Nr. 43 Swettez Blatt
Der Tschekaprozeß.
Leipzig. 9. F^>r. (WTB.) Der Angeklagte Alexander S k 0 b l e w I k y auÄ Rußland wird vernommen, der bekanntlich nach ReumannS Auslage identisch mit Gorew alias Hesinuth, alias General Wolf sein soll. Skoblewsky bestreitet dieS. Don den Angeklagten ferme er niemand außer Huke. Namentlich kenne er Reumann und Poege nicht. Erst am 21. Febr. 1924 sei er über Frankreich und Holland nach Berlin ae- tommen, wo er am 24. Rlärz verhaftet wurde. Rach Frankreich sei er 1916 mit einem Transport russischer Soldaten gekommen. Er habe nach Rußland zurück gewollt und aus Erledigung seines SinreisegesuchS burrf) die russische Botschaft warten müssen. Er sei von einem Freunde Huke empfohlen worden, da er ihm Ausweise für seinen Aufenthalt in Berlin besorgen könnte. Er sei unangemeldet in Berlin gewesen und habe keine Papiere gehabt. Rlit einem falschen Daß sei er nach Berlin gekommen. Skoblewsky bestreitet mit aller Entschiedenheit, an der ganzen Angelegenheit beteiligt gewesen zu sein.
Auf die Frage deS Dorsitzenden. ob Skoblewsky in der russischen Revolution führend gewesen sei und ob er der Sieger von Kronstadt sei, antwortete der Angeklagte, davon habe er in der Anllageschrist zum ersten Male gelesen. Auch sämtliche weiteren Angaben Reu- rnannS über seine Tätigkeit als Leiter der Ope- rativadteilung in Resir usw. bestreitet Skoblewsky.
SS folgt die Vernehmung deS angeklagten Tischlers P 0 e g e auS Leipzig-Sellerhausen. Zu Beginn der Aussagen gibt Poege die Erklärung ab. daß er seine sämtlichen Aussagen, soweit er sie nicht wiederholen werde. alS unwahr widerrufe. 3m Januar 1919 sei er dem SpartakuSbunde beigetreten. 3m Mai 1919 wollte er in die Ehrhardtbrigade eindringen, um die Leute zu beobachten und aufzullären. DaS geschah ohne Auftrag der Partei auS eigenem Antrieb. Er kam zum Personalamt der Brigade in Wilhelmshaven. AIS Ehrhardt dort in einem Ejerzierschiss eine Rede hielt. In der er sagte, «S sei falsch, mit der Sozialdemokratie abzu- rechnen, fei er. da er allein stand, ausgetreten und zur ReichSmarine gegangen. Er wollte sich aber nicht verpflichten, und ging im Herbst 1920 nach Leipzig zurück. Hier trat er offiziell der K D. D. bei. Wie er erklärt, sei er bereit gewesen, selbst sein Leben für die Partei herzu- aeben. 3m Herbst 1923 sei er dem Genossen Paul Böttcher für Parteiaufgaben empfohlen worden, der mit ihm nach Dresden fuhr. Hier wurde er zunächst mit Brandler. dann mit Kleine bekannt. Kleine unterstellte ihn, Poege. dem Reumann. Reumann beauftragte ihn. nach dem Ruhrgebiet zu fahren. Die Rachricht über Wafsenlager -erwieS fich als falsch. WaS den Plan aegen General Seeckt betrifft, so habe Ms) daS nur für Theater und Hirngespinst ReumannS gehalten. Rach der Ermordung SeecktS wäre die Partei ja noch mehr bedrückt worden. Die einzelnen Gruppenmitglieder farmten sich ia gar nicht. Poege hatte den Eindruck, als ob Reumann die Gruppenmitglieder nur immer beschäftigen wollte, um sagen zu können, es geschehe etwaS. Daß .erledigen" ermorden bedeuten sollte, war ihm llar. Er glaubte aber nicht an bcn Ernst Don einer Terrvrgruppe habe er nichts actmiftt Rur In seiner Ratlosigkeit habe er bei der Vernehmung durch den Kriminakkvm- miisar Koppenhöser Ja“ getagt. Kovpenhöfer habe ihm auch gesagt 3a, bo wackelt der Kopf! (Bewegung ) Die Wallen habe er nur a l S Dekoration ausgesaßt Wenn er zu lügenhaften Aussagen gekommen fei. so schäme er sich deren heute. Er habe aber daS Vertrauen zur Partei verlieren müllen, wenn der Führer nämlich Reumann so viel belastende Angaben gegen die eiaenen Genossen machte.
Ter Angeklagte Poege behauptete, er sei zu einem willenlosen Werkzeug der Polizei geworden. Da er gedrängt wurde, selbst aber nichts wußte, habe er seine Auslagen auS der hn DorwärtS-Verlag herausgegebenen Broschüre: .DaS wahre Gesicht der Kommunisten“, die ihm der Oberwachtmeister Link gegeben habe, abgefchrieben. Auch seine Angaben über die Tscheka habe er daraus obacfdiricben, um die Polizei loSiuwerden. D-e Protokolle feien niemals untere rieben worden. Der Zeuge Rechtsanwalt Goldstein bestätigte die Darlegung
Sven Hedin 60 Jahre alt.
Als Oskar MvnkeliuS, der große schwedische Archäologe, seinen Freund Hedin zum fünfzigsten Geburtstag feiern sollte, sagte er unter anderem. „Wenn man ihn selbst betrachtet, wie er dastyt, so meint man einen jungen Mann vor sich zu sehen, sieht man aber die Reihe seiner Werke und überlegt sich, waS er geleistet hat, so möchte man glauben, daß er zwanzig Iahre älter sein müsse!“
DaS Wort trifft den Kern, wer ihn noch vor kurzer Zeit in der Berliner geographischen Gesellschaft sprechen hörte, hatte den Eindruck eines Fünfttndvierzigers. Run, er ist am 19. Februar 1365 zu Stockholm geboren, darüber kann kein Zweifel sein. Grade zur richtigen Zeit erscheint seine Lebensbeschreibung auS der Feder seiner Schwester Alma Hedin, (F.A. Brockhaus. Leipzig), ein stattlicher Band, der uns das Werden und Wirken dieses genialen und auftechten Mannes, der durch deutsche Schule in Berlin und Halle ging, anschaulich vor Augen führt. Und vor allem sehen wir, wie sich allmählich sein Lebenswerk aufbaut, die Erforschung des weihen Flecks in Jnnerafien, die Entdeckung des Tra n s h i mala j c , die Aufllärung des rätselhaften LandrS Tibet. So ist das Buch: „Mein Bruaer Sven“ wert, etn Dollsbuch zu werden, nicht zum wenigsten auch in die Hände der Jugend zu kommen, damit sie das dabei erlebe und verstehen lerne, was in unseren nüchternen Tagen so selten geworden ist, rückhaltlose Hingabe an die große 3bee und eisernen unbeugsamen Fleiß. Schon, wenn Hedin nur die zahlreichen Reifewerke verfaßt hätte, wäre
Freitag. 2 *. Fedruar 1925
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
K. Dieser habe aber nichts davon «sagt, n die AuS! agen durch Versprechungen der Polizei abgepreßt worden seien. Hierauf erllärte Pöge bem Vorsitzenden, der ihm seine früheren Auslagen vorhielt, er hätte fich den Befehlen Reumanns nicht widersetzen können, da er dann nach dem Wortlaut der Derpsltchtung hätte befürchten müllen, von Reumann über den Hausen geschossen zu werden. Gr habe den ganzen Plan der Ermordung SeecktS nicht ernst genommen. Reumann allerdings habe sich immer den Anschein gegeben, alS ob es ihm bitter ernst fei.
Lange-hegermanns Immunität.
Die verschiedenen Dorstöße auS dem Zentrum heraus, den Abg. Lange-Hegernrann a u r MandatSniederlegu ng zu ve: anlassen, sind erfolglos geblieben, er zog es lieber vor, auS der Fraktion auszuscheiden, fein Mandat aber zu behalten, um vor dem Zugriff deS Staatsanwalts gesichert zu sein. Das von ihm eingeschlagene Derfahren muhte naturgemäß zu einem Antrag der Gerichtsbehörden beim Reichstagspräsidenten auf Aufhebung der 3mmunttät Lange-HeyermannS führen, so daß der Reichstag sich vielleicht schon in den nächsten Sitzungen mit dieser wenig erquicklichen Angelegenheit au befassen haben wird. ES müssen stark belastende Momente zutage getreten sein, denn sonst würde die StaatSanwaltschast nicht bis zum Reichstag selbst gehen, auch Lange-Hegermann würde sich nicht wie ein Derzweiselter an sein Mandat klammem. daS ihn vor den 3ustizbehörden schützt. Ob der Reichstag der Aufhebung der 3mmuni- tät zu stimm en wird, hängt ganz davon ab. welche Begründung die Staatsanwaltschaft ihrem Antrag anfügen wird. Soviel kann aber wohl schon jetzt gesagt werden, daß die Parteien des Reichstags schon aus Gründen der Reinlichkeit und vor allem auch daS Zentrum. das durch daS Derhallen Lange-Hegermanns noch um ein Mandat betrogen wurde. Dem Aushebungsantrag zustimmen wird. Dieser Dorsall wird aber der schon jetzt in weiten Kreisen der Reichstagsabgeordneten vertretenen Ansicht, daß durch gesetzliche Maßnahmen ähnlichen Vorkommnissen vorgebeugt werden müsse, weitere Anhänger zuführen, mindestens aber doch die einzelnen Fraktionen veranlassen, sich etwas einaehender als bisher mit der außerparlamentarischen Betätigung ihrer Mitglieder zu beschäftigen.
Auch Oesterreich!
Man munkelte schon seit langem in Wien bcn dem bevorstehenden „österreichischen Darmat-Skandal“. Run ist auch er auSge- brochen, seine Hauptfigur ist der durch die Wöllerdorfer Werke in der letzten Zeit stark in den Vordergrund getre enen Leon Sklarz, der ja auch in Deutschland nicht ganz unbekannt ist. Die Wiener Zeitung „Der Abend“, die anscheinend über etn sehr gutes Material gegen Sllarz verfügt, beschäftigte sich In den letzten Monaten unausgesetzt mit Herrn Sklarz und dem Präsidenten der Wöllerdorfer Werke, P i 11 n e r, und erging sich dabei in schwersten Beleidigungen mit dem Erfolg, daß die genannten Personen endlich eine BeleidigungSkla ge anftreng- tcn. Als aber am Montag die Hauptverhandlung vor sich gehen sollte, zogen die Kläger knapp vor Beginn der Verhandlung ihre Klage bedtngun gSlos zurück. Dieser Vorgang hat natürlich das allergrößte Aufsehen In Wien hervorgerufen um so mehr, als die Bundesregierung trotz des Verfahrens einen neuen Ve rtrag mit Sklarz unterschrieben hatte, in der Annahme, er werde sich von den kriminellen Anwürfen befreien können Herr Sllarz hat eS vorgezogen, seine Klage z u» rückzuziehen, wird aber damit die erregten Gemüter nicht beruhigen können, da er durch diese Handlung doch bewiesen hat, daß er irgend etwas zu verschweigen und zu vertuschen hat. Sehr interessant wird eS auch
seine Arbeitskraft bewundernswert. Dabei vergißt man aber immer, daß er daneben die rein wissenschaftlichen Ergebnisse seiner Forschungen in mehreren zum Tell vielbändigen Werken niedergelegt hat. 2lllein die Abfassung deS zwölfbandigen wissenschaftlichen Berichtes über die Tibetreisen „Southern Tibet“, an dem er viele Jahre gearbeitet hat, bedeutet eine Aufgabe, die oas Leben eines Gelehrten ganz ausfüllen könnte.
Gesellschaft für
Erd- und Völkerkunde.
Der Dorfitzende der Gesellschaft, Professor Dr. Klute, begrüßte Mitglieder und Gäste zum 4. Dortragsabend und teilte mit, daß die Gesellschaft den schwedischen Forscher Sven Hedin anläßlich seines 63. Geburtstages am 19. Februar zum Ehrenmitglied vorgeschlagen Habel Sven Hedin hat die Ehrenmilgliedfchaft angenommen und in einem Brief an den Dor- sitzenden folgendermaßen gedankt:
Stockholm, den 13. Februar 1925.
Hochverehrter Herr Professor! 3ch danke 3hncn herzlichst für einen sehr lieben CBr.cf und für die große Auszeichnung, die mir die Gesellschaft sür Erd- und Döllerkunde in Gießen verliehen hat. 3ch freue mich sehr daraus. Die Stunden, die ich mit Herrn Geheimrat Prof. Dr. Sievers damals verlebt habe, sind frisch und lebhaft in meiner Erinnerung geblieben. Mit vielen herzlichen Glühen an Die Mitglieder der D silllcha t. de mich so feierlich und liebenswürdig geehrt haben, und mit vorzüglicher Hochachtung 3hr dankbar ergebener Sven Hedin."
darauf sprach der Redner deS Abends. Herr Dr. Paul Rohrbach über das Thema: Die Zerstörung der russischen Wirtschaftsgrundlagen durch den Bolschewismus und ihre Folgen. Der Dor
für uns Reichsdeutsche sein, welche Entwickelung diese Affäre nehmen und wann sich die Gerichtsbehörden mit Herrn Sllarz beschäftigen werden, der ja auch zu Barmat gewisse noch näher zu untersuchende Beziehungen gehabt haben soll. \
Liman v. Sanders 70 Jahre.
Am 18. Februar beging der General der Kavallerie und osmanische Marschall Liman v. Sanders Pascha seinen 70. Geburtstag. Der General gehört zu den bekanntesten Persönlichkeiten des alten Heeres. Rach einer glänzenden militärischen Laufbahn, oic ihn an der Spitze der 22. Division in Kaffe 1 führte, übernahm er auf Wunsch deS Kaisers 1913 die Führung der deutschen QHUitäcmif- sion in Konstantinopel. Der Sultan übertrug ihm die Führung deS I. Türkischen Armeekorps zur lebhaften Unzufriedenh- it der Entente, die das Wachsen des deutschen militärischen Einflusses am Bosporus im Hinblick auf die bevorstehenden Auseinandersetzungen mit Mißtrauen beobachtete. CS kam bald zu diplomatischen Konflikten, die durch die Beförderung General LimanS zum Marschall und Generalinspekteur deS türkischen HeereS beigelegt wurden, während der englische Admiral in Konstantinopel den Oberbefehl über die türkische Flotte behielt.
Während des Krieges übertrug der 4x11- tan General Liman die Führung der 5. türkischen Armee auf Galipoli. Unter feiner Leitung also wurden die Angriffe der Alliierten auf die Dardanellen siegreich abgewiesen. DaS Verdienst, daS der General sich um die gesamte Kriegsführung allein dadurch erworben hat, sollte nicht -unterschätzt werden. Rach Abschluß deS Waffenstillstandes wurde General Liman auf der Rückreise auf frcm;ö- sischen Wunsch ge fa ngengesetzt. Der General Franchet d'ESpbrey beschuld.gte ihn der Anstiftung von Metzeleien in Armenien und der Griechenaustreibung aus Konstantinopel. Diese Anklagen standen auf der gleichen Höhe, wie die Üblichen Beschuldigungen gegen die andern deutschen „Kriegsverbrecher“. Auf englisches Eingreifen hin wurde General Liman bald f r e i g e l a s s e n. Er hatte die Zeit der Internierung auf Malta benutzt, um seine Erinnerungen unter dem Titel „Fünf Iahte Türkei" zu verfassen. Auch als Redner und Tagesschriftsteller hat sich Exzellenz ßiman nach dem Kriege eifrig betätigt.
Aus der Provinz.
Landkreis (vfricfccn.
t Allendorf a. b. Lda., 19. Febr. Zu unserem Bericht über den Unterhaltungsabend unseres Männergesangvereins ist noch nachzutragen, daß sehr zum Gelingen deS Abends Frl. L i s e l Berg aus Gießen beitrug. Sie brachte mit ihrer geschulten Sopranstimme einige Lieder zum Dortrag. die sehr viel Beifall fanden. — Am 17. Mai begeht unser Männer- gcsangverein sein 20jähriges Stiftungsfest. verbunden mit einem Wertunas- singen. Die Dorarbeiten dazu sind schon eifrig im Gange. Da wir üoer einen schönen - Festplay verfügen, darf mit dem Erscheinen vieler auswärtiger Dercine gerechnet we den. — Rachdem von 1912—1923 die Bautätigkeit in unserem Städtchen vollständig ruhte, begann sie im Dorjahre endlich w-eder aufzuleben. Es erstanden 4 Reubauten. Dem Dernehmen nach sollen im kommenden F ühjahr noch einige Wohnhäuser errichtet werden.
• Climbach, 19. Febr. Der Raiffeisen- Derein Climbach veranstaltete am ScnnS- tag im festlich geschmückten Saale des Gastwirts IohanncS Römer seinen ersten F a m i I i en - abend. Der Verein, im 3uni 1923 mit 16 Mitgliedern gegründet, zählt heute 30 Mitglieder. Sie alle waren mit Familie und sonstigen Angehörigen vollzählig ersch enen, so daß der Saal mit etwa 120 Personen beseht war. Rach einem
tragende wendet sich zuerst der Entstehung des russischen Reiches zu, das im Laufe der letzten 3 Jahrhunderte aus der 'Bereinigung verschiedener Dol -stamme und Länder entstanden ist. Zu diesem gewaltigen Ländeckompler bildeten unter der Zahl der Bewohner die Russen mit 42 Prozent nur eine Minderheit. Daneben waren die ilfrainer mit 40 M llionen einve.l äht. ferner Weißrussen, Polen. Finnen. Tartaren und Kaukasier und viele andere. Die heute selbständigen Staaten am Westrande des Reiches sind eben» salls stamm- und sprachverschieden. Sie haben die russische Sprache im Unterricht abgeschasst oder als freiwilliges Fach zugelassen, während die deutsche Sprache meist obligatvr sch als ilntec- richtssach ist. Auch sind die abgetrennten Häsen, Riga an der Ostsee und Odessa am Schwarzen Meer, kerne wirtschaft-- und veckehrsAevg aphisch wesentliche Ein- und Ausgangstvre für Rußland, sondern nur für ein kleineres Hinterland, während Petersburg im Rorden und Rostow im Süden die große diagonale DerkehrSlinie Rußlands an leiden Enden begrenzen und öffnen. Rußland ist somit keine pvlftische. historische, verkehrsgeographische Einheit, noch eine völkische, sprachliche oder wirtschaflliche.
Den natürlichen Reichtum Rußlands beleuchtet Rohrbach im folgenden. Während wir in Rord-Dcutschland den gleichen Dlazialboden besitzen wie das nördliche Rußland, so ist doch ein grundlegender Unterschied in der Bewirtschaftung und im Ertrag. Der norddeutsche Boden trägt ein Mehrfaches im Vergleich zum russischen, dank der intensiven Bearbeitung und Düngung, besonder- der künstlichen Düngung. 3n Rußland dagegen sind die Getreideemker, nördlich der Wolga gering. Außerordentlich viel besser ist der Schwarzerdeboden der Ufraine. Aber auch hier lallen die Ernten sehr nach, nicht allein wegen der durch Mangel an Reg'n bedingten Mißernte, sondern wegen der mangel- haften Bodenbestellung. Der Mißernte folgte eine Hungersnot, der nach dem Bericht von Fridtjof Ransen. dem Dorsitzenden des Hilfs
flotten Marsch entbot der Vereinsvorsteher Albert Haupt der Dersammlung herzlichen Will- kommsgruh. insbesondere begrüßte er als Gäste die Herren vom Raiffeisen-Lagerhaus m Gießen. Er wies ferner auf die Ziele der Raiffeisen» Vereine und die Pflichten der Mitglieder bin und forderte die Anwesenden auf. allenthalben für die Ralfs eisensache einzutreten. Hieraus gelangte das Festspiel »Raiffeisen, hilf“ In drei Akten (Verfasser Pfarrer Ernst 26her) zur Ausführung, welches mit Schneid ausgesührt wurde und großen Beifall erntete. Run vereinigte mC sich bei gutem Raisfetsenkallee und Kuchen. au< Raisseisenmchl gebacken, wobei Deklamationen, Musikstücke und gemeinsame Raifseisenlieder abwechselnd zur weiteren Unterhaltung beitrugen Den Kindern wurde durch Beschenkung mit Brezeln eine besondere Freude zuteil. Lager- Hausverwalter Gath sprach bann über Raiffeisens Arbeit und Zwecke und Ziele des ländlichen Genossenschaftswesen-: auch berührte er das Geld- und Warengeschäft. Seinen Ausführungen folgte man mit großem Interelle 3m Schlußwort sprach der Dorsitzende die Hoffnung aus. daß dieser erste Familienabend zur Weiterverbreitung. Stärkung und Vertiefung der Ralfs- eisenbewegung b'irrigen möge Wit einem Hoch auf unsere liebe Heimat, in daS allseits begeistert eingestimmt wurde, schloß die eindrucksvolle Feier.
• Göbelnrod. 19. Febr. Bei der gestrigen Holzsubmission ergaben sich folgende Höchstgebote: Lärchen 2. Kl. 32.50 Mk.. 3. KI 28,20 Mk.. 4. Kl. 28 Mk. Kiefern 3. Kl. 28 Mk. 4. Kl. 27 Mk.. 5. Kl. 21.10 Mk je Fstm Höchst- blctcnbc waren Beigeordneter 21 f f und Zimmer- meister Müller auS Queckborn. Bei der Drennholzversteigerung. zu der nur OrtSrinwohner zugelassen waren, wurden bezahlt: Tannenrundscheiter 10 Mk. Tannen knüppel 8Mk Tannenstöcke 5 Mk. je 2 Rm.
V Wahenbor n-S teinberg, 18. Febr. Rach jahrelanger, durch die Zeitverhältnisse bedingter Unterbrechung sammelten sich jetzt zum ersten Male wieder die Mitglieder unseres KriegervereinS zu einem gemüisichen Beisammensein mit ihren Familienangehörigen im Saale deS Gasthauses „3ur Krone" in Steinberg. Der Saal war voll besetzt. Flotte Musik- vorlräge der von Steuersekretär H e ß In diesem Winter zusammengestellten Kapelle jugendlicher Kräfte eröffneten den Abend. Mit herzlichen Worten begrüßte der Vorsitzende 3ohannes Schäfer XI. die zahlreiche Versammlung. Studienrat Schmidt auS Gießen zeigte in warmen Worten die hohen Ausgaben, die unsere Krieger- txrciire in den jetzigen Zeitverhäldnissen mit in erster Linie zu lösen berufen sind Pfarrer Stau- bad) führte in 52 klaren, farbigen Lichtbilder» RansenS Rordpvlfahrt den Teilnehmern vor Augen. Run wechselten in bunter Folge ernste und heitere Vorträge mit bcn flott vorgetra- genen Musikstücken der rührigen Kapelle. Das Ganze war getragen von echt kameradschaftlichem Geist und lieh für Stunden alle Gegensätze und politischen Parteihader vergessen. Erst spät trennte man sich mit dem Wunsche, solche Abende öfters wieder erleben zu dürfen. Ein guter Anfang ist gemacht: und nun mutig vorwärts auf dem an- gefangenen Wege für die gute Dache.
4- Ober-Dessingen. 19 Febr. Am nächsten Sonntäg wiederholt der hiesige Radfahrerverein seinen Unterhaltungsabend Dazu beabsichtigt der Direktor der Zentralstelle zur Förderung der Volksbildung und Jugendpflege H a s s i n g e r aus Darmstadt hierher zu kommen und einen einleitenden Vortrag zu halten.
' Ronnenrvth, 19. Febr. Am Samstag fand hier etn Volksbildungsabend statt. Der rührige Dorsitzende vom Krieger- und Gesangverein, Sägewcrksbesitzer Karl Rinker, hotte den bekannten Dolksbi hungsmann Lehrer Schmoll, Elpenrod, für einen Dortrag gewonnen. Als Thema war gewählt: „Die Fremdenlegion". 3n eindringlicher Welse sprach der Redner über dieses wichtige Thema, und zwei Stunden lang lauschten atemlos 200 Menschen. Wer dielen Redner über die Fremdenlegion Hai sprechen hören, der ist gewarnt und gefeit. Anschließend erzählte Herr Schmoll drei Märchen Froschkönig. Frau Holle, Hänsel und Gretel. Das war sein für 3unge und Alte, humorvoll und warmherzig! Die Veranstaltung war ein Volks- bildungsabend Im besten Sinne deS Wortes.
komiteeS. 10 Millionen Menschen zum Opfer fielen. Die Bodenbestellung im Schvarzerd gebiet, wie auch in allen anderen Teilen Rußlands, ist mangelhaft, denn durch die Revolution und die Unruhen, die die Düteraufteilung durch bi? Dauern begleiteten, ist der größte Teil der Ackergeräte vernichtet, besonders der moderne i P (ü,e Eggen usw. D S Geld um neue anzuscha en.f hlc. Es ist somit mit der Hauptguelle des na ü lichen Reichtums, dem Doden und dem Getreide schlecht bestellt und eine Besserung ist auf 3ahre hi laus nicht zu erwarten, da zur Besserung Geld gehört. und der russische Handel nicht genügend abwirst. Als mineralische Reichtümer ist das Petroleum m Baku zu nennen, Eisen und Kohle in der Ukraine und bei Moskau, deren Lager aber mit den deutschen, englischen oder amerikanischen keinen Vergleich aushaften. Die Wälder des Rordens sind in der Umgebung der Flüsse, wo der Abtransport leicht ist. schon abgeholzt und für die weiterliegenden Bestänc« macht sich der Transport störend bemerfbar.
Es wäre Rußland fast geglückt, unter der Regierung Macdonalds von Eng and eine Anleihe zu bekommen, doch hat die englische Regierung noch zeftig eingesehen, daß der Zusammenschluß von Rußland mit 3apan für 3n- bien eine Gefahr bedeutet, eine Gefahr, die England durch die Gewährung einer Anleihe unterstützen würde. 3m Osten AsienS hat die rullifche Politik Erfolge zu verzeichnen, da sie in China und seinen Randst aalen mit dem Schlagwort »gegen die Auslände?' Sympathien g-winnt, und um die geeigneten Schlagworte ist sie nie ncr- legen. 3n Peking wurde deshalb auch die Preisaufgabe „Wer ist der berühmteste Mann bei Geschichte" von 70 Prozent der Studenten mit .Lenin" beantwortet.
Zum Schluß kam der Redner auf die Stellung Deutschlandszu sprechen, die wieder dadurch gekennzeichnet ist, daß es zwischen den beiden Lagern steht, nicht nur räumlich. Es kann sich nach Westen oder Osten neigen, kann aber mit seiner Entscheidung warten.


