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Nr. 269 Drittes Blatt

Montag, <6. November 1925

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheßen)

Mauren, Berber und Neger in Marokko.

In diesen Sagen erscheint im Ber­lage von Strecker & Schröder in Stuttgart ..Kreuz und quer durch Marokko' von Otto E. Artbauer. Abgesehen davon, daft das Buch interessanr und packend geschrieben ist Artbaucr zeigt lich als vor- züglicheu Kenner und Beobachter nordasrikaner Bewohner und ihrer Titten - , liegt io das In!e.esse für Marokko in der Luft. Das Schicksal der Atlasbewohner der Rifier fesselt uns Deutsche doch besonders.

Der Preis des reichillustrierten Leinenbandes beträgt 6,50 Mk. Mit Erlaubnis des Der.ages geben wir hier das zweite Kapitel wieder.

Wohl ist die blumenreiche Sprache des Ko­ran vorherrschend im Atlas, Araberblut jedoch gibt es wenig. An der Westküste Hausen acabi- »irrte Derberstamme, auch nomadisieren jen­seits der schneegekrönten Atlasketten semitische Hirten, doch sie sind alle zusammen nur ein Bruchteil von Marokkos heutiger Bevölkerung. Hauptstütze jedes einzelnen Teiles im heutigen Scherifät sind erbeinge'essene bodenständige Ber­ber. die fast vier Fünftel der Gesamteinwohner­zahl bilden, und die städtebewohnenden Mauren, die der Vermischung semitischer Eroberer mit vorgefundenem Berberblut entsprohten.

Schon Karthagos Staatsmänner trauten nie ihren berühmten numidischen Reiterscharen, die durchweg aus lampssrohen und beutelustigen Steppensöhnen bestanden, ein Umstand, der viel beitrug zum unglücklichen Ausgang des hundert­zwanzigjährigen Ringens mit Roms weltumspan­nender Macht? Und als letzteres die gefürchtete Rebenbuhlerin aus afrikanischem Festland be­zwungen, halte es ebenso seine ewige Rot mit den wilden Derberstämmen beider Mauretanien, wie vor- und nachher alle, die den freiheitliebenden Stämmen Fremdherrschaft aufzwingen wollten. Sie schlugen sich mit der Bevölkerung herum, bis die hochgehenden Wogen der Völkerwande­rung auch diesen fernen Strand berührten. Auch (Bermancnftämmc tarnen mit Weib und Kind und verschwanden ins Innere, ^ls ihr kaum errichtetes Reich zusammenbrach. Wohin darauf weift die Weltgeschichte nur ungenaue Antwort. Vielleicht stcclen Reste jener trutz-- haften Vandalen und wilden Goten auf den Hängen der algerischen Kabilie und in Tälern des marokkanischen Rif!

Dann fani der junge Iilam angebraust. Sturmwindgleich fegten arabische Emire mit sieg­gewohnten 5)n-.-öcn über Länder und Völler und wälzten semitische Glaubensstreiter vom Roten Meere bis an den Atlant. Lange verteidigte das zähe 'Berbervolk seine Freiheit: Ströme Blutes flössen, ehe die Fremden festen Fuh fassen konnten. Tatkräftige Führer aus den vor­nehmsten Familien, so der Senata. Senhadscha und Laui, leisteten wütenden Widerstand. Roch kennt die Ueberlieferung Ramen der großen Priesterin Kahinna und des tapferen Kossila, die Arabern ebenso blutige Kämpfe lieferten, wie Jahrhunderte früher den Römern der Ruafa- fürst Askalis und der tollkühne Takfarinas. Erst mit der dritten Araverinvasion verlor die boden­ständige Bevölkerung ihre herrschende Stellung.

Tatkräftige Araber mischten sich nun mit unverbrauchtem Derberblut und drängten als Mauren mächtig hinüber nach dem heutigen Spanien, um aus Europas Boden stolz blühende Königreiche zu schaffen. Als nach fast tausend­jährigem Aufenthalt der letzte ..Moro" wieder hinüberflüchtete nach dem Strand des glaubens­verwandten Afrika, nahm er mit sich den Wohl­stand des Landes, dem er unvergänglichen Stempel aufgedrückt hatte. Aber auch die Er­innerung entschwundener Gräfte, an vergangene Glanzzeit, von der sein heutiger Zustand er­schreckend absticht. Als ob diese einstigen Kultur­träger wieder versunken wären in Rächt und Darbarei! Kaum noch in Träumen kennen sie maurische Prachtbauten auf Hispaniens Boden, und im VolksmundAndalos" genannte Fa­milien bewahren als heiligstes, kostbarstes Gut den allen unförmigen Schlüssel jenes Hauses, das einst ihre Ahnen auf den Pyrenäen be­wohnten. Roch beten sie allwöchentlich nach der großen Freitagchutba um das Rahen des Tages, an dem sie als rechtmähige Besitzer wieder darin einziehen.

