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KONZERT
tädter Quintett Emst Schauer (Oboe) ) - Kug. Jaud (Hom) am Klavier : Gusti Beck oven - Sonate H-moll tß-dur v.Thuille
•, 4.-, 3.- und 2.- bei ds an der Kasse. Studentenverkauf beim Hausverwalter iversität 516c
;n gebeten, die 2. Rate •nstChallierabzuholen Irnle e/M .abends 8lk Uhr, 1 der Universität;
ssorDr.Korff .Gießen lelineMüller,Wetzlar ballier und an der Abendreinsund für Hörer gegen
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Ift. H Drittes Blatt
Außenpolitische Umschau.
Ion Prof. Dr. Otto Hoetzsch Hi. D. 2t
Der Räumungskonflikt ist da: die Kölner Zone ist am 10. Januar nicht geräumt. i5tnc KrisiS ist damit von den Alliierten wieder cingeleitet worden^die länger dauern wird, als die längste RegierungSkrislS Deutschlands, und protze Gefahren in sich bergen kann. Denn allzu leicht wird jetzt bei uns übersehen, daß der Hintergrund dieses Konfliktes ja nicht die Frage die deutschen Entwaffnung ist, sondern die Sicherheitsfrage, in der Frankreich ferne Wünsche erfüllt sehen will, bevor es die Ruhr räumt und bevor die erste Zone des altbesetzten Gebietes geräumt wird.
Sowie man aber diele Licherheitssrage fest anfafjt, ergibt sich, datz eine Lösung im französischen Sinne für beide Teile, nämlich Deutschland und England unmöglich ist. Es gibt leine Lösung der Sicherheitsfrage, die Frankreichs Wunsche befriedigt und die für Deutschland annehmbar ist Aber ist denn auch für England im Ernst möglich. Frankreich und Belgien ein militärisches Schutzbündnis zuzugestehen? Ist für England möglich, in irgend einer Form direkt oder indirekt das linke Rheinufer, das Rheinland. Frankreich prerSzugeben? Was aus England zu dieser Frage vorgeschlagen wird, ist Verlegen- heitSauSrede. das dem alten, wirklichen und stets verfolgten Interesse der englischen Politik an dieser Stelle Europas schlechterdings nicht standhält.
Es ist möglich, daß England, um weiter zu kommen, die Sicherheitsfrage auch in die große Finanzauseinandersehung zwischen den Alliierten hineinzieht. Die Konferenz der Finanzminister in Paris ist merkwürdig rasch zu Ende gegangen. Sie hat nur gerade eine Woche gebauert. Das war möglich dadurch, daß gemäß Aufforderung Amerikas die Behandlung Der interalliierten Schulden nicht auf die Tagesordnung kam. Die Konferenz behandelte da-, nach nur, womit auch schon ungeheure Ausgaben bezeichnet sind, die Verrechnung der Ruhrbe- letzung unter den Alliierten und die Verteilung der Zahlen, die aus dem Dawes-Platt erwartet werden. Dazu kommt der Anspruch Roxd- amerikas aus seine Besahungsauslagen, der bereits anerkannt war, und der weitere jetzt angemelbcte Anspruch Amerikas, auch an der Kr iegsschädenerfahrechnung beteiligt zu werden.
Aus dem Zahlenmaterial nur die Mitteilung: Rach deut franzosisch-belg'schen Bericht für die Konferenz sind vom 11. Januar 1923 bis 31. August 1924 aus dem Ruhrgebiet 971 Mill. Rkark eingenommen worden, während 184 Mill, für die Besahungskosten darauf gegangen sein sollen. Es ist also die unsinnige Summe von 700 Millionen Gold >nark doch unter gewaltigen Zerstörungen deutschen Eigentums her- ausgepreßt worden! Selbstverstäitdlich, daß Deutschland in irgendeiner Form, da es ja seinen Staatsangehörigen die entstandenen Schäden vergüten mutz, bei der Berechnung zugezogen werden muh.
Endgültig ist von diesen Dingen in Paris nichts erledigt. Man hat vorläufig eine Verteilung von so und soviel Jahresraten in Aussicht genommmen, unter Beteiligung und Zustimmung Rordamerikas, dessen Ansprüche anerkannt sind. Das sind Auseinandersetzungen unter den Alliierten, die Deutschland nur interessieren, soweit die Verrechnung der Ruhrkosten in Frage kommt, und wenn sich mit diesen finanziellen Sachen eben die Sicherheitsfrage verschlingt.
