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Nr. 138 Zweites Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefjen)Dienstag, (6. Juni (925

Aus den Diplomatischen Akten des Auswärtigen Amtes.

England und die deutsche Kriegsflotte.

Der Ausbau der deutschen Seemacht war seil der Berufung des Admirals Tirpitz zum weiter des Reichsmarineamts im Jahre 1897 tu einem der wichtigsten Teile der deutschen Gesamtpoltik ge­worden. Patte sich das erste Stadium desselben verhältnismäßig reibungslos und ohne außenpost- tische Komplikationen vollzogen, so trat in dieser Beziehung mit der Annäherung Englands an Frankreich und Rußland ein einschneidender Won- del eln. Dos Flottenprogramm des Jahres 1900 mar in England noch ohne ernstliche Beunruhigung ausgenommen worden: galt doch damals Deutsch­land eher als möglicher Verbündeter denn als künf­tiger Gegner, wie die Allianzangebote von 1901 Zeigten. Als jedoch diese Bündnisocrhandlungen endgültig gescheitert waren und England statt dessen 1904 die Entente cordialc mit Frankreich, 1907 den Vertrag mit Rußland abgeschlossen hatte, mußte auch die Stellung zu der inzwischen erstarkten deutschen Flotte eine ganz andere werden. Die deutschen Flottennooellen der Jahre 1906 und 1907 riefen in der englischen Oeffentlich- keit wie bei der liberalen Regierung lebhafte Be­unruhigung hervor, ja maritime Peißsporne gingen soweit zu empfehlen, sich durch tinenlieber* fall des lästigen Rivalen zu entledi- gen. Kein Zweifel, daß diese Besorgnis die eng» lischen Staatsmänner in ihrer pinneigung zu Frankreich-Rußland bestärken mußte. Andererseits jedoch wäre es den liberalen Ministern erwünscht gewesen, neue Rüstungsausgaben durch ein Abkom­men mit Deutschland zu sparen, da das englische Budget bereits durch die großzügige Sozialpolitik des Schatzkanzlers Lloyd George stark belastet war. Wiederholt trat man mit Anregungen die­ser Art an deutsche Politiker heran.

In Berlin war man jedoch zu einer Flöt» tenverständigung nicht geneigt. Kaiser Wilhelm stand, beraten von Tirpisz, auf dem Standpunkt, jeder Staat müsse unabhängig von an­deren Mächten soviel Schiffe bauen, wie ihm nötig erscheine. Bülow, weniger schroff ablehnend, vermochte sich nicht burchzusetzen. Ueberhaupt stan­den die deutschen Politiker unter dem Eindruck der englischen Entente-Politik. Aus diesem circulus vi- liojus der englischen Furcht vor der deutschen Flotte und der deutschen Besorgnis vor der englischen Ein- treisungspolitik kam man weder in Berlin noch in London heraus. DieW e ft m i n ft c r Gazette" charakterisierte die Situation richtig, indem sie im Juli 1908 schrieb

Wenn Deutschland nur glauben wolle, daß die englische Politik nicht gegen Deutschland gerichtet sei, und wenn die Engländer nur glauben wollen, daß die deutsche Flotte nicht gegen England ge­münzt sei, dann würde jeder Grund zur Unruhe verschwinden."

Wir bringen im Folgenden aus dem jetzt er- scheinenden 24. Bande Der Großen Aktenpubli- kation des Auswärtigen Amtes*) zwei Schriftstücke erstmalig zum Abdruck, die die geschilderte Situa­tion hell beleuchten. Die Aufzeichnung des Lom doner Botschaftsrats zeigt die Bedeutung der Flot­tenfrage für das ganze Empire: der Bericht des Botschafters Grafen Metternich über eine Unter­haltung mit (Brei) und Lloyd George ist auch wegen der charakteristischen Randbemerkungen Kaiser Wilhelms II. von besonderem Inter» esse.

Auszeichnung des Ersten Sekretärs bei der Botschaft in London von Stumm, z. Z. in Berlin.

Unsignierte Reinschrift.

Berlin, den 5. Juli 1908.