Keinen größeren Unterließ kann man sich vor stellen als den erbeingesessenen Derber und den städtebewohnenden Mauren, dessen einstmals so hohe Blüte spurlos verschwand und fast ver­gessen ist von dem vormals so stolzen Vo.lke.»

Der hagere Maure mit ernsten, klugen ®e- sichtSzÜgen, schwarzen Haaren und ebensolchen feurigen Augen ist zwar ein guter Kaufmann und Familienvater, sonst aber träge und Feind jeder körperlichen Anstrengung. Er hüllt sich in langwallende Gewandung von blendendem Weiß, m der er gemessen einherschreitet. Stolz und ehrsüchtig, aber Fremden gegenüber von ge­winnender Liebenswürdigkeit, pocht er auf die herrschende Stellung seiner Rasse. Angesprochen, kann der Maure wohl lebhaft werden, nimmt auch nach Art aller Orientalen während des Sprechens viel die Hände zu Hilfe, doch rasch

verfallt et immer wieder in weltentrücktes Hin­brüten. Anders freilich, wenn er lein geliebtes Lab cl Barud reitet, das Pulverivi?!. Da tr­ieben l'ch feine starren Züge, dann zeigt er eine c Rest alter Ritterlichkeit. Soll braust er mit seinesgleichen über die Ebene, schwingt >wr wildem Jauchzen die lanrc Fant? über ivm Kopf und führt jenes aufregende Rciterlvi'l auf. das im eigentlichen Orient kurzweg Fan­tasia" genannt wird. Aber nirgends wird es fo toll gehetzt wie im Atlas. Wie wahnsinnig wir­beln die aufge.egten Reiter durcheinander. Von ihren bleichen Gelichtern fliegen groß? Sckwciü' tropfen, von Flanken und Hals de- dicker Schaum. Dazu Pulverdamps, unaufhör­liches Gewehrgeknatter, tolle Schreie, schrille Rufe der wahnsinnig erregten Männer, jede Fiber der hageren Körper ift aufs äußerste angespannt bis Roß und Reiter sich wieder trennen und letzterer zurückfällt in tatenlose Gleich­gültigkeit, aus der er kaum aufgerüttelt worden. Das ist der Maure, Marokkos herrschende Rasse.

Lieber ganz Marokko zerstreut findet man Reger. Sprößlinge südlicher Striche, meist aus der Sahara, teils sogar aus Senegal stammend. Gewöhnlich Sklaven in Diensten vornehmer Städtebewohner oder sogenannter Msaud l Frei­gelassene), bringen sie sich fort als Wasserträger, Garköche, Hafenarbeiter ufto. Auch zahlreiche Sultansreiter sind schwarzhäutig: bei Mckines haust ein ganzes Regiment, die Buwachir. Oft bringen sie es auch zu 2Imt und Würden. Der gefürchteteGeneral" des Revolutionärs Du Hamara war Reger, Mischling der all-» mächtige Groftusir Du Achmed, der nach dem Tode Wulai Hassans lange Zeit die Regierung kräftig führte an Stelle des schwächlichen Abd el Alis. Junge Regerinnen sind dem lüsternen Mauren gesuchte Konkubinen (einer der Gründe, warum die maurische Rasse unaufhaltsam sinkt!!, die aber in späteren Jahren nur geringen Werl haben als Arbeitssktavinnen. Jedes vornehmere Haus hat deren mehrere, viel Regerblut fließt in den angesehensten Familien des Landes. Auch in der Sultansfamilie!

Anders der berberische Bewohner des Sche- rifats.