3m übrigen: die andere Seite macht Kalkulationen auf Jahrzehnte hinaus, verteilt für alle diese Zwecke und Ansprüche die Zahlungen Deutschlands, die aus dem Dawes-Plan erwartet werden. 3 st denn das möglich? Run, wir nehmen das zur Kenntnis und denken uns dabei, daß das auch anders kommen kann. Denn die Forderungen an Deutschland aus dem Plan sind und bleiben übermäßig groß und die Voraussetzung für ihn. die vollkommen freie Bewegung Deutschlands in der Hairdelspolitik, ist heute ihrer Erfüllung weiter als je entfernt.
Die deutsch-französischen Handelsvertragsverhandlungen sollten nach dem Willen der Regierung nicht nut der Räumungsfrage in Zusammenhang gebracht wer-
Die rote Kaschgar.
Roman von Fedvr von Zobeltitz.
44. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)
Ratürlich hoffte man daheim immer noch auf eine 'Rachricht von dem Verschollenen, und besonders der alte Geisbach Hämmerte sich an diese Hoffnung, der Gerl nicht nur eine aufrichtige Zuneigung entgegenbrachte, sondern in ihm auch seinen Erben und den Rachfolger in der Leitung feinet groben Betriebe sah. Er war glücklich über Aic endliche und völlige und eigentlich unerwartete Genesung feiner Tochter. Aber Himmeldonnerwetter. nun lag doch die Sache so, datz die arme Dheda' Monat für Monat vergeblich auf den ihr Angetrauten baute, dem sie nun zeigen konnte, datz sie ein blühendes Weib geworden war, den sie umarmen, dem sie Liebe spenden und Krnder schenken wollte! Ach Golt ja, das Vaterherz spürte schon, was in seiner Tochter vorging. Wenn er mit ihr allein war. sprach zuwellen ein stummer Vorwurf aus ihren Augen, eine Klage über ihre Gebundenheit. Der Klatsch, der über dc.l Leichtsinn Gerts erzählt wurde, und alle die übertriebenen und aufgebauschten Gerüchte über lein Verhältnis zu der Savary erbitterten sie. Mnt> wenn er schon unter dem Zwang der Uniftänte den Abschied genommen hatte so wäre es unbedingt seine Pflicht gewesen, zunächst nach Deutschland und zu seiner Frau zurüctzu- khicii, statt sich einer phantastischen Expedition in das Ungewisse anzuschüietzen. Denn. alles das, was er zu feiner Entschuldigung darüber tu set- nent hundertmal gelesenen letzten Briefe vort'rächte, waren doch nur halllose Redensarleit! Er hatte Scheu vor der Heirat und eocheu vor der Ehe. Seine ungebändigte Aatur litt es nicht in der Enge Dann aber hätte er sich auch der Heirat widersetzten muffen...
Geisbach fühlte recht wohl, datz in Theda auch das lange zurückgedämmte Blut eine beredte Sprache führte. Sie war Frau und war es doch nicht. Sie war eine Iürmakulata und sehnte sich nach Mutterschaf!. Er gab riesige Gelder aus, um sich Gewißheit über Has Schicksal Gerts zu verschaffen, lieh die russischen Agenten in Buchara
Samstag, (7. )anuarJ925
Gietzener Anzeiger (Seneral-Anzelger für Dverhessen)
den. Die Haltung Frankreichs hat den Zusammenhang doch hergestellt. Die Kölner Zone ist am 10. Januar nicht geräumt worden, am gleichen Tage in der Zollkarnps zwischen Deutschland und Frankreich sowie Belgien entbrannt. Dieser jetzige Zustand kann nicht dauern. Er wird in den offenen Zollkrieg übergehen müssen, wenn man nicht in den Verhandlungen weiter kommt und wenn nicht in den Verhandlungen die Franzosen den Lebe ns Notwendigkeiten der deutschen Wirtschaft gerecht werden. Run ist es Zeit datz sich unsere Wirtschaftsgruppen, unsere nationalen Parteien und die deutsche Regierung mit dem Rüstzeug und den Waffen versehen, bic Deutschland in all diesen zahllosen Handelsvertragsverhandlungen so empfindlich fehlten!
