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Aufhebung der staatlichen Detrisbskranken?asse sei nur möglich, wenn alle Mitglieder des Aus­schusses zustimmten, dafür würden sie aber schwerlich zu haben sein. Der Antrag der Sozial­demokratie entspringe nur einem Agitations­bedürfnis. Der Abg. Leuschner habe denen, die für Auf recht erhalt ung der Betriebskasse seien, das soziale Verständnis abgesprochen: das Gegenteil wäre richtig, denn die Kasse komme gerade den kleinen Beamten zugute. Die staat- uche Betriebskrankenkasse habe nicht weniger als 7500 freiwillige Mitglieder, zum größten Teil Beamte. Es sei gerad^u Pflicht, für diese Kasse einzutreten. Werde die Kasse aufgehoben, so mühten dafür vom Staat noch größere soziale Aufwendungen gemacht werden. (Beifall rechts.)

-Um 11Uhr tritt eine Pause ein. Rach Wiederaufnahme der Verhandlungen erklärt Abg. Reiber (Dem.), feine Fraktion lehne den soz. Antrag gegen die staatliche Detriebskranken- kasse ab.

Abg. S t u r m f e l s (Soz.) meint, die gesetz­lichen Bestimmungen ständen der Auflösung der staatlichen Detriebskrankenkassen nicht entgegen: seine Auslegungen der Bestimmungen an Hand des Gesetzbuches erregen Widerspruch auf der Rechten des Hauses.

Rach weiterer Aussprache, in die auch die Minister Henrich und von Brentano ein­greifen und für die Erhaltung der staatlichen Betriebskrankenkasse sprechen, wird über den An­trag Widmann und Gen. auf Streichung des staatlichen Zuschusses für die staatliche Betriebs- krankenkasse a b g e st i m m t. Der Antrag wird von allen Parteien des Hauses gegen die Stimmen der Sozialdemokraten abgelehnt. Bemerkenswert ist. daß die Demokraten und das Zentrum hier gegen die dritte Partei der Re­gierungskoalition stimmten. Hierauf wird das Kap. 15 (Ruhegehalte usw.) in Einnahme von 43 976 Mark und in Ausgabe von 9151400 Mark gegen die Stimmen der Sozialdemokraten genehmigt.

Es folgt die Abstimmung über Kap. 19 ..Staatspräsiden t".

Es liegen hierzu, wie schon mitgeteilt, zahl­reiche Anträge vor. Das Zentrum hat seinen ErsparungSantrag unmittelbar vor der Abstim­mung zurückgezogen.

Abg. Scholz (D.V.P.) gibt hierauf im Ra- men seiner Partei die nachstehende Erklärung ab:

Die Deutsche Dolkspartei hat in zahlreichen Anträgen früherer Iahre immer wieder zum Ausdruck gebracht, daß sie einen schematischen Abbau von unten nach oben auf das entschie- benste mißbilligt. Wohl aber haben wir stets gefordert, bah eine Verminderung und Der- tleinerung der Zentralbehörden, frei von jeder parteipolitischen Rücksichtnahme, erfolgen müsse. Trotzdem haben wir erlebt, dah zwar die Be­amten der Lokalbehörden von den Abbau- mahnahmen schwer betroffen wurden, dagegen die Ministerien im großen und ganzen ver­schont geblieben sind. Da der Ausschußantrag dieser unserer Auffassung nicht gerecht wird, lehnen wir ihn ab."

Im einzelnen läuft der Antrag des Aus­schusses zu diesem Kapitel darauf hinaus, die früher mehrfach erwähnten Anträge der Abg. Dr. Leuchtgens und Glaser sowie des Abg. Dr Werner abzulehnen. Die Ablehnung erfolgt ge­gen die Stimmen der Bauernbündler und der Deutschnationalen. Der Hauptteil des Antrages, die Einnahme mit 810 Mark und die Ausgabe mit 141172 Mark zu bewilligen wird gegen die Stimmen der Rechtsparteien angenommen.

