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Nr. 265 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Montag, y. November (925

England in Arabien.

Von unserem L.-Korrespondenten.

Konstantinopel, Anfang November 1925.

England entfaltet gegenwärtig in Arabien eine eifrige Tätigkeit. Der diplomatische Vertreter für die arabischen Staaten, General Clayton, hat sich nach dem Hedschas begeben, wo er in Taif, der Sommerresidenz der mekkanischen Scherife, einer kleinen Stadt etwa 150 Kilometer östlich von Mekka, mit dem Wahabitensultan Abdul Assis Ibn Saud eine Zusammenkunft haben wird. Als Zweck dieser Besprechung wird die Feststellung der Grenzen des Wahabitenreiches mit den britischen Mandatsgebie­ten angegeben. Tatsächlich handelt es sich jedoch darum, Englands Einfluß in Arabien zu f e st i g en und eine jener kolonialpolitischen Kombinationen einzuleiten, in welchen England sich stets als Meister erwiesen hat.

Der neue englische Oberkommissär für Aegypten, Lewis George, hat sich ferner mit besonderer Eile auf seinen Posten begeben, nicht ohne vorher im Kolonialklub eine Rede gehalten zu Haben, in welcher er erklärte, daß der Suezkanal ein zweites Borner und Aegypten das Zentrum für das Ein­dringen des englischen Einflusses in Arabien sei.

Unterdessen wies Ibn Saud in einer Depesche an König Fuad von Aegypten die Nachricht, er, Ibn Saud, hätte die heiligen Stätten Mekkas und Medinas entweiht, zurück und bat den König, eine Untersuchungskomifsion unter dem Vorsitz des Präsidenten des ägyptischen Scheriatgerichtes, Me- ragi, nach dem Hebschas zu entsenden. Es ginge aus ollen Aeußerungen lind Proklamationen des Waha» bitensultans hervor, daß er nicht die Absicht hätte, auch nur ein Stückchen fremden Landes zu annek­tieren. Aber fein Ziel fei, den Hebschas aus den Händen Alis, des Sohnes des Scherifen Hus­sein, sowie dessen Anhänger zu retten und dieses Land nach einem System zu regieren, über welches ein Kongreß entscheiden soll, an welchem die Dele­gierten aller muselmanischen Länder teilnehmen werden.

Allerdings hätten wahabitische Scharen in Mekka das Haus des Propheten profaniert und an den heiligen Orten Verwüstungen eingerichtet. Doch sei dies vor dem persönlichen Einzug Ibn Sauds in Mekka gewesen. Der Wahabitensultan verpflichtet sich, im Rahmen seiner Mittel alle entstandenen Schäden wieder gutzumachen, wenn der moslimische Kongreß, dessen 'Beschlüssen er sich auch sonst un­bedingt unterwerfen werde, die Wiederherstellung der beschädigten oder zerstörten Gebäude beschließen sollte.

Bekanntlich ist es den Wahabiten gelungen, das ganze Gebiet des Königreichs Hedfchas, ausgenom­men des Hafens Mekkas, Dfchedda, in ihren Besitz zu bekommen. Ibn Saud hatte schon die Ab­sicht, sich auch der kleinen Hafenstadt Akaba, hart an der Dresländergrenze Aegyptens, Palästinas und Transjordaniens, wohin sich Exkönig Hussein zurückgezogen hatte, um Freiwillige für seinen in Dschedda befindlichen Sohn, König Ali, zu werben, zu bemächtigen. Dies wäre aber den Engländern, der strategischen Bedeutung des Ortes wegen, un­angenehm gewesen, weshalb sie kurzerhand Hussein, ihren Verbündeten ein Umstand, welcher bei den Engländern keine Rolle spielt mit Gewalt auf ein Kriegsschiff brachten und nach Cypern de­portierten. Gleichzeitig verleibten sie Akaba und das an der Mekkabahn gelegene Ma'an dem Ge­biete Transjordaniens ein. König Ali wagte nicht, gegen diese Annexion zu protestieren, und Ibn Saud erklärte sich nicht nur mit der Lage der Dinge einverstanden, sondern verpflichtete sich, diese evtl, mit Waffengewalt zu schützen. Was andererseits die Engländer nicht hinderte, alles zu tun, um Ibn Saud in den Augen der islamischen Welt zu kom­promittieren. So untersagten sie in ihren Emfluß- gebieten die Pilgerfahrt mit dem Hinweise auf die durch die Wahabiten verursachte Unsicherheit im Hedschas. . nr ,. .

Während sich diese Dinge m Arabien entwickel­ten, trat die Moss ulfrage in eine sehr ernste Phase, welche die Möglichkeit eines Krieges mit der Türkei keineswegs ausschließt. Mit dieser Möglich­keit rechnend und voraussehend, daß m diesem Falle ein Zusammenfassen der e n g l i - s ch e n Kräfte in Mesopotamien als notwendig erweisen würde, bemühen sich die Engländer, mit den Wahabiten in ein freundschaftliches Verhältnis zu gelangen. Diesem Zwecke dient eigentüd) Die Reise des Generals Clayton, dessen Aufgabe es ist, für den Fall eines Krie g e s mi t der Türken j enes Bündnis mit Ibn Saud wieder herzu st eilen, welches

während des Weltkrieges bestanden hat. In Kreisen, welche dem Wahabitensultan iiahestehen, wird kategorisch erklärt, daß dieser im Falle eines anglo-türkischen Krieges keineswegs die Absicht habe, die englischen Ziele zu fördern, son- dern sich neutral verhalten würde. Würden jedoch die Engländer Mesopotamien räumen, würde Ibn Saud wahrscheinlich die Vereinigung der arabi­schen Teile des Irak mit seinem Reiche anstreben und militärisch besetzen wollen.

Im Falle eines solchen Krieges müßten die Eng­länder notwendigerweise an eine Sicherung der Jrakgrenzen gegen Nedschd, den Wahabitenstaat und gegen Syrien denken, sowie auch den Ostgrcn- zen Transjordaniens größte Aufmerksamkeit schen­ken. Die Grenze des Irak mit Nedschd ist völlig unbestimmt. Es ist durchaus im Interesse Englands gelegen, hier bald zu bindenden Abmachungen mit Ibn Saud zu gelangen und ebenso eine Lösung der übrigen zwischen den beiden Staaten schwebenden Fragen herbeizuführen.

An der syrischen Grenze Hot England scheinbar keine Komplikationen zu fürchten. Denn die Fran­zosen sind mit der Unterdrückung der Unruhen in ihrem Gebiet vollauf beschäftigt und werden dies voraussichtlich noch lange fein, so daß sie zu Intrigen und qnberen kleinen Freundlichkeiten im Hause des Nachbarn gegenwärtig keine Zeit finden. Es ist aber nicht ausgeschlossen, daß ohne Hinzutun der französischen Mandatsregierung tür­kische Emissäre, oder Waffen- und Geldtransporte, die lange, schwer zu beaufsichtigende Grenze Sy­riens passieren, was einer im Irak operierenden englischen '2lrmee ernste Unannehmlichkeiten, wenn nicht eine Katastrophe bereiten könnte.

Während zwischen Mesopotamien und Nedschd eine Wüste liegt, in welcher es nur wenig Brunnen gibt und welche nur von wenigen gangbaren Ka­rawanenstraßen durchzogen wird, ist die Zahl der aus Innerarabien nach Transjordanien führenden Kommunikationen eine reichliche, diese selbst ver­hältnismäßig bequem. Hier stehen an verschiedenen Punkten die wahabitischen Krieger wartend an den Pforten. Eine Verteidigung Transjordaniens gegen Ibn Saud würde bedeutende Opfer erfordern, wäh­rend andererseits gerade dieses Gebiet dem Waha- bitenführer besonders für seine Aspirationen ge­eignet zu fein scheint.

Worauf es England im gegenwärtigen Augen­blick ankommt, ist, wie schon erwähnt, Ibn Saud als Verbündeten zu gewinnen. Um dies zu erreichen, genügt die schon immer an den Sultan bezahlte, recht ansehnliche Iahressubvention keines­wegs. Sie reicht gerade hin, ein leidlich freund­liches Verhältnis zu den Wahabiten herzustellen. Aber für ein Kriegsbündnis werden größere, auch territoriale und politische Opfer ge­bracht werden müssen, und Ibn Saud kennt die Trümpfe in seiner Hand. Vom Erfolg der Mission General Claytons wird nicht nur zum großen Teil der Ausgang des Mossulstreits, sondern besonders Englands Stellung in Arabien und damit im gan­zen islamischen Orient abhängen.

Handelsausdrücke.

Von Sir Arthur Balfour, Präsident der königlich britischen Kommission zum Studium der Außen­handelsfragen.

Eines der Hindernisse für den Außenhandel, das die Internationale Handelskammer zu überwinden sucht, ist die übrigens von den Handelsleuten der ganzen Welt einstimmig beklagte Tatsache, daß ein Geschäftsausdruck, der einen bestimmten Sinn in einem Lande hat, in einem anderen Lande etwas ganz anderes bedeutet. So z. B. der einfache Aus­druckF. O. B." In England bedeutet dies, daß der Verkäufer die Waren an Bord des Schiffes liefern muß, in den Vereinigten Staaten aber dasselbe, was man in England mit dem AusdruckF. O. R." ober F. O. T." und in den meisten europäischen Ländern mitrance sur Wagon'1 bezeichnet. Muß aber der Verkäufer die Waren an Bord des Schiffes liefern, fo bestimmt man dieses in Amerika immer durch Hinzufügung des WortesDestel", sagt alsoF. O. B. Vestel". Dieses ist nur ein Beispiel unter vielen anderen.

Bis sich die Internationale Handelskammer mit diesem Problem befaßte, wurde von den Handels­leuten der verschiedenen Länder keine Anstrengungen gemacht, um sich zu einigen und um diese für den Welthandel so wichtige Frage zu prüfen. Die Inter- nationale Handelskammer ernannte daher einen Ausschuß zum Studium dieser Frage, aber der Aus­schuß mußte bald erkennen, daß das Problem außer­ordentlich verwickelt ist. So einfach e sauch wäre,

durch Annahme gleichartiger Bedeutungen die Schwierigkeiten zu lösen, so stehen dem doch unüber­windliche Hindernisse im Wcac. Diese Lösung würde in verschiedenen Ländern tiefgreifende Aenderungen in den Handelsbräuchen, der Gesetzgebung und Rechtsprechung notwendig machen. Der Ausschuß hat sich daher darauf beschränkt, möglichst allgemein gül- uge Ausdrücke auszuwählen und ihren Sinn derart zu definieren, daß die alte Begriffsbestimmung be­wahrt bleibt, daß aber gleichzeitig der Interestent nicht nur eine genaue, fest umriffenc Begriffsbeftim. mung erhielt, sondern sich auch sofort über Gleich­heiten und Ungleichheiten im Gebrauch dieser Aus­drücke in den verschiedenen Ländern Rechenschaft ob­legen konnte. Der Ausschuß ist noch weiter gegangen: er hat ein Kobifizierungssystem geschaffen, bas hof­fentlich allgemein angenommen wird, und bas bie

Fußballspiele der Gießener Vereine.

5. Ergebnisse des Sonntags:

Sportklub v. 1900 Gießen (Liga) gegen Sp. Dg. Göttingen (Liga) 1:8 (0:2).

S. C. v. 1900 Gießen 1. Igd. gegen V. f. R. Butzbach 1. Igd. 2:1.

S. E. v. 1930 Gießen 2. Igd. gegen B. f. R. Butzbach 2. 3gb. 5:0.

SP. u. Sp. Dillenburg (Liga) gegen B. f. D. Gießen (Liga) 0:14.

Germania Marburg (ßiga) gegen Sp. Dg. 04 Gießern (Liga) 6:3.

Hessen" Frankenberg (Liga) gegen D. C. Wetzlar (Liga) 1:1.

S. C. b. 1900 (Liga)SP. Dg. Göttingen (Liga).

Dem Schiedsrichter E n g e l t e r »Marburg {teilten sich die Mannschaften zum fälligen Der- bandsspiel auf dem Sportplatz des S. C. v. 1900 an der Hardt. Der nasse und aufgeweichte Boden stellte große Anforderungen an die Spieler. Schon gleich nach dem Angriff machten einige Spieler Bekanntschaft mit dem Boden und mußten dessen Feuchtigkeit verspüren. Dach kurzer Spieldauer erzielte Göttingen bei einem Geplänkel vor dem Gießener Tor einen Treffer, dessen Gültigkeit angeztveifelt werden muß, da ein Spieler Göt­tingens in klarer Abseitsstellung im Tor der Gießener stand. Weiter wogte der Kampf auf und ab. Auf beiden Seiten wurden mehrere günstige Gelegenheiten verpaßt und ausgelassen, bis es Döttingen gelang, sein 2. Tor zu erzielen. Jetzt endlich gingen, die Plahbesiher aus sich heraus und konnten auch eine Zeitlang das Spiel in des Gegners Hälfte verlegen. In dieser Zeit hätte unbedingt der Ausgleich fallen müssen, zumal sich der gegnerische Torhüter sehr unsicher zeigte, aber der Sturm war zu hilflos und wußte mitunter nicht, was er mit dem Ball anfangen sollte. Was die rechte Seite gut machte, ver­darben Mitte und linke Seite Göttingen Über­stand glücklich diese Schwächeperiode und konnte das Spiel bis zum Halbzeitpfiff wieder offen ge­stalten. Man wechselte die Seiten und setzte den Ball von neuem in Bewegung. Es war nun eine Pracht, die elf Göttinger spielen zu sehen, mit welcher Gewandtheit sie den Ball behandelten und wie sie den glatten Boden beherrschten. Dis zum Spielende erzielten sie noch weitere 6 Tore, an denen Losse, der Mittelstürmer, besonderen Anteil hatte. Gießen erzielte durch seinen Rechts- außen das schon längst verdiente Ehrentor, lieber die Mannschaften sei kurz gesagt, daß Göttingen eine ausgeglichene Mannschaft zur Stelle hatte, aus der Losse besonders hervorstach. Beim Sporttlub war die Hintermannschaft der beste Teil, am Endergebnis ist sie schuldlos. Auch die Läuferreihe tat ihr MögllchsteS, und der Sturm scheint ein Schmerzenskind zu fein. Linksaußen war zu aufgeregt und wollte alles allein besorgen. Halblinks und Mitte wären glatte Versager. Sie gehören entweder auf andere Plätze oder durch andere Kräfte erseht. Der jugendliche Halbrechte hielt sich gut und verstand sich mit seinem Rechts­außen sehr gut. Dieser, obgleich ein alter Herr, war noch der Beste der Stürmerreihe. Der Schiedsrichter war, vis auf die erste Torentschei­dung, den Anforderungen gewachsen und leitete gut. Dor diesem Spiel trafen sich die Iugend-- Mannschaften von Sportklub 1900 und Butzbach. Dach schönem, abwechslungsreichem Kampf blieb Dießen 2:1 glücklicher Sieger.

Vereinheitlichung der Handelsausdrücke beschleunigen dürfte.

Das Resultat der Arbeiten dieses Ausschusses ist ein vollständiges kleines Wörterbuch der gebräuch­lichen Handelsausdrücke aller Länder. Dieses Buch ist ein Werk von Männern, bie allgemeines Ansehen genießen und über langjährige praktische Erfahrung verfügen: cs wird sicherlich allen denjenigen, die internationale Geschäfte machen, große Dienste er- weisen.

Da bekanntlich Deuschlanb nunmehr eben» falls Mitglied der Internationalen Hanbelskammcr ist, und hier durch den Präsidenten des Industrie- und Hanoelstages, Franz v. Mendelssohn, vertreten wird, so hat dieses Handbuch auch für den deutschen Exportkaufmann besonderes Interesie.

Germania Q2atburgSp. Dg^ 04 Gießen.

In Marburg holle sich die Spielvereinigung bei den Germanen eine 6:3-Schlappe. Hätte sie nicht mit drei Ersatzleuten die Reise antreten müssen, wären sicherlich ein oder gar zwei Punlle nach Gießen gewandert.

Wetzlarer Sportbericht.

Wetzlarer Fußball-Club 05Sp. D. Hann.» Münden 1: 0 (1:0).

h Gleich von Beginn des Spieles ab bis zum Ende war Wetzlar überlegen. Rar die präch­tige Abwehr des LNündener Torwächters Der- henderte eine größere Riederlage. Das einzige Tor schoß W e n t h e kurz vor der Pause. Der beste Mann auf dem Platze warder noch fast jugendliche QL Waldschmidt in der Wetz­larer Läuferreihe, der ein fehlerloses Spiel lie­ferte. Durch ihren Sieg rücken die Wetzlarer an Die fünftletzte Stelle der Tabelle und dürften somit vorausfichtlich dem Abstieg entgehen.

Herborn I F. C II 6:1.

F. E. III Biskirchen I: Biskirchen ver­zichtet.

Fußball in Westdeutschland.

Bei den Spielen am gestrigen Sonntag wur­den folgende Resultate erzielt:

Ruhr-Bezirk: D.D. Altenessen gegen Schwarz-Weiß Essen 2:2. D. f. B. Dortmund gegen F. C. Dortmund 95 2:0. Union Gelsen­kirchen gegen Arminia Marten 4:0. 7. S. Bochum gegen Preußen Essen 2:1. Sp. D. Erle 08 gegen B.D. Buer 07 3:1.

Riederrhein-Dezirk: Preußen Ers­feld gegen Duisburger Sp. D. 4 :4. Duisburg 99 gegen Rasensport Mühlheim 2:2. Meidericher Sport-Verein gegen Union Erefeld 3:2 D. B. Beeck gegen DuiSburg 08 1:3 (abgebrochen). Preußen Duisburg gegen D. f. L. Erefeld 7: 0.

Bergisch-Märkischer Bezirk: Turn Düsseldorf gegen D. f. D. Remscheid 1:0. Schwarz­wald Barmen gegen S. C. Solingen 95 0:3. S. E. Düsseldorf 99 gegen F. C. Kronenberg 7:0 (ab­gebrochen).

Rhein-Bezirk: Kölner D. C. gegen Rhe- nania Köln 1:2. Mühlheimer S. D. gegen Vik­toria Köln 2:2. S. D. Köln-Sülz gegen Koblenz 1900 7:2. Club f. Rasenspiele Köln gegen D. f. Rasenspiele Köln 2:2. T. f. D. Aachen gegen Sp. V. Düren 3:1. T. D. M.--Gladbach-Lürrip gegen Alemannia Aachen 3:0.

Westfälischer Bezirk: Greven 09 gegen Union Recklinghausen 1:0. Union Herford gegen D. f. L. Osnabrück 1:4. Arminia Bielefeld gegen Osnabrücker F. D. 2:1. Westfalin Schernebeck gegen "Viktoria Recklinghausen 2:2.

Bezirk Hessen-Hannover: Sport Kassel gegen Hessen 09 Kassel 4:1. Sp. D. Kassel gegen Kurhessen Marburg 1:3. Germania Oste­rode gegen Kurhessen Kassel 0:7. Gießen 1900 gegen Sp. D. Göttingen 1:8. F. C. Wetzlar gegen S. V. Hann.-Münden 1:0.

Süddeutscher Fußball.

F rankf ur t a.M., 8.Rov. (TU.) Der heu­tige Sonntag stand in den Bezirken Rlain, Rhein­hessen, Saar und Bayern im Zeichen der Rück­spiele. Rach den eingegangenen Ergebnissen läßt sich, vorausgesetzt, daß nicht Rückschläge eintre­ten. allmählich klar Überseen, wer am Ende der Saison5)er Meister" sein wird. 3m Marn -

Turnen, Sport und Spiel.

Wilhelm Michel: GoetheunddasrechteLeben"

Zweiter Literarischer Abend in der Buchhandlung Keihner. ( Dicht philologischer Erkenntnis diente dieser Abend. Er brachte Erlebnis:

Der Mensch Goethe, den wir Deutschen die die Gnade haben, in der Ursprache lesen zu können, ist ein Gradmesser für unser Verhältnrs zur Welt, dergestalt, daß man sagen tarnt: So- viel ein Mensch von Goethe hat, soviel hat er von der Welt. Die Generation, der Michel und alle die angehören, die heute im Zentth ihres Wirkens und ihrer Kraft stehen, kannte in ihrer Fugend von Goethe fast nichts oder vieles falsch. Sie sah ihn mit den Augen Heinrich Heines: Er war der Herr Geheimrat, sie die Proleten, er war der Besitzende, sie die Armen, er war der Olympier, sie die Ausgestoßenen.

Das Bewußtsein dieses Abseitsstehens wurde in fernen Auswirkungen vertieft durch eine Der- hängnisvoll rationalistische Weltanschauung, tote sie im "Naturalismus Form und Ausdruck fand. Ein endloses Fragen und eine Kette logischer Teilerkenntnisse brachte nicht das notwendige Er­lebnis der Totalität, blieb überhaupt vom Wesen des Lebens so weit entfernt, daß nur eine radikale Abwehr und Umkehr von dem bis- bisherigen Wege ein Weiterleben möglich zu machen schien. So begann die Epoche des Ex­pressionismus mit der absoluten Tyrannei der Persönlichkeit, die, chr 3ch gewaltsam in die CD eit projizierend, zunächst diese und in der Folge sich tetbft mit ihr zerstörte.

Der absolute Bankerott alles egozentrischen Wissenwollens liegt beispielsweise zutage in Sternheimsjuste milieu, in dem er an Goethe sein gerührtes 3a-fagen". ja den ganzen Men­schen alsbanal" empfand. Jedoch tst dieses Wort der am weitesten entfernte Meilenstein vom Ziele goethischer Totalität gewesen. Raturnot-

wendig mußte jener Zusammenbruch auf die in seinen Kreisen großgewordene Generation rück- | wirkend, eine Selbstbesinnung erzwingen, die sich ebenso zwangsläufig nur vollziehen konnte in der Richtung auf eine Reinheit des Erlebens im Gegensatz zu der bisherigen Exaktheit des Wis­sens. Diese Wendung tritt in der Entwicklung eines jeden Menschen von Wert ein. Keines­wegs bewußt, festlegbar nach Zeit und Stunde, doch mehr oder minder eindringlich als Abkehr von der Frage und Hinkehr zu Bejahung. Aus der Belastung auch des 19. Jahrhunderts nut fein :m Warum und Was sind wir, d. h. die Reifen unter uns. zur Deifreiung im well- und gottgläubigen 3a-fagen gekommen und haben in dieser Weltfrömmigkeit den verloren gegangenen Anschluß an den Komplex Goethe wieder er­reicht. Richt mehr die Sonne ist da, weil wir sie sehen, sondern wir sind da, weil oie Sonne uns sieht. (Wie die bekannte Schopenhauer- Anekdote lautet.)

Unsere Teilhastigkeit an der Lebensldee Goethes ist das Maß des rechten Lebens. Das luziferische Sinnen der natürlichsten Rebellen ist gewichen einem Mitklingenwollen in der großen Symphonie des Weltorchesters:

Ewiger Wonnebrand, Glühendes Liebeband, Siedeiider Schmerz der Brust, Schäumende Gotteslust.

Pfeile, durchdringet mich, Lanzen, bezwinget mich, Keulen, zerschmettert mich, Blitze, durchwettert mich: Daß ja das Richttge Alles verflüchttge, Glänze der Dauerstern, Ewiger 2tehe Kern.

Frankfurter Theater.

Der U n ro i b e r st e h l i ch e", ein Lustspiel von Morato, in Fuldas Bearbeitung, Gelangte im Schauspielