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Abteilung. Gerade bei den für bestimmte Zweige der Industrie errichteten Pavillons wäre es eine dankbare Aufgabe gewesen, in jenem mehr auf das Wesen der Sache bedachten Stil zu bauen. Statt dessen versuchen sich die französischen Architekten in oricntalisierender Goldschaumverzierung oder ver­decken nicht ganz Einwandfreies durch üppige Blu­menanpflanzungen. Als Schlimmstes dieser Art er­scheint uns jener Basar auf der Alexanderbrücke, der sich in Zickzacklinien die ganze Brücke entlang zieht. Man sieht jedoch, daß auch die in dieser Weise ex­perimentierenden Völker etwas Neues suchen, sich aber vorläufig, da sie den Weg noch nicht gefunden haben, mit unstetem Hin- und Hertasten begnügen, während die Gebäude imstnle des boches" so selbstverständlich und groß in ihrer Einfachheit da­stehen und durch die Bejahung des Baustoffes, an dem es nichts zu verschleiern gibt, so wahr wirken.

Muß man da nicht unwillkürlich an die Zeit der Gotik denken, die auch von demselben Gedanken be­seelt war: dem Bauen von innen nach außen, dem Wesen des zu errichtenden Hauses entsprechend mit Granitblöcken? Wurde nicht auch damals jener Stil nach den nordischen Völkern, in denen er zuerst auf­kam,gotisch" mit dem Unterton der Minderwer­tigkeit genannt? Heute sind es wieder genau die­selben Völker, die imstyle des boches" bauen, wie die, welche einst die Gotik schufen. Wäre nun der boche" nicht an und für sich schon ein Schimpfname, vielleicht würde er dann später einmal ebenso wie Gotik" ein Ehrenname, der Ehrenname für den Stil der heutigen gotischen Wiedergeburt werden.

Turnen, Sport und Spiel.

Carl Reuter vom T. V. 1846 erster Sieger beim Kikiaui-Turufeft iu Würzburg.

Am Samstag fand in Würzburg das Kilianivolksfest, verbunden mit Turner­wettkämpfen, statt. Die Turnwettkämpfe, die offen für ganz Deutschland waren, wickelten sich flott ab, es wurden hierbei vortreffliche Leistungen gezeigt. In der zweiten Stufe unter 300 Mitbewerbern gelang es dem Turner Karl Reuter v. Tv. v. 1 8 4 6 Gießen den 1. Sieg mit 128 Punkten vor Heißer-Karlsruhe zu erkämpfen. Albert Hofmann, ebenfalls r>om Tv. 1846, errang den 7. Sieg. Dem ersten Sieger wurde ein wundervoller Eichenkranz so­wie eine Plakette aus Marmor überreicht. 3n der 1. Stufe errang den 1. Sieg der vierfache Deutsche Meister Fritz Kurz vom MTV.- München. Das Fest hatte einen Besuch von mindestens 45 000 Menschen aufzuweifen.

Erfolge des Turngaues Hessen beim Feldbergturnen.

(Eigener Schluß-Bericht desGieß. Anz.")

2< Rachdem es den Bemühungen unseres Mitarbeiters gelungen, auch einen Einblick in d-ie Siegerliste der Oberstufe zu erhalten, können wir nachstehend in Ergänzung unseres Berichtes in Rr. 148 des «Gieß. Anz. , der die Erfolge unseres Gaues Hessen in der 41nterftufe, der Turnerinnenstufe und in der Altersstufe wiedergibt, unsere Leser auch mit den noch fehlen­den Ergebnissen in der Oberstufe bekannt machen und anschließend das Gesamtergeb­nis des Gaues Hessen beim 72. Feldbergturnen zusammenstellen.

Oberstufe (336 Bewerber, 211 Sieger): 1. Sieger K. Kurt, Tv. Bieber, 90 Punkte: 2. T. Spieler, Tv. Damm-Aschaffenburg, 87 P.: 3. 3. Greif, Tv. Völklingen (Saar), 85 P.; 12. K Bernhard, Tv. Rieder-Wöllstadt, 74 P.; 17. H Gabler, Tgm. Friedberg, Willi Gar­tenschläger, Tv. 1846 Gießen, 69 P.: 22. Kurt Walter, Tv. Treis a. d. Lda-, 64 P.; 24. Kuno May, Tv. 1860 Dad-Rauheim, 62 P.; 28. H Reuser, Tv. 1846 Gießen, F. Decker, Tv. Sinn (Lahn-Dill-Gau), 58 P.; 29. Ludwig Malkomesius, Mtv. Gießen, 57 P.; 31. H. Mörler, Tv. 1860 Bad-Rauheim. A. Heldmann, Tv. Gladenbach, 55 P.; 32. K. Blatz, Tv. 1860 Dad-Rauheim, 54 P.

