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pranger. Schrift» on Quelle & Meyer,

(eiter: W. Flitner. Verlag von Quel

Buchenau, Dr. Artur, Oberstudiendirektor, Sozialpädagogik, Wissenschaft und Bildung, Rr. 211. Verlag von Quelle & Meyer, Leipzig 1925.

Persönlichkeit und Gemeinschaft, das sind die beiden Ideen, um welche sich die Erörterung päda- gogischer Fragen in den letzten drei Jahrzehnten hauptsächlich wie um zwei Pole gedreht hat. Der bekannte Verfasser verteidigt in seiner Schrift mit Recht den Standpunkt, daß cs eine Zweiheit, eine Trennung dieser Ideen überhaupt nicht gibt, daß vielmehr schon in der unermeßlich verflochtenen Welt der Wirklichkeit das individuale und das soziale Moment nur schwer voneinander zu scheiden und zu unterscheiden sind, daß aber beide als Ideen ewige Aufgaben bezeichnen und bedeuten, die das eine Mal als die Vollendung des Ich, das andere Mal als die Dollenbuna der Menschheit zu denken sind. Beide Ideen existieren aber nur in enger Wechselbezogenheit zueinander, denn, so wie einer­seits ja eine Gemeinschaft nie anders gegeben ist und sein kann im Bewußtsein der Individuen, so ist andererseits das Individuum aufs allerstärkste beeinflußt durch die Umwelt, das Milieu, die Ge­sellschaft und alle Formen der Gemeinschaft, die Familie, die Gemeinde, den Staat, so daß die Frage nach demjenigen, welches von beiden, Indi­viduum ober Gemeinschaft, das erste ist, müßig er­scheint.

Melde, Dr. Ernst, Stadtmedizinalrat in Leip­zig, Gesunde Schulkinder, Neuzeitliche deut­sche Schulkinder-Vorsorge. I. F. Lehmanns Verlag, München 1925. 143 S. Preis 5 Mk. (geb. 6 Mk.).

Verfasser hat als Schularzt eines unserer größten deutschen Industriestädte das heutige Kinderelend in seinem ganzen Umfang kennen gelernt und hat erkannt, daß diesem Elend nur durch eine tatkräftige Schulkinder-V o r sorge begegnet werden kann, setzen doch, wie allgemein bekannt ist, Fürsorge und Heil­behandlung häufig genug erst dann ein, wenn es zu spät ist. Da Schularzt und Schule allein nicht kmstande sind, ausreichend für die Gesunderhaltung des Schulkindes zu sorgen, so haben sich gleichzeitig

Die Erziehung." Monatsschrift für den Zusammenhang von Kultur und Erziehung in Wissenschaft und Leben. Herausgeber: A. Fischer, T. Litt, H. Nohl und E. S

Seidig.

Die am 1. Oktober 1925 zum ersten Male er­schienene Monatsschrift trägt ein wissenschaftliches Gepräge. Sie will die pädagogische Forschung und die lebendigen Kulturbeziehungen der Erziehung in unserem Volke als ein Ganzes beobachten und för­dern. Ihr Ziel sucht sie durch Zusammenfassung der gesamten Einzelforschung zu einer erneuten Wissen­schaft von Erziehung und Bildung zu erreichen. Die Zeitschrift wendet sich nicht allein an die berufs­mäßigen Erzieher, sondern auch an die volkserzieye- risch so wichtigen Vertreter der Politik, der Ver­waltung, der Wirtschaft, der Wohlfahrtspflege, der Medizin, an die Geistlichen, die Gelehrten, die Künstler usw. und fordert sie zur Mitarbeit auf. Sie behandelt deshalb u. a. neben der allgemeinen Theo­rie der Erziehung und Bildung auch die Fragen der Wechselbeziehung der Erziehung und der anderen Kulturgebiete: Staat, Wirtschaft und Recht, Sitte, Gemeinschaftsleben, Dolksgestalt, Kirche, Kunst, Philosophie und Einzelwissenschaften, Weltanschauung und Religion. Sie will ferner Abhandlungen aus den Gebieten der Menschenkunde, Iugendkunde, Psychologie und Medizin bringen, soweit diese er­zieherische Bedeutung besitzen.

Aus dem Inhalt des Oktoberheftes: Bros. Dr. A. Fischer: Unsere Zeit und die Mis­sion der Pädagogik. Prof. Dr. Th. Litt: Gedanken zum kulturkundlichen U n - terrichtrprinzip Prof. Dr. Nohl: Der Sinn der Strafe. Pros. Dr. E. S p r a n a e r: Das deutsche Bildungsideal der Ge­genwart in geschichtsphilosophischer Beleuchtung.

mit ihnen die Eltern in den Dienst der Vorsorge zu stellen. Den Ellern und den Elternvereinigungen sei desh ilb auch in erster Linie das Weldesche Buch empfohlen, ebenso wichtig ist es aber auch für den Lehrer, ohne dessen tatkräftige Hilfe jegliche Schul- tinberfürförge überhaupt unmöglich ist, behanbelt es boch in seinem reichen Inhalt sozusagen alle biejenigen Probleme, bie für eine gefunbe Erziehung unserer Iugenb in Frage kommen unb an benen der Erzieher von heute nicht achtlos Vorbeigehen barf.

Katz, Prof. Dr. Daoib, unb Katz, Dr. Rosa: Die Erziehung im vorschulpflichtigen Alter. Wissenschaft unb Bildung 217. Verlag von Quelle & Meyer, Leipzig 1925. Aus dem Inhalt: Die Ausgabe der Erziehung, bie Macht unb bie Grenzen der Erziehung, Bebeutung ber vorschul- pflichtigen Erziehung, Bebeutung ber Kinberpsycho- logie, Pflege und Gewöhnung. Stnfänge ber Er­ziehung, Beschäftigung bes Kinbes, Uebung ber Sinne, Kinb unb Kunst, Körperkultur, Willensbil- bung, die wichtigsten kindlichen Tugenden, Strafe und Belohnung, Anfänge ber sozialen Erziehung, bas schwer erziehbare Kinb, bas kranke Kinb. Die kleine Schrift, bie ein sehr wichtiges Teilgebiet ber Päbagogik in anschaulicher, flüssiger unb gemein­verständlicher Darstellung behandelt, verfolgt das Ziel, allen denen zu helfen, die an der Erziehung ber Kinder vor dem Eintritt in bie Schule beteiligt finb. Als OriginalqueUe dient den Verfassern vor- nehmlich das wissenschaftliche Tagebuch, bas sie sich über ihre beiben Kinder angelegt haben, unb in bas sie ihre psychologisch-päbagogischen Erfahrungen über dieselben niedergeschrieben haben. Wenden sich bie Ausführungen ber Schrift in erster Linie wohl an bie Elternkreise, so sind sie aber andererseits auch geeignet, auf die Tätigkeit aller derer, die die Er­ziehung vorschulpslichtiger Kinder zu ihrem Lebcns- beruf gemacht haben, befruchtend zu wirken. R.

Reue paedagogische Literatur.

Besprochen von Oberstudiendirektor Dr. Roller, Professor an der Universität Gießen.

Schede, Dr. Franz, und D i e tz e , Helmuth, Turnen im Klassenzimmer, Bekämpfung der Sitzschäden in der Schule. Verlag Quelle & Meyer, Leipzig 1925.

Jeder, ber berufsmäßig Schulkinber zu unter­richten hat, macht die traurige Erfahrung, baß ein wohlentwicketter, kräftiger Körper mit guter Hal­tung beinahe eine Seltenheit zu nennen ist, beson­ders in stark industrialisierten Bezirken Deutsch­lands. Die Mehrzahl ber Schulkinber zeigt mehr ober weniger ausgesprochen einen Haltungsverfall, ber eine Folge ber Sitzfchäbigung ist. Da bie Schule die Sitzschäbigung erzeugt, so hat sie nach Ansicht des ersten ber beiben Verfasser ber Schrift auch bie Pflicht, ein Gegengewicht zu schaffen. Die wenigen wöchentlichen Turnftunben finb bazu nicht imstande, deshalb verlangt Schede die mehrmalige Einschie­bung täglich von Turnübungen (510 Minuten lana) in den Unterricht.

Im zweiten Teile der kleinen Schrift gibt ber zweite Verfasser, Dietze, eine Zusammenstellung von Turnübungen (Freiübungen, Hebungen bes Schultergürtels, Hebungen ber Bauchmuskeln, ber Rückenmuskeln, Beinübungen, Atemübungen), bie er zur Behebung ber Schäbigungen burch bas Bank- fltzen für geeignet hält.

Der Gedanke, den Unterricht gelegentlich durch körperliche Uebungen zu unterbrechen, ist durchaus nicht neu, neben Freunden hat er aber in den letz­teren Jahren, selbst unter den Aerzten, auch Gegner gefunden.

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Ht. 274 Zweiter Blatt

Syrischer Küstenbummel.

von Triest nach Konstantinopel.

Don unserem ä. V?. K.-Korresponbenten. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.

II.

Well springt die Helle Felsensoitze von (Korfu in das blaue Meer vor. Aus ber geschwungenen Bucht dahinter grüßt ber Lorbeerhain, in bem bas Achil- leion gebettet ist. Dies ist wohl boch ber letzte Gruß Europas, des Europa, so wie wir es kennen unb mie wir es sehen. Gewiß, auch Griechenlanb ist noch europäische Erde, aber boch ist es fremb unb fern von Europa. Einmal ist es steingeworbene Erinnerung, unb wer an ber Insel Ithaka vorbei- gleitet auf sanft roiegenbem Schiss, ber glaubt ben homerischen Telemach bort auf seinen Stab gestützt zu sehen, um nach bem Vater Ausschau zu halten. Unb doch ist es lebendiges Leben, aber nicht das Leben Europas, sondern ein Leben, das ganz vom Orient beherrscht ist. Dieser Hafen Patras, wie ganz anders ist er, als irgendein Haken einer europäischen Küste. Das ist Farbe unb Geschrei unb Bewegung, aber boch Schmutz unb Unorbnung unb Trägheit unb Staub unb überall Verfall. Etwas Euro­päisches ist vielleicht hier unb bas ist bas Euro­päische, was man nicht von Europa lernen sollte. Obwohl die Möglichkeit besteht, Ladung unb Passa­giere unmittelbar am Quai abzusetzen, barf bas nicht geschehen, muß in Boote umgelaben werben damit bie Gilbe ber Bootsleute nur ja nicht ihre Einkünfte verliere unb zu einem anberen Beruf gezwungen werbe. Ach nein, günstig ist ber Einbruck nicht, ben man von ben ökonomischen unb sozialen Verhältnissen biefes Lanbes gewinnt, bas einen Im­perialismus zur Schau trägt, ber schon größen­wahnsinnig zu nennen ist, wenn man Griechen­lands Kraft an ber Kraft ber anberen Mächte mißt, die im Mittelmeerbecken um die Herrschaft ringen. Günstiger ist der Eindruck schon in Kreta. Aber Kreta war lange in türkischer Hand und wenn auch alle Türken jetzt ausgetrieben finb, so haben sie boch einen Wohlstanb, eine Orbnung unb faßt eine Rein­lichkeit hinterlassen, wie sie auch Europa nicht an ollen Stellen besser kennt. Kreta. Vielleicht ist biefe Insel bie Wiege bes Menschengeschlechts: jebenfalls ftnbet man hier bie Spuren ältester Menschheits- tultur, einer Kultur, bie auch von ben Aegyvtern kaum ganz erreicht mürbe. Hier war bes Mino- tauros Palast. Hier ist bas Labyrinth, bas wahrlich wenn es für unser Auge auch nur bie primitive Aneinanberreihung von Einzelgemächern barstellt, in ber Zeit feiner Entstehung, wo man nur ben Einzelraum mit bem Dach barüber kannte, ein Meltwunber genannt werben burfte. In biefem kleinen Museum von Kanbia finb Schätze angehäuft, wie man sie in solcher Geschlossenheit wohl boch kaum in irgenbeinem Museum ber Welt, fei es im Louvre ober sei es im Britischen Museum, zu finden vermag. Ist es nicht überhaupt ein Barbarismus, eine Kulturlosigkeit sondergleichen, ein Verbrechen, durch das Europas Kulturwillen auf das traurigste geschändet wird, daß man wie Räuber in diese alten und ältesten Kulturstätten eindrang und aus ihneil bas wegführte, bas, so schön es an sich unb so geschlossen es in sich fein mag, boch nur Teil ist, Bruchstück bleibt, entwurzelt ist, wenn man es aus bem Boben nimmt unb aus ber Umgebung reißt, wo es erwuchs. Wäre es nicht eine Aufgabe für ben Völkerbund, dafür Sorge zu tragen, daß eine Insel, wie Kreta, ein unantastbares Heiligtum der Mensch­heitskultur werde, daß alles dorthin zurückgeschafft würde, was gestohlen wurde und was nun in allen möglichen Museen hängt unb steht ober gar in ben Prioatfammlungen amerikanischer Millionäre frem- ben Augen für immer verborgen bleibt? Der Völ- ferbunb ist nur ein politisches Gebilbe unb aller Kultur gänzlich fern, unb er vermag nicht einmal seiner politischen Ausgabe im geringsten gerecht zu werden, denn sonst häuften sich hier an ber levan- tinischen Küste nicht so die Explosivstoffe, wie sie sich häufen: denn sonst wäre bas Selbstbestim­mungsrecht ber Völker, auch ber kleinen Völker, nicht bie hohnvolle Phrase, als bie sie heute von jebem empsunben wird, ber zu einem unterbrückten Volke gehört.

Man sollte vor Aegypten warnen. Der Berliner, der bort hinkommt, wirb sehr halb bas ominöse WortNepp" über bie Zunge springen lassen. Schon bei ber Ausschiffung in Alexanbrien beginnt es-, Außerordentlich höflich finb bie Herren. Auch die englischen Beamten, bie immer noch in ihren alten Stellen tätig finb, weil bie ägyptische Regie­rung angeblich nicht genügenb anbere Kräfte zu ihrem Ersatz finben konnte, bemühen sich, selbst dem Deutschen gegenüber höflich zu sein, aber_ man spürt boch von ihrer Seite eine verhaltene Feinb-

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

feligfeit, bie sich auch in ganz realen Wirkungen äußert, bie man aber nicht nachzuprüfen vermag, ba man fremb unb bes Lanbes untunbig, allem wehrlos ausgeliefert ist. Eine vorzügliche Bahn führt nach Kairo. Man fährt hier in Afrika burch- aus nicht schlechter, als man in Belgien ober Frankreich fährt, eher ein wenig besser, benn auf Reinlichkeit wirb ein beachtlicher Wert gelegt. Baumwollfelber, Baumwollfelber. Hin unb roieber kurzer Aufenthalt auf einer Station, wo man einige eingeborene Gestalten sieht, bie aber boch, selbst wenn sie ihre Lanbestracht tragen, völlig europäi- fiert sinb. Auch Kairo ist auf ben ersten Anblick nichts anberes als eine europäische Stabt mit Autos, elektrischen Bahnen, Lichtreklame- Warenhäusern unb Mobegeschäften unb Hotels, Hotels, bie sich von benen ber Großftäbte Europas in nichts anbc- retn unterscheiben, als baß sie an Stelle bes in Europa gebräuchlichen schwarzen Portiers einen weißen Portier unb biefen in einer Kosakenuniform haben.Das ist nun Afrika", seufzt man unb fragt sich etwas unlustig, warum man bie Fahrt gemacht hgt. Am anbern Tage erhält man bafür benn boch bas freinbe Bilb, bas man ersehnte, wenn man ein­taucht in bie Gassen unb Gäßchen ber Gin geborenen- stabt, wenn man ben Bazar mit seinen Tausenbcn von kleinen unb kleinsten Geschäftchen burchstreift, wenn man bie verschleierten Frauen sieht, bie mit grell geschminkten Augen, über ben schwarzen Schleier hinweg blitzschnell ben Frembling mustern, unb wenn man hinaufsteigt zur Zitabelle unb bort mit schuhlosem Fuß bas stille Heiligtum ber Mo­schee betritt. Hier fühlt man sich aus allem Hasten unb Jagen Europas herausachoben, hier werben Iugenbfehnfüchte wach unb Märchen von Taufenb- unbeiner Nacht lebenbig. Hier von ber Zitabelle aus fieht man benn auch fern am Horizont bas Wun- oer ber Pyramiben unb von hier aus finb sie ein Wunber. Fährt man jeboch mit ber elektrischen Tramway hinaus bis zu bem fashionablen Hotel, bas an ihrem Fuße liegt, so hält es schwer, ihren Einbruck als so überroältigenb zu empfinben, wie man nach ben Sternchen im Baebecker sich eigent­lich für verpflichtet hält. Nur bie Sphinx bie Sphinx, bas ist wirklich etwas, wo man steht unb schaut und stille wird, und wo die Ahnung von Jahrtausenden einen geheimnisvoll berührt. Aber da laufen langbeinige Engländerinnen herum und quetschen ihrvery nice" und ihrmounberful" zwischen dünnen Lippen und haben doch nur Augen, nicht um zu sehen, sondern um den Kodak richtig einzurichten. Ganze Rudel schwärmen hier herum, unb ihr Austreten ist nicht gerabe geeignet, bas Prestige Englanbs in Aegypten zu verbessern. Die Geschichten, bie von arabischen Führern, die mit einzelnen Damen Monbscheinexkusionen in bie Wüste unternehmen, erzählt werben, mögen nicht alle wahr fein, fjaarfträubenb sind sie jebenfalls.

In Port Said erreicht man wieber bas Schiff. Ein toller Hafen, wo sich ber Abschaum breier Kon­tinente mischt, unb ber aus einem einzigen Slum zu bestehen scheint, wenn man in bie nächtlichen Gassen einen Blick wirft. Frische Meerbrise unb bann wieber Lanbfchutz, Lanbschutz ber kleinasiati- fd)en Küste. Hier eigentlich erst beginnt ber syrische Küstenbummel. In Jaffa kommt ein Triumvirat an Borb. Da ist ber Englänber, als Vertreter ber Manbatsmacht, ber sich sehr zurückhält, ein Zionist, ber alle Sprachen beherrscht unb ber bie Pässe ber Einwanberer sehr genau barauf siebt, ob nicht kör­perliche ober geistige Infektion ins Lanb getragen werben. Unb als Dritter ein Araber, ber Würbe ?eigt, nichts als Würbe, unb ber höchstens einen freunblidjcn Blick hat, als er hört, baß Deutsche an Bord finb. Schon in Aegypten war man als Deut­scher bei ber eingeborenen Bevölkerung bas Objett einer befonbers ausgeprägten Höflichkeit. Der Haß gegen ben Englänber ist ungeheuer unb aus biefem Haß entspringt wohl bie Sympathie für ben Deut­schen, auf besten Senbung für bie Völker Afrikas unb Asiens man Hoffnungen zu setzen scheint, bie fast mystisch genannt werben können. Spannungen auch hier. Die Zionistenstabt Tel-Aviv ist an bas alte orientalische Jaffa herangebaut, wie man bei einer europäischen Stabt eine orientalische Sied­lung als Lunapark errichtet. Unzweifelhaft bewun­derungswürdig, was hier in kurzer Zeit geleistet wurde. Ein kleiner Ostseekurort hat kein besseres Ansehen, im Gegenteil, manche europäische Stadt kann bas neue Zion um seine Straßengestattung und um die Schönheit seiner öffentlichen Gebäude durchaus beneiden, aber wird es Bestand haben, wird bie zionistische Leitung wirklich auf bie Dauer für all bie Bauarbeiter, Hanbwerker unb ungelern­ten jübischen Abschub, ber aus allen Teilen ber Wett hier zusammenströmt, Brot unb Arbeit schaf­fen können? Wirb man es einmal fertig bringen, sich mit ber arabischen Urbevölkerung zu verstän bigen? Das sinb ungelöste Fragen, auf bie alle

bisher gegebencen Antworten nicht genügende Ant­wort geben.

Heiliges Land! Und wenn man tausendmal im Automobil sitzt, wenn man auch rechts und links moderne Kulturen sieht, über einem ein englisches Flugzeug knattert, man ist boch im tiefsten Innern ergriffen unb glaubt doch, dort die heilige Fa­milie baherwandern zu sehen. Die Mutter mit bem Kinbe auf bem Esel und zur Seite schützend unb fürsorglich Joseph. Unb dort oben am bämmemben Himmel leuchtet ba nicht ber Stern auf, ber bie Hirten führte, unb ber auch ben Königen Leitstern war. Der Abend legt einen Vorhang über das moderne Jerusalem, unb so gewinnt man am Mor­gen als ersten Einbruck bas Bilb ber Innenstabt, bie ganz noch so ist, wie die Bilder unserer Schul- fibel sie malen. Verweilen, verweilen, das Grab fchildern, wo man tief gebeugt, demütig durch eine niedrige Pforte hinzutritt, den Gang durch die Ka­pellen unb Krypten mit flatfernbcn Wachskerzlein, an blinkten, heiligen Altären vorbei unb bie tiefe Anbacht, bie sich auf ben Gesichtern biefer armen Pilger ausprägt, die auf den Knien von einem Altar zum andern rutschen. Verweilen, verweilenl Der Oelberg unb bie Kreuzesstätte unb bie stille Ka­pelle ber Himmelfahrt unb bann ber Blick über bas Lanb Genezaret, wo jeher Stein ßegenbe ist, unb der Dornbusch am Wege dich anschaut wie eine Mahnung.

Haifa war ehemals eine blühende deutsche Ko­lonie. Jetzt scheint auch hier der Zionismus stärker vorzudringen, unb, wie bas zwischen Jaffa unb Jerusalem geschehen ist, bas fdjon Geschaffene als ben gegebenen Unterbau für das in Angriff ge­nommene Werk zu betrachten. Hier will man In­dustrien errichten. Eine Zementfabrik ist bereits beinahe fertigqefteUt, und andere Werke sind pro­jeziert ober beftnben sich schon im Stabium ber Errichtung. Reges europäisches Leben auf ber Stabtfeite, hinter ber ber Berg Karmel mit feinen Klosterbauten aufragt. Auf ber anbern Seite ein Dünenftreifcn, ber im Meer verfließt unb ber eine Reihe von Palmen trägt, bie im melancholischen Auf unb Ab die Wipfel nach dem Hauch des Win­des neigen.

Carnaro" nimmt den Kurs auf Beirut.

Deutschland, Oesterreich und der n?.he Osten.

Don unserem Wiener Berichterstatter Dr. Ernst Riesin er.

Zwei Wochen nach Abschluß des Vertrages von Locarno wurde in München die deutsch* österreichische Arbeitsgemeinschaft begründet, die cs sich zur Ausgabe gesetzt f>at, den kulturellen Austausch zwischen Deutschland und Oesterreich zu pflegen und dadurch den Anschluß Oester­reichs an das deutsche Mutterland politisch, recht­lich, wirtschaftlich und was vielleicht das Wich­tigste ist psychologisch vorzubereiten. Man mag sich zum Vertrage von Locarno und zu manchem seiner Details wie immer stellen, nicht zu bestreiten ist, daß er, im Zusammenhang mit den militärischen Rückschlägen Frankreichs in Syrien, Deutschland im östlichen Europa eine gewisse Bewegungsfreiheit sichert und die Mög­lichkeit einer aktiven Außenpolitik eröffnet. Und man muß dem österreichischen Gesandten in Berlin, Dr. Frank, beipflichten, wenn er jüngst als außenstehender Beobachter erklärte, daß daS politische und moralische Ansehen Deutschlands seit Locarno, namentlich in Ost- und Südost- curopa, erheblich gestiegen sei.

Deutschland wird diese Wendung am besten dadurch auswerten können, wenn es sich auf jene Aufgaben besinnt, die seiner im nahen Osten harren. Das östliche Mitteleuropa hat die »Frie­densverträge" noch nicht überwunden und wird diese auch niemals überwinden Das alte Oester» reich-Ungarn wurde nach dem richtigen Aus­spruche Bismarcks seit 1848 nur mehr durch die Furcht der im mittleren Donaubecken ansässigen Heinen Völker vor dem übermächtigen Rußland zusammengehalten: dazu kamen noch wichtige wirt­schaftliche Gründe, insofern sich die einzelnen Teile des ehemaligen Oesterreich-Tlngarn wirt­schaftlich ergänzten. Mit dem Untergang deS Zarentums war die einigende Furcht vor Ruß­land weggefallen, die Habsburger Monarchie zerfiel. Aber der Raum an der mittleren Donau war nicht zu befrieden. AIS belebende Momente der Unruhe machten sich geltend das magyarische Ressentiment, die nationalpolitischen Kämpfe in der neugegründeten Tschechoslowakei und die wirt­schaftliche Unausgeglichenheit Rest-OesterreichS.

Montag, 25. November 1925

Schon feit 1920 sucht man nach Möglich­keiten, das mitteleuropäische Problem zu lösen. Die grohösterreichische Lösung, die Bildung eines Föderativstaates unter Führung W ens, war früher durch den ungarischen Unabhäng gkeits- drang sabotiert worden und ist seit dem unglück­lichen KrieasauSgang erledigt. In der RachkriegS- zett bestand einige Zeil die Gefahr einer groß- tschechischen Lösung, einer polit.schen Ueberwälti- gung Oesterreichs und Ungarns durch b.c kleine Entente, unter Führung des Tschcchentums. Ein Paroli bot ihm die Haltung Italiens, das schon In seiner vorfaszistischen Zeit, noch mehr unter Mussolini, peinlich alle Ansätze zu einer neuen Grobmachtbildung an feiner Rordostgrenze zu vereiteln bestrebt war.

So blieb also bis heute bie östliche Hälfte bes mitteleuropäischen Raumes ein politisches Chaos, obwohl bie bonaulänbische Wirtschaftsgemeinschaft mit bem Mittelpunkt Wien ben Fortbestanb ihrer Realität baburch sozusagen bemonftratio bewies, baß bie sich zoll- unb handelspolitisch voneinanber ab­schließenden sieben Nachfolgestaaten in eine große volkswirtschaftliche Bedrängnis gerieten unb von bie,er, trotz ber seither abgeschlossenen Hanbcls- verträge nicht befreit finb. Statt einer großen, na­turgegebenen Autarkie sucht man jetzt, namentlich burch künstliche Züchtung von Inbustrien, sieben neue kleine Autarkien zu schaffen. Iammerschabe um bie baburch bebingte Vergeubung unb Fehlveran­lagung vom Wirtschaftskapital!

Im östlichen Mitteleuropa fehlt ein Wirtschaft^' regent. Dieser kann nur Deutschlanb sein: als Mitt­ler unb Wegbahner kommt Oesterreich in Betracht. Historisch, wirtschaftlich, geopolitisch unb ja nicht zu vergessen auch psychologisch. In einem jüngst erschienenen Werke schilberte ein Schweizer ben österreichischen Menschen als einen eigenartigen Eha- raktertypus, als einen feinfühlenben, verftehenben, schmiegsamen Kulturmenschen, berufen unb geschult als Vertreter mitteleuropäischer Dermittlungsarbeit. Dieses österreichische Talent muß sich Deutschlanb auf seinem Wege nach Großbeutschlanb zunutze machen. Mit ber Cinglieberung Oesterreichs in ben beutschen Staatskörper wäre nur halbe Arbeit ge­tan. Sieben Millionen Einwohner mehr, schöne Alpengegenben unb, wenn einmal es sein muß, tüch­tiges, wetterhartes Solbatenmaterial. Alles recht schön, aber Deutschlanb barf nicht vergessen, baß cs zwei Drittel seines Außenhanbels verloren hat, daß in biefer Beziehung Rnßlanb noch lange bie Rolle berewigen Braut" spielen wirb unb baß auch ein ober bas andere Kolonialmandat nicht im entfernte­sten einen Ersatz bedeutet. Durch unb mit Oesterreich aber kann Deutschlanb Mittel- unb Sübofteuropa wirtschaftlich burdjbringen.

Anschluß Oesterreichs, Großbeutschlanb, Mittel­europa finb Begriffe, bie man denke nur an NaumannsMitteleuropa" unb an bie österreichisch- deutschen Zollverhanblungen in Salzburg von 1917, noch in der Kriegszeit wurzeln, bie nach 5>teber(age unb Umsturz Jahre hinburch ein from-

Die junge Muster trinkt während der Stichelt ?ur Stärkung, Appetit- anregung und Förderung der Älilchbildung täglich dar extraktreiche, alkoholarme

Angenehm im Geschmack wird es gerne dauernd ge- nommmen. Das Hacker-Nährbier ist }U haben in allen durch Schilder und Plakate kennttid) gemachten Apo­theken. Lebensrnittel- und Feiekostgeschäften. Man verlange ausdrücklich Hacker-Nährbier, nicht ngend ein Bier, welches nur mit Farbmah schwär) gefärbt ist und auch nicht annähernd den gleichen Nährwert bat. Alleinige Herstellerin: Actiengesellschost Hackerbräu München, 500 Fahre bestehendes Brauhaus.

Alleinvertrieb für Gießen u. Umgebung: Firma Georg tzebstreit.Giehen,Klinilstr.2l, Fernruf 163.