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Deutscher Reichstag.

Berlin, 21. 3uli. 2. Beratung des Ge­setzentwurfes zur Abänderung des Reichsver- sorgungsgesehes und anderer Bersorgungsgesehe. Aach dem Entwurf wird die Grundrente der Kriegsbeschädigten um 50 Prozent erhöht. Es wird in einer Entschließung ersucht, daß die Reichsregierung durch entsprechende Ver­ordnungen die in der Derwaltungspraxis zutage tretenden Mängel beseitige.

Abg. R o ß m a n n (Soz.) Die Rovelle bringe zwar manche Verbesserungen, bedeute aber im ganzen eine schwere Enttäuschung der Kriegs­beschädigten. Die Mittel für eine angemessene Entschädigung der Kriegsbeschädigten wären vor­handen, wenn die Regierungsparteien nicht die Besteuerung der Inflationsgewinne und andere sozialdemokratische Steueranträge abgelehnt hätten.

Abg. G e r i g (Ztr.) verteidigt im Rainen der hinter der Regierung stehenden Parteien die Rovelle gegen die Angriffe des sozialdemokrati­schen Redners. Dem einmütigen Willen zur Hilfe für die Kriegsbeschädigten sei durch die beschränkten Mittel der Regierung eine Grenze gezogen. So sei es auch bei den früheren Vorlagen gewesen, als die Sozialdemokraten noch hinter der Regierung standen. Damals aber hätten die Deutschnationalen im Interesse der Kriegsbeschädigten ihre Opposition zurückge- ftellt, während jetzt die Sozialdemokraten auch diese Frage zur Parteisache, machen wollen. (Hört.' Hört! Rechts.) Im Gegensatz zu dem alten Recht zeigt das neue Dersorgungsrecht keine Rücksicht mehr auf die Dienstgrade, son­dern auf die B e r u f s st e l l u n g des zu Ver­sorgenden. Wenn auch nicht alle Bedürfnisse der Kriegsbeschädigten erfüllt werden können, so steht doch fest, daß

ein Viertel der Einnahmen des Reiches al­lein für die Kriegsbeschädigten aufgewanbt wird.

Reichsarbeitsminister Brauns weist ver­schiedene Angriffe des Abg. Roßmann zurück. Das neue Gesetz ist keineswegs ein sozialer Rück­schritt gegenüber dem alten Recht, sondern ein wesentlicher Fortschritt. Man muß aber auch die Arbeits- und Berufsfürsorge zu­gunsten der Kriegsbeschädigten berücksichtigen, die sich durchaus bewährt hat und mit der Deutsch­land vorbildlich für andere Länder geworden ist. (Beifall rechts und im Zentrum!) Abg. Roßmann hat versucht, aus einer reinen Volkssache eine Parteisache zu machen. Wir ver­bitten uns das. (Beifall rechts, Unruhe bei den So­zialisten.) Er hat im Ausschuß gesagt: So opti­mistisch bin ich nicht, zu meinen, daß alle Anträge verwirklicht werden könnten. (Hört! Hört! rechts.) Verschiedene Sozialdemokraten haben früher immer wieder betont, daß die schlechte Finanzlage des Rei­ches es nicht gestatte, die Kriegsopfer angemessen zu versorgen. Wir werden, ob wir Regierungs- ober Oppositionspartei sind, immer nur für das ein­treten, was sich verwirklichen läßt.

Abg. Dr. H e u ß (Dem.) hebt hervor, daß die gegenwärtige Vorlage für die Kriegsbeschädigten ein besseres Recht schaffe, als es bisher vorlag. Zu be­grüßen sei auch noch, daß ein Härtefonds eingestellt worden ist. Es seien Brosamen des Dankes gegeben worden. Zu hoffen sei, daß diese Brosamen nicht in Behördenluft und Juristenerkenntnis untergingen. (Beifall bei den Sozialisten.)

Abg. Dietrich (Völkisch): Die vorliegende No­velle könne keine Befriedigung bei den Kriegsbeschä­digten erwecken, denn sie nhme auf der einen Seite, was sie auf der anderen gibt.