Zusammen hat der Gau Hessen in diesem 3ahre 52 Siege beim Feldbergturnen errungen: 10 in der Oberstufe, 34 in der Unter­stufe, einen beim Altersturnen und 7 im Wett­kampf der Turnerinnen. Gin sehr erfreuliches Gesamtergebnis, das nicht zurücksteht hinter den Erfolgen der Vorjahre, sogar die in den letzten

3ahren beobachtete Durchschnittssiegerzahl unseres Gaues noch etwas übersteigt.

Rachstehende Zusammen st ellung ver­teilt die Erfolge des Gaues auf die beteiligt ge­wesenen Gauvereine O.: Oberstufe, 11.: Unter­stufe, 21.: Altersturnen, T.: Turnerinnen):

Tv. 1860 Dad-Rauheim (3 O., 6 41., 3 T.): Tv. 1846 Gießen (2 O., 5 41.); Mtv. Gießen (1 Ot, 3 41.., 2 T.); T. u. Spv. Butz­bach (5 41., 1 T.); Tgm. Friedberg (1 O., 3 41., 1 T.); Tv. Rieder-Mörlen (4 41.); Tv. Kirchhain (3 41.); Tv. RiederWöll- stadt (1 O., 1 41.); Tv. K l e i n ° L i n d e n (1 41., 1 21.); Tv. Treis a. d. L. (1 O.); Tv. Wallenrod (1 41.); Tv. Ober-Mörlen (1 41.); Tgm. Marburg (1 41).

Wir beglückwünschen die erfolgreichen Ver­eine, die die Farben unseres Gaues wieder so würdig auf der alten Kampfstätte des Feldbergs vertraten, zu diesen schönen Ergebnissen, die fie für den Gau errungen haben. Die Erfolge ver­dienen deshalb besondere Anerkennung, weil sich beim Feldbergturnen die besten Volksturner aus den 25 Gauen des Mittelrheinkreises und benach­barter Turnkreise treffen und aus den großen Städten des Mittelrheinkreises, wie Franlfurt a. M., Offenbach a. M.. Hanau, Wiesbaden, Mainz, Darmstadt usw. immer besonders gut ge­schulte Kräfte als Mitkämpfer um den Eichen­kranz in sehr großer Zahl vertreten sind. Wenn trotz starker Konkurrenz der 15. Teil der beim diesjährigen Feldbergturnen ausgegebenen Sieger­urkunden auf den Gau Hessen entfallen, so darf er auf diesen Erfolg besonders stolz sein. Gut Heil!

Die Erfolge des Gaues Hessen (D. T.) im Gauverband.

(Eigener Bericht desGießener Anzeigers".)

2$. Die Vvlksturner, die in diesem 3ahre ge­legentlich des Kreisturnfestes in Gießen mit um die Kreisrneisterschast in Öen volkstüm­lichen 41ebungen kämpfen wollen, hatten sich im 1. Gauverband (Gaue Hessen, Frankfurt a. M., Offenbach-Hanau, Main, Kinzig) einer nochmaligenPrüfung" zu unterziehen, nachdem in den Gauen durch Ausscheidungskämpfe (für den Gau Hessen fanden diese in Marburg statt, über ihre Ergebnisse haben wir ausführlich berichtet. Die Schriftltg.) die Besten festgestellt worden waren. 41nter Leitung des Verbandswarts für das Dolksturnen, Burkat - Frankfurt a. M., fanden die Kämpfe in Hanau statt. Don rund 200 Teilnehmern aus 36 Vereinen des Gau­verbandes waren ungefähr 300 Meldungen dazu abgegeben worden. Besonders beteiligt waren die Frankfurter, Offenbacher und Hanauer Ver­eine. Vom Gau Hessen war Turnverein 1 8 6 0 Bad--Rauheim am stärksten und auch erfolgreichsten vertreten, ein Verein, der auf dem Gebiete des Volksturnens zur Zeit mit als führend im Gau genannt werden kann. Von Einzelleistungen verdienen die mehrfachen glän­zenden Erfolge von Leutnant Münch vvm eben­falls zum *® au Hessen zählenden Verein für Leibesübungen (Marburg) besondere Erwähnung, zumal der Genannte im Sechs- und Zehnkampf mit 80 bzw. 100 Punkten überlegen siegte. Leider waren einige Vereine des Gaues Hessen, die auf Grund ihrer Marburger Erfolge zur Beteiligung in Hanau berechtigt gewesen wären, kaum oder gar nicht vertreten, darunter auch die Gießener Turnerschaft, die auch in Hanau manchen Erfolg hätte buchen können. Richtbeteiligung zahlreicher Meister und Sieger aus den Marburger Ausscheidungskämpfen des Gaues dürfte Wohl auf die allenthalben im Gau verbreitete Ansicht zurückzuführen sein, wonach schon in Marburg über die endgültige Zulassung zu den Gießener Kreismeisterschaften entschieden worden sei.