Wir haben keilten modernen Zolltarif. Wir haben keine Klarheit über die Meistbegünstigung. Wir haben noch nicht den Ausgleich zwischen Industrie und Landwirtschaft, überhaupt zwischen den WirtschastSgruppen. Es wird jetzt aber höchste Zeit! Denn es ist Gefahr im Verzug! Die Gefahr nämlich, daß wir aus Bequemlichkeit und bestimmter Abficht wieder in das System der Caprivischen Verträge zurückverfallen: Einfache Meistbegünstigung und dann Zollsätze, gerade wie es trifft, und die jeweils nicht beteiligten Interessen als Ausgleichs- vbjekte. nicht zum mindesten dann dafür die Landwirtschaft!
Räumung und Sicherheitsfrage. Völkerbunds- srage, die mit der deutschen Rote vom 11. Dezember nicht erledigt ist, Handelsvertragsver- handlungen. das sind die nächsten Ausgaben einer deutschen Regierung, die nun endlich zustande gekommen ist. Kostbarste Zell ist verloren, hofsent- lich nicht unwiderbringlich! Höchste Zeit wird es, nun fest und entschlossen an die deutsche Außenpolitik zu gehen, unter den maßgebenden Ge- sich nicht unwiederbringlich! Höchste Zeit wird es, sichtspunkten der nationalen Eyre und der Le- bensnvkwendigleiten von Staat und Wirtschaft!
Finnland.
Von unserem OKorrespondenten. (Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)
Helf ingfors, Januar 1925.
Rirgendwo kann. der Deutsche, der einmal wieder über die Grenzen feines Vaterlandes hinauskommt, besser erkennen, wie anders sich die 'Dinge von draußen änsehen. als in Finnland. Wir Deutschen glauben, Finnland sei deutschfreundlich und damit steht unser Urteil über dies Land, das da irgendwo jenseits der Ostsee, wahrscheinlich in Eis und Schnee liegt, fest. So ist man überrascht. Wenn man .statt der erwarteten etwas „östlichen" Verhältnisse ein Volk auf höchster Kulturstufe vorsindqt. Man kann cs kaum begreifen, datz diese Leute unter russischer Herrschaft gestanden haben und dah ihnen dieselbe Bewegung zu staatlicher Selbständigkeit verhalf, die die anderen neustaatlichen Wirrnisse an der Ostseeküste schuf. Roch kurz vor der Einreise in den Hafen von Heksingfors macht man sich auf alle möglichen Abenteuer gefaßt, weil bekannt wird, daß man wegen der vom Kriege her immer noch bestehenden Mmengesahr nur am Tage unter größten Vorsichtsmaßregeln in den Hasen einlaufen darf. Die Minengefahr ist besonders nach den Stürmen der letzten Zeit wieder einmal sehr groß, und jeder Schisfs- kapitän ist verpflichtet, eine Flinte bei sich zu haben, um ankommende Minen unschädlich machen zu können.
Ist man aber erst einmal durch diese Gefahrenzone hindurch, dann bietet sich das überraschende Bild eines äußerst lebhaften und geordneten Verkehrs. Schwer beladene Handelsschiffe. Dampfer. Segel- und Motorboote füllen die halbkreisförmige Bucht, durch die toir an zahlreichen kleinen Inselchen vorbei, zur Hauptstadt Finnlands gelangen. 3m klaren Wi.ller- sonnenschein bietet die Stadt, aus der als Hauptmerkmal die russische griechisch-katholische Kirche emporragt, einen reizenden Anblick. Blitzsauber leuchten bic Häuser rot und weiß und man glaubt nicht, soweit von mitteleuropäischer Kultur entfernt zu sein. Der lebhafte Verkehr, die zahlreichen Autos, die sauberen Elektrischen überraschen Typisch find die zweirädeeigen Karren der Lastfuhrleute, die von und Ehiwa und die englischen in Kabul beauftragen, mit allen Mitteln Erkundigungen einzuziehen, und schickte von Indien aus einen amerikanischen Detektiv nach Iarkent, um dort die Spuren weiter zu verfolgen. Inzwischen warf er sich daheim mit wütender Rastlosigkeit in die Arbeit.
An der fogenaimlcn Halde war der Thri)a- Schacht niedergebracht worden und wurde nun weiter erschlossen. Die Arbeitsstadt wuchs Die grotzen Gebäude standen lchon, über dem Schacht das Riesen Haus für die Fördermaschinen, daneben das Kesselhaus unD die gewaltigen Speicher, weiter in das Gelände hinein das Mahlwerk und seitwärts die kleineren Baulichkeiten zur Herstellung der komprimierten Luft und der Kristalli-' fierung, die Vorratsräume, das Laboratorium - es war ähnlich wie bei Schacht Vier in Schwi- chelde, nur das; man hier mit allen neuen Errungenschaften der Technik zu Werke gegangen war.
llnd dann geschah eines Tages das ilnglüd. Es war einer jener gewaltsamen, außerhalb jeder Berechnung liegenden Vorstöße des Zufalls, die um so unbegreiflicher erscheinen, weil man doch auch in allen großen Arbeitsbelrieben die Gefahr böser Zufälligkeiten in Anschlag zu bringen pflegt und ihnen vorzubeugen sucht. 3m Theda-Schachl waren an einem Frühlingstage, an dem überall aus der Erde ein neues Leben keimte, die üblichen Sprengungen vorgenommen worden. Man war durch Bohrmaschinen in die entfernteren Salzlager eingebrochen und halte vorfchristsgemäh die Sprengladung mit einer langen Zündschnur in Verbindung gebracht. Das Zeichen zum Verlassen deL Werks war längst gegeben, die Explosion erfolgte wie vorgesehen, es war alles in Ordnung. Geisbach traf am Schacht ein, als die ersten Arbeiter schon wieder einfuhren, um mit der Forträumung der eingebrochenen Salzstücke zu beginnen, und da dem Kommerzienrat daran lag, die frische Salzwand zu besichtigen, ehe man neue Bohrungen vornahm, so fuhr er mit ein und begab sich, nur von einem Obersteiger begleitet, durch einen der Querschläge in den Abbauraum, UnD in dem Augenblick, da er ihn betrat, löste sich in der Höhe ein gelockerter schalenähnlicher Block von der oberen Salzfirste, stürzte herab und zerschmetterte ihm den Schädel.
wohlgenährten Finnengäulen flink die bergigen Straßen hinauf- und fast 1 len »gefährlich rasch wieder hinabgleiten celbfl im Winter geben die zahlreichen großen Gartcnanlagen ein Bild von der Großzügigkeit, mit der diese Stadt angelegt wurde Die Esplanade ist die Haupt verkehrsstrahe. und auf dem Platz voi ihr zwischen dem Hafenkai und dem großen Springbrunnen spielt sich alltäglich ein buntes Markt-- leben ab.
Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, datz die Menschen hier in Finnland irgendwie sauberer, ordentlicher und — bei näherem Zusehen auch ehrlicher find, als wir das so gctoobni sind. Es ist eine alle Bürger- unb Bauernkultur, die man hier sindet, und tatsächlich ist zum Beispiel eine Badestube durchaus fein besonderer Vorzug der Stadt: man findet sie fast überall, auch draußen im Land. Der Eindruck der Sauberkeit erhält sich auch im Hotel und im Familienkreis. Selten sieht man so viel schneeweißes Linnen.
Das Volk ist rassenmäßig nicht einheitlich. Die Finnen sind mongolischer Abstammung, die zahlreichen Schweden, die die geistige Oberschicht bilden, sind Germanen. Die Schweden sind selbstverständlich deutschfreundlich, und die Finnen waren es, weil sie dem deutschen Heere unter General v. d. Goltz ihre Freiheit verdankten. Ein Denkmal zeugt von dieser Dankesschuld. Aber diese verschlossenen, nordischen Menschen werden sich sofort zurückziehen, wenn du vom deutschen Soldaten und seinem Defreiungswerk sprichst, während sie sicher anerkennende Worte aussprechen. wenn du den Gegenstand nicht zur Sprache bringst.
Leider hat nun aber der Deutsche sich diese Sympathien nicht z u erhalten gewußt. Ferienkinder und Studenten haben - man muß das leider aussprechen, weil man hieraus nur lernen kann — sich das Vertrauen durch gesellschaftliche Unmöglichkeiten und sogar durch Eigentumsvergehen verscherzt. Selbstverständlich wird auch das kleinste Vergehen gerade letzterer Art im Volke herumgesprochen und feine Erinnerung bleibt hasten. Dazu kommen die Anstrengungen, die besonders Frankreich macht, um den deutschen Einfluß zu verdi-ängen. Von Seifen und Parfüms bis zum wissenschaftlichen Buch u'ivft Frankreich die Erzeugnisse seiner Kultur auf den Markt Finnlands. Den Winter über hält ein Professor der Sorbonne Vorlesungen über französische Literaturg schichte. Frankreich tat in diesem Herbst eine 15 003 Bände starke Bibliothek feiner Romanschriftsteller des 19. Jahrhunderts der hiesigen Llnlversitätsb bliothck gcili.tel. Richt zu unterschätzen ist auch die Auswirkung der Tatsache, dah die hohendeutschenBücher- preise in Finnland kaum erschwinglich sind.
Roch ist nichts verloren, aber die Gefahr für den deutschen Einfluß besteht zweifellos. Die deutsche Schule, die sich aus dem kleinen Aiv fang des Unterrichts an 35 Kinder entwickelte, zählt jetzt 250 Schüler 14 verschiedener Rationalitäten. oie wird sowohl vom deutschen als auch vom finnischen Staat unterstützt und bereitet zum Eintritt in die Universität vor. Schon aber besteht die Gefahr einer französischen Schulgründung, wie sie sich in Reval bereits verwicllicht hat. Roch sind die deutschen Erzeugnisse nicht vom Markte verdrängt. Aber der Deutsche, der nach Finnland tommt, muh sich schon wieder selbst seine Position erobern, denn er wird nicht einfach als Reichsdeutscher willkommen geheißen. Die Anknüpfung zu diesen Menschen und den Weg zu ihren, Vertrauen findet man nicht durch historische Gespräche und Erwähnung von Dankespflichtcn, sondern nur durch d en Beweis einer guten Kultur und des Besitzes deutschen Geistes und deutscher Wissenschaft. Das Gespräch hiervon aber fällt stets auf guten Boden, weil sich hierzulande auch der Bauer sein gutes Buch kauft.
Ein Schatten liegt über der wohltuenden Ordnung finnländischer Verhältnisse: die Alkoholfrage. Auch F nnland steht, wie Amerika, im Zeichen des Aikoholverbots und deshalb des Schmuggels. Cs ist bezeichnend, dah Fische in dics.m Küstenland fast selten geworden sind, weil sich die Fischer viel cinlrägltcher statt init dem Fischfang mit dem Schmuggel beschäftigen. Aus Motorbooten neuester Konstruktion
Gaisbach brach zusammen und war auf der Stelle tot.
In der deutschen Industrie erregte der Uiu glücksfall allgemeine Anteilnahme, um so mehr, als die Kartellbewegung auf dem Kalirnarlt regsamer zu werden begann, die Zeitungen brachten lange rühmende Rachrufe, die illustrierten Blätter vielfach das Bild des Verstorbenen, mit dem gewaltigen Kopf voll lurzgeschorener weißer Haare, dem breitocrlaufenbcn Gesicht, das dem eines behäbigen Weinhändlers ähnelte, und mit dem Buschwerk über einem Augenpaar, aus dem jeder Blick ein Fassen und Zugreifen war.
In den Betrieben selbst änderte der Tod Geisbachs vorläufig nichts. Theda war für Schwichelde die Gesamterbin und für Groß-Ponar die Vertreterin ihres Mannes. Sie betrauerte ihren Vater ehrlich, aber in dem Zufluß an neuen Lebenströmen, den ihr die Genesung brachte, fand eine in sich versinkende Rührseligkeit keinen Raum. Die Gesundheit bedeutete zugleich den Durchbruch ihrer Ratur. Sie war so wenig sentimental wie ihr Vater, hatte auch seinen praktischen Blick und eine gewisse Rücksichtslosigkeit im Empfinden, wenn sie die eigenen Interessen beeinträchtigt sah, aber nichts von feiner geistigen Gröhe und seiner Macht über die Menschen. Alexe beurteilte sie falsch, wenn sie die Kusine gelegentlich ein „liebes dickes Dummchen" nannte. Ihre geistige Trägheit war mehr ein Hang zur Bequemlichkeit, sie ließ sich gern gehen, trainierte sich wohl körperlich, well sie eine schreckliche Angst vor zunehmender Rundlichkeit hatte, griff aber selten zu einem Buche. Hm die Hofwirtschaft fümmerte sie sich gar nicht, die ging an der leitenden Hand Hellmuts wie am Schnürchen, und die cochloßwiri- schatt nahm sie nicht allzu sehr in Anspruch, schützte sie jedenfalls nicht vor der Langeweile.
Es war nut natürlich, dah sie nach dem Tode ihres Vaters Hellmak zu ihrem Generalbevollmächtigten ernannte. Es war erstaunlich, wie rasch er Grotz-Ponar in die Höhe gebracht halle, er war ein überaus tüchtiger Landwirt, eine unermüdliche Arbeitskraft, ein Mensch von unleugbarer organisatorischer Begabung. Auch in seinem neuen 2hni bewies er eine kluge Umsicht, mischte sich nicht in die rein technischen Fragen, in denen er der Zuverlässigkeit der Direktoren vertrauen
fahren fie auf die hohe Seo, um von den Danipsern meist leider deutschen! — den kostbaren Sprit abzuholen. Die schlechten Motor boote der Schllfspvlkzci fangen nur zu feiten einen solch flinken Schmuggler UnD hat man ihn einmal, dann ist es sogar mit der Bestrafung nicht allzu schl.mm. Die Boote werden beschlag nahmt und öffentlich versteigert, so dah gar oft bei frühere Besitzer fein Boot selbst Wiedei laufen tarnt, um dann, von der Erfahrung .p witzt. den Handel von neuem erfolgreich zu betreiben. Auch aus dem Inneren d^s Landes kommt viel Sprit, well fast jeder Bauer Kor» brennt. War ö.i der Ehauffeur eures finnischen Würdenträgers, der leinen Herrn tätlich vom Landhaus zur Stadt brachte. Er kündigte eines schönen ages mit der Begründung, daß er sich nun selbst ein Auto laufen wolle Auf eine Frage antwortete er freimütig, daß er tagluh unter dem Sih seines Herrn Sprit zur Stadt gebracht habe. An dieser Stelle lonntc aller- dings die finnische Polizei nichts Unerlaubtes vermuten!
Das finnische Militär ist gut diszipliniert unb feine Uniform, ein Mittelding zwischen ruffi scher Uniform und deutschem Feldgrau, wirt' sympathisch. Die Konimandosprach? ist bemerkens werterweise nur die finnische, während bei B- Hörden unb im Verkehr das Schwedische gleichberechtigt hinzutritt.
Finnland ist ein Staat musterhafter Orb» nung und unverdorbener Kultur und Volkslrast. Seine Zuneigung sollte uns wertvoll sein. Es ist besonders schlimm, daß der deutsche Anteil gerade beim A.toholschmuggel als fast der einzigen Krankheitserscheinung dort so groß ist. Hüten wir uns vor Taktlosigkeiten und seien wir besonders vorsichtig mit der Auswahl der Leute, bie wir als Repräsentanten des Deutschtums aus dem öffentlichen und dem privaten Leben dorthin schicken!
Vie Erweiterung der Siegeltet höheren Mädchenschule zu einet Studienanstalt.
Von Pros. Dr. R. Herzog.
Das Gießener Stadtparlament steht vor schwerwiegenden Entscheidungen auf dem Gebiete leinen Schulwesens. Pläne für die Erwellernnas imb Reubauten einer Reihe von städtllchen Schulen waren schon vor Beginn des Krieges drin geab und spruchreif. Sie mußten seither zurück - aeiteUt werden, und die Rot der Schulen ist inzwischen in solchem Maße gewachsen, daß ein weiteres Zusehen einem Verbrechen an der Ge sundheit und der Erziehung unserer Jugend .ckeichkäme. Diese Baupläne werden den Stakst - fackel schwer belasten, aber fie sollen unserem köstlichsten Gut dienen und muffen deshalb so schnell als möglich durchgeführt werden.
Reben diesen Bauten ist ein Ausbauproblem immer dringender geworden, dessen Lösung zum Glück leine kostspieligen Bauten, sonder nur im Verhältnis zu jenen Bedürfnissen ganz gering tügige Personaltosten erfordert. Das ist die Er' Weiterung unserer Höheren Mädchenscyule zu einer ötuDicnanftalt. Sie schließt bis jetzt ab mit der Untersekunda (Hb), deren Abgangszeugnis dem früheren „Einjährigenzeugnis" entspricht. Durch Aufbau von drei weiteren Klassen (Ha. Ib. la), also jährlich einer bis 1927, Joll sie zu einer Studienanstalt werden, dem Typus der Mädchenschule, dessen Reifezeugnis dem der neun» llassigen höheren Knabenschulen entspricht.
Die Elternschaft der Höheren Mädchenschul« hat diesen Wunsch schon feit Jahren in Eltern- Versammlungen einmütig ausgesprochen und den beteiligten Behörden, der Stadtverwaltung und dem Landesamt für das Bildungswesen, eindringlich vorgetragen. Bei beiden hak fie dafür Verständnis gesunden, aber die Rot der Rach- Iriegsjahre und vollends Der Inflationszeit zwang bisher zur Zurückstellung auch dieses Planes Ruumehr ist aber durch die Stabilisierung Der Finanzen und durch eine Reihe von günstigen Umständen der Moment cingctretcn, wo der Plan im Kreise der Behörden als dringende Rotwen- digkett anerkannt wird und zugleich am glattesten verwirklicht werden lann.
konnte, und bereitete in Den Sommermonaten Den Ucbcraang der Schwichelder Werte in die Form einer Aktiengesellschaft vor. DaS war schon Gels- bachs Plan gewesen. Der sich auch mit Dem Gedanken einer Angliederung von Groß-Ponor trug, um schließlich die bevorzugten Majoritäten beider Gesellschaften in einer Hand zu vereinigen.
Die Rot Wendigkeit einer stärkeren geschätt- lichen Annäherung führte unwillkürlich zu einem häufigeren persönlichen Begegnen zwischen Theda und Hellmut. Er fiedelte auf ihren Wmllch in Das Schloß über, bezog ein paar hübsche Zimmer im zweiten Stoawert und speiste von nun ab gc- meinfam mit ihr. ES wurde viel in der älmgegcnb Darüber geredet, man hielt dies nahe Deisam» menfein fiir unschicklich, obwohl eS im Grunde genommen kaum anders war als früher, denn Die alte Inspektorwohnung. in Der nun die beiden Volontäre untergebracht wurden, lag auch nut wenige Schritte vom Schlöffe entfernt. Im übrigen machten die beiden sich nicht viel aus dem Gerede, fie unterhielten sowieso wenig Verkehr mit Der Rachbarschaft. Theda vor allem ertrug das ewige Fragen nach Gert nicht mehr und zog sich schon deshalb zurüct. Das Verhältnis zwischen ihnen war zunächst ein rein freundschaftliches. sinnlich übte Theda keinerlei Reiz auf Hellmut auf, sie war nicht sein Geschmack, aber sie halle doch auch etwas Gutmütiges in ihrem Wesen und die bequeme Rachgieoigkeit träger Raturen. Es war mit ihr auszukommen. Während des eommerß und zur Erntezeit begleitete fie ihn oft zu Pferde auf die Felder uird bis an Die Halde, sie machten zuweilen weile Rilke, auch auf schwichelder Gebiet, und unwillkürlich steigerte sich Dabei die gegenseitige Vertrautheit. Lind dann kant wieder der Winrer, und Theda wurden Die Tage lang, da suchte fie sich denn für das Rechnungswesen und Die Buchkuhrung zu interessieren und wohnte Den zahllosen Verhandlungen mit Den Inspektoren und den Konferenzen mit Den Direktoren der Werte bei, und um auch die freien Abende auszufüllen, begann sie eine lebhafte Anteilnahme für die Briefmarkensammlung Hellmuts zu entwickeln. Der noch immer fein? wenigen Mußestunden gehörten.
(Fortsetzung folgt)


