erwidern Mit Besprechun- fl m über den Dawesplan wird der Besuch indessen nicht das geringste zu tun haben. Dr. Dbacht hat stets den Standpunkt vertreten, daß djle Voraussagen über die Möglichkeit der Durch­führung ober Richtdurchführung des Dawes- p^anes durchaus verfrüht sind und daß es für Deutschland nur darauf an komme, alles in tonen Kräften stehende zur Durchführung des Planes zu tun. Alle Vermutungen über eine ciroaigc Unmöglichkeit der Durchführung sind un Io unangebrachter und grundloser, als der Generalagent erst vor kurzem konstatiert hat, d'ch vielmehr alle Zahlungen Deutsch- Iindsunter dem Dawespl-an re st los onb pünktlich erfüllt find. Auch mit der F2l£n-i*'Qln.ärc &at der mögliche Besuch ois Retchsbankpräfidenten in Amerika nicht das fJ r.lrtc • c 3U tun. In der Stinnes-Angelegenheit ImD bisher sämtliche Fälligkeit en aus­nahmslos bezahlt worden, ohne daß für t e Firma Stinnes irgendwelche ausländische £ilfe in Anspruch genommen worden ist. Im Gegenteil sind gerade die ausländischen Gelder nahezu ganz abgedeckt und es tot* nur noch ganz geringe ausländische Fällig- toten zu erwarten. Der Gang der freiwilligen Lquidatton ist ein solcher, daß auch weiterhin Jcmit gerechnet werden darf, daß die Firma allen ihren Verpflichtungen nach- klimmen wird. Ausländische Hilfe wird hierzu I <n keinem Falle nachgefucht zu werden brauchen. DieFinanzen der Reichsbahn

Berlin, 25. Aug. (XU.) Dem Reichstag *'1 jetzt der Bericht der Reichsbahnverwaltung ä ler die Betriebsverwaltung und Verkehrs- toftungen im Vierteljahr vom 1. April bis 3* Juni zugegangen, ferner über die G e - '*9äftdcrgcbniffc vom März bis Mai. Diraus geht hervor, daß die Reichsbahn ins-

Die Befreiung des Sanktionsgebietes.

Die Franzosen raumen Düsseldorf, Duisburg und Ruhrort.

Ein befreiendes Aufatmen geht durch die Bevölkerung des Sanktionsgebietes: Franzosen und Belgier haben Düsseldorf, Duisburg und Ruhrort verlassen, sind wieder dorthin gezogen, wo sie im Frühjahr 1921 herkamen. Ra- türlich ging der Abmarsch nicht still und unauf­fällig vor sich, die Defahungstruppen muhten noch einmal im Parademarsch an den Stabsquartieren vorbeiziehen und auch das Herunterholen der Trikolore von den Gebäuden der Kommando- steilen machte einen militärischen Aufwand nötig, wie ihn die Bevölkerung der besetzten Gebiete bis zum Ueberdruck kennengelernt hat. Jetzt sind sie fort, was sie zurückgelassen haben, ist nichts als Verwüstung und Zerstörung, Zorn, Bitter­keit und Empörung

Im Frühjahr 1921 war es. als die Reichs­regierung in London das Ultimatum der Alliierten ablehnte, als daraufhin fran­zösische und belgische Truppen die Städte Düsseldorf, Duisburg und Ruhrort besetzten. Schwer lastete die Fremdherrschaft auf der Be­völkerung des Sanktionsgebietes, die vom ersten Tage der Besetzung an Schikanen und Be­drückungen aller Art ausgesetzt war. Ihren Höhe­punkt erreichte die französische Gewaltherrschaft aber zurZeit des passivenWiderstan- des. Wohl stiehen die französischen militäri­schen und zivilen Behörden auch hier auf den geschlossenen Widerstand der Bevölkerung, dafür wurde aber auf das Sanktionsgebiet der Sepa- ristenhäuptling Matthes mit seinen Scharen losgelösten. Wir erinnern nur an den Düssel­dorfer Dlutsonntag, der mit der Rieder- knüppeluvg der Polizei durch Separatisten und französische Gendarmen und mit einem Tendenz- Prozeß endete, wie ihn das besetzte Gebiet vor­dem niemals sah. Aber auch der passive Wider­stand ging zu Ende, die Londoner Konfe­renz kam und auf ihr entschied sich das weitere Schicksal des Sanktionsgebietes; es sollte ge­meinsam mit dem Ruhrgebiet ge­räumt werden, wenn Deutschland die ihm auf- erlegtcn Verpflichtungen erfüllt habe.

Die Ruhrräumung kam. Langsam und wider­willig zogen sich die fremden Truppen nach dem Westen zurück, nur in Düsseldorf, Duisburg und Ruhrort waren keine Räumungsvorbereitun­gen zu bemerken. Vielmehr erhielten die aus dem Ruhrgebiet herausgezogenen Formationen in den Sanktionsstädten neue Quartiere. Gleich­zeitig kamen vereinzelt aus der französischen Hauptstadt Rachrichten, die davon wissen woll­ten, daß die Räumung des Sanktionsgebietes wieder in Frage gestellt sei; diese Rachrichten häuften sich von Tag zu Tag und spannten die durch die viereinhalbjährige Besetzung schwer ge­prüfte Bevölkerung auf eine entsetzliche Folter. Es bedurfte erst energischer Vorstellun­gen der Reichsregierung, um das Pa­riser Kabinett daran zu erinnern, daß auch Frankreich mit dem Londoner Abkommen Verpflichtungen eingegangen sei, zu denen die Räumung des Sanktionsgebietes ge­höre. Dann endlich waren die ersten Räu­mungsvorbereitungen zu bemerken, Schulen und öffentliche Gebäude wurden freigegeben, und eines Tages kam die offizielle Mitteilung, daß nunmehr der Abzug der Truppen er­folgen werde. Jetzt find sie fort, d i e Gewalt­

herrschaft hat ein Ende. Aber noch liegt das Rheinland in Ketten, die zu lösen unserer Regierung auf der bevorstehen­den Sicherheitskonferenz gelingen möge.

Die Räumung Düsseldorfs

Die Franzosen ziehen über den Rhein.

Düsseldorf, 26. Aug. (I1L) Unter völliger Teilnahmslosigkeit des Publikums fand gestern srüh die letzte französische Militär­parade statt. Um 9 Uhr marschierte das fran­zösische Militär durch die abgefperrten Straßen der Stadt über d i e Rheinbrücke. Um 9.45 Uhr verließ der letzte sranzösische Soldat, ein Ka­vallerist, das rechte Rheinufer. Gleich nachdem die letzten Franzosen über die Rheinbrücke abgezogen waren, zeigten sich die er st en Fahnen an den Häusern. Endlich durste jeder die Fahne heraus- hängen, die er wollte, nachdem man jahrelang nur die Farben zeigen durste, die von dec Resahungs- dehörde genehmigt waren. Sofort erschienen in den Schaufenstern die verbotenen R a d i o- Ap­parate. Zum erstenmal hörte gestern abend die Bevölkerung ein Radiokonzert. Die eigentliche Be­freiungsstunde schlug jedoch erst um Mitternacht. Aus den Straßen herrschte lebhaftes Treiben, und alle Gasthäuser waren überfüllt, fo daß sie abge­sperrt werden muhten. Das lebhafte Temperament des Rheinländers äußerte sich in großer Aus­gelassenheit. UeberaU erschollen vaterländische Lieder, besonders solche, die bisher von der Be- saßungsbehörde verboten waren. Die kommuni­stische Gegenkundgebung blieb natürlich nicht aus, doch kam es nirgends zu Zusammenstößen. Gegen 12 Uhr nachts trafen die ersten Abteilungen der Schutzpolizei ein, die von der Bevölke­rung stürmisch begrüßt wurden. Die Po­lizei hatte die Ueberschreitung der Polizeistunde ge­stattet, und auch sonst kam man der Bevölkerung in ihrer großen Freudenstimmung weitest entgegen.

Die Entwickelung der Stadt als Kunst- und Ausstellungsstadt hat unter der Be­satzung stark gelitten und Köln hat es ver­standen, Düsseldorf bei verschiedenen Ausstellun­gen und Tagungen den Rang abzulau- f e n. Die Kunstausstellungshallen müssen wieder hergestellt werden, da sie unter der Belegung mit Besatzungstruppen stark gelitten haben. Auch zahlreiche Schulgebände müssen in Ord­nung gebracht werden. Viele staatliche und kom­munale Behörden müssen ihre bisherigen Unter« kunstsräume verlassen und die bisher beschlag­nahmten alten Räume beziehen, wodurch auch wieder eine Anzahl Wohnungen sreigemacht wer­den können. Die Finanzlage der Stadt ist äußerst schwierig, denn von den angemeldeten 20 Millionen Goldmark Besatzungsschäden hat die Stadt bisher nur ganze 20 000 Goldmark erhalten.

Auch Duisburg frei.

Duisburg, 25. Aug. (WTB.) Nachdem die französischen Truppen bereits im Lause des Montag Duisburg verlassen haben, ist heute der letzte Rest der belgischen Trup­pen abgezogen. Die Franzosen sind nach Worms verlegt worden, wo sie die bisher

dort liegenden marokkanischen Truppen ersetzen. Die Belgier zogen über Homberg «um links­rheinischen Belayungsgebiek. Der Abzug ging glatt von statten. Mit dem Aufhören der Be- sehungskontrolle um Mitternacht erschallte von den Türmen fämtlicher Duisburger Kirchen Glockengeläute.