Die Hanauer Veranstaltung verlief echt tur­nerisch. Die Siege in der Meisterklasse berechtigen zur Teilnahme an den Kämpfen um die Kreis- meisterschaften beim Kreisturnfest in Gießen. 3n jeder Konkurrenz treten daselbst aus den 6 Gau- verbänden des Mittelrheinkreises die drei ersten Sieger an, so daß im allgemeinen sich in Gießen durchschnittlich 18 Mann in jeder Uebungsart um die Kreismeisterschaft bewerben werden. 3eht schon kann gesagt werden, dah die in den Aus­scheidungskämpfen der Gaue und Gauverbände ausgelesenen Besten sehr interessante, spannende Kämpfe liefern werden. Rach den in Hanau gebotenen Leistungen darf mit ziemlicher Bestimmt-

Fräulein Fob.

Roman von Anders Eje.

22. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Tadellos. Bei General Burkardt ich einen Kaviar, über den ein Dichter einen ganzen Verszhklus hätte schreiben können."

Die Verdauung also?"

Fortwährend großartig, Alterserscheinungen überhaupt nicht vorhanden."

Fob verbarg nicht ihre Unzufriedenheit.

Das ist nicht möglich. Da mag wer will Untersuchungsrichter über dich sein."

Ärgerlich zerknüllte sie den Brief des un­schuldigen Fellips zwischen den Fingern. Sie ahnte, daß das Garn irgendwo einen Ende haben müsse, an dem man den ganzen Knäuel ausspulen könne, nur wußte sie nicht wo.

Papa Filis Blicke folgten etwas abwesend dem Lichtspiel auf dem Boden der Veranda. Der Wind, der gerade im Begriff war, nach «einem Mittagsschläfchen wieder munter zu wer­den, bewegte fast unmerklich die federleichten Blätter der Ranken, und so schien es plötzlich, als ob die in brennendem Sonnengold aus­gearbeitete Stickerei auf dem Boden von un­geschickter Kinderhand zerrissen würde. Ringsum hörte man lauter ländliche Geräusche, und weit fort in einem Winkel des Parkes stand Fräulein Thorbens Inspektor und pfiff seinem Hund. Gr gurrte wie eine Taube und schrie wie eine hungrige Möve, in langen 3ntervallen. Aber das Hundevieh kümmerte sich nicht darum, es folgte niemals.

Fob hatte ein seltsames Gefühl der Angst. Es war ihr, als ob im nächsten Augenblick die Tränen kommen mühten. Da ging sie zu Papa Fili, legte ihre kleine Hand in die seine und wünschte nur, daß er die Stille brechen möge. Das tat er auch schließlich:

3d) fürchte, ich bin einer unangenehmen Wahrheit auf den Grund gekommen," sagte er leise, beinahe für sich.

Und das wäre?" fragte Fob.

3c älter ein Mensch wird, desto schwerer kann er vergessen."

Papa Fili drückte seiner Tochter die Hand, erhob sich nicht ohne Schwierigkeit und ging in die Villa, während die morschen Dielen des Bodens der Veranda unter den schweren Schritten der Exzellenz jämmerlich knirschten.