Ferner wird ein Antrag des Zentrums an* nommen zu weiterer Unterstützung der Heim­kehrer in das besetzte Gebiet.

Abg. Frl. Birnbaum (D. Dp.) verwendet sich für die Landesbeamten, die in abgelegenen Orten leben müßten und mancherlei Aufwendun­gen zu machen hätten. Nach Aufhebung des Sperr­gesetzes sollte sich die Regierung dieser Beamten be­sonders onnehmen.

Das Haus genehmigt hierauf ohne Debatte die nachstehenden Kapitel: 20Staatsverlogsfonds" (Einnahme und Ausgabe 80 500 Mk.): 21 .Aus­wärtige und Reichsverhältnisse" (Einnahme 18 500 Mk., Ausgabe 102 509 Mk.), die Anträge von Dr. Werner, die hessische Gesandtschaft aufruheben oder Stellen dort einzuziehen, sind damit abgelehnt: 22 , Ooerrechnungskammer" (Einnahme 194 000 Mk.. Ausgabe 330 532 Mk.): 23Verwaltungegerichts- hof" (Einnahme 700 Mk., Ausgabe 10 930 Mk.): 24Staatsarchiv" (Einnahme 200 Mk., Ausgabe 37 <,9 Mk.): 25 .Rheinschiffahrt" (Ausgabe 3000 Mark): 26Postgebühren" (Ausgabe 15 500 Mk.). Die zu den letzten Kapiteln gestellten Ersparnis, anträge von Dr. Leuchtgens, Glaser und Dr. Wer- ner sind damit abgelehnt.

Bei Kap. 27Ministerium des In­nern" wendet sich Abg. Ritzel (Soz.) gegen einen Antrag Dr. Leuchtgens, der die Aufhebung von bestimmten Beamtenposten aller Kategorien vom Staatsrat abwärts verlangt. Der Redner for­dert eine verstärkte Durchsetzung des Beamtenkör- xers mit republikanisch gesinnten Beamten. Weiter bringt der Redner verschiedene Beschwerden gegen Kreisämter vor. u. a., daß sie die private Bau- tätigkeit hemmten. Abg. Ritzel erklärt sich gegen eine Rückübertragung der Schullasten aus die Ge­meinden und bringt dann eine Reihe von Wün­schen der Sozialdemokratie zur Derwaltungsreform zur Sprache. Um 1 Uhr werden die Beratungen ab­gebrochen.

Deutscher Reichstag.

Berlin, 25. Juni. Dor Eintritt in die Tages, ordnung teilt Präsident Lobe dem Haufe den In­halt eines Danktelegramms des Polarfor­schers A m u n d f e n für das Glückwunschteegramm des Reichstages mit. (Lebhafter Beifall.) Dann fetzt das Haus die Debatte über die Zollvorlage fort.

Abg. Meyer-Berlin (Dem.): Die Regie­rungsvorlage bedürfe der sorgfältigsten Nachprü­fung (Sehr richtig!), und die Demokraten würden alle berechtigten Forderungen zu dieser Vorlage mit dem größten Nachdruck unterstützen. (Lebhafter Bei­fall links.) Der Redner setzet sich am Schlüsse seiner Rede für einen schon früher gestellten demokra­tischen Antrag ein, einen Sachverständigenausschuß zur Prüfung der Zollfrage zu bilden. (Beifall links.) Während der Rede des Abg. Meyer-Berlin hatte General T f ch u, der militärische Berater der chinesischen Regierung, mit Gefolge, geführt vom Reichstagspräsidenten Löbe, die diplomatische Loge betreten und wohnte den Verhandlungen einige Zeit bei. General Tschu, der sich auf einer großen Rundreise befindet, ist gestern abend in Berlin ein­getroffen und wird am Freitag nach Rußland Wei­terreisen. 1

Em chinesisches Ultimatum.

Verzicht aus die Exterritorialität gefordert. Der Widerhall in Europa.