Wohl vier Fünftel der Bevölkerung besteht aus diesen Ureinwohnern, die als fleißige, be­scheidene Landbauern oder Hirten in den frucht­baren Ebenen an der Westküste, wie in grünen Tälern auf Hangen des Atlas leben. Sie woh­nen in festen Zweighütten, Gurabi genannt, oder in Ruallas, festen Häusern aus Lehm oder Stein. Solche nur, die als Roma den hausen, in deren Adern mehr oder weniger reines Araberblut fließt, weilen unter Ziegenhaarzelten. Denn auch nomadisierende Araberstämme gibt es in Marokko, freilich nur wenige und diele nicht mehr rein semitischen Blutes. Der Berber kleidet sich im Rorden in die rauhe, kurzärmelige Dschelabba, die kaum über die Knie reicht, unter der er ein langes Hemd, die Farasia, mitunter auch weite Beinkleider trägt. Im Süden kommt an Stelle der Dschelabba ein langer Haik von ehemals weißer Farbe. So geht er Sommer wie Winter, bebaut feyie Felder mit gleichem Gerät, wie es vor zweitausend Jahren seine Ahnen benützt, und weidet Schaf- und Ziegen- und Rinderherden, immer die geliebte Flinte als treue Begleiterin neben sich. Meist von kleiner, gedrungener Ge­stalt, zeigt er stets mannhaftes Auftreten: die blitzenden Augen sind in unaufhörlicher Be­wegung. Dom dunkelsten Braun der Höhen des Atlas und südlicher Provinzen findet man alle Schattierungen bis zum hellsten Weiß, im Rif sogar Blondhaar und Blauaugen.

Ungleich der maurischen Bevölkerung des Landes räumt der Berber seiner Frau eine um vieles geachtetere Stellung ein und lebt aus­schließlich in Monogamie. Wie er den Sultan nur als Religionsfürst, nicht als politisches Ober­haupt anerkennt, so schützt er seine uralte Frei­heit und tritt gerne ein für die Rechte derer, die feine Hilfe anrufen. Blutrache gilt als hei­liges Gesetz, obwohl in neuester Zeit bei manchen Stämmen der Brauch Eingang findet, unabsicht­lich vergossenes Blut durch die Habe des Täters zu sühnen.

Der Derber ist in jeder Beziehung Marokkos eigentliche Stütze. Gr wird zu allen Leistungen herangezogen, soll Steuern zahlen und Militär stellen, ohne vom Mauren entsprechende Gegen­leistungen zu erhalten. Daher das unerquickliche Verhältnis zwischen beiden Rassen. Das greift so weit, daß Derber fast nie Stadtbewohnern die Tochter zur Frau geben, trotzdem ihr dort bequemeres Leben winkt als unter dem Dach heimatlicher Hütten. Leider kann der Berber die in ihm schlummernde Kraft nicht entfalten, hermetische Wschließung gegen jeden Einfluß von außen ließ all seine Fähigkeiten brach ft egen. Ilm so beachtenswerter sind seine körperlichen Vorzüge, die Frankreich längst erkannt hat.

Ein französischer Orientkenner, Auguste Mou- lieras, sagte mit echt romanischer Ueberfdjtoeng- lichkeit und voll rosiger Hoffnung in die Zukunft sehend folgendes:

Wenn uns Algerien und Tunesien zu­sammen 300 000 mohammedanische Soldaten ge­ben können, was ist erst von Marokko zu er­warten, wenn es endgültig in Frankreichs Macht­bereich tritt? An diesem Tage wird es Herr des Erdballs! Welche europäische Armee könnte dem Stoß von zwei Millionen Berbern und Arabern widerstehen, die französisch bewaffnet und diszipliniert sind? Unb welch herrlich Ko-

le- i.g _\d) würde i wir in die'em Teil des norb- wcst ich:n '21 r f i ha'e .! Tu e ic i A.gerie , Ma- rok.o! Marokk) vor allem, das mehr gilt als die beide i anderen zusammen. Marokko. Afrikas unvergleichlichste-. Lanb, das eines Tages, fo hoffen wir. die schönste Blüte im Kranze fron* zv'i'cher Kolonien sein wirb!"

So schrieb vor zwei Jahrzehnten der fr an* höfisch« Patriot, gleich so vie en seiner Landsleute, damals schon an Marokkos gänzliche Einver­leibung in den Kolonialbesitz der Republik denkend.