Oberbürgermeister Dr. Jarres sandte gestern an Reichskanzler Dr. Luther, Reichsauhenminister Dr. S t r e f c m a n n , den preußischen Ministerpräsidenten Braun. Staats­minister S e v e r i n g , an den Oberprälidenten der Rheinprovinz Dr. Fuchs und an den Regie­rungspräsidenten in Düffeldors Berge mann folgendes Telegramm:

..Hiermit erstatte ich die freudige An­zeige, daß die Stadt Duisburg nach 53m o- nötiger Besetzung frei ift.“

Am nächsten Sonntag wird die Stadt Duis­burg eine Feier auslählich der Befreiung ver­anstalten, an der auch Oberbürgermeister Dr. Jarres teilnehmen wird. Am gleichen Tage werden auch wieder deutsche Flugzeuge über der Stadt Duisburg erscheinen.

Die Glückwünsche der preußischen Staatsregierung.

Berlin, 25. Aug. (WB.) Anläßlich der nunmehr erfolgten Räumung der Städte Düssel­dorf und Duisburg schickte der preußische M i - nisterpräsident Braun an den Oberbür­germeister der Stadt Düsseldorf folgendes Tele­gramm: Die erfolgte Räumung der Stadt Düssel­dorf gibt mir eine willkommene Gelegenheit, Ihnen namens der preußischen Staatsregierung den herzlich st en Dank zu übermitteln für die unverzagte treudeutsche Gesin­nung, die Düsseldorfs Männer und Frauen in schwerer, mehr als vierjähriger Besahungszeit in vorbildlicher Weise bewiesen haben. Ich gebe dem lebhaft empfundenen Wunsche Ausdruck, daß nunmehr das Wirtschaftsleben der Stadt Düsseldorf s'.ch neu und ersprießlich ent wickeln möge. Möge es auch dem zielbewußten Zusammenwirken aller behördlichen und privaten Stellen vergönnt fein, die wirtschaftlichen Rote und Sorgen, von denen große Teile der Be­völkerung bedrängt sind, zu lindern. In diesem Sinne sende ich der gesamten Bevölkerung meine aufrichtigen Grüße und G lückcvünsche.

Das Telegramm an den Oberbürger­meister von Duisburg lautet: Anläßlich der heute erfolgten Räumung der Stadt Duis­burg durch die Desahungstruppen übersende ich der dortigen Bevölkerung meine herzlichsten Grüße und Glückwünsche. Ramens der preußischen Staatsregierung gebe ich dem aufrichtigsten Danke Ausdruck für die vorbildliche Daterlä n- bische Haltung, die Duisburgs Männer und Frauen während der schweren, mehr als vier­jährigen Besahungszeit vor aller Welt bekun­deten. Möge nunmehr das Wirtschaftsleben Duisburgs sich nunmehr neu und glücklich ent­falten und möge es namentlich den vereinigten Bemühungen aller staatlichen, kommunalen und privaten Stellen gelingen, der wirtschaft- l i ch e n R o t, unter der die weitesten Kreise der Bevölkerung zu leiden haben, Herr zu wer­den.

gesamt in diesen Monaten an Einnahmen erzielte: 1 139 106 000 Mk., denen Aus­gaben von 966 674 000 Mk. gegenüberstehen. Die Verwaltung bemerkt dazu, daß trotz un­bedeutender Störungen im März die Einnahmen im allgemeinen nicht hinter den Ansätzen des Voranschlages zurückgeblieben feien. Die Ta­riferhöhungen haben das Ergebnis gün­stig beeinflußt. Die am 1. September fällige Zweite Reparationsrate mit 100 Mil­lionen Goldmark sei bereits s i ch e r g e st e 111. Es könne damit gerechnet werden, daß die ®c- famtwirtschaft der Reichsbahn im Geschäftsjahr 1925 g ü n ft i g verlaufe.

Die englisch-französischen Schuldenverhandlungen.

London. 26. Aug. »(TA.) Die englisch- französischen Schuldenverhandlungen, die gestern fortgesetzt wurden und anscheinend die beiderseiti­gen Standpunkte um ein gewisses Stück einander näher brachten, haben gestern durch die Begeg­nung Caillaux' mit dem amerikanischen Bot­schafter in London H o u g h t v n eine besondere Rote erhalten. Man legt in London diesem wenn auch inoffiziellen Zusammentreften insofern Be­deutung bei, als Eaillaur vermutlich auch die demnächst nach Washington gehende französische Schuldenfundierungskommission führen wird. Auch Chamberlain war bei der Begegnung, die während eines in der französischen Botschaft gegebenen Cffens stattfand, zugegen. Vorher hatte Caillaux eine längere Unterredung mit Montagu Rorman. dem Gouverneur der Bznk von Eng­land, und später mit Mac Äcnna, dem Leiter der Midling-Bank. Mit der Begegnung Caillaux' mit diesen prominenten Cichleuten, die an der Reuregelung der wirtschaftlichen Verhältnisse in dem Europa der Rachkriegszeit fo großen Anteil haben, scheinen die Verhandlungen aus der vagen Sphäre der Politik in das Stadium der Realitäten getreten zu sein. Nichtsdesto­

weniger ist man in maßgebenden Kreisen in Lon­don immer noch der Meinung, daß es sich bei den gegenwärtigen Verhandlungen lediglich um Aufklärungsarbeit handle, die zunächst noch zu feinem definitiven Ergebnis führen dürfte.

In einer Betrachtung über die Londoner Verhandlungen gelangen die „Time s“ zu dem Schluß, daß Frankreich bie volle Möglich­keit habe, feine Schilden zu bezahlen. Frank­reich würde nicht den geringsten Vor­teil davon haben, wenn England feine Forde­rung ermäßigte oder ganz fallen ließe, da dann die Vereinigten Staaten ihre Forde­rung entsprechend erhöhen würden. Der Schatzkanzler müsse dafür sorgen, daß keine Eini­gung zustande käme, durch die die britischen Steuerzahler noch schwerer belastet würden.

Die Vorzugsbehandlung Belgiens.

Washington. 25. 2lug. (WB.) Präsi­dent Coolidge ist der Auffassung, daß das Schuldenc.bkommen mit Belgien keinen Prä­zedenzfall für die Regelung der franzö­sischen und italienischen Schulden schafft. Coolidge ist weiter der Ansicht, daß Belgien z u m Kriege in einem andern Verhältnis stand als seine Alliierten. Er geht davon aus, daß Belgien als neutraler Staat in einer Meise in den Konflikt verwickelt wurde, daß es auf die Anteil­nahme von Regierung und Oeifenllichkeit in Amerika rechnen konnte, und daß demgemäß in den Vereinigten Staaten der Wunsch bestand, Bel­gien bei der Konsolidierung feiner Schulden f o weit als möglich entgegenzu kommen.

Ein Drusenvorftoh auf Damaskus abgeschlagen.

Kairo, 25 Aug. (Havas.) Am Morgen des 24. August sind 1500 Aufständische, die vom Dschebcl Druse gekommen und aufDamaSkus

vorgerückt sind, durch französische Artillerie und Flugzeuge angegriffen und unter schwe­ren Verlusten nach dem Dschebel Druse zurück- ge trieb en worden.

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Die Lage in Marokko.

Madrid, 26. Aug. (Sil.) Bet Alhu- cemaö hat wieder ein heftiger Kampf eingesetzt. Während die Rifkabylen die Insel beschießen, halten spanische Kriegsschiffe die Rifstellungen an der Küste unter Feuer. Spanische Flugzeuge haben wiederum das Hauptquartier Abd el Krims mit Bomben beworfen. Ge­stern fand eine Sitzung des Direktoriums statt, nach deren Beendigung General P r i m o d e Rivera erklärte, daß die kommunistische Pro­paganda in den letzten Tagen stark zugenommen habe. Beamte der politischen Polizei Frankreichs seien hier eingetroffen, um gemeinsam mit der spanischen Polizei Verhaftungen vorzunehmen.

Havas berichtet aus Tanger, daß Abd el Krim an der Ouezzanlront die Abteilungen der Dfchehballahs durch Riftruppen und durch An­gehörige der Omara verstärkt habe, da ein von feinem Bruder geleiteter Angriff bevor- stehen soll. Die Dschebaklahs, die einen Vor­marsch der spanischen Truppen längs des Lullos befürchteten, rückten nach dem Dschebel Hackern vor. Sämtliche Stämme hätten Befehl erhalten, sich dem Bruder Abd el Krims, der kürzlich in Tetuan eingetroffen fei, zur Verfügung zu stel­len. Als Vorfichtsmahnahme gegen eine spa­nische Landung an der Ouezzanlauf-Mündung habe Abd el Krim Befehl gegeben, bie Küste zwischen Tiaisis und Emsa für die Vertei­digung herzurichten. Die Djehballahs und Andscheras sollen über den neuen Feldzug wenig erfreut fein, weil sie ihn für aussichts­los halten. Man nimmt an, daß sie sich bei der nächsten Riederlage Abd el Krims von diesem lösen werden.