Fräulein Fob war aber gar nicht zufrieden. Was meinte Papa Fili?3e älter ein Mensch wird, desto schwerer kann er vergessen." Hatte ein vergessenes Gesicht ihm seine Augen zu- gewandt. spukte die Vergangenheit? Fob hatte das gleiche Gefühl, wie ein Arzt, der aus ge­wissen Krankheitsshmptomen ahnt, daß unser Or­ganismus angegriffen ist. Da würde sie wahr­haftig nicht lange warten. Sobald sie die Dia­gnose klargestellt haben würde, heraus mit Bem Messer oder der Medizin. Und wenn es jemanden oder mehrere gäbe, die Papa Fili zu Fall bringen wollten, ja, diesen möchte Fob nicht gratulieren. Und die sollten ihr Tun bis zu ihrem Sterbetag Bereuen!

Deim Mittagessen kam Leutnant Carlton mit einer Reuigkeit. Er war gerade aus der Haupt­stadt zurückgekehrt, der er aus triftigen Gründen einen mehrstündigen Besuch abgestattet hatte; offiziell, um seinen Urlaub verlängern zu lassen, in Wirklichkeit aber wegen eines Wechsels, den er in Herrn Fellips' Bank in Ordnung zu bringen hatte. Bei der Abreise von Carolyi war ihm strengstens aufgetragen worden, die Zeit gut auszunühen, das bedeutete, dah er soviel Tratsch wie nur möglich auffangen solle, damit das neuigkeitenhungrige Carolyi wieder für einige Zeit zu leben hatte.

Der Leutnant brauchte sich gar nicht viel anzustrengen, der Besuch in Herrn Fellips' Bank gab ihm, was er suchte. Mit ein wenig Phantasie reichte das Erfahrene, etwas aus­geschmückt und aufgepuht, für ländliche Ansprüche vollkommen aus, besonders wenn Frau Repin ihn mit ihrem Talent unterstützen wollte.

41nd das tat sie auch.

sagte Leutnant Carlton plötzlich laut. Wer hätte solches von 3ames Kehler geglaubt?" Es wurde sofort still am Tisch. Fräulein Karoline Thorben hörte zu essen auf.

Hat er sich verlobt?" fragte sie streitlustig. Frau Repin lachte.

heit erwartet werden, daß der Gau Hessen auch bei den Kreismeisterschaften einige Erfolge erringt, die dann zur Teilnahme an den am 29. und 30. August in Leipzig stattfindenden Ent- scheidungslämpfen um die deutschen Meisterschaften (der D. T.) berechtigen würden.

Aus der umfangreichen Siegerliste der Hanauer Ausscheidungskämpfe bringen wir nach­folgend vom Meisterschaftsturnen einen Aus­zug, und zwar nur aus den Konkurrenzen, an denen der Gau Hessen mit Erfolg beteiligt war. Die Ergebnisse der 3ugendkämpfe lassen wir unberücksichtigt.

Turner:

Schleuderball: 1. Aug. Langsdorf, Tv. 1860 Bad-Rauhei m, 54,03 Meter.

Kugelstoßen, bestarmig: 2. W.

Münch, V. f. Leibesübungen, Marburg, 10,90 Meter: 3. 21. Langsdorf, Tv. 1860 Bad-Rau- heim, 9,85 Meter (der 1. Sieger erzielte 11,15 Meter).

Kugelstoßen, beidarmig: 1. Wilh. Münch, V. f. L.. Marburg, 20,19 Meter.

Hürdenlauf: 1. W. Münch, V. f. L., Marburg, 17,6 Sek.

100-Meter-Lauf: 3. K. Verlach, Tv. Wetzlar, 12 Sek.

2 00-211 eter-ßauf: 2. St. Baumblatt, Tv. 1860 Bad-Rauheim, 24,3 Sek. (der erste Sieger erzielte 24 Sek.).

400-Meter-Lauf: 1. W. Altendorf, Tv. 1860 Bad-Rauheim, 54,4 Sek.

Diskuswerfen: 1. W. Münch, D. f. L., Marburg, 31,95 Meter; 3. Willi Gartenschläger, Tv. 1 8 4 6 Gießen, 29,90 Meter.

1 500»Meter-Lauf: 3. K. May, Tv. 1860 Bad-Rauheim.

Weitsprung: 2. W. Münch, V. f. L., Marburg, 6,25 Meter; 4. K. Gerlach, Tv. Wetz­lar, 6,06 (6er erste Sieger erzielte 6,36 Meter).

Speerwerfen: 2. R. Wiener, Tv. 1860 Dad-Rauheim, 47,60 Meter (der 1. Sieger er­zielte 47,95 Meier).

Olympische Staffel: 2. Tv. 1860 Dad- Rauheim, 4 Min. 3 Sek. (1. Sieger war Tgm. Hanau mit 4 Min.).

'Sechskampf: 1. Wilh. Münch, D. f. L., Marburg, 562 Punkte.

Zehn kam Pf: 1. W. Münch, V. f. L. Mar­burg, 905 Punkte.

Turnerinnen.

5) o d) f p r u n g: 2. Minna Stoll, To. 1860 Bad- Nauheim, 1,37 Meter (die erste Siegerin erzielte 1,42 Meter).

Kugel st oßen . 2. Anna Mörler, Tv. 1860 Bad-Nauheim, 8,85 Meter (die erste Siegerin er­zielte 8,98 Meter).

Schlagballweitwerfen: 1. Anna Mör- ler, To. 1860 Bad-Nauheim, 49,80 Meter.

Die oben genannten Turner und Turnerinnen werden, wie schon ausgeführt, den Gau Hessen im Wettbewerb um die Kreismeisterschaften beim Kreisturnfest in Gießen zu vertreten haben. Nur sie sind aus unserem Gaugebiet zu den M e i st e r - schaftskämpfen zugelassen. Dagegen können am volkstümlichen D r e i k a m p f, bestehend aus Kugelstoßen 15 Pfund aus dem Kreis, Weitsprung, 100-Meter-Lauf, sich auch Turner des Gaues be­teiligen, die nicht an den Ausscheidungskämpfen teilgenommen.

Die Toten der Deutschen Turnerschast im Weltkrieg.

Die Deutsche Turnerschaft hat jetzt die ziemlich schwierigen und überaus umfangreichen Ermittlun­gen über die Zahl ihrer im Weltkrieg gefallenen Mitglieder abgeschlossen. Das Ergebnis lautet, daß die Deutsche Turnerschaft insgesamt 155 675 Tur­ner verloren hat. Da die Gesamtzahl der Toten des deutschen Heeres rund 1,8 Millionen beträgt, so teilen mithin die damaligen Mitglieder der Deut- chen Turnerschaft allein etwa 8,6 Prozent des Ge- amtoerlustes. Das dürfte wohl die Höchstziffer fein, die auf einen einzelnen Beruf, Organisation oder Verband entfällt. Im einzelnen verteilen fidj die Verluste folgendermaßen aus die 15 Kreise der D.T.:

Kreis 1 (Ostpreußen) 1247; Kreis 2 (Schlesien) 4986; 3a (Pommern) 2390; 3b (Brandenburg) 8518; 3c (Provinz Sachsen und Anhalt) 5831; 4 (Norden) 4717; 5 (Unterweser und Ems) 4669; 6 (Hannover- Braunschweig) 5933; 7 (Oberweser) 5286 ; 8a (West­falen und Lippe 9537; 8b (Rheinland) 9045; 9 (Mittelrhein) 19237); 10 (Baden) 9666;

Ganz so skandalös ist es nicht, liebe Tante. Dafür aber um so geheimnisvoller."

Um nicht zu sagen, mystisch," ergänzte der Leutnant.

Erzählen," forderte Hauptmann Kassels tiefe Stimme auf.

Fräulein Fob sagte nichts, aber sie war aufs äußerste gespannt. Herr Kehler gehörte zu jenen, von deren Rachsucht man alles erwarten durste, wenn Enttäuschungen oder verletzte Eitelkeit mit im Spiele waren. Auf Carolyi waren seine Pläne mehr als einmal durchkreuzt worden, un6 Fob wußte sehr gut, daß Kehler sich im Besitz gewisser Mittel wähnte, um seinen Wünschen Gehör verschaffen zu können.

Der Leutnant, der den Genuß auskostete, die ganze Tischgesellschaft zu Zuhörern zu haben, legte sofort los. Der Exzellenz und seines eigenen Ansehens halber hielt er sich einen Augenblick bei den Ursachen seines Besuchs in der Bank auf. Etliche Wertpapiere, ein paar Dutzend Aktien der neuen Ost-Küstenbahn hm! um die man sich ein wenig kümmern mußte, die Abstempelung von einigen Aktien, kurz und gut die Umstände erforderten einen kurzen Besuch in Herrn Fellips' Finanzinstitut. Also ... man tritt m die großartige Halle der Bank, die zu dieser Tageszeit von Leuten einfach wimmelt. Die fünf Minuten, die der Leutnant für die Bankgeschäfte veranschlagt hat, drohen zu fünf­zehn, ja vielleicht zu zwanzig anzuschwellen. Ringsum flattert es von Banknoten, Schecks, Wechseln, Stempelpapieren, Abrechnungsblocks, Revisionsblanketten, AnrnelBungsscheinen .....

