Nr. 72 Swett« Blatt
Der polnische Grenzlärm und sein Echo.
Don SarmaticuS.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Warschau, Mitte März 1925.
3n der Zgodastraße Ar 5, too die .(Sanela 'DarszawSka". dis offizielle Pariechlatt der Ra- -iv naldern o trat ie gemacht wird gab es am 5.März •inen großen Tag Am Dorabend waren die .ilten bestimmteren Dachrichten über die jüngsten Pläne für den Sicherheitspakt und über j>le deutschen Anregungen hierzu em- troffen. Man hatte also Zeit. 3n aller Muße sonnte am Donnerstagvvrrnittag ein prächtiger H»itar1lkel gebaut werden. fand Redaktions- Konferenz statt, unter Leitung des Herrn K o z i d i. Bzevorllhenden des nationalen DolksverbandeS. also derjenigen Parteigruppe, in der die Raliv- Kldemokratie reinsten Wassers gesammelt ist ■Han konnte auch noch die ParlamentSsraktion •erftänbtgen. Alle gaben ihren Segen. Und so «rd denn am Donnerstagnachmittag das Un- aewöhnliche Ereignis. „Haben Sie schon den !<utigen ÖritartiM der „Dazeta Warszawska" «-lesen?" fragte mit glühenden Augen der uner- sittliche Dertilger aller Feinde Polen«. Herr (awadski — oder war es vielleicht Herr >?obrvw«ki- im Politikertaff ee in der Neuen Lelt. „Stn Artikel von internationaler Bedeu- > tng Das Ausland wird aufmerken!"
Leider scheint es. daß. abgesehen von der Iteuen Welt oder genauer dem dortigen poll- ' ichen Kaffeet'lch die übrige Welt nicht auf- gmtcrtt hat Sie läßt sich ja immer da« Beste ent- jv’ben. Weder in der ..Times" noch im „TempS". ?och in irgendeinem artb^ren Weltblatt habe ich • ne Spur der stilistischen Großtat aus der . «wda 5 zu entdecken vermocht. So fallen denn lieber mal die Deutschen aushelfen. Zwar Kiß ich. daß meine bescheidenen Zeilen die Icubbeit von Pat?S und London, von Neuhork jrtb Nom, von Tokio und Washington nicht i*ttmachen können Aber, wie mnn's auch nimmt, ArSland ist Deutschland ja immerhin doch.
Also was schrieb die .Gazeta Warsrawska?" 5te überschrieb zunächst „Der deutsche Plan iner Teilung Polen S". Als Titel — <f)t schlecht Darunter aber hieß eS. nach einigem 1IV-« und Wie über die Garantiepaktssage: Die Würfel sind gefallen. Die Frage einer Teilung Lesens steht auf der Tagesordnung Wir aber rechen es mit voller Verantwortung dafür aus, bifür. waS wir in einer Zeitung schre-ben. die die Ansichten einer Partei von hundert Mitgliedern m Pntkcnnent wiederaibt. einer Partei, welche bin überwiegenden Einfluß im Lande ausübt 1 :er ist gleich nebenbei etwas Darnum-Reklaine hir den Hi.lanbbebarf mit untergobracht). möge > die öffentliche Meinung und mögen es die Regierungen in allen Ländern erfaßten, daß für jh6 jeder Anschlag auf das Staatsgebiet nur ?t n e6 bedeuten Barm — den Ä r i eg "
Don einem ..Anschlag" auf daS Staatsgebiet kann eigentlich schwer die Bede fein. DaS ist klar. Ebenso klar aber auch etwas anderes. Daß näm- lich RapoleonS Gefühle vor Wagram und Außer» i|j alltägliche zu nennen sind im Vergleich mit '>m Bewußtsein, das die Zgoda 5 vom Keller biM zum Dachboden bewegte, nachdem di"se großen Borte der Sekmaschine übergeben waren und ran die öffentliche Meinung und die Acgierunaen ider Länder solchergestalt angeredet hatte. Man ' sich um: was lagt ihr nun? Um so mehr * ruß man es den erwähnten Regierungen freilich mm bittersten Vorwurf machen, daß von diesem Ultimatum der Zgndgstraßc nie auch nur ein .'irrbenSwortchen bis zu ihnen gedrungen ist. kie haben Ohren und hören nicht, sie haben Augen und lesen die Gazeta Warszawska nicht, 2 ix. sie treiben ihre V"rstocktheit, vermute tch ■ift. so weit: Sie willen nicht einmal, daß :iie Gazeta Warszawska überhaupt existiert.
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So wenig dieser Sturm im Wasferalale den -rtub von einem auswärtigen Minißerfenster iiTDcßt haben mag. — ringsum seine Ur» i>iungSgu"lle machte er dennoch die Kopse toir» ftTtg. Was? Gibts Krieg? fragten die kleinen .eilte. Soviel hatten sie verstanden. Und der trlte Gedanke war nicht: in Germaniam! Auch -leßt: „Doch ist Polen nicht verloren." Sondern : war. nach so mancherlei Erfahrungen, weit e«iler. Dämlich — wo gibts Dollars zu 'li-len?
3m übrigen soll die unfreiwillige Komik der ; )i«itßetifer in der Zgvdastraße und der Kaffee- • Patrioten der Reuen Well uns nicht abhallen, mH die e r n ft e r e Seite des polnischen Säbel- selnS zu bxKßten und richtig einzuschätzen. : .'»ui der Militärkommission des Parlaments be- i tilie sich einer der von der Gazeta Warszewska ^>ll Stelz arg führten hundert Abgeordneten des A^tionalen Volksverbandes alsbald eine befon- 'ere 3nitiative zu ergreifen. Er verlangte den :1 bleuntgen Erlaß eines Gesetzes über die Vorbereitung der Ration für den Kriegs- M1L Genauer ausgedrückt soll dies heißen: Es 'oT eine Mobilmachungsordnung ge- Haffen werden, und zwar sollen durch Gesetz i 'iqenigen Maßnahmen für den Eintritt des ynegssalls bestimmt werden, die üb't das rein militärische Derordnungsrecht der Armee-Kom- '* i«mdostellen hinausgehen, also insbesondere die A ■tcrftellung gewisser Zivllb Hörden unter mifi- «> arischen Oberbefehl, automatischen Eintrit des Lisnahmezustandes. Pflichten der Zivilbcvölle- i".ung usw.
Uebeihaupt rüstet Polen fleißig. Das Heer-- jia) t f e n ist derjenige Teil der Staatsausgaben.
-u* den man die meisten Mittel, die meiste Arbeit ti>. Wie es scheint, auch die verhältnismäßig p irößte Ausdauer im einmal Unternommenen verwendet. Die Finanzreform, die der gegenwärtige Ministerpräsident und Finan-minrster 3 : a bf f i durchsührie, hat zwar an mancherlei wollen Sparsamkeit erzwungen, an einer Stelle eüvch nicht: imHeeresetat. 3m Gegenteil, 5e: Referent der Dudgetkvmmillion Hir Heeres- Zachen. Fürst C z e t w e r t y n s k i. hob rühmend rrf unlängst hervor: als vor der 'Berufung krabskis die Wahl zwischen ihm und anderen : Kandidaten geschwankt habe, hätte sich der Staats- ) resident für Drabski entschieden, weil dieser in seinem Sanierungsplan „die Bedürfnisse des Heerwesens am meisten in Rücksicht gezogen" iälle. Tatsächlich wurde unter Grabskis Frnanz- iitegüne und Ministerpräsidium der Voranschlag
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberhessen)
Donnerstag, 26. lstSrz 1925
für 1924 im Heeresetat von 480 Mill. Gvld- franken auf 608 Millionen erhöht und hernach noch durch einen Rachtragskredit von 80 Millionen ergänzt. Laut Staatsrechnung für das oer- floffene 3ahr wurden auch 688 Millionen im Etat des Ki legsrnmisteriums verausgabt bei einer Gesamt höhe der Staatsausgaben von 1700 Millionen, die Armee verschlang mithin mehr als 40 Prozent. Für 1925 steht eS damit folgendermaßen: 3m Voranschlag, der im Herbst deS vergangenen 3ahres den frommem zuging und insgesamt aus rund 2 Milliarden Zloty (Dold° franken) lautet, waren für den Heeres bedarf 645 Millionen vorgesehen. Ende Februar ds. 3s. nun erklärte Kriegsminister Sikorski, daß ihm diese Summe nicht genüge, und verlangte eine Erhöhung um 110 Millionen, widrigenfalls er zurücktreten müßte. Es unterliegt keinem Zweifel, daß diese Erhöhung gegenwärtig, nach den veranstalteten patriotischen Temperamentausbrüchen. mit Pauken und Trompeten bewilligt werden wird. An Rachtragskrediten wird es desungeachtet auch nicht fehlen, so daß die Militärausgaben Polens im laufenben 3ahr von 1 Milliarde Gvldfranken nicht eben weit entfernt bleiben dürsten. Wozu hat man denn soeben eine Anleihe in Amerika — für WirtschaftSzwecke erhalten?
Zieht man zum Vergleich auch noch m Betracht. waS sich jenseits der Ost grenze Polens abspielt, so haben wir das vollständige Parallelbild des Rüstungswettlaufs, wie er vor 1914 die Voller Europas in Atem hielt und der schließlich und endlich dazu führen mußte, daß die Gewehre von selber losgingen, schon weil es ihrer einfach zu viele geworden waren.
Gehen wir nun nochmals der Ursache der jüngsten Erregung nach, so ergibt sich, daß das Dekanntwerden der letzten Phase der Verhandlungen über den Garantiepakt sie nur zum ileber- foeßen brachte Brodeln tat sie schon lange. Die englische Presse, wenn auch nicht in geschlossener Front, so doch in recht zahlreicher Vertretung, hat seit etwa 1920 nicht aufgehört, den Besitzstand Polens anzusechten. Was der „Observer" z. B. soeben wieder. Anfang März, von der „sich weit ausdehnenden Schwachheit Polens", von Polens „unnatürlich geschwollener Stellung" schrieb und klipp und Har in die Formel faßte, daß „die Beibehaltung der polnischen Grenzen eine Gefahr für den Weltfrieden" bedeute. — das ist. in Abständen, immer wieder gesagt worden. 3n Polen haben diese Stimmen sehr beunruhigend gewirkt, und das um so mehr, als die polnischen Zeitungen aus unabsichtlicher Unllarheit des Unterscheidungsvermögens ihre Leser nicht richtig orientierten D e Meinung einzelner fremder Presseorgane einerseits, das doch mindestens um Gradunterschiede abweichende Verhalten der englischen Regierung andererseits wurde über denselben Leisten geschlagen. Was war die Folge? Erschienen ganz konkrete Forderungen nach Gebietsveränderungen zu ungunften Polens, wie sie manche englischen Zeitungen äußerten, in solcher Beleuchtung, als wären sie bereits Forderungen der englischen Regierung, so ergab sich eine 3rrefüßrung. Blieb nämlich nach allerhand scharfen Pressedebafen doch vorläufig alles beim Alten, so ließ sich dem Leser ein diplomatischer Sieg der polnischen Selbstbehauptung einreden. „Seht 3hr. riefen dann die Zawaltzki und Bobrowski, die Engländer drohen Wohl, aber fie tun unS nichts Man muß nur tüchtig auftrumpfen". Auch von der jüngsten europäischen Unterhaltung ist mithin nicht zu erwarten, daß sie die polnischen Manieren geglättet haben sollte.
Das soll freilich andererseits nicht besagen, daß sie ohne jedes Ergebnis im Sinne einer Besserung der durch den Versailler Vertrag geschaffenen Wirrnisse gewesen wäre. Auch hier, wie in so vielen Fällen, wird man die Wirkungen auf nahe Sicht und die auf weite Sicht unterscheiden müssen. Auf nahe Sicht gesehen, treten gewiß manche ungünstige Erscheinungen hervor, wie Rückwirkungen auf die deutsch-polnischen Handelsvertragsverhandlungen. wie neue Anreize für die chauvinistischen Gruppen in Polen, wie die Beschleunigung des polnischen Rüstungstempos, wie stille Rache an den deutschen Landbesitzern in den Grenzprovinzen, die man mit verstärktem Eifer der „Agrarreform“ auszuliefern sich beeilt. Das sind MinuSposten im Sinne einer verbessernden Revision der Versailler Schöpfung im Osten
Aber es ist auch etwas anderes in die Rechnung einzustellen, sofern man diese eben auf weite Sicht aufmacht. So betrachtet, erweist sich, daß die nicht von der Tagesordnung Westeuropas verschwindende Frage einer Grenzrevision Polens durch internationales Rechtsverfahren von den zehn Millionen Richtpolen im heutigen polnischen Staatsgebiet als moralische Stärkung gegenüber allen Polonisierungsversuchen empfunden wird. Man könnte ja vielleicht wünsche.!, daß es dellen <riicht bedürfte. Daß den Annerions- ftaat seine in der eigenen Verfassung nieder gelegten internationalen Verpflichtungen genügend zügelten, daß die Annektierten in ihrem nationalen Selbstbewußtsein ausreichend Halt fänden. Aber denkt man etwa an die Ostmarken Polens, so handelt es sich da um eine zwar zahlreiche, aber noch verhältnismäßig unentwickelte Fremd» bcvolkerung. Da lallen denn solche Erörterungen wie die jüngste und läßt der Lärm, den Polen selbst dagegen machte, als Wecker des nationalen Bewußtseins bis in die Dämmerung Hinterpolens aufmerken „Sollen unsere Kinder polnisch toerben?“ heißt es im ukrainischen oder weißrussischen Dorf, „da man heute noch nicht einmal weiß, was morgen zu diesem Staate gehören wird und ivas nicht. Rein, Foma Ka- lena. nein, Kost Wasyntschuk. Wenn die großen Herren in Europa, die Polen in die Kutsche gesetzt haben, nun selber merken, daß es fr ernte Pferde sind, die es ziehen sollen (weiß-russische Redensart), dann wollen wir erst mal abwarten. Rein, Foma Kalena, nein. Kost Wasyntschuk. Wie lautet das ukrainische Trutzlied? „Aje pora ljacham ssuzyti!" „Es ist jetzt nicht mehr an der Zeit, den Polen zu dienen."
Schöffengericht Gießen.
* Gießen, 23. Atärx. Die vielfach, darunter auch mit schweren Zuchthausstrafen, vorbestrafte 3ohanna A aus Aieöterf hat sich wegen mehrerer Diebstähle, die sie im Rovernbcr 1924 in Gießen begangen hat, zu verantworten. Die Äeb- stähle — in einem Falle handelte es sich um eine Kassette mit 3nhalt — sind mit großem Raffinement und großer Frechheit ausgeführt.
Die Angeklagte bestreitet, die Täterin zu sein Die Zeugen erfermen sie aber mit Bestimmtheit wieder. Auch wird ihre Behauptung, sie sei nie in Gießen gewesen, dadurch wiederlegt, daß bei ihrer Verhaftung eine Fahrkarte ®ießen - Wersen bei ihr gesunden wurde. Das Gericht hält die Angeklagte, die sich zur Zeit, und zwar wiederui i wegen Diebstahls, in München-Gladbach in Untersuchungshaft befindet, für vollkommen überführt und verurteilt sie wegen eines vollendeten und zweier versuchter Diebstähle zu einer Gesamtstrafe von zwei 3ahren acht Monaten Zuchthaus.
Die Stütze A K. aus Gießen hat aus bem Scheckbuch eineS hiesigen Kaufmanns, bei dem sie sich in Stellung befand, mehrere Scheckformulare herausgerissen, zwei davon mit Summen von 250 Mk. und 120 Mk ausgefüllt und auf den Rainen des Kaufmanns unterzeichnet. Diese präsentierte sie dann bei einer ßtefigen Bank. Der Betrag von 250 Mk wurde ihr auch ausbezahlt: bei Vorlage des zweiten Schecks wurde der Schwindel aber entdeckt und die Täterin sestge- nommert Die Angeklagte war bereits früher wegen Diebstahls mit vier Wochen Gefängnis bestraft worden: hinsichtlich dieser Strafe wurde ihr aber bedingter Straf auf ld>ub gewährt. Der Staatsanwalt bedauerte, daß sich die Angeklagte dieses Gnadenbeweises unwürdig gezeigt habe und nun die aufgeschobene Strafe nachverbüßen müsse, und beantragte wegen der zwei unter Anklage stehenden Fälle der qualifizierten Urkunden- sälschung eine Gesamtstrafe von sechs Monaten vierzehn Tagen. Das Gericht erkannte diesem Antrag gemäß, da die Angeklagte nur aus Leichtsinn gehandelt und das erschwindelte Geld nur in Kleidern und gutem Elsen angelegt habe.
Der Kaufmann Wilhelm Sch und die Rähe» rin Anna R. auS Hirzenhain, Kreis Marburg, haben im Dezember 1924 in Gießen eine Anzahl falscher Zweibillionenscheine verausgabt. Sie wurden dabei betroffen und verhaftet. Bei der Durchsuchung der Festgenommenen hatte die R. neun und der Wilh. Sch einen Block von 85 falschen Scheinen bei sich. Beide suchten sich unbemerkt der Scheine zu entledigen: die Polizei vereitelte jedoch ihre Manipulationen. 3n der Voruntersuchung legte die R ein Geständnis ab, während Sch bis zum Schlüsse leugnete und im hiesigen Gefängnis durch zahlreiche Kassiber versuchte. die R. zum Widerrus ihres Geständnisses zu bewegen. Die mehrstündige Verhandlung führte zum einwandfreien Rachweis der Straftaten. Das Urteil lautete bei Sch auf zwei 3 ahre, bei der R auf vier Monate Gefängnis. Den Angeklagten werden zwn bzw. drei Monate der erlittenen Untersuchungshaft angerechnet.
Buntes Allerlei.
Dom Wettersinn.
'Denn das Wetter sich ändert, fühlt gar mancher, der sich aus dem Ärieg eine Wunde mitgebracht oder mit Rheuma behaftet ist. die Vorzeichen dieses Umschwungs gar deutlich durch Schmerzen. Woher dieser Zusammenhang zwischen Witterungsvorgängen und Körperbesinden kommt, darüber ist man sich noch nicht flar geworden.
3n einem Aufsatz der Frankfurter Wochenschrift „Die Umschau" untersucht Dr. D f a f f diese Beziehungen. Er hat ein ganze« 3ahr lang den Einfluß des Wetters auf Rheumatiker und Kriegsverletzte tagtäglich untersucht und gesunden. daß bei verschiedener Luftdruckhohe Schmerzen auftraten. Bei Barometerständen von 745 bis 750 Millimeter, die mit Auftreten einer westlich.m Depression verbunden waren und einige Tage anhielten, blieben die erwarteten Reaktionen aus: sie stellten sich aber sofort ein. sobald der dauernde Zustand der Wetterlage beendet war. Auch bei ausgesprochenen Hochdrucklagen blieben die Schmerzemplln- bungen aus. Dagegen zeigten sich die Reaktionen sofort, wenn bei hohem Luftdruck Regen eintrat. Aus den Beobachtungen ergab sich, daß die körperlichen Empsindungen keineswegs durch Lust- druckfchwankungm hervorgerufen werden. Auch die Temperatur- und Feuchligkeitsschwankungen durften nicht für das Auftreten der Schmerz- elscheinungcn verantwortlich gemacht werden, wenn auch freilich der Feuchtiqkeitsgrad der Lust namentlich bei Rheumatikern mitbestiinmend war.
Auffallenderweise stellten sich die Storungen em, wenn ein Gewitter zu erwarten war. und so lag der Gedanke nahe, die Schwankungen der elektrischen Leitfähigkeit der Atmosphäre als Rei-ursache anzunehmen. Stets machten sich die körperlichen Reaktionen ddt dem Einsetzen des Regens und Gewitters bemerkbar. Zu ähnlichen Ergebnissen ist der Schweizer Arzt Huber gekommen, der solche Personen für seine Versuche auswählte, die besonders stark den Ausbruch des Föhnwindes und der Gewitter vorausfühlten.
Huber kommt zu folgendem Resultat: „Die Körperkeitfähigkeit von Personen, die nicht mit Wettersinn behaftet sind, ändert sich in demfellen Sinne wie die Luftleitfähigkeit: sie steigt und fällt mit dieser. Bei den mit Wettersinn behafteten Personen aber ändert sich die Körperieitsähigkeit umgekehrt wie die der Atmosphäre, d. h. sie nimmt ab. wenn die luftelektrische Leitfähigkeit wächst, sie wächst, wenn diese abnimmt Der Widerstand, den die den Körper durchfließenden Ströme zu überwinden haben, nimmt also zu. wenn der Widerstand der die Luft durchlließen- den elektromagnetischen Strome abnimmt.“ Danach würde also der Wettersinn in einer eigenartigen Beziehung der Leitfähigkeit des Körpers zu der lustelektrischen Leitfähigkeit bestehen.
Wiederherstellung des LateransbaptsteriumS.
Das Baptisterium des Laterans in Rom wird gegenwärtig einer gründlichen Wiederherstellung unterzogen. Dabei sind Ausgrabungen gemacht worden, die für die Baugeschichte des ehrwürdigen Heiligtums von großer Bedeutung sind Wie im .Cicerone" mitgeteilt wird, fließ man unter dem Fußboden auf antike Gebäudereste. die schonen Mosaikfußboden. Marmorpflaster und Was'erabz.'.gslöcher aufweisen. Die aufgedeckten 2Hauerrefte zeigen die bezeichnende Anlage altrömischer Thermen. Daraus ergibt sich, daß das Baptisterium an der Stelle der Thermen des alten LateranS- palastes erbaut wurde. Der kreisförmige Raum, der unter dem Mittelraum des heutigen Baptisteriums liegt, stellt das Baptisterium der alt- christlichen Zeit dar, in dem die Taufen noch
durch Eintauchen vorgenommen wurden. Durch die Freilegung des heute ganz eingebauten alten Eingangs wird ein IchöneS Beispiel frühchristlicher Architektur wieder zur Geltung gebracht
Vorgeschichtlich« Ausgrabung«» in risiis.
Grabungen, die auf Veranlassung des Ausschusses zur Erhaltung der Altertümer Georgien- bei Semo-Awtschali unternommen wurden, haben wichtige Funde zur Urgesch.chte des Landes an£ Licht gefördert. Wie O. G. von Wesendonk im „Cicerone" mitteilt, wurde am Fuße eines senkrechten Felsen gegraben, auf dem daS Kreuz Noster steht. Man fand große Begräbnis Urnen aus Ton von derselben Form, die noch jetzt die Wein-Urnen m Georgien haben Reben den Urnen lagen Tier- und Vog.'lknvchen, ht einer Urne fand man ein gut erhaltenes Srauen- skelett, sowie zahlreiche Grabbeigaben D ese bc standen in einer großen A tzahl bunter, z. T vergoldeter Glasperlen, 3milafionen von Perlmutter Obsidian und Achat, einem Bronzekollier und einem Medaillon auS toe;ß?r Paste in silberner Fassung, silbernen Ohrringen und Brvnzersngm. Eine besonders schöne Arbeit ist der Kopf einer Bervziego, die in Knochen künstlerisch auä'o'i hrt ist Die Form der Grabstätten und die Oaqe der Leichen fotote daS Grabinventar b'dten nach An- sicht des Entdeckers T s ch 11 a j a tara if hin. d st diese Grabstätten der nairisch-uvarta^ schen 5tub turepoche angeboren. Die Grenze der Dn-bcc i ing dieser Kultur, d'e im 15. und 16 vorchristlichen 3ahrhund?ri blühte, wird dam't feftgchgl. Das v^rrinzelte Vorkommen von E'feageräten ze'g! daß die Grabstätten in der UebwnannSveriode vom Bronze- zum Eisenzeitalter entstanden sind
Wirtschaft.
Untere bedenkliche Handelsbilanz.
Von Prvf. Dr. Herrn. Levy (Berlin)
Das Problem unserer Handelsbilanz steht zur Zeit im Zentrum aller unserer mannig'ach'n wirtscha'tspolitischen So gen. Rach den bisherigen Berechnungen beträgt die Passivität unserer Handelsbilanz für 1924. also der Ueberschuß des Wettes der Einfuhr über den der Ausfuhr, nicht weniger als die enorme Summe von 2.7 Milliarden Rentenmark. Das Resultat für 3anuar 1925 ist noch deprimierender. Es betrug ^as Passivsaldo in diesem einen Monat nicht weniger als 674 Mill. Rentenmark, und zwar war die Einfuhr gegenüber dem Vormonat um 63 Mill. Rm. gestiegen, während die Ausfuhr dir! L. Plus nicht nur nicht auftoog. sondern durch eine Verminderung von 42 Mill. Rm. noch zu einer weiteren Passivierung der Handelsbilanz c.itrug.
3it Friedenszeiten hatte ein reichet Land keinen Grund, eine passive Handelsvllanz als volkswirtschaftlich ungünstig anzusehen. Vielmehr war die Pasiivität der Handelsbilanz nur ein Zeichen dafür, daß daS betreffende Land wohlhabend war. Es bezog seinen außenwirtschaftlichen Reichtum nicht nur aus der Handels-, sondern vor allem auS der Zahlungsbilanz. An das Ausland geliehene Gelder, Schiffahrtsdienste, welche die Handelsflotte in der ganzen Welt leistete, Filialunternehmungen. Vergebung von Arbeiten im Auslande. — das waren die Plusposten der Zahlungsbilanz, welche als ausländische Guthaben und ZinSforderungen des betreffenden LandeS nicht nur das Passivsaldo der Handelsbilanz ausglichen, sondern auch dasselbe geradezu bedingten. Die Mehreinfuhr aus dem Ausland war ja nichts weiter alS der Ausdruck dafür, daß das Ausland dem reichen Lande in Waren für die Zinsverpflichtungen, die Dienste und Leistungen — d. h. die sogenannten ..unsichtbaren Ausfuhren" jenes Landes — bezahlte öe kam es. daß in normalen Zeiten reiche Lander wie England eine Pasiiv'tät der Handelsbilanz von ca. 3 Milliarden Mk. ohne vollswirtschait- ließen Rachteil auf wiesen, während d e Handelsbilanz vieler armer Länder „passiv" war, weil sie nur mit der Ausfuhr ihrer Schuldzinsen und sonstigen Verpflichtungen bezahlen konnten. Allein leider trifft heute diese Wahrnehmung auf die Passivität unserer Handelsbilanz nicht zu. Unsere heutigen „unsichtbaren" Ausmhren sind minimal Anstatt wie früher Geldgeber zu sein, müssen wir infolge unserer Verarmung selbst als Kreditsucher auf dem Weltmarkt erscheinen. Unsere Handelsflotte wird erst langsam au'g baut, dient in erster Linie deutschen Verfrachte . ganz abgesehen davon, daß auf dem intern Atonalen Schiffsmarkt feit langem ein ileberangebet und eine Depression her richt Unsere Fil al- und Auslandsunternehmungen sind zum Teil geschwunden, zum Teil liguibieit. Es steht also heute der wachsenden Passivität unserer Handelsbilanz keine Zahlungsbilanz mehr gegenüber, die das Passivsaldv aungleichen könnte.
An dieser Tatsache sind die verschiedensten Umstände beteiligt. Eie lassen sch in zwei Komplexe gliedern. Erstens sind es Mommte unfe-er 3nnenwirtschaft. welche unsere Hand Is.ilanz s-it dem Frieden und ohne viel Hoffnung auf Besserung verschlechtern, zweitens außenwirtschaftliche Momente, welche mit der gesamten Verfassung des Weltmarktes und der Weltwirtschaft zusammenhängen. Was die ersten Uriachen an- geht, so ist daran zu erinnern, was wir an wichtigen Erzeugungsgebieten durch ben VerlustElfaß- Lothringens. des größten Teiles von Oberschlesien sowie der Ostmarken verloren haben Welche Veränderung sich z. D. daraus allein für unsere schwere Eisenindustrie erg bt, hat unlängst bei Verfasser der „Wirtschaftsberichte b?r Lommrrz- und Privatbank" berechnet. So wurden im Jahre 1924 an Roheisen, Halbzeug und Eisenbahnschienen rund. 600 000 Tonnen mehr eingc ufjrt als aus- qeführt. während wir im Jahre 1913 in bcnfel Den Warengattungen eine Mehrausfuhr von 3' Millionen Tonnen auszuweisen hatten. Diese Ziffern erhellen mit einem Di tz di? gante Trost, losigkeit unserer außenwirtschaftlichen Lage.
Aber nicht minder bedeutsam für die Frage unseres Außenhandels ist die Tatsach daß mir durch die Kriegs- und Rachkriegsverhältnjsse ganz anderen weltwiTtscha'tlichen Absatzverhäl nrsien
Der ZrWing erzeugt Sommcrfprofien!
Diese Tatsache ist vielen, die Aeigung zu öommet- sprvstenbildung besitzen, unbekannt. Wir raten 3hnen, in der Apotheke weißes Citalbvl-Wachs, 50 oder 25 Gramm, zu kaufen und j ‘ sck' n mit der Behandlung der befallenen Ste^c ix inen. Sicher erhält.: Univ.-Apoth. ,,Zum goldenen Engel".