Das in der englischen Politik sowohl wie in der Stimmung weiter Dolkskreise in England zum Aus»

*)Die Große Politik der Europäischen Ka­binette 18711914." Samlung der Diplomatischen Akten des Auswärtigen Amtes herausgegeben von Johannes Lepsins, Albrecht Mendelssohn Bar- tholdy, Friedrich Thimme. -1. ReiheDie Jsolie- rung der Mittelmächte. Zweite Abteilung: Band 22 bis 25. Im Berlage der Deutschen Verlagsgesell- schäft für Politik und Geschichte in Berlin W. 8.

druck kommende Mißtrauen Deutschland gegenüber ist beinahe ausschließlich auf die Beiorgnisse zurück- zuführen, die das Anwachsen der deut» schen Seemacht hervorruft. Bon einer etwa auf der Verschiedenheit der Bolkscharaktere be­ruhenden Antipathie des Engländers gegen den Deutschen ist von individuellen Fällen abge­sehen in England nichts zu verspüren. Ebenso­wenig stehen historische Remiszenzen einem freund- schastlichen Einvernehmen der beiden Völker hin­dernd im Wege. Was schließlich die deutsche Kon­kurrenz auf wirtschaftlichem Gebiete betrifft, so gibt es allerdings einzelne Jnteressenkreije, die sich durch den deutschen Wettbewerb geschädigt oder boch bc droht fühlen und deren Mißvergnügen sich in polt« Uscher Gegnerschaft gegen das Deutsche Reich Lust macht. Indessen darf angenommen werden, daß die Zahl der unmittelbar in ihren Erwerbsinterefsen 'Betroffenen verhältnismäßig klein ist. Wenn trotz- dem von englischer Seite immer wieder aut die der englischen Volkswirtschaft von Deutschland drohen­den Gefahr hingewiefen wird, so ist dies vorwie­gend ein agitatorisches Argument für die Zwecke der Schutzzollpropaganda. Diese aber ist keineswegs auf finanzpolitische Erwägungen zurück- zuführen ... Die englische Schutzzollbewegung dankt vielmehr ihre Entstehung vorwiegend dem Wunsche, die einzelnen Bestandteile des engliichen Imperiums durch Schaffung gegenseitiger Wirt- schaftsinteressen fester aneinander zu feilen. Sie ist ihrer Entstehung und ihrem Wesen nach eine im» perialistische. Sie ist aus der Erkenntnis hervorge­gangen, daß dem ideellen und materiellen Inter esse, das das Mutterland an der Aufrechterhaltung des britischen Kolonialreiches hat, zurzeit im wesent­lichen nur das Interesse gegenübersteht, das die Ko­lonien an dem Schutz haben, den ihnen die eng­lische Seemacht gewährt ... Die englischen Schutz- zollbeftrebungen gehen daher daraus aus, durch Kräftigung der gegenseitigen Wirtschaftsinteressen die Bande fester zu gestalten, die die englischen Ko­lonien mit dem Mutterlande verknüpfen. Präseren- tialzölle gegenüber dem Auslande sollen hierzu die Handhabe bieten. Inwieweit dieses System durch­führbar ist, ist sehr bestritten . . .

Einstweilen und auf absehbare Zeit hinaus aber bildet noch politische Machtfülle des Mutterlandes und insbesondere Seemacht den Kitt, der das enp- lische Kolonialreich zusammenhält. Die Besorgnis vor einer Adsorbierung durch die nordamerikanische Union im Falle der Trennung von England hält Kanada vorläufig im englischen Kolonialreich trotz vieler Interessengegensätze ebenso fest wie Austra­lien, das mit steigender Beängstigung der Evolu­tion der gelben Rasse gegenübersteht. In Britisch- Westindien soll bereits eine starke Neigung zum Anschluß an die Vereinigten Staaten bestehen und was die englischen Kolonien in Südafrika betrifft, so dürfte es wohl auch hauptsächlich das Gefühl der eigenen Schwäche und Hilflosigkeit sein, das den dort hervortretenden Unabhängigkeitsbestrebungen zurzeit noch gewiße Schranken auferlegt. So ist die Frage der Aufrechterhaltung seiner Uebermacht zur See eine Frage von Dital ft er Bedeu­tung für England, denn mit dem Verschwin­den derselben würde das englische Kolonialreich selbst ohne einen Angriff von außen vermutlich zu- fammenfaUen wie ein Kartenhaus.