3n zwei breiten Strömen, rechts und links der vergoldeten Galerie mit den 3nitialen der Dank fließt das Geld aus und ein, ein und aus. Vermögen werden in Sicherheit gebracht, Ver­mögen hinausgeworfen, einem ungewissen Schick­sal entgegen. Firmennamen, große und kleine, bekannte und unbekannte, kreuzen einander, bei jedem Schalter sind die Leute haufenweise an­gestellt, an jedem Pult wird fieberhaft gearbeitet. Die Luft tönt wider von dem Schlachtenlärm der grohfinanziellen Kampffront, es ist ein sau­sender Wirbel von Stimmen, Rufen, Schritten, knisternden Papieren, vom Klang des Geldes und dem nie schweigenden Maschinengewehrfeuer aus

H (Schwaben) 10 880; 12 (Bayern) 13 902; 13 (Thüringen) 13 823; 14 (Freistaat Sachsen) 20 850; Pfalz 5158.

Die Deutsche Turnerschaft hat, wie die letzte Be­standserhebung zeigt, diese gewaltigen Seilufte be­reits wieder ausgeglichen. Vergleicht man aber die Ziffern der eben beendeten Volkszählung mit der Zahl der in deutschen Turn- und Sportvereinen vereinigten Zahl von Mitgliedern und hier wieder­um mit der Zahl der wirklich aktiven Turner und Sportler, so kann das Ergebnis eines solchen Ver­gleichs nur immer wieder dazu anspornen, daß in viel größerem Maße Deutschlands Bevölkerung sich der Pflicht bewußt werden muß, durch Turnen und Volkssport seinen Körper und damit seine Volks­kraft zu stählen.

Schöffengericht Gießen.

* Gießen, 13. Juli. Die Reisenden A. S. und W. S., beide in Offenbach, waren der Urkunden­fälschung und des Betrugs angeklagt. Sie hatten als Sammler von Abonnementsversicherungen eine Anzahl Scheine mit Versicherungsanträgen mit fin­gierten Namen ausgefüllt und sie ihrem Oberrei­senden abgeliefert, um dafür Vorschüsse zu erhal­ten. Die Beweisaufnahme ergab, daß dies mit Vorwissen und sogar auf Rat des Oberreisenden geschehe,, war. Nach den Bekundungen eines branchekundigen Zeugen handelte es sich um einen von Oberreisenden vielfach angewendeten Trick, der den Zweck hat, die für sie arbeitenden Unterreisen­den durch Drohung mit Strafanzeige in abhän­giger Stellung au erhalten. Tatsächlich waren die fingierten Bestellungen auch gar nicht an die ver- sichernde Firma weitergegeben worden; erst als die Reisenden sich selbständig machen wollten, wurden die Scheine mit der Behauptung, hier lägen straf­bare Handlungen vor, eingeschickt. Unter diesen Umständen konnte von einer Täuschung und somit von Betrug und Urkundenfälschung nicht die Rede sein, und die Angeklagten wurden dem Antrag der Staatsanwaltschaft entsprechend freige­sprochen.

Amtsgericht Gießen.