Der neue russische Kriegsininifter

Zum Rachfolger Frunses ist der bis­her ziemlich unbefanntc russische Militär­befehlshaber Woroschilow ernannt worden Die Ernennung Woroschilows ist aus mehreren Gründen überraschend gekommen, ba die Lauf­bahn dieses Mannes noch eigenartiger ist, als die von Frunse war. Woroschilow war bei Aus­bruch des Krieges als Verbannter in Sibirien. Am Ende des vorigen Jahrhunderts machte sich Woroschilow als junger Arbeiter der russischen Polizei unangenehm temerfbar. denn er war überall, wo die Mitglieder der sozialdemokrati­schen oder der revolutionären Partei zusammen- kamen. Die Polizei konnte ihm aber nichts nach­weisen, bis zum Jahre 1905, wo er sich an den Aufständen beteiligte. Er wurde zuerst in bet Festung monatelang gefangen gehalten und dann zwangsweise nach Sibirien verschickt, wo er zur Ansiedlung verurteilt worden war. Zwangsarbeit brauchte er dagegen nicht zu leisten. Hier in Sibirien kam er mit mehreren angesehenen Führern der revolutionären Partei zusammen und erhielt eine Ausbildung, die der strebsame Mensch in Petersburg nicht erhalten tonnte. Er vertiefte sich auch theoretisch in die Lehren von Marx und Lassalle und wurde einer der maßgebenden Berater aller admini­strativ Verschickten. Als die Zarenherrschaft zu Ende war, kehrte Woroschilow mit vielen anderen bei den Sowjet-Kommissären hochangesehenen Re­volutionären nach Rußland zurück und wurde im Kaukasus, wohin er sich zuerst begab, wegen -seiner rechtlichen Gesinnung und seiner großen Kenntnisse der sozialistischen Idee zum Volks- k o m m i s s ä r ernannt. Später begab er sich im gleichen Amt in den Petersburger Kreis, wo er von Luga aus eine eifrige Agitation ent­faltete. Hier hatte er Gelegenheit, seine militäri­schen Fähigkeiten zu zeigen. Die Gegenrevo­lution, die von Kronstadt ausging, wurde von ihm nach.kurzer Tätigkeit völlig niederge­schlagen. Dabei stellte er fest, baß Kavallerie durchaus nötig sei. und er machte den Volkskom- mjsfärer den Vorschlag, eine Kavallerie auszu- bilden. Trotzki, brr damals Dolkslommifsäx des Heercsausschusses war, betraute nunmehr Woro­schilow mit der großen Aufgabe, die Organi­sation einerRoten Reiterei" zu ent­werfen. Woroschilow teilte die Kavallerie in 16 Divisionen und 9 besondere Brigaden auf. die dem Armeekorps zugeteilt find. In einer Division sind 6 Regimenter und in einer Brigade je drei Regimenter vereinigt. Da zwei Divisionen unter Woroschilow ins Leben gerufen worden waren, so bildete er im ganzen nur 111 Kavallerieregi­menter, von denen jedes ungefähr 300 bis 500 Mann stark ist. Die Zahl der Soldaten tn einem Regiment schwankt. Insgesamt wies er derRoten Kavallerie" 55 500 Mann zu. 10 Divisionen machte er von dem Armeekorps völlig unabhängig und bildete aus den ersten drei die Reiterarmee des Generals Dudenh, ferner 2 Kosaken-Kaval­lerie-Arm een aus je 2 Divisionen, während die Dudenh-Armee 3 Divisionen hat. Die übrigbloi- benden 3 Divisionen dienten zur Bildung von besonderen Einheiten. Die Ausrüstung der Ka­vallerie-Regimenter erfolgte zum Teil mit leich­ten Maschinengewehren, zum Dell aber auch mit schweren Maschinengewehren, die auf Räder ge­stellt und schnell über schlechten Boden bewegt werden tonnen. Diese Organisation derRoten Kavallerie" hatte sich vorzüglich bewährt, so daß Woroschilow bald zum Kommissär des nord-kaukasischen Militärbezirks wurde, wo er feine organisatorischen Fähigkeiten weiter entfalten konnte. Seine Ernennung zum Volkskommissar des Heeresausschusses ist in erster Reihe auf seine große orgcnnsatorischr Fähig­keit zurückführen. *

Der deutsch-italienische

Handelsvertrag.

Auch der Handelsvertrag mit Italien, der' am 31. Oktober in Rom unterzeichnet wurde, wird im Laufe der nächsten Wochen aus allen Kreisen unserer Wirtschaft zahlreiche, mitunter sehr scharfe Kritiker finden, ist es doch auch in diesem Falle der Reichs­regierung nicht gelungen, die deutschen Wünsche hundertprozentig durchzusetzen. Gewiß, hier und da hat die italienische Regierung großes Entgegen- kommen gezeigt, aber in den wichtigsten Punkten war sie doch außerordentlich ßartnätfig und zu Kon­zessionen wenig bereit. Immerhin ist es uns ge lungen, ein Abkommen zustande zu bringen, das unter den gegenwärtigen Verhältnissen und an­gesichts der Tatsache, daß die «tauten der Entente sich nut schwer und widerwillig bare in finden wollen, uns wieder den Platz einjiiräumen, den wir vor dem Kriege auf handelspolitischem Gebiete inne hatten.

im allgemeinen als befriedigend ungesehen werden kann. Lei allen derartigen Verhandlungen müssen wir uns immer wieder vor Augen halten, daß wir nur bi: Wiederherstellung norm hier Wirt- fchaslsbeüehunaen erreichen können, wenn wir zu Opfern pereit sind. Das bedeutet aber keineswegs, nun ui allem, was uns die Gegenseite präsentiert. Ja und '21 men tagen zu müssen. So. wie mir uns erst nach langem und zähem Kampf allmählich vom Versailler Vertrag werden frei machen können, so müssen wir auch auf wirtschaftspolitischem Gebiete bestimmte Etappen berühren, ehe wir restlos die Position wieder erobert haben, in der wir so stark sind, daß sich das Ausland im eigenen 3mcrcfie be reit findet, unseren Zugeständnissen vollwertige an- bere entgegenzufetzen.

Schöffengericht Gießen.

Gießen 11 Rov Unter Ausschluß der Qcfsentlichkeit wurde heute gegen die Ehefrau Anna H. unb die Witwe Anna D. von Groß- Karben wegen 2Ibtrcibung verhandelt. Auf Grund der eingehenden Deweisausnahmr hielt das Gericht die Angeklagte H. in einem Fall der Lohnabtreibung für überführt und verurteilte sie dieferhalb zu 1 Jahr 2 Monat Zucht­haus. während sie in einem weiteren Fall, eben­falls wegen einer ihr zur Last gelegten Abtrei­bung. mangels ausreichenden Beweises frei- gesprochen wurde. Die Angeklagte D. wurde der Beihilfe zur Abtreibung für schuldig 'efunben und za einer Strafe von 4 Monaten Ge­fängnis verurteilt. Beiden Angeklagten wurde ein Teil der Untersuchungshaft auf die Strafe in Anrechnung gebracht.

Amtsgericht Wetzlar.

2 Wetzlar. 14. Rov. Das Dienstmädchen Anna W. war int September d. 3. als Ausländerin (Tschechoslowakin) zuaezogcn, ohne sich den bestehen den Vorschriften entsprechend innerhalb 48 Stun­den bei der Polizeibehörde anzumelden. Durch ge­richtlichen Strafbefehl war dieferhalb auf 10 Mk. Geldstrafe gegen sie erkannt worden. Hiergegen er­hob sie Einspruch mit dem Erfolg, daß die Strafe auf 5 Mk. ermäßigt wurde. Der Witwe Ferdinand K. von Wetzlar, bei der die Angeklagte W. in Stellung war, war ebenfalls ein Strafbefehl über 10 Mk. zugegangen, weil sie ihrer Verpflichtung, sich über die erfolgte Anmeldung der W. zu ver­gewissern, nicht nachgekommen war. Auf ihren Ein spruch, den sie damit begründete, daß sie zur frag­lichen Zeit krank gewesen sei, gelangte das Gericht zur Einstellimg des Verfahrens gemäß § 153, 3 StrPO. Der Kaufmann Josef 3t von Wetzlar war durch eine polizeiliche Strafverfügung in 5 Mk. Geldstrafe genommen, weil er in der Dimkelheii mit feinem Auto die fträmerftraße befahren hatte, ohne hierbei die Scheinwerfer abgeblendet zu haben. Gegen diese Strafverfügung hatte N. gerichtliche Entscheidung beantragt. Er behauptete, feine am Auto befindliche Bosch-Lichtanlage sei polizeilich zu- gelassen, an dem fraglichen Tage habe er die kleinste Lichtstärke eingeschaltet gehabt. Das Gericht kam zur Freisprechung. Auch der Schlosser Rudolf Pf. von Launsbach hatte gegen eine Strafverfügung der Poli^eiverwaltung Wetzlar über 3 Mk. Antrag auf gerichtliche Entscheidung gestellt. Er war beschul­digt, in Wetzlar durch eine Straße trotz des bestehen­den Radfahroerbots mit dem Rad gefahren zu sein. Der Angeklagte entschuldigte die Uebertretung mit Unkenntnis der örtlichen Bestimmungen. Die Strafe

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Operierte und Geschwächte

schöpfen neue Kraft, roeiui sie täglich je nach Ver­ordnung des Arztes, 2 bis Z Flaschen von dem extrakt- reichen, appetitanregenden, alkoholarmen

ilinken. Angenehm im Geschmack, wird es gerne, auch dauernd,genommen.DasHacker-Äährbier i[t}uhaben i: allen durch Schilder und Plakate kenntlich ge­machten Apotheken, Lebensmittel- und ^eii'.ko|t-6e- ilbäften.Man verlange ausdrücklich Hackcr-!u bier, nicht irgend ein Vier, welches nur mit Farbmcch schwär; .-färbt ist und auch nicht annähernd den gleichen ."ahrroert hat. Alleinige Herstellerin: Acticngesell- (baft Hackerbräu München. 500 Fahre bestehendes prauhaus.

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