Solange die Hegemonie der englischen Flotte unbestritten war, konnte es sich England erlauben, auf Bindungen mit einzelnen kontinentalen Mäch­ten zu verzichten. Es kam aber die Zeit, wo man sich englischerseits in seiner splendid Isolation doch etwas unbehaglich zu fühlen begann. Die englische Politik konnte sich an den Dreibund ober den Zweibund an­lehnen. Der Zusammenschluß Englands mit der fran­zösisch-russischen Gruppe läßt Deutschland als ein­zigen ernsthaften Gegner der englischen Seemacht bestehen. Denn die Möglichkeit eines bewaffneten Konflikts mit den 'Bereinigten Staaten von Ame­rika stellen die englischen Staatsmänner nicht in Rechnung. Das Bestreben der englischen Politik wird es daher zunächst auch weiterhin fein, die Zahl der Bundesgenossen nach Möglichkeit zu beschränken, die Deutschland im Falle eines Krieges mit Eng-

Der Mann mit dem Vogel.

Don Heinrich L e r f ch.

Seit einigen Tagen quält mich mein Junge unablässig mit der Frage:Tater, waS ist das. Dichten?"

Wie konnte ich dem Vierjährigen Antwort geben?

Sag eS mir doch, Vater, fag es mir doch! Vater, wenn ich es weiß, stör ich dich nie mehr, nie!" , . .

Dor ein paar Wochen waren totr bet unserem Freund Winckler in Mörc. Er machte gerade eine Handschrift druckfertig, schnitt die gestriche­nen Stellen aus dem Manuskript, fügte Seite zu Seite von neuem zusammen und klebte daS Zerschnittene auf neuen Vogen ins Ganze.

Vom Anschauen müde, fragte Manni. Warum tust du das, Onkel Winckler?"

Winckler sah in das erstaunte Kindcrgesicht und sagte lachend:Ich bin am Dichten!"

Als wir ein paar Tage später nach Hause kamen, ging Manni in die Werkstatt und holte den großen Leimtopf Er schlich zur Mutter und Tagte ihr heimlich:Den stell ich dem Vater auf den Tisch, damit er besser dichten kann P

Drei Tage lang thronte der Leimkessel auf dem Tische.

Da kam Jakob Kneip zu Besuch.

Wir sprachen natürlich von unserer Arbeit. Als Manni inS Vett ging, sagte er zu Kneip: ..Onkel Jakob, ihr habt ja noch gar nicht vom Leim gesprochen."

Dom Leim, Manni, was sollen wir vom Leim sprechen I" lachte Kneip.

Ta, Onkel Jakob," sagte Manni,leimst du denn nicht auch? Onkel Winckler leimt seine Bücher zusammen und sagt: Dichten ist leimen!"

Seitdem glaubt er nicht mehr so recht an den Leimtopf.

Vater, was ist denn nun eigentlich dichten, richtig?"

Das mit dem Singen und Erzählen hat er bald kontrolliert. Singen und Erzählen können auch Leute, die keine Dichter sind.

Tun sag es mir aber ganz richtig!" bettelte er,sonst kann ich dich nicht in Tuhe lassen!"

Erika," tagte er zu seiner Mutter,alle Leute können sagen, was ihre Arbeit ist, bloß der Vater nicht. Ist er so dumm, wie der

Onkel Winckler und der Onkel Kneip, die es auch nicht wissen? Das ist doch schrecklich,

wenn man so einen dummen Vater hat!"

Da kam ein Freund, der Privatdozent an

der Universität Marbach war.

Onkel Hermann Pongs weiß mehr wie der Vater, der weiß überhaupt mehr wie deine dummen Dichter!" hetzte ich Manni auf ihn.

Ich ging einen Augenblick abseits: mochte der angehende Literaturprofessor sich allein aus der Patsche helfen.