* Gießen, 10. Juli. In der Nacht vom 30. zum 31. Januar kam es in der Kaiserallee dahier zwischen Zivilisten und drei Reichswehrsoldaten zu einem Zusammenstoß. Die Ersteren waren darüber erregt, daß sie von 2 Reichswehrsoldaten, die sie in der Dunkelheit für Kameraden hielten, ange­stoßen worden waren. Es entstand ein Wortwechsel, in dessen Verlauf ein Soldat einem Zivilisten einen Stoß vor die Brust versetzte, worauf Letzterer dem Soldaten ins Gesicht schlug, so dah er zu Boden fiel. Der Soldat sprang wieder auf und wollte an den Zivilisten, worauf dieser und einer seiner Be­gleiter gemeinschaftlich auf ihn einschlugen. In die­sem Augenblick kamen zwei Polizeiwachtmeister, die auf einer Nachtpatrouille begriffen waren, hinzu und suchten die Streitenden auseinander zu bringen. Der eine Polizeibeamte forderte den Soldaten zur Angabe seiner Personalien und zum Vorzeigen sei­nes Ausweises auf, was dieser aber trotz wiederhol­ten gütlichen Zuredens ablehnte. Auch ein Hinweis darauf, daß er dann mit auf die Wache gehen müsse, blieb erfolglos. Die beiden Polizeibeamten waren daher gezwungen, den Soldaten zwecks Fest­stellung seiner Personalien auf die Wache mitzu­nehmen. Als sie ihn aufforderten, mit ihnen zu kommen, versetzte er dem einen Beamten einen derartigen Stoß, daß er von dem Bürgersteig auf die Straße zurücktaumelte und daß seine Mütze zu Boden flog. Daraufhin machte der Beamte seinen Gummiknüppel los und faßte den Soldaten am Arm. Dieser schlug sofort um sich, und die beiden anderen Soldaten, die fid) bis dahin mehr passiv verhalten hatten, drängten sich dazwischen, um ihren Kameraden zu befreien. Nunmehr blieb den Beam­ten nichts anderes übrig, als von ihren Gummi­knüppeln Gebrauch zu machen, zumal der feftge» nommene Soldat inzwischen sein Seitengewehr ge­zogen hatte und die Wachtmeister damit bedrohte. Sie schlugen auf die Soldaten ein, es gelang ihnen aber nicht, den Soldaten festzuhalten, da die beiden anderen Soldaten diesem immer wieder zu Hilfe kamen. Schließlich benutzten die drei Soldaten den Augenblick, in dem dem einen Polizeibeamten der Gummiknüppel entfallen war, um davon zu laufen. Letztere eilten ihnen nach, konnten sie aber nicht einholen. Um sich der Feststellung ihrer Persona­lien zu entziehen, kletterten die Soldaten über die Mauer des Kasernenhofes.

»r7i2S33ce3EBBCTaneei

Ben Batterien Ber Rechen- unö Schreibmaschinen, währenB bie Menge sich an allen Seiten Brängt, erhitzt von Ber Sucht, Bas Blut Bes goldenen Kalbes fließen zu sehen .....

Der Leutnant hat an zwei Schaltern sein Glück versucht, ohne Baß es ihm gelungen wäre, Bem Beamten einen Schritt näher zu kommen. Mißmutig, ärgerlich, schon halb entschlossen, die ganze Sache aufzugeben. Bort wurBe er sich erst richtig Ber wunBerbaren ländlichen Stille auf Carolyi bewußt! warf er einen letzten 41eberBlick auf die Möglichkeiten eines erfolg­reichen Angriffes auf irgendeinen schwach ge­schützten Punkt der langgedehnten Bankfront. Da­bei entdeckt er weit rückwärts im Saal einen Herrn, der er zu kennen scheint. Er steht vor einer schmalen Tür von blinkendem Mahagoni, die er halb geöffnet hält und spricht nad) innen mit einer der Allgemeinheit nicht sichtbaren Per­son, vermutlich einem Bankbeamten oder einem der Chefs, denn vor Ber Tür prangt eine Tafel mit silbernen Buchstaben: BankBirektion. Eine SekunBe später sieht der Leutnant, daß er sich nicht geirrt, es ist Iames Keyler, der plötzlich Bie Mahagonitür schließt und mit einer Miene, als ob er hier völlig daheim wäre, auf den Chefkassier zugeht. Ein Irrtum ist ausgeschlossen, es gibt nur ein Gesicht mit diesem gelben Teint und diesen markanten korsikanischen Zügen.

Der Leutnant macht eine Kunstpause, stärkt stch mit einem Schluck Rotwein und fährt dann fort:

Was ist natürlicher, als daß ich versuche, die Aufmerksamkeit des Freundes Keyler auf meine Person zu lenken? Teils bin ich neu­gierig, teils will ich meine Sache erledigt haben. Och richte also meine Anstrengungen dahin, mich dem Platz des Chefkassiers zu nähern, unsere Blicke begegnen sich. Keyler grüßt, seine Miene ist vollkommen gleichgiltig, und als er sieht, daß ich etwas auf dem Herzen habe, kommt er freundlich näher.

»Wie geht es auf Carolyi?" fragt er und reicht mir Bie HanB.

(Fortsetzung folgt)