Don allen Parteien mit Ausnahme der Sozialisten, Kommunisten und Völkischen ist folgende Entschließung eingegangen: Der Reichstag nimmt mit Bedauern davon Kenntnis, daß mit Rücksicht auf die Finanzlage des Reiches den Anträgen auf Wie­dergewährung der durch die Ergänzungen zum Reichsbeamtengesetz gesetzlich gewährleisteten Zu- t lagen an Angehörige der ehemaligen Wehrmacht und an ehemalige Kolonialbeamte nur in völlig unzureichendem Maße entsprochen - werden könne. Wir erwarten von der Reichsregie­rung, daß sie die in Zusammenhang mit diesen An­trägen stehenden Fragen weiter verfolgt und, sobald die finan-iellen Verhältnisse es gestatten, eine ent­sprechende Gesetzesvorlage einbringt.

Die Vor a e wird in dec Ausschußfassung in z rei.er und auch in drit er Le'ung gegen die S.im en der Kommuni' en angenommen.

©e en 10 41h: abends wird darauf die erste 2'e a ung de° Ge egentwurfes über bas Recht zum Tragen e'ner Militär- uniform fortgesetzt

Präsident Lobe: Die'e Beratung ist am Frestag durch Anruhen unterbrochen tooroe,:. Die Folg? davon ist eine Be'chwerde' der völkischen Fraktion ge?en Öen amtierenden Vizepräsidenten Dr. Bell gewesen, mit der sich der Aenesteiwat beschäftigt hau Vizepräsi­dent Dr. Bell hat glaubhaft nad)c,eVtcen. daß er bei dem allgemeinen Lärm die einzelnen Be­merkungen und Zwi'steuru'e nicht gehört hat. Die Siewpramme haben feftge^ellt, daß Abg. von Ramin ;e'agt hat:Aber uns als va:ec- ländiich Den.ende ist die e Revolution und diese Republik das Symbol e...e elenden Anlerwürsig- feit ge enüber dem äußeren Feinde." (Lebhafte Pfuiruse links.) Die Republik ist die jetzige SAatssorm Deutschlands, während die Monarchie die frü.brre rar. Ich werfe nur die Frage aus, wenn ein Redner früher sich erlaubt hätte, in so würdelo er Wrise über die Monarchie zu sprechen, ob er in diesem Hauje seine Rede bäite beenden können? (Sohr gut! links.) Heute ist es nicht mehr möglich, dem Redner das Wort zu entziehen. Ich kann den Abg. von Ramin jetzt nur noch dafür zur Ordnung rufen. Der Lärm hat sich gesteigert, als Abg. v. Ramin dann sagte, er sei dabei gewesen, wie ungefähr dreißig waffenlose Offiziere umgebracht worden sind. Diele Behauptung ist durch Zwischenrufe bestritten worden. Es ist schon jetzt festgestellt, daß et nicht von 30, sondern von 13 Offizieren gesprochen haben will. (Hört, hört! links.. Jedenfalls muß ich wegen der bei dieser Gelegenheit erfolgten Zwischenrufe die Abg. Sollmann, Graßmann, Kirschmann und Müller- Franken zur Ordnung ru­fen. Der Abg. von Ramin hat dann zu dem Abg. Sollmann gesagt:Sie Jammerlappen, wenn Sie morgen ohne den Schuh der Immuni­tät mir gegenüberständen, würde ich mit der Waffe in dec Hand anders mit Ihnen reden!" Ich kann darin nichts anderes sehen, als die Bedrohung mit dem Todschlag gegen einen anderen. Hätte ich als Präsident diese Bemerkung gehört, so würde ich den Abg. von Ramin aus dem Saale gewiesen hoben.

Abg. v. Ramin seht hierauf seine am Frei­tag abgebrochene Rede fort: Er erklärt, er habe bei dem geschilderten Vorgang in Steglitz ein Lastauto gesehen, das mit uniformierten Leuten beseht war und von zwei bewaffneten Leuten geführt wurde. Dieses Auto, fuhr ab und bald darauf verbreitete sich das Gerücht, sämtliche darauf befindlichen Leute wären erschossen worden. (Zuruf links: Gerücht? Vorher wollten Sie selbst dabei gewesen Jein!) Ich sah dann das Auto in der Kolonnenstraße von einer dichten Menschenmenge umgeben. Daneben lag eine gräß­lich verstümmelte Leiche. Von den Zuschauern wurde mir gesagt, es seien sämtliche in dem Auto befindliche Leute erschlagen worden. (Zurufe links: Damr waren Sie selbst also doch nicht dabei! Abg. Rosenfeld (Soz.): Er hat schon wieder ge­logen. Dieser erhält dafür einen Ordnungsruf.) Ich habe zwei Leute gefunden, die dabei gewesen sind. Diese haben mir bestätigt, daß sie schwer verletzt worden sind urrd monatelang im Kranken- harcs gelegen haben. Die beiden Herren sind leider gleich zu Anfang mit schweren Verletzungen liegengeblieben und können deshalb nicht genau sagen, wieviel Herren erschlagen worden sind. In der Presse stand aber, daß es 13 gewesen sind. Eine amtliche Untersuchung des Vorganges hat leider nicht stattgefunden. Hoffentlich wird sie jetzt nachgeholt. Der sozialdemokratische Abg. K u h n t, der hier eine Hetzrede gehalten hat, wird als unfähiger Phrasendrescher und Schwadro­neur bezeichnet, von seinem eigenen Genossen Roske in dessen BuchVon Kiel bis Kapp". (Beifall und lautes Gelächter rechts.)

Abg. Drüninghaus (D. Vpt.) legt schärfste Verwahrung ein gegen die Reden des Abg. Kuhnt. Das sei eine Hetz rede gewesen, die Wohl nicht auf seinem eigenen Felde ge­wachsen sei. (Beifall rechts. Zurufe: Aus dem Rosenfeld!)

Rachdem noch der Abg. Rädel (Komm.) sich in schärfster Weise gegen die Vorlage aus­gesprochen hat, vertagte sich auf Antrag des 2lbg. Haas (Dem.) gegen 11 Ahr das schwach besetzte Haus auf Mittwoch Auf der Tagesord­nung steht die außenpolitische Aussprache mit den dazu gestellten Anträgen und Interpella­tionen.

(Einigung in der Zollsrage.

Berlin, 21. 3u!i. Wie dasTageblatt" wis­sen will, ist es dem Reichskanzler gelungen, eine Ver­ständigung zwischen den Regierungsparteien wegen des Zollkompromisses herzustellen. Die Parteiver- lretcr, einschließlich des Zentrums, sollen sich dahin geeinigt haben, den INindestzoll für Getreide fallen Zu lassen, aber für Vieh Mindestzölle einzuführen. 3m übrigen soll die Zollvorlage im großen und gan­zen angenommen werden.

Wie derLokalanzeiger" meldet, bestehen die hauptsächlichsten Grundlinien deS Zollkom- promifses darin, daß die M i n d e st z ö l l e für Getreide fallen gelassen sind und daß man sich über eine untere Grenze für die Handelsvertragsverhandlungen einigte. Als untere Verhandlungsgrenze sind 3 Mk. für Roggen und 3,50 Mk. für Weizen vereinbart, ferner 1 Mk. für Futtergerste und 2 Mk. für Mais. Die Dcrhandlungszölle für Fleisch und Vieh sind etwas erhöht worden und tagen etwa 50 Prozent über den Vertragszöllen der Vorkriegszeit für die gleichen Erzeugnisse. In bezug auf das Gefrierfleisch wurdr nach langtoiergen Auseinandersetzungen eine Einigung dahin getroffen, daß im nächsten Jahre eine Menge Gefrierfleisch zollfrei eingeführt werden soll, und zwar bis zur Höhe der vor­jährigen Einfuhr. Das Kompromiß sieht auch Sätze für Futtergerste, Mais und sonstige Getreidearten vor. Schließlich wurde vereinbart, d e Gültigkeit der gesamten jetzt vorliegenden sog. kleinen Zollno^lle auf zwei Jahre zu beschränken. Au* Grund der gestern erzielten Einigung redjnet man damit, daß die Zo-lvorlage in d?r vom Ausschuß geän­derten Form in der nächsten Woche ins Ple­num gelangt

Dis Les deutsch-

ö st e r r s' ch i s ch e n Visumzwanoes.

Wien, 21. Juli. (WTD.l Der Gesandte in Der! n, Dr. Frank, der am So.mtag nach Berlin z.rückgck hrt ist, w'rd schon heute dort die SHlußoe: Handlungen über die Aufhebung des Visumzwanges im Verkehr zwilchen Oester­reich und dem Deutschen Reich mit der deut­schen Regierung aufneHrnen. Man erwartet en günstiges Ergebnis. Der am Freitag ab- gehaltene Mi nist errat hat die letten Hinder­nisse beseitigt, die von österreichischer Seite noch Vorlagen. Sie bestanden darin, daß bis zum 16. Juli die M e i st b eg ü n st i g u n g s klaufe l in Geltung gestanden Habs, die e? Oeslerr-ch verwehrt habe, irgend? nem Staate freien Reise­verkehr zu geuxihren. R nmeh: stehe au? öster­reichischer Seite der Aufhebung des D'fum- zwangss Fein Hindernis mehr im Wege.

Die britische AabmstttMst.

Kadittettörat

über das Kr cnzerprostreuim.

London, 21. Juli (WB). Innerhalb des Kabinetts werden heute die Verhandlungen über das Kreuzerprogramm forige; übit. Man nimmt an, daß Premierministeer Baldwin in der Krisis, die sich gestern abend unerwartet ver­schärft hat. vermitteln wird. Diese Ver­mittlerrolle soll nicht leicht sein, da beide Par­teien starr an ihrem Standpunkt fest halten. Wenn die Entscheidung nach ber einen oder arideren Seite fällt, so sei entweder mit dem Rücktritt des Marinesekretärs Bridgeman und viel­leicht auch des Kolonialsekretärs Olmert) oder mit dem Rücktritt des Schahsekretärs Chur­chill und anderer Anhänger des Sparsamkeits- gcundsahes zu rechnen. Falls heute feine end­gültige Entscheidung erreicht wird, wird wahr­scheinlich der morgige Kabinettsrat einzig dieser Frage gewidmet fein.

Kleine politische Nachrichten.

Am Dienstag weilte der Hessische Landtag und die hessische Regierung in Mainz. Rach Füh­rung durch die AusstellungDas schöne Buch" undMainzer Alte Kunst" wurden der Dom und die Restaurierungsarbeiten am Dom ein­gehend besichtigt. Darauf folgte ein Rundgang durch die Mainzer Rosenschau. Daran schloß sich ein gemeinsames Mittagessen in den Räumen des

Stadtparkrestaurants. Am Rachmittag fand eine gemeinsame Dampferfahrt statt.

Im Steuerausschuß des Reichstages wurden bei der zweiten Lesung die Amsatzsteuer- anträge der Regierungsparteien angenommen. Danach soll ab 1. Oktober die allgemeine Amsah- steuer auf 1,25 Prozent und die erhöhte Amsatz- steuer auf 7,5 Prozent herabgesetzt werden.

*

3m Reichsrat führte Staatssekretär Weiß­mann zur Begründung der preußischen Zusatzan­träge zur Reichsamnestievorlage aus, daß der Gesetzentwurf des Reiches keineswegs allen An­forderungen entspräche, die vom Volke an eine Am­nestie anläßlich des Amtsantritts eines neuen Reichspräsidenten gestellt würden. Die Amnestie er­fülle nicht den Zweck, die Leidenschaften in den ver­schiedenen Teilen des Volkes wirklich zu befrieden und werde auch nicht allen Teilen des Volkes gleich­mäßig gerecht. Die preußischen Anträge wurden so­dann mit großer Mehrheit angenommen.

Die Nachricht eines Berliner Blattes, daß die zum Stinneskonzern gehörendeDeutsche All­gemeine Zeitung" von der preußischen Regierung angekauft wurde, entspricht, wie das WTB. von zuständiger Seite hört, nicht den Tatsachen.

Vom 15.-25. August wird die 3 n t e r n a t i o - nale Studentenoereinigung in Kopen­hagen ihre 7. Jahresversammlung abhalten. Es sind verschiedene Nationen angemeldet, darunter Ver­treter der Deutschen Studentenschaft, die feit einigen 3ahren der Vereinigung angehört.

Dom marokkanischen Kriegsschauplatz.

Paris, 21. 3uli. (WTB.) Nach einer Meldung aus Rabat vorn 20. 3uli meldet man im westlichen Frontabschnitt zahlreiche feindliche Trup- penzusammenziehungen an der spani­schen Zone. Das sei vielleicht ein Anzeichen für die Wiederaufnahme des Angriffs gegen Ouezzan oder für eine Offen fiovorbereitung ge­gen die spanische Zone von Laroche. 3n der Nähe von Fendak haben heftige Kämpfe statt­gefunden. Die Djeballahs griffen die spanischen Stellungen an, wurden aber zurückgeschlagen. Die Spanier unternahmen hierauf einen Gegen­angriff und brannten ein Dors nieder. 3m Osten dieses Frontabschnittes sei eine mobile Gruppe, die sich auf die kleinen Posten nördlich von Zerual zu­rückgezogen habe, unbehelligt in ihr Lager zurück- gekehrt. 3n dem östlichen Teile des mittleren Front- abschnites sei eine von Tissa abgegangene Patrouille auf eine feindliche Abteilung gestoßen und habe sie unter schweren Verlusten versprengt. Auf die Re­bellen dieser Gegend hätte die Durchschlagskraft der französischen Angriffe und die Verluste, die sie selbst erlitten hätten, ziemlichen Eindruck gemacht. 3m östlichen Frontabschnitt werde die Säuberungs­arbeit erfolgreich fortgeführt. Ein feindlicher Hand­streich am Öued Amelil sei leicht abgeschlagen wor­den. Wie eine Havasmeldung aus Fez besagt, ist eine der französischen mobilen Abteilungen bei Ain Aicha und Matuuf vorgerückt und hat beide Ortschaften nach glücklich verlaufenem Kampf er­reicht. Die angegriffenen feindlichen Truppen haben sich zumeist nach Norden unter Mitsührung ihrer Toten und Verwundeten zurückgezogen.

Reservistenaushebung in Spanien.

Paris, 21. Juli. (WB.) Rach einer Ma­drider Meldung derChicago Tribüne" hat das Direktorium drei Iahresklassen Reser- v i st e n wegen des Rif-Feldzuges unter die Fahnen gerufen. Diese Maßnahme habe im gan­zen Lande große älnzufriedenheit her­vorgerufen.

Beschießung eines?ranzöfischen Torpedvho2L?s durch die

Ri^abylrn,

Paris,, 22. Juli. (TA.) Aus Madrid wird gemeldet, daß ein französisches Torpedoboot auf der Höhe der Bucht von Alhucemas von Küsten- batterien Abd e! Krims beschossen wurde. Es wurden ?toei 15-Zentimeter-Granaten abgefeuert, die beide in nächster Rähe des Schisses ein- schlugen. Das Torpedoboot brachte sich mit Voll­dampf in Sicherheit.

Das Urteil im Affenprozeß £ii einer Geldstrafe von W0 Dollar verurteilt.

Dahton, 21. Juli. (WTB.) Der Richter Raulston wandle sich am Schlüsse der Sitzung an die Geschworenen und sagte, wenn Scopes das Gesetz verletzt habe, das die Ver­breitung der Lehre verbiete, daß ein Mensch von niederen Sieben abstamme, müsse er ver­urteilt werden. Aber die Frage der Leugnung der Biblischen (3e,.::u',ie von der Erschaffung bec Welt durch Gott stehe nicht zur Entschei­dung. Der Verteidiger D a r r o w wandte sich ebenfalls an die Geschworenen und erklärte, er sei betrübt, daß man feine Möglichkeit habe, zu einer Verständigung zu gelangen. Die Be­weisaufnahme, die der Gerichtshof abgelehnt habe, wünsche die Verteidigung einem höheren Gericht vorzulegen. Sie könne das natürlich nicht, wenn jetzt nicht ein Urteil gefällt werde. Die Verteidigung verlange leinen Freispruch, denn es sei nicht zu sehen, wie ein solcher zustande kommen solle.

Die Geschworenen zogen sich bann zurück und fällten den SpruchSchul di g". Rach einer Beratung von nur neun Minuten rief der Rich­ter Se opes vor den Richtertisch und verur­teilte ihn zu einer Geldstrafe von 100 Dollar. Als S opes vom Richter gefragt wurde, ob er noch etwas zu bemerken habe, sagte er, er sei nun allerdings davon überzeugt worden, daß er ein unbilliges Gesetz verletzt habe: aber wenn er anders gehandelt hätte, würde er den hohen Leitgedanken akademischer Freiheit verletzt haben. Er werde fortfahren, sich gegen ein Gesetz aufzulehnen, das er für ver­fassungswidrig halte.

oettcrvoraussafte.

Fortdauer der herrschenden Witterung.

Die Luftdruckverteilung ist unverändert geblieben. Die Temperaturen sind auf dem Kontinent weiter angestiegen, [o daß mit vorübergehenden Gewitter­störungen zu rechnen ist.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 22. Juli 1925.

L. U. Don der Landesuniversität. Dr. med. vet. M. West hu es, der sich für das Fach der Veterinärchirurgie an unserer Uni­versität zu habilitieren wünscht, wird am Don­nerstag. 23. Juli, nachm. 6 Uhr, in der kleinen Aula seine öffentliche Probevorlesung halten über das ThemaRöntgenologie in der Deterinärchirurgi e.

** Die Hitzewelle, die uns nun schon seit einer Reihe von Tagen beherrscht, wird nach­gerade unerträglich. Alles stöhnt über die Hche und wünscht sehnlichst ein kräftiges Donnerwetter herbei. Aber leider! Die Wetterwolken ziehen fein säuberlich um Gießen herum, und wenn wirklich mal, wie gestern nachmittag, einigen Donnerschlägen ein zaghafter Regen folgt, macht et schleunigst wieder Schluß, und die so hoff- nungssroh betrachtete Wolke nimmt vor uns Reißaus wie ein Versprengter, der mit aller Macht zu seiner Gesellschaft zurückstrebt. Die Reife des Getreides ift bei dieser Hitze natürlich rasch vorangekommen, und tüchtig ist der Rog­genschnitt im Gange. Die Hackfrüchte haben unter der Trockenheit sehr zu leiden, und auch der Gärtner ist gar nicht erbaut von dem anhaltend strahlenden Gesicht der Frau Sonne. Die Höchst­temperatur betrag am Montag 29,5 Grad, gestern 30,4 Grad Celsius im Schatten, heute früh gegen V/2 Uhr waren es bereits 21,5 Grad, um 10 Uhr 26,9 Grad Schattentemperatur. Und dabei konnte man in den Vormittagsstunden fein Wölkchen am Himmel entdecken! Wirklich, der Juli meint's zu gut.

' Straßensperre. Das Polizeiamt teilt uns mit: Wegen Vornahme von Walzarbeiten wird die Kaiserallee zwischen Wolf- und Georg- Phi'lipp-Gail-Straße vom 20. d. Mts. ab auf die Dauer von 8 Tagen für jeglichen Fuhr­werks- und Radfahrverkehr gesperrt.

** Anlagenkonzert findet morgen, Donnerstag, nachmittags 4 Uhr. in der Süd- anlage durch das MusiKorps des 1. (hessischen) Bataillons 15. Infanterie-Regiments unter Lei­tung von Obermusikmeister Löber statt. Dor- tragsfolge: 1. Armeemarsch II, 126 nach Strauß- schen Quadrillen, C. Wieprecht. 2. Ouvertüre zur OperDer Kalif von Bagdad", I. Boieldieu. 3. Große Fantasie aus der OperDer flie­gende Holländer", R. Wagner. 4. Künstler- leben, Walzer, Ioh. Strauß. 5. Dadenvillers- rnarsch, C. Fürst.

** Wer ift der Geschädigte? Der Polizei­bericht meldet: In Stuttgart wurde der Artist Rich. U m b a ch aus Kassel festgenommen, der bei seiner Vernehmung angab, daß fein Komplize Ende 3unt oder anfangs Juli von einem offenstehenden Fenster einer kleinen Gastwirtschaft in Gießen eine kleine Weckeruhr entwendet habe. Eine Anzeige liegt hier nicht vor. Der Geschädigte wird ersucht, bei der hie- gen Kriminalpolizei sich zu melden.

** Wohnungseinbrüche. Der Polizei­bericht meldet: Am 17. 3uli, abends zwischen 8 und 9 Uhr, wurde in einem Hause der Ostanlage ein Wohnungseinbruch ausgeführt und dabei zirka 400 Mark entwendet. In der Macht zum 18. Juli wurde in einem Haufe der Lonystraße ebenfalls ein Woh­nungseinbruch verübt und hier 70 Mark Bargeld und nachstehende Schmucksachen verwendet: Ein Kollier aus Gold, ein glattes goldenes Armband mit Opal, ein goldener Ring mit einem großen und zwei kleinen Opalen, ein goldener Ring mit drei gleichmäßigen großen Opalen, zwei goldene Schie­ber für die Uhrkette, ein silbernes Filigran-Kinder­armband, ein silbernes Spangenarmband. In der Nacht zum 11. Juli wurde aus einem verschlossenen Keller eines Neubaues (Kaiserallee, Ecke Georg- Philipp-Gailstraße) ein fast neuer Schubkarren mit Holzkasten und eingebranntem StempelM. Aber- mann" entwendet. Vor Ankauf wird gewarnt. Sach­dienliches hierzu nimmt die Kriminalpolizei ent­gegen.

** Fe st genommen wurden vier Personen, zwei wegen Betrugs und zwei wegen Diebstahls.

"Spareinlagen bei den hessi­schen öffentlichen Sparkassen. Der Zu­fluß von Spareinlagen bei den öffentlichen hessi­schen Sparkassen hat auch in den letzten Monaten erfreuliche Fortschritte gemacht. Die Gesamt­summe der Spareinla. en bei den hessischen öffent­lichen Sparkassen betrug am Halbjahreiende 28,4 Millionen Mark, d. i. etwas mehr als das Doppelte des Bestandes am Ende des Jahres 1924. Die durchschnittliche Zunnahme im ersten Halbjahr stellte sich auf 2,5 Millionen Mark monatlich. Reben den reinen Spargeldern waren bei den Sparkassen am 30. Juni 1925 noch etwa 11,5 Millio, en Mark Scheckne'^ er emge'egt; ihre gefam en Mittel stellten sich also auf rund 40 Millionen Akar!. Damit ist etwa der zehnte Teil der Vorlriegsia sttal en wieder erreicht.

RDV. Erleichterte Einreise in das Saar gebiet. D'e e :e'-ungdfomraif i ion des Saar-elisieZ hat kürzlich die Einrei'ebestimmun- gen nach dem Saargebiet' wesentlich erleichtert. Zur Einreise bedarf e3 keiner besonderen Genehmigung, es genügt ein Paß oder ein Personalausweis. Inneu alb drei Tagen ist An- n'.eldung bei der zuständigen Poii eiochbrde er- sorderlich. Die Qlnme eie Reinigung berechtigt zu zwei Wochen Aufenthalt. Für längeren Aufenthalt ist le'onde e Au.enthaltserlaubniSbei der Regierungskommisfion ?ei; Saargeoieies, Ab­teilung des Innern (Paßabtei.'ung), unter Vor­lage des Ausweises zu beantragen.

" Die Scheidungen mehr als doppelt so viel wie vor dem Kriege. Die Zahl der Ehescheidungen hatte 1921 den höchsten Stand mit 62,9 auf 100 003 der Bevölke­rung erreich!. Seitdem geht sie zwar zurück. 1922 auf 59,2, im Jahre 1923 auf 55,0, beträgt aber immer noch 207 Proz. des Vorkriegsstands mit einst 23,6. Die Häuf g.eit ist immer noch am größten in den großstädtischen Bezirken Berlin mit 175,1 auf 100 000 Einwohner, Hamburg mit 170,9, Lübeck 91,0, Bremen 76,8, Schleswig- Holstein 78,6 und 52anb Sachsen 69,5. Im Ver­gleich mit 1913 haben sich die Ehescheidungen außer in Lübeck besonders in den Provinzen Sachsen von 26,1 auf 60,2 und Westfalen von 13,6 auf 33, der Rheinprovinz von 23,2 auf 54,0, in Mecklenburg-Schwer in von 16,7 auf 39,4, sowie in Schaumburg-Lippe von 4,2 auf 10,4 ver­mehrt. Die geringste Zunahme feit dem Kriege haben die Grenzmark Posen-Westpreußen vvn 15,3 auf 20,8, das linksrheinische Bayern von 17,8 auf 29,8, Hessen von 15,9 auf 29,9, Oldenburg von 19,7 auf 29,6. Ganz Schlesien hatte 1913 nur 17,0. 1923 hatte Riä>erschlesien 40,0, Oberschlesien nur 14,7.