Manni schien befriedigt und ich hatte ein paar Tage Ruhe. Für dielen Erfolg danke ich hiermit öffentlich allen Vertretern der Lite­raturwissenschaft .Bisher hatte ich keine Ahnung: zu was sie eigentlich da fei

Vater, nun habe ich es vergessen!" sagte er eines Tages nach dem Mittagessen.

Was denn, mein Junge?"

Dichten ist..... Ich weiß es wirklich nicht

mehr!"

Jetzt ist aber Schluß mit der Fragerei! Manni, komm her!"

Also, jetzt sag ich's dir gleich?" (Ich wußte selbst noch nichts.)

Also nein! Komm auf meinen Schoß, paß auf. Allo, was ist der Vater. Manni?"

(Ich gewinne Zeit.)

Du? Du bist, dumm bist du!" ist seine Antwort.

Also, der Vater ist dumm. Der Mensch ist also dumm. Woher weih nun der Vater das, was er so fleißig aufschreibt und für das ihn der Onkel Meyer feine Löhnung schickt? Woher weih der Vater das, was schön und wahr ist? Dichten ist Schönes und Wahres schreiben, pah aus'

Wenn der Vater so allein im Garten geht, her und hin, dann sieht er meist den Vögeln zu, den Bäumen, Sträuchern und Blumen Die wissen alles, die brauchen nicht erst in die Schule zu gehen und dicke Bücher zu lesen. Tun bittet der Vater die Blumen und Bäume,

land finden könnte. Diese Politik ist ihrem Wesen nach eine helfen f i d e. Eine aggressive Politik wurde dem Friedensbedürinis der überwiegenden Mehrheit des englischen Volkes durchaus wider­sprechen. Indessen muh mit der Möglichkeit gerech­net werden, daß die englische Defensive sich m dem Augenblick in eine Offensive verwandelt, in dem die englische Suprematie zur See selbst von dem isolierten Deutschland für gefährdet gehalten wer­den würde. (Schluß folgt.)

25 Jahre Hessische Handwerkskammer.

* Darmstadt, 13. Juni. Die Hessische Handwerkskammer besteht, wie auf der letzten Tagung Mc'cr Körperschaft mitgeteilt wurde, jetzt 2 5 Jahre Gestern wurde vieles Ereignis in Gegenwart von Vertretern des Handwerks. sowie staatlichen und städtischen Behörden durch einen Festakt begangen. Musi­kalische Darbietungen leiteten die Feier, die im Saale der Vereinigten Gesellschaft abgehalten wurde, ein Der Bot fitzende der Handwerks­kammer, Tohl. hielt eine Ansprache, in der er einen geschichtlichen Tückblick auf die Tätigkeit der Handwerksiantmer in den abgelaufenen 25 Jahren warf Der Tebner führte u a. aus: Meine besondere Aufgabe soll es heute fein, auf die kommenden Forderungen und Ziele des Handwerks hinzuweifen. Durch die Inflation ist der handwerkliche Mittelstand vollständig verarmt, und es erwachsen den Hand­werkskammern die Aufgaben, in erster Linie darum besorgt zu fein, daß der gewerblichr Mittelstand erhalten bleibt. Die Wei­marer Verfassung sichert dem gewerblichen Mittelstand den Schutz vor Alcbcrlaftung und Aussaugung au. Während die zahlreichen an­deren Berussfchich-en gegebenen Versprechungen weit über die Erwartungen und die wirtschaft­liche Tragfähigkeit des Teiches hinaus eingelöst wurden, sind die in der Verfassung ausgestellten Verpflichtungen gegenüber dem Handwerk von den Parlamenten. Tcgierungen und Behörden nicht erfüllt worden. Im Gegenteil, gerade weil der Handwerker auf die Gesetzgebung feine Hoff­nung baute, weil er festhält an den Grundsätzen von Treu und Glauben, weil er sich nicht Ge­schäftsgepflogenheiten bediente, die unter nor­malen Verhältnissen als nicht ganz korrekt an­gesehen worden wären, wurde sein Vermögen ein Taub der Geldentwertung. Der Tcbncr erörterte bann die Schwierigkeiten der Kredit- beschassung für das hessische Handwerk, er for­derte Tegelung des Verdingungswesens, bessere Fachvorbildung, klare Entscheidung über den Be­griff Handwerksbetrieb und schloß mit einem Hinweis auf weitere Aufgaben des Handwerks, die ihrer Lösung harren. Es hielten dann noch Ansprachen der Direktor der Handwerkskammer, Schüttler, der Minister für Arbeit und Wirt­schaft, T a a b , sowie Oberbürgermeister Dr. G l ä f f i n g und andere Tebner. Der Feier schloß sich ein Festessen an. Dei dieser Gelegenheit wurde dem langjährigen Vorsitzenden der Hand­werkskammer. Geh Gewerberat Falk, Mainz, in Anerkennung seiner Verdienste um das hessi­schen Handwerk, eine Ehrenplakette überreicht

