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Halls die Türkei die Entscheidung des Völkerbun- des in der Mossulfragc nicht anerkennen sollte und das Mossulgebiet durch Waffengewalt an sich zu bringen versucht, sollen die Balkan st aalen im Einverständnis mit Frankreich und England gegen die Türkei militärisch vorgehen. Den Bolkanstaaten wird dabei weitgehende militärische und finanzielle Unterstützung zugesagt. Es wird dar­auf hingewiesen, daß diese Vereinbarungen nicht in der Form eines Vertrages niedergelegt worden sind, aber dennoch beiden Seiten weitgehende moralische Verpflichtungen auferlegen.

Ium Tode der Königin Alexandra.

London. 22. Nov. (SU.) Die englischen SonntagSblätter behandeln den Tod der König i.n- Mutter an erster Stelle und bringen zum Teil sehr ausführliche Berichte, teils aus dem Leben der Verstorbenen, teils über b:c Teilnahm? des Auslandes. Das Beileidstelegramm des R eichs p r ä s i d en t e n von Hindenburg wird dabei mit besonderer 'Bevorzugung behan« Veit. DerObserver'' stellt den Bericht über die Aeußerungen der deutschen Blätter aus Anlaß -de- Tod<ä der Königin an erste Stelle. Als politisch bedeutsam sind Die teilnehmenden Kund­gebungen der Arbeiterpartei hervorzu- heben. Selbst der radikale Bergarbeiter Cook sagte gelegentlich einer politischen Bersammlung: Unsere Königin-Mutter, deren Verlust in der ganzen Welt betrauert wird, hatte viele Züge in ihrem Charaiter. die man nach.rhmen sollte, besonders in menschlicher Hinsicht. Ihr Mitleid gegen Leidende und Arme und ihre Liebe zum Frieden waren Tugenden, die höchst notwendig und wohltätig für die Nation gewesen sind."

Das Blatt Macdonalds und der Arbei­terpartei. derDaily Herald", überschreibt einen warmen Nachruf mit den WortenDie Frau mit dem guten Herzen". DieTime s" schreibt u. a.: die Königin-Mutter sei in England nie eine Fremde gewesen. ..Niemals machte sie den Fehler, der das Leben ihrer Schwägerin (der Kaiserin Friedrich» vergiftete, der sie ihre eigene Heirat verdankte. Die Deutschen konnten naturgemäß niemals einer Fürstin ver­geben. die, obwohl mit ihrem Thronerben ver­heiratet, niemals die Tatsache verbarg, daß sie das Land ihrer Geburt dem ihrer Wahl vorzog. Die Frau Eduards VII. stellte vom ersten Sage ihrer Ankunft in Lendvn bis zu ihrem Tode in» mitten der Trauer öeS ganzen Belkes ihr ganzes Sein dem Lande ihres Gatten gleich... Ihrer Mutter (Luise v-n Dänemark, geb.. Prinzessin von Hessen-Kassel), Tochter konnte die Hohen- zollmm nicht lieben und sie machte kein Hehl daraus. Ihr eigenes Temperament und ihr Cha­rakter traten tem Wilhelms II. so unähnlich wie möglich Aber ihre persönlichen Gefühle durf­ten ihrer königlichen Pflicht nicht entgegenstehen und mdjr «lS einmal besuchte sie den Berliner Hof und empfing den Kaiser in London und Windsor."

Wie derObserver" mitteilt, werden die Feierlichkeiten anläßlich der Unterzeichnung des Vertrages von Locarno am 1. Dezember durch den Tod der Königen Alexan­dria nicht weiter beeinträchtigt. Alle wichtigen Staatsangelegenheiten, sagt das Blatt, werden durch den Todesfall kaum beeinflußt werden. Für die vier geplanten Zeremonien, das Staatsbankett im Duckinghampalast. der di­plomatische Empfangs daS Diner beim Premier­minister und das Mittagessen in Guildhall, sei bisher keine Arnderung vorgesehen.

f Uebcr die Bcisehungsfeierlichkei- ten verlautet, daß die Leiche zuerst nach dem . Bücking hampala st überführt werden soll.

Alsdann wird sie in der Westminster-Ab­tei aufgebahrt und von dort in einem feier­lichen Deisehungszuge nach der Gnrrgkavrlle des Schlosses von Windsor g-schafft werden. Die Hoftrauer wird wahr'chttnli h 3 Monate dau­ern und sich voraussichtlich auch auf die meisten öffentlichen gesellsch Etlichen Veranstaltungen, wie Wohltäiigteitsbazare ufw. beziehen.

Das Beleid ves

NeichsprastDenLen.

Der 9t e i d) s p r ä f t b e n t hat dem König und der Königin von England gelegentlich des Ablebens der Königin-Mutter seine Teil­nahme ausgesprochen. Der König von Eng­land hat an den Reichspräsidenten folgendes Ant - w o r t t e l e g r a m m auf feine Beileidskunbgebung gesandt:Die Königin und ich banken Eurer Ex­zellenz aufrichtig zu dem freundlichen Ausdruck Ihrer Tellnahme an unserem großen Schmerz."

NatronaldenLmal für die Gefallenen rm Weltkrieg

Berlin, 21.Nov. (Wolfs.) Der auf An­regung derAeichs regier un g vom Reichs- rat gewählte, aus Mitgliedern des Reichsrates bestehende Aussch zur Errichtung deS Na- tionaldenkmalS für die Gefallenen im Weltkriege hielt heute unter Vorsitz deS mit der Führung des Reich Lministeri ums deS Innern beauftragten Reichswehr Ministers D r. Geßler seine erste Sitzung ab. Der Beratung lagen die zahl­reichen derRcichSrcqierung und dem Ausschuß zugegangenen Vorschläge zur Lösung der Denk­malsfrage zugrunde. Der Ausschuß vertrat über­einstimmend den Standpunll, daß die Errichtung eines kostspieligen monumentalen Bauwerkes mit Rücksicht auf die schwere Zeit nicht in Frage kommen kann. Unter den Vorschlägen erschien der Mehrheit des Ausschusses die Schaffung einer Weihe ft ütte in der Reichs- Hauptstadt oder die Errichtungei n es .,H e i lige n H ai nes" im H er z e n D e ut sch­lau d S am geeignetesten. Auf Vorschlag des Ausschusses wurde der Reichskunstwact be­auftragt. die in dieser Nichtung sich bewegenden Pläne in Fühlungnahme mit Vertretern der deut­schen Künstlerschaft alS Grundlage für die wei­tere Behandlung der Angelegenheit zu prüfen.

Dor einer ErhShrmH der AuiomsNMeurr.

Berlin. 21. Nov. Me seit geraumer Zeit >m NeichLverkehrsmintsterium gepflogenen Der- banblungen über Die Heranziehung der Automvbrlbesitzer zu Abgaben für die Erhaltung der Chausseen und W^e

nähern srch jetzt, wie wir erfahren, ihrem Ende. DaS Ministerium steht grundsätzlich auf dem Standpunkt, daß Automobil- und Fuhrbesiher ohne Ausnahme herangezvgen werden müssen, um die öffentlichen Dege im Reich, die infolge des Krieges und der Inflation sich in einem Zu st and großer Derwahrlosungbe- finden, wieder auszubessern. Die hohe Geschwindigkeit der Personenkraftwagen und die hohe Belastung durch bte Kraftlastwagen, deren' Verwendung von Jahr zu Jahr steigt, machen hier eine durchgreifende Reform zur Notwendig­keit. Das Reich bedarf zum Ausbau neuer moderner Straßen und zur Erhaltung der vorhandenen Wege jährlich einen Betrag in Hohe von meh­reren hundert Millionen. Preußen al­lein hat im Etat die Megebauten mit 110 Mil­lionen Mark eingestellt. Im Reichsverkehrsmini­sterium will man nun. wie wir hören, die augen­blicklich geltende Steuer für Kraftfahr­zeuge bis au 6 P. S. um etwa 50 Prozent, bei Wagen bis 10 Steuer-P. S .um 16 Prozent erhöhen. Auch die L a st k r a f t w a g e n. die erfahrungsgemäß die Straßendecke besonders stark angreifen, werden zu einer angemessenen Abgabe herangezogen. Wahrscheinlich wird das Mini­sterium einem Vorschlag der Industrie folgen, sich dazu entschließen, die Automobilsteuern künf­tig in vier Jahresraten einzuziehen, um den Besitzern die Abgaben zu erleichtern.

Aus dem Hessischen Landtag.

S a r m ft a v t, 22. Nov. Abg. Dingel- dey iD. V. P.) hat im Hessischen Landtags nach- stehenoe Anfragen eingebracht: In Nr. 250 der Darmstädter Zeitung vom 26. Oktober 1925 erschien mit der äleberschriftVater­ländischer Dtock in Gießen" ein durch­aus tendenziöser Bericht über eine Ver­anstaltung der vaterländischen Verbände in Gießen. Dieser Bericht hat das Landesamt für das Bildungswesen veranlaßt, die Gießener Schulleiter zu einem dienstlichen Bericht darüber auszusordern. welche Vereine an der Veranstaltung beteiligt waren, ob Schüler anwesend waren, die dabei namentlich fest- gestellt werden sollten, endlich, ob und welche Lehrer teilnahmen. Wir fragen an:

1. Glaubt die Regierung, durch solche lln- tcrsuchungsmethodcn den Geist des Ver­trauens zwischen Schule und Eltern­haus. zwischen Schülern und Lehrern und zwi­schen Lehrern und Schülern einerseits und der Regierung des hessischen Volksstaates anderer­seits stärken zu können?

2. Sieht die Regierung nicht ihre Aufgabe darin, die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwi­schen den eben genannten, am Erziehungswesen beteiligten Faktoren zu pflegen?

3. Ist die Regierung der Auffassung, die Staatsgefinnung in Schülerschaft. Elteri- schaft und Lehrerschaft durch derartige engherzige, an den Polizeistaat ältesten Stils erinnernde Antersuchungsmethode fördern zu können?

Ein volkparteilicher Antrag beschäftigt sich mit bem Dorschlagsrecht be r Senate der Tech­nischen Hochschule und der Lanbesuniversi- t ä t unb lautet: Wir beantragen, bic Regierung zu ersuchen, bei ber 'Berufung von Hochschul­lehrern bie von ben Senaten ber Technischen Hochschule unb ber ßanbesunioerfität eingereichten Vorschläge zu berücksichtigen, jeden­falls aber von ben Vorschlägen nicht abzuweichen, ohne baß ben Senaten Gelegenheit gegeben wirb, ihrerseits neue Vorschläge einzureichen, kei­nesfalls aber kurzerhand Berufungen ohne Rück­sicht auf die Vorschläge berSenate der Technischen Hochschule ober ber Sanbesuniverfität vorzunehmen.

Ein öoutfdjnationaler Antrag betrifft d.e Durchführung der hessischen As fst e n t e n o r d n u n g. Er lautet:

Nach § 3 der Asfistentenordnung für die llniocrfität Gießen und die Technische Hochschule Darmstadt sind die Afsistentenstellcn für Reichsdeutsche Vorbehalten, unter denen bei gleicher Eignung hessisrye Staatsange­hörige den Vorzug haben.

Den Reichsdeutschen find bei entsprechender Vorbildung Aus anddeutiche aus den abgetrete­nen deutschen unb den ehemaligen österreichischen Sebie-en gleichgestellt. I'n zweiter Linie können sonstige Deutschstämmige derücknchtigt werden, falls ihre Vorbildung derjenigen gleichwertig ist, die von einem Reichsdeutschen gefordert wird. Die Bestellung anderer Ausländer kann nur ausnahmsweise mit ausdrücklicher Ge - nehmigun g des LandeSamts beim Fehlen geeigneter deutscher Bewer­ber erieügen; sie geschieht auf Widerruf und durch priva.rechtlichen Vertrag. Diese durchaus cinbeutig-Larcn Bestimmungen mühten sinn­gemäß auch auf die Institute ausgedehnt werden, die vom hessischen Staate unterstützt werden.

Dazu gehört z. B. bie Lupusheil statte in Gießen, bic vom hessischen Staate recht erhebliche Beihilfen empfängt.

Dort wurde einem ganz bestimmt nichtDeutsch- stämmigen", einem Herrn S. Rathrnann, der obenbretn noch aus der deutschfeindlichen Tschecho­slowakei stammt, eine Assistentenstelle übertragen, die ihm die Habilitation ermöglich'.e. Rothrncu.lt soll weder deutsche Approbation noch den deutschen Dol- toriitel besitzen. Daß dieser Fall höchst überflüssigen Ausländertums eine Schädigung des deutschstäm- rnigen wissenschaftlichen Nachwuchses bedeutet, steht außer Frage. Wir beantragen daher einen Beschluß des Landtags, ber bas Bildungsamt für das Bil- dungswesen auffordert, in Zukunft die Beachtung der hessischen Assistentenorbnung genauestens zu überwachen und ihre sinngemäße [Übertragung auf die Assistenten an staatlich unterstützten Instituten zu sichern.

Eine Anfrage der Abgeordneten Frau Hatte» wer unb Genossen (Ztr.) betrifft bas Kinder­heim Lindenfels: Wie uns bekannt geworden, hat bie Provinzialbirektion Darmstadt in Lindenfels ein An wesen gekauft unb beabsichtigt, dort ein i n ° terkonfessionelles chcim für Kinder von 1 6 Jahren und darüber zu errichten. Wir fragen an: 1. Ist der Regierung die vorstehende Absicht bekannt unb entspicht sie den Tatsachen? 2. Ist der Regierung bekannt, daß ein Bedürfnis für ein interkonfessionelles cheim in der Provinz nicht be­steht? 3. Ist ber Regierung bekannt, baß die Vor­schriften bcs Jugendwohlfahrtsgesetzes tz 33 Abs. 3 u. des §69 Abs. 1 nicht zu vereinbaren ist? 4. Was ge­denkt bie 'Regierung zu tun, um ben reichsgesetzlichen

Vorschriften Geltung zu verschaffen und bie Er­richtung bes Heims als interkonfessionelle Anstalt zu veryinbern?

Eine Anfrage des Abg. Hauck (Nat.-Soz.) lautet: Die auf den 9. November 1925 einbe­rufene Versammlung der Nationalsozialen deut­schen Arbeiterpartei, in welcher der Reichstags­abgeordnete und bayerische Landtagsabgeordnete Strasser, Landshut sprechen wollte, ist poli­zeilich verboten worden. Ich frage an: 1. Ist dieses Verbot im Einverständnis mit der hessischen Staatsregierung geschehen? 2. Wenn nicht, wie gedenkt die hessische Staatsregierung die laut Artikel 123 und 124 der Reichsverfassung verfassungsmäßig garantierte Freiheit zu schützen und zu wahren?

Russische KonzesflonspoMik.

Paris, 21. Nov. (SU.) Wie aus Lon­don gemeldet wird, ist es zwischen dem Har­riman-Konzern und der Sowjetregierung zu einem schweren Konflikt gekommen, der darin seinen Grund haben soll, daß die Sowjetregie­rung in ber Ukraine eine neue Mangan- Konzession an eine deutsche Firma erteilt hat. Der Harriman-Konzern, der bereits früher einen Konzessionsvertrag mit der Sow­jetregierung abgeschlossen hatte, hat an die Mos­kauer Regierung eine Summe von drei Dollar pro Tonne für eine Ausfuhr von 800 000 Tonnen zu zahlen, gleichgültig, ob diese Ziffer erreicht wird oder nicht. Der Harriman-Kozern be­fürchtet infolge der deutschen Produkion einen starken Rückgang der Manganpreise.

Kleine politische Nachrichten.

Der Geschäftsführende Ausschuß unb bie Land­tagsfraktion ber Demokratischen Partei in Baden haben zur Frage ber Neubilbung ber babischen Negierung einstimmig beschlossen, baß sie bei dem derzeitigen Stand der Dinge eine Fortsetzung der Verhandlungen über bie Erneue­rung ber Weimarer Koalition für zwecklos erachten.

Der Großmeister der italienischen Frei­maurerlogen erläßt einen Aufruf, in welchem er alle Logen Italiens für a u f g e l ö st erklärt. Er betont, daß bie Freimaurerei bas neue Gesetz gegen bie geheimen Gesellschaften anerkenne unb neue Logen im Einklang mit ben neuen gesetzlichen Bestimmungen in Italien grünben werde.

Der Kardinalsekretär G a s p a r r i hat sich ge­weigert, das Beglaubigungsschreiben des neuernann­ten südslawischen Geschäftsträgers bei dem Vatikan, Jaoanowitfch, entgegenzunehmen, ohne dafür Gründe anzugeben. Man erwartet, bah es zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Sübstawien unb bem Vatikan kommen wirb.

Hochschulnachrichten.

Besuch der Frankfurter Unidrrsitat.

Nach einer vorläufigen Zusammenstellung er­gibt die Uebersicht über den Besuch der Unrver- sität im gegenwärtigen Wintersemester folgende Zahlen: Studierende 2853, dazu Gasthörer und Besucher 773, insgesamt also 3655 . Personen. Davon: Rechtswissenschaftliche Fakultät 465, Me­dizinische Fakultät 248, Philosophische Fakultät 340, Naturwissenschaftliche Fakultät 437. Wirt­schafts- und sozialwissenschaftliche Fakultät 1393.

Die Pfalz will eine Universität.

In Neustadter Blättern wird zur Zeit stark Propaganda für die Errichtung einer pfälzischen Anivcrfttät mit dem Sitze inNeustadt a. i. Sy, l erPerle der Pfalz", gemacht. Es wird Darauf hingewiescn, daß das in großer Blüte stehende Neustädter Humanistische Gymnasium mit Hilfe von Stiftungen ins Leben gerufen wurde, und daß der gleite Weg auch bei der Anivrrsi- tätsgründung gegangen werden könne. Die Uni­versität sei deshalb vor allem notwendig, well in der ganzen Pfalz und im Saargröiet mit etwa zwei Millionen Einwehnern keine Hochschule vor­handen sei, während Baden mit derselben Be- völlcrungszahl segar zwei besitze. AlZ Vorbild wird die hessische Landesuniversitat in Gießen hingcstellt. Infolge seiner zentralen Lage und and' deshalb, weil bereits früher eine Uni­versität in Neustadt gewesen sei. sei die Stadt der geeignetste Platz für eine derartige Neu- schöpfung. Ein UniversltätSgründunglvcrein wird demnächst ins Leben gerufen werden.

Aus aller Welt.

Sie Opfer des Wilderrrunwesens.

Aus einer Zusammenstellung der statistischen Ab'eilung des Deutschen Försterbundes geht her­vor, daß seit Ende 1919 bei 472 Zusammenstößen mit Wild- und Holzdieben 63 Forst beamte getötet und 69 mehr oder weniger schwer verletzt worden sind. An die Regierung wurde deshalb das Ersuchen um erhöhten Schuh der Forstbeamten durch eine entsprechende Vorlage gerichtet.

Vier Menschen vom Feuertode gerettet.

In Heilbronn brach im Hause des Schuh- machermcisters Trabingeo ein Brand aus, der sich so rasch ausdehnte, daß für die Hausbewohner ein Entrinnen unmöglich war. Zur Ret­tung der Bewohner mußte das Sprungtuch benutzt worden. Zuerst wurde bas zweijährige Kind in das Tuch geworfen, dann folgte dir Frau unb zuletzt der Mann, der infolge der Raucheinwirkung bewußtlos vom Platz getragen werden mußte. Aus dem dritten Stockwerk wurde dann noch ein Lehrling und ein Hund mittels Sprungtuchs gerettet, im ganzen also vier Men­schenleben. Das Haus ist vollständig nieder- gebrannt.

W?LLervorarrs;afte.

Heiter bis wollig, bei frischen nördlichen Winden etwas kälter, nachts Frost, leichte Nie­derschläge, morgens Reifbildung.

Wie vorausgesehen, ist das Tief südöstlich wettergezcgen und liegt mit seinem Kern heute über Finnland. Dagegen hat sich nun das von Westen nachrückende Hoch, dessen Ausläufer uns morgen erreichen werden, etwas verstärkt. Wir dürften somit einer neuen Kälteperiode ent- gegengehen.

Gestrige Tagesteinperaturen Maximum 4,6 Grad Eelsius. Minimum 0,0 Grad Eelsius. Nie­derschläge 0.8 Millimeter. Heutige Morgentem- i?eratur 0,5 Grad Celsius.

Aus -er Provinzialhauptfta-t.

Gießen, Den 23. November 1925.

Wer kann eine Vorzugsrente beantragen?

Die Leitung bes diesigen Rentncrbunbes bittet uns um bie Aufnahme ber folgenben Erläute­rung zu bem A u f w e r t u n g s g e f e tz vom . 16. Juli b. Js. betr. bie Ablösung ber Markanlechen bes Reiches: Wer kann eine Vorzugs- rente beantragen?

Jeber im Inland wohnende Reichsangehörigc, der Besitzer von Reichsanleihen (Kriegsanleihen) oder vom Reich übernommenen Staatsanleihen soweit ihm ein Auslosungsrecht zuerkannt ist oder er ein solches beantragt hat, und dessen Einkommen 800 Mk. nicht übersteigt. Eingerechnet werden in diesen Betrag nicht:

1. Leistungen, die ein anderer auf Grund ge­setzlicher Unterhaltungspflicht ober ohne rechtliche Verpflichtung gewährt, sofern er nicht als Ehegatte, als geschiebener Ehegatte, ober als Verwanbter auf- fteigenber Linie (Eltern, Großeltern) unterhaltungs­pflichtig ist, unb bie Leistungen ohne-Gefährdung seines eigenen stanbesgemäßen Unterhalts gewäh­ren kann.

2. Versoraungsbezüge von Kriegsbeschädigten, und Kriegeryinterbliebenen.

3. Renten der Reichsversicherung.

4. Vorzugsrenten, die auf Grund dieses Gesetzes gewährt werden.

Bedürftigkeit liegt nicht, vor, wenn Tatsachen die Annahme rechtfertigen, daß Hilfe nicht benötigt wird.

Nachzuweisen ist vom Antragsteller, daß er die Wertpapiere seit dem 1. Juli 1920 ununterbrochen besessen oder in dieser Zeit ererbt hat.

Die Höhe der Dorzugsrente beträgt von 1000 Mark Nennwert 20 Mk. jährlich (also 2 Proz.).

Verzichtet der Antragsteller zugunsten bes Rei­ches auf das Auslosungsrecht, so erhöht sich bie Rente auf 25 Mk. (also auf 24 Proz.).

Ist ber Antragsteller 60 Jahre alt, so beträgt bie Rente bet Verzicht auf bas Auslosungsrecht 30 Mk. (also 3 Proz.).

Der Antragsteller auf Dorzugsrente hat bei ber Bank ben Nachweis zu erbringen, baß er feit bem 1. Juli 1920 bie Wertpapiere ununterbrochen be festen hat. Daraufhin wirb ihm eine Bescheinigung ausgestellt, baß er bie für bie Vorzugsrente in Bc tracht kommenden Wertpapiere bei einer Bank zum Umtausch in Anleiheablösungsschuld angemeldet hat

Die Dorzugsrente soll den Bedürftigen zugute kommen und ihnen wenigstens eine kleine Verzinsung von 2, 2) und 3 Proz. bringen, während sonst feint Zinsen gezahlt werden.

Was die Auslosung betrifft, worauf der Antrag­steller verzichten soll, so bietet diese die Möglich feit, daß, wenn beispielsweise ein Papier von 1000 Mark berausfommi, er die fünffache Rente, also 5X25 Mk. = 125 Mk. zurückbezahlt erhält. Diesem Betrag werden vom 1. Januar 1926 an 44 Proz. Zinsen pro Jahr zugeschrieben.

Es muß jedem überlassen bleiben, ob er sich für Lebzeiten wenigstens eine kleine Verzinsung in Gc statt einer lebenslänglichen Rente sichern, ober ob er an ber Verlosung teilnehmen will, bie unter Um ftenben, da sie 30 Jahre bauert, erst ben Erben zugute käme. Sch.

Furchtbares Familiendrama in

Grotzen-Lrnden.

Ein schreckliches Familiendrama ereignete sich in der letzten Nacht gegen i/212 Uhr in unserem Nachbarorte Grohen-Linden Dort war der 40 Jahre alte Taglöhner Heinrich Degen angetrunken in seine Wohnung zurück- gekehrt und begann, wie früher schon oft in diesem Zustande, Streit mit seiner Famlli-e. Schließlich ergriff er eine A x t und ging damit gegen feine Frau und deren Mutter los. um sie zu erfchlagen. In diesem Augenblick trat der 19 Jahre alte Sohn Wilhettn Degen dem Vater entgegen und entrißihmdie A^t. Nunmehr wandte sich der Date r, der jetzt ein Küchenmefser ergriffen hatte, gegen fei­nen Sohn, der mit ber Axt auf die Straße flüchtete. Der Vater verfolgte den jungen Mann. Als dieser bemerkte, daß sein Vater dicht an ihn herangekommen war und ihn bedrohte, schlug er mit der Axt um sich. Dabei traf er seinen Vater so unglücklich gegen den Kopf, baß der Mann tot zusammenbrach. Der junge Mensch wurde verhaftet ^ind in das Amtsgerichtsgefängnis in Gießen cii'gelieferi. Er­gibt an, in Notwehr gehandelt zu haben.

Gießener Wscherrmarktprelse.

Es kosteten auf dem Wochenmarkt am Sams­tag: Butter 200 bis 230. Matte 40, Käse 75. Wirsing 8 bis 10, Weißkraut 5, Rotkraut 10, gelbe Rüden 12, rolc Rüben 10, Spinat 35. Anter-Kohlrabi 6 bis 10, Grünkohl 20, Rosen­kohl 40, Feldsalat 100, Zwiebeln 12, Meerrettich 30 bis 100, Schwarzwurzeln 50, Kartoffeln 4. Aepfel 15 bis 20, Birnen 35, junge Hahnen 120, Suppenhühner 100, Gänse 90 bis 110, Nüsse 50 Pfennig das Pfund: Eier 19, Blumenkohl 20 bis 10Ö, Salat 10, Endivien 10 bis 20, Ober- Kohlrabi 5, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 20, Sellerie 20 bis 40 Pfennig ba& Stück.

Vornotizer:

Tageskalender für M ontag. Reichsbunb ber höheren Beamten: 8t Uhr im Sing- faal bes Realgymnasiums Mitglicberversammlung. Lichtspielhaus Bahnhosstr.:Prater". Astoria- Lichtspiele:Das Zeichen an ber Tür".

Aus bem Stabttheaterbureau wirb uns geschrieben: Wie schon heute bekannt ge­geben, finbet am Freitag, 27. November, bie Ur» Aufführung eines neuen Lustspiels von Harry P o h l m a n n statt, bas ben Titel führt:D e n Teufel durch Beelzebu b". Der Autor ist kein Unbekannter hier, benn im November 1917 wurde bereits einmal die Uraufführung eines Werkes von ihm, bas SchauspielDas Recht auf bie Frau", auf unserer Buhne herausgebracht, unb zwar mit star­kem Erfolg; Eugen Klöpfer gastierte damals in einer der Hauptrollen. Auch Pohlmanns LustspielDer Bursche ocs Herrn Oberst", das zu jener Zeit über die meisten deutschen Bühnen ging, wurde hier wie­derholt gegeben unb sehr beifallsfreubig ausge­nommen.

Vom Konzertverein wird uns ge­schrieben: Cs ist nach vielen Bemühungen ge­lungen. in diesem Winter 2 Orchesterabemde zu­stande zu Bringen und für den ersten, am Don­nerstag, 26. November, das Meininger Staatsorchester zu gewinnen. Der Name ..Meiningen" (frühere Hofkapelle) ist für Gießen kein unbekannter: bat doch vor vielen Jahren