L o n d o n , 26. Iuni. (W. T. D.) WieDaily Expreß" aus Peking meldet, erhielten die dor­tigen Rcgierungsbeamten von allen Seiten die Aufforderung, die Beziehungen zu Großbritannien zu lösen und einen Wirtschaftskrieg durchzuführen. Demselben Blatte wird aus Hongkong gemeldet, die Kanton-R-egie- rung habe den Ausländern ein Ultimatum überreicht, Schamien zu räumen. Dieses Ultima­tum läuft am Sonnabend ab. Die Verteidigung Schamiens ist für alle Möglichkeiten gerüstet.

Paris, 26. Ium. (TU.) Aus Peking wird gemeldet, dah die chinesische Regierung an die Machte eine neue Note gerichtet hat, in der sie offiziell Verzicht auf die Exterritorialität fordert.

Chinesen-Ausweisungen aus Paris.

Paris, 26. Iuni. (TU.) Die Regierung hat elf Chinesen im Zusammenhang mit dem Ueberfall auf die chinesische Gesandtschaft aus - gewiesen.

Kanton von Ausländern geräumt.

London, 25. Iuni. (TU.) Die letzten aus­ländischen Frauen und Kinder haben gestern Schameen, das Frenrdenviertel von Kanton, an Bord des britischen KanonenbootesKhaki" verlassen, so dah sich in Kanton augen­blicklich außer den europäischen Truppen nur noch wenige Zivilisten befinden. In H on -

Abg. Frau Sender (Soz.): Wir sind bereit, sachlich an der Vorlage mitzuarbeiten, verlangen aber eine gründliche Bearbeitung umsomehr, als die Begründung der Vorlage von geradezu armseliger Dürftigkeit gewesen ist. Wir sind nicht landwirt- schaftsfeindlich, aber wir wollen der Landwirtschaft anders helfen als durch den Zollwucher. Die große europäische Zollunion kann allein ein großes ein­heitliches .atzgebiet und damit eine Steigerung der Produktion herbeiführen.

Abg. Hörn le (Komm.) bekämpft die Zoll­vorlage, die ihre schwere Last auf die arbeitenden Massen abwälze und von der Regierung auch nicht hätte begründet werden köiTH^r.

Damit wird die allgemeine Aussprache ge­schlossen. Die Zollvorlage und der Gesetz­entwurf über den Handels- und Schiffahrtsver­trag zwischen Deutschland und England werden dem handelspolitischen Ausschuß überwiesen.

Es entwickelt sich dann eine Geschäftsord­nungsdebatte. Ramens des Aeltestenrates teilt Abg. v. Guerard (Zentr.) als Berichterstatter mit, daß auf Antrag des Abg. Brüning­haus (D. Vpt.) der Aeltestenrat sich mit der Frage der

Zusammensetzung der Reichstagsausschüsse beschäftigt habe. Der Antragstäler habe die Mei­nung vertreten, daß die gegenwärtige Zusammen­setzung der Ausschüsse kein Spiegelbild der parla­mentarischen Mehrheitsverhältnisse ergebe. (Ge­lächter links.) Die Schlüsselung der Ausschüsse solle in Zukunft geändert werden.

Rach lebhafter Geschäftsordnungsdebatte wurde gegen die Stimmen der Kommunisten, Sozialdemokraten, Demoiraten und Völkischen beschlossen, die neue Schlüsselung für die Aus­schüsse bereits am Freitag in Kraft treten zu lassen.

Rach der neuen Schlüsselung gibt es nur noch Ausschüsse von 21 und 28 Mitgliedern, während die bisherigen mit einer Abgeordneten­zahl von 14 und 18 künftig wegfallen.

Als Präsident Löbe die Tagesordnung für die nächste Sitzung feststellen will, beantragt Abg. Frick (Völl.), die Anträge in dieser Sitzung zu beraten, die die Kündigung des deutsch-spa­nischen Handelsvertrages wünschen. Im Hammelsprung wird dieser Antrag mit 235 gegen 73 Stimmen angenommen. Die An­träge kommen als dritter Punkt auf die Tages­ordnung.

Der zweite Rathenau-prozetz.

Leipzig, 25. Iuni. (TU.) Der zweite Rat Henau-Prozeß nahm heute vor dem Reichsgericht seinen Anfang. Angeklagt sind Oberleutnant zur See Günther Brandt und Fabrikant Iohann Küchenmeister wegen Beihilfe zur Ermordung Rathenaus. Kurz nach 9 Uhr eröffnete der Vorsitzende, Reichsgerichts­rat Lorenz, die Verhandlung. Er gestattet zu­nächst dcm Angeklagten Küchenmeister mit Rück­sicht auf feine schwere Kriegsverletzung während der ganzen Dauer der Verhandlung sitzen zu bleiben. Rach dem Aufrufen der 13 geladenen Zeugen und Sachverständig:n wurde in d.e Ver­nehm ung der Angeklagten eingetreten.

Im Laufe der Vernehmung berichtete der Angeklagte Günther Brandt über sein Vor­leben. Der zweite Angeklagte, Fabrikant Küchenmeister, der Besitzer des Mord­autos, ist seinerzeit weg gewesen und im De­zember 1924 zurückgekehrt, nachdem ihm unter gewissen Bedingungen freies Geleite gegeben worden war. Küchenmeister erllärt, nicht ge­wußt zu haben, welchem Zwecke fein Auto dienen sollte.

Der Vorsitzende richtet dann die Frage an die Angeklagten, ob es richtig sei, daß anläß­lich einer Pfingstzusammenkunft über den Plan gesprochen wurde,

Rathenau zu ermorden.

Brandt gibt an, es habe sich nicht um einen Mord gehandelt, sondern um einen natio­nalen Plan gegen die Entente. Er könne nur unter Ausschluß der Öffentlichkeit darüber ciSfagen. Die Öffentlichkeit wird zu dieser Aussage ausgeschlossen.

Rach Wiederaufnahme der öffentlichen Sitzung blieb der Angeklagte Brandt bei seiner Darstellung, daß es sich bei der Bestellung des Autos nicht um einen Plan gegen Rathenau, sondern gegen die Entente gehandelt habe. Der Angeklagte Küchenmeister gibt die gleiche A u s k u n s t. Gegen I2V2 Uhr beginnt eine Mittagspause bis 3 Uhr.

kong ist die Schiffahrt vollständig st i l l g e I e g t.

Spannung zwischen England und Sowjet-Ruhland.

London, 26. 3uni. (WTD. Funkspruch.) Unter Hinweis auf die gegen die britischen Interessen in China, Persien und Afgha­nistan gerichtete Sowjettätigkeit fordert der diplomatische Berichteftatter desDaily Telegraph" eine Beendigung der Wirksamkeit der diplomatischen Sowjetverlretung in London.

Er ist der Ansicht, daß sich das britische Kabinett unverzüglich mit der augenblicklichen ganz unmöglichen Lage befassen müsse. Außerdem deutete der Mitarbeiter des Blattes auf die Mög­lichkeit hin, dah die Pekinger Regierung durch die Dertragsmächte aufgefordert werden könnte, Moskau um die Abberufung Karachans zu er­suchen, dessen offene Angriffe gegen die Vertrags- Mächte ihn außerhalb ber diplomatischen Vorrechte gestellt hätten. DerDally Telegraph" veröffent­licht biefen Artikel an hervorragender Stelle. Presseempsang der chinesischen

Gesandschast in Berlin.

Berlin, 26. Iuni. (TU.) Gftern abend fand im Hotel Esplanade zu Ehren des gegen­wärtig in Berlin weilenden Vertreters des Prä­sidenten der chinesischen Republik, des Generals Hsu ShuTfeng, ein von der chinesis chen Gesandtschaft veranstalteter Empfang statt. Unter den Anwesenden sah man zahlreiche Vertreter des Auswärtigen Amts, der Wissen­schaft, der Industrie, des Handels und der Presse, ferner den chinesischen Gesandten Exzellenz Wei, der in einer Rede die Sympathie und das Interesse des chinesischen Volkes für das deutsche betonte.

Am Schluß ber heutigen Rachmittagssitzung wurden noch die Angellagten aus dem ersten Rathenauprozeß vernommen, die zum Teil ihre Strafen noch verbüßen. Unter großer Bewegung wird Ernst Werner T e ch 0 w vorgeführt. Auch Thillessen und Kern werden vernommen. Sie geben durchweg an, daß Brandt den poli­tischen Mord verurteilt habe. Der den Ange­klagten Brandt betreffende Fragenkomplex wird abgeschlossen. Die Derhandlungen werden auf Freitag vertagt.

Das Manöverunglück auf der Weser.

Minden, 25. Juni. (T. U.) Dem Gericht wurde heute eine Fähre von der Art der Unglücks­fähre auf der Weser bei Minden 0 0 rgeführt. Da das Wehrministerium eine Uebersetzung mit Mannschaften nicht gestattet hatte, wurde die Fähre am Ufer mit 175 Mann b eia ft et, ein schmaler Gang blieb in der Mitte offen, Stellungs­wechsel wurde in wenigen Sekunden ausgeführt und ein drei Meter breiter Mittelgang blieb frei.

Die Fähre blieb im Gleichgewicht.

Allerdings wurden die schwierigen Stromoer- hältnisie in Veltheim in Erwägung gezogen. Die völlig verbeulten und zerrissenen Pontons der Un» glücksfähre wurden besichtigt. Das Gericht unternahm dann eine Ueberfahrt, um,die Fähre auszupro- hieren. Darauf wurde die Zeugenvernehmung fort­gesetzt. Es handelt sich um Zeugen, die das Unglück vom Ufer aus beobachtet haben.

Die Beweisaufnahme wurde geschlossen und die Verhandlungen auf Samstag vertagt. Dann soll das Guachten der Sachoeftändigen gehört werden.

Durchbruch der Riskabylen.

Paris, 25. Juni. (TU.) Wie das öffentliche Kommunique über die Lage in Marokko mitteill, ist es den R i f k a b y l e n gestern abend gelungen, mit bedeutenden Kräften einen Vorstoß im Sü­den von Ain-Maatuf zu unternehmen und bedeu­tend an Boden zu gewinnen.

Verständigung zwischen Spanien und Abd el Krim.

Paris, 26. Juni. (TU.) DemMotin" wird aus Madrid gemeldet, daß der Schiffsreeder Eche- var iet a soeben aus Algier zu ruckge kehrt ist. Obwohl man in offiziellen Kreisen über das Er­gebnis seiner Verhandlungen mit Abd el Krim das größte Stillschweigen bewahrt, wird dennoch zuge­geben, daß Aussicht auf Verständigung mit dem marokkanischen Führer besteht.

Unterzeichnung des Waffen­schmuggelabkommens.

Paris, 26. Iuni. (TU.) Das französisch- spanische Abkommen zur Unterbindung bes Waffenschmuggels ist gestern nachmittag von dem französischen Außenminister Dfanb unterzeichnet worden. Der Wortlaut des Abkommens wird heute veröffentlicht.

Aus aller Wett.

Streik der Postbeamten in Paris.

Paris, 26. Juni. (TU.) Ein Teil der Pa- eifer Postboten und Telegraphenbeamten ist wegen Lohndifferenzen in den Streik getreten. In einem Postgebäude erzwangen die Streikenden die Schlie­ßung der Schalter. Auch ins Parlament drangen Streikende ein, um dort ihre Forderungen geltend zu machen. Man befürchtet einen Generalstreik. Nach einer soeben eingetroffenen Meldung ist der Streik der Pariser Postbeamten gestern abend um 10 Uhr von den Streikorganisationen abgebrochen worden.

Wettervoraussage.

Roch immer keine wesentliche Olenberung ber Wetterlage.

Eine Kette von Teiltiefs schreitet von Aord- osten über Mitteleuropa nach Südosten, während bie Lage bes Hochdructzebietes seit Tagen fast unverändert ist. Das ständige Einströmen von Rorbwinden betoirft aufs neue starke Abküh­lung: nur bei aufflärenbem Himmel etwas wärmer, ,,, 1

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 26. Iuni 1925, .

Reisen ins besetzte Gebiet.

Besuchet den Rhein! Diese immer wieder­kehrende Bitte unserer Brüder am deutschen Rhein wird sicherlich manchen veranlassen, seins Schritte zur Wander- und Reisezeit ins besetzte Gebiet zu lenken. Leider gibt es aber immer noch ängstliche Gemüter, die vor lauterWenn" undAber", Erwägungen und Befürchtungen nicht zu einem Entschluß kommen können. Es seien deshalb hier einmal kurz alle Bestim­mungen zusammengestellt, die bei einer Reise ins besetzte Gebiet in Frage kommen.

1. Zur Einreise ist unter allen Umständen erforderlich entweder ein deutscher Reise­st a h oder der zur Einreise in das besetzte Ge­biet besonders bestimmte weiße Ausweis. Kein anderes Ausweispapier ist gül- t i g. (Autopapiere, Führerschein usw. genügen nicht.) Einreisende ohne gültigen Ausweis laufen Gefahr, verhaftet zu werden obeV' eine Kaution in beträchtlicher Höhe stellen zu müssen. Dev Paß ober Ausweis mutz im besetzten Gebiet stets mitgeführt und auf Verlangen den Beamten der Besahungsbehörden vorgezeigt werben.

2. Radfahren und Autofahren ist ohne jedp Einschränkung erlaubt. Kleine Fähnchen, ins­besondere in schwarz-weitz-roten Farben, an Fahrrädern und Autos sind nicht gestattet (vgl. auch Ziffer 6). ADAC.-Mitglieder dürfen bie Klubabzeichen (auch Schilber) des ADAC. (All­gemeinen Deutschen Automobil-Klubs) nicht füh­ren. Lastkraftwagen müssen mit Rückspiegel ver­sehen sein.

3. Das Photographieren ist erlaubt. Ver­mieden werden muh die Aufnahme militärischer Gebäude, militärischen Geländes, von Truppen oder einzelnen Soldaten.

4. Musikinstrumente jeglicher Art sind dem Einzelnen erlaubt. Verboten sind Trommler- und Pfeiferkorps, selbst kleine Gruppen sollten Trommeln und Pfeifen vermeiden. Musillapellen können auf offener Straße ohne Erlaubnis spie­len. Genehmigungspflichtig seitens der De­satzungsbehörde sind nur Umzüge von Vereinen mit oder ohne Musik.

5. Strengstens verboten ist das Tragen von Waffen jeglicher Art. Der Waffenschein des unbesetzten Gebietes wird seitens ber Besahungs- behörde nicht anerkannt. Ausrüstungs- und Be­kleidungsstücke, die militärisches Aussehen haben (Tornister usw.), gelten als Teile einer Uniform. Dem Träger entstehen leicht empfindliche Un­annehmlichkeiten.

6. Fahnen und fahnenähnliche Dinge, wie Schärpen, Wimpel, Armbinden dürfen ohne Er­laubnis der Besahungsbehörde nicht öffentlich geführt oder getragen werden. Gesuchsstellern aus dem unbesetzten Gebiete wird die Erlaubnis hierzu wohl kaum erteilt werden. Selbst ganz kleine Kinderfähnchen ober Abzeichen in Fahnen- form haben schon Anstoß erregt unb zu Be­strafungen geführt.

7. Das Singen deutscher Lieder, die als politische" gelten oder es sind, ist verboten. Sogar das Singen der RationalhymneDeutsch­land, Deutschland über alles" in der Oeffentlich- keit führt zu Bestrafungen. Im übrigen be­gegnet das Singen deutscher Lieder keinem An­stand.

8. Es ist nicht ratsam, im besetzten Gebiet abfällige Worte ober Urteile über bie Alliierten ober ihre Einrichtungen, ihre Politik, ober auch über alliierte Einzelpersonen abzugeben. Richt jeder Rachbar, der wie ein Deutscher aussieht, gehört zu uns.

9. Für das Publikum kommen folgende al­liierte Kontrollorgane in Frage:

a) Militärische Posten, nur noch in seltenen Fällen, etwa an Brücken und Kasernen.

b) Gendarmen, die die hauptsächlichsten Kon­trollbeamten sind.

c) In Zivil gekleidete Beamte der Sicher­heitspolizei, die sich auf Verlangen durch einen Ausweis legitimieren müssen.

10. Für Veranstaltungen anläßlich der Jahr« tausendfeier der Rheinlande gelten besondere Be­stimmungen. Insbesondere sind von den Fran­zosen alle Veranstaltungen unter freiem Himmel in Garnisonstädten verboten. Es empfiehll sich, in den hier in Betracht kommenden Fällen mit der deutschen Behörde des besetzten Gebiete- (z. D. mit dem Hessischen Landeskommissar in Mainz. Schillerstraße 42) in Verbindung zu treten, wie es überhaupt besonders im Laufs dieses Sommers zweckmäßig ist, alle Zweifelsfälle dort oder mit den hessischen Zentralbehörden in Darmstadt zu klären.

11. Für kleinere Spaziergänge im besetzten Gebiet in Darmstadts Umgebung genügt der weihe Ausweis. Verbote für getoiffe Wege be­stehen nicht, abgesehen von den Absperrungen bei Schießübungen, die vorher bekannt gegeben werden. Man sollte sich jedoch militärischen! Gebäuden und Einrichtungen fernhalten.

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Gietzener Wochenmarktpreise. 1F

am 25. Iuni (Händlerpreise).

Es kostete auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 190 bis 200 Pfennig, Matte 35, Käse 65, Wirsing 35 bis 40, Weißkraut 35, rote Rüben 25, Römischkohl 20, Bohnen 40 bis 70, Spargel 50 bis 100, Erbsen 40, Mischgemüse 20, Tomaten 140 bis 150, Ziebeln 25, Rha^ barber 20, Kartoffeln (alte) 6, Kartoffeln (neue) 15 bis 20, Kirschen 50 bis 70, Stachelbeeren 30 bis 35, Johannisbeeren 40 bis 50, Erdbeeren 100 bis 120, Honig 40, junge Hahnen 100, Suppenhühner 120: das Stück: Eier 13, Blumen­kohl 100, Salat 10 bis 20, Salatgurken 60 bis 100, Oberkohlrabi 15 bis 25 Rettich 25; das Bund: Lauch 15, Sellerie 15, Radieschen 10, gelbe Rüben 25 Pfennig.

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** Sprechstungen der Redaktion: Vormittags 12 bis 1 Uhr, nachmittags 5 bis 7 Uhr. Die Fülle unserer DienstgesiAste ge­stattet uns nicht, außerhalb der vorgenannten Zeit Besuche anzunehmen.

** Aerztliche Besichtigung des Volksbades. Gestern besichtigte der Aerzt- liebe Kreisverein das hiesige Dolksbad und rich­tete das Hauptaugenmerk auf das Dampf- und Heißlustbad (römisch-irisches Bad). Die Besichti­gung ergab, daß besonders diese Bäder in allen Teilen als mustergültig bezeichnet werden können. Sämtliche Anwesenden sprachen sich lobend über die gesamte Einrichtung aus.

Der schmale Teil der Ritter­gasse gesperrt. Wegen Vornahme von Dach-

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