Turnen, Sport und Spiel.

Bezirksscst des Südbezirks verbunden mit 25-jähriger Jubiläumsfeier des Radfahrervereins 1900 Wieselt.

£ Der SÜbbezirk bes Gaues 73 Lahn im B. D. R. hielt fein 2. B e z i r k s f e st am 13., 14. und 15. Juni in Wieseck ab. Der feftgebenbe Verein verband damit die Feier feines 2 5 jähr. Bestehens. Die ganze Veranstaltung ist als sportliches Ereignis anzusprechen, das Beachtung verdient, eine ausgezeichnete Organisation orgte für einen glatten und reibungslosen Verlaus. Die rad- sportlichen Leistungen standen auf anerkennens­werter Höhe, einzelne waren als hervorragend an­zusprechen.

Am Samstagnachmittag fanden bereits die Vor- wettbewcrbe im Zweierradball statt. Der Kommers am Abend, der bereits sehr stark besucht war, brachte nach einer Begrüßung der auswärtigen Sportler

die Pflanzen und Tiere, sie sollen ihm doch etwas von ihrer Weisheit und Schönheit mitgeben. Das tun sie auch gern; aber sie sprechen so leise, bah der Vater cs kaum hört. Denn, er hat noch zu viele Zahlen in den Ohren, weißt du: fo 3,14 mal 5600 mal 1719. ilnb bas Burnbuin vom vielen Kesselschlagen mit dem dicken Ham­mer! Drum kann er von dem, was sie ihm sagen, nicht alles hören und ist traurig. Auf einmal hört er ganz was Feines. Ganz nahe an seinem Ohr sitzt da ein kleines Vögelchen, das sagt: Du dummer Vater, warum hast du mich nicht eher gerufen! Du weißt doch, daß ich hinten den sieben Bergen wohne, und daß ich alles weiß. Schick aber erst die Leute fort, ich kann das viele Sprechen nicht leiden! Sie sprechen ja doch immer von Geld!

ilnb bann geht ber Vater auf fein Schreib­zimmer. und setzt sich ganz still hin. Wenn die dicken Autos vorbeikommen, dann ist es still, und wenn der ManniVater" brüllt, dann geht es fliegen.

Aber ist der Vater mit dem Vögelchen allein, dann sagt es ihm alles, was nie ein Mensch gesehen hat, sagt ihm alles, was die Bäume, der Wald, die Vögel, der Wind, die Tiere und Menschen miteinander reden; es sieht in die Herzen der Menschen hinein und hört alles, wenn die Menschen auch nur ganz leise denken ilnb wenn der Vater dann an leinen Büchern arbeitet, dann sitzt das Vögelchen in seinem Ohr und paßt auf, ob auch alles Ichön und richtig ist.

Siehst du, das ist dichten. Aufschreiben, was das Vöglein von der Welt und von den Men­schen singt, und ein Dichter ist ein Mann, ber einen Vogel hat. Das wissen alle Leute; bu brauchst sie bloß zu fragen."Der Lersch: ... na, ja, der hat feinen Vogel im Kopf!"

Das hatte der Manni begriffen.

Ein paar Tage später kam er zu Mittag in die Küche gelaufen.

Mutter, wo ist Vater?" schrie er außer sich:Ich muh ihm was extra lagen. Ich bin auch ein Dichter, ich habe auch ein Vögelchen! Als ich hinten im Garten unter den Him­beeren lag, ba 1 auf einmal hör ich ganz leise: Manni! sagen. Manni, lauf schnell zur Mutter, die hat Apfelpfannkuchen gebacken. Lauf schnell,

burd) Bürgermeister 5 d) o m b c r bic Ehrung bes Jubeloereins. Für ben Bund Deutscher Robfahrer überreichte Roll üirchbain eine fübeme Plakette für 25,ährige Mngliebschasi im Bunde Deutscher Radfahrer Mit einer kernigen Ansprache überreichte Kling- Weylar für den Südbezirk eine Banner- Ichleise und einen Bannernagel, desgleichen der Gauiahriv.nl M a r r - Gieße i im Rainen des Gaues 73 Lahn Weitere Bannernagel wurden überreicht von einem Vertreter des Radfahrerver­einsFortuna'-Gießen. dem RadiahrervereinGer­mania ".Wißmar und dem Radfabreroerem 1887 Wetzlar Außerdem war eine Reihe Glückwunsch- telegramme und Idireibcn eingegangen. Alle diese Ehrungen legten Zeugnis divon ab. daß der Name des Radfahrervercins 1900 Wieseck in Sport- kreisen einen guten Klang hat.

Eine besondere Weihe erhielt der ?lbenb durch die Ueberrreichung einer Standarte an die I u g e n d a b t e i I u n g , die übrigen» im Verlauf ber iportlichen Darbietungen recht eriolgverspre- chenbe Leistungen zeigte. In ben unkrhalieiibrn Teil des Abends teilten sich die Gesangsabteilung des Turnvereins Wieseck. der GesangvereinEintracht", ber Arbeitergesangverein .Sän^erkranz". besjen erst vor 14 lagen gegrünbeter ^ranenchor. sowie ber Gesangverein ..Jngenbgrimb' und bas Männer­quartett. Die gebotenen gefänglichen Darbietungen wurden sehr beifällig ausgenommen. Eine besonder» glanzvolle Leistung war basLustige radelnde Ehe­paar". das von zwei Angehörigen des Radfahrer- ueretns Wetzlar 1*87 dargestellt wurde und in humoristischem Rahmen hervorragende Leistungen vollführte. Unter Ueberreichung einer Ehrenurkunde wurden folgende Gründer und Ehrenmitglieder des Vereins geehrt: Ludwig Deibel. Gust. Schnei­der. Ludwig Kirchner, Heinrich K reili ng. Adolf Kümmel, Meyer Grünewald. Ernst E h r i ft, Ludwig Werner und Otto Reuter- Großen-Bujeck

Unter der Leitung des Weitsahrausschussev sand am Sonntagmorgen das Zweier-Mann­schaftsfahren über 6 0 Kilometer statt. Zum Start stellten sich 11 Mannschalten, die in Pausen von zwei Minuten abgelaffen wurden. Dos Rennen wurde in sehr scharfem Tempo durchfahren, glückltcherwcise ohne irgendwelchen Unfall. Start und Ziel war am Fest platzZur Germania". Wie- scck wurde auf ber Fahrt zweimal durchfahren, ein Umstand, ber eine lehr starke Zuschauermenge an- gelackt hatte, bie die wechselnden Situationen des scharfen Kampfes mit viel Interesse und Kritik verfolgte. Um 1<> Uhr begannen die Wettbewerbe im Sechser-Schul- und Jiigendreigen. auch diesen interessanten Wettkämpfen wohnte eine große Zu- schaitermenge bei.

Mittags um 2 Uhr setzte sich ein fardensroher P r ei s k o r s o in Bewegung, der für Wieseck in seiner Art etwas Neues, wenigstens feit langen Jahren nicht Gesehenes war. Unmittelbar nach Ein- treffen des Korjv auf dem Feftplatz nahmen bie 6aa [Wettbewerbe ihren Fortgang. Hierbei uerbient ganz besonders hervorgehoben zu werben das Einer-Kunstfahren des Herrn Willi Göbel- Wetzlar; was hier gezeigt wurde, war wirklich sport­liche Kunst, man sah, daß Herr Göbel auf hem Stahlroß, bas für manche Zeitgenossen ein recht unsicher Ding ist, vollständigzu Hause" ist. Ebenso hervorgehoben zu werden verdienen ber Sechser» Kunstreigen bes Radfahrervereins 1887 Wetzlar und bas Zweier-Kunstfahren des Rabfahrervereins 1895 Lollar unb bes Rabklubs Germania Gießen. Die sportlichen Darbietungen fanben ihren Ab­schluß mit ben Enbspielen im Zweier-Rabball. Die nach Beenbigung berfelben vorgenommene Preis» Verteilung sah folgende Sieger in den einzelnen Wettbewerben:

Zweier-Mannschaftsfahren: 1. Sie­ger R.-B. 1891 Weilburg (Fahrer Feldhausen, Kraft), 2. Dillenburger Rabf. Club 1892, 3. Rad» Club 1892 Butzbach, 4.Fortuna' -Gießen.

Preiskorf o:^tz ruppe I 1. Sieger Rad- clubGermania"-Gießen, 2.Die Wanderer".Gie­ßen, 3. Radfahrerverein 1891 Weilburg, 4. Rad- fahrerverein 1885 Lollar. Gruppe II: 1. Sieger Fortuna".Gießen, 2.Teutonia".Krofdorf, 3.Ger. mania"-Wißmar, 4. Dillenburger Rabsahrerclub 1892. Jugendkorso: 1. Sieger Radfahrerverein 1900 Wiefeck, 2. Radfahrern. 1887 Wetzlar, 3. Rad­clubIeutonia"-Krofdorf. Eine befonbere Ehrung erhielt bie Jungmädchengruppe Wieseck, ber ein Gönner einen wertvollen Pokal stiftete.

dann kannst bu ben Pott auslecken! Vielleicht hat bie Mutter auch noch ein Stück Schokolade!"

Um bas Vögelchen nicht ganz zum Lügen- bolb zu machen, opferte bic Mutter baS Ötucf Schokolade unb sagteWahrhaftig, ich dachte heut morgen, bu sannst auch noch einmal Apfel­kuchen backen, ben mag ber Vater so gern."

An einem wüsten Tcgcntag sah Manni ganz unglücklich an seinem Baukasten unb konnte sein Haus nicht ans Stehen bekommen. Immer wieder fiel ihm der kühne Bau zusammen. Da, eine Weile später, läuft er stolz zur Mutter, die sein Kunststück ansehen muß.

Ja, jetzt weiß ich, wie ich es machen muß! Wenn mir gar nichts mehr einfällt, dann ruf ich das Vögelchen, bann bin ich ganz still, unb baS kommt unb lagt mir ins ObrManni, baS mußt bu Io machen!" So schnell kann ich gar nicht bauen, wie baS Vögelchen spricht; bann muß ich toieber einen Augenblick warten, bann fällt es mir wieder ein. was eS gesagt hat. Ich hab keinen Dichtervoze', ich hab einen HauS- bauervogell"

Der Vogel ist für eine Weile der gute Geist des Hauses.

Manni kommt eines Abends und sagt mir, daß er im Keller eine Leinölflasche umgetoorfen hat.Ich hätt' bald vergessen, es dir zu sagen," sagt Manni.Da hat mein Vögelchen mich daran erinnert. Ach, Vater, nun kann ich dich nicht mehr verkohlen, dein Vögelchen, das alle- weiß. sagt dir doch, wenn ich was angefangen hab'."

Vögelchen ist langsam ber Schrecken bet Großmütter unb Tanten geworden Manni er» benft sich gar fürchterliche Geschichten auSl Seine Phantasie geht über Wvhlanstänbigkeit und Sitte. Er weiß ganz genau den Unterschieb zwischen Lügen und Schwindeln Ich hab ihm da» Schwindeln erlaub: Vögelchen brütet. Tester von Märchen und Geschichten, furchtbare Wahr­heiten schwindelt er zusammen. Ungeheuerliche Kombinationen entsetzen bie Zuhörer Mann? bringt uns in Verruf! Wenn Mutter nicht ba ist unb wir am warmen Ofen sitzen, dann ist unsere Stunde gekommen. Wir hocken tn| .Dunkeln und schwindeln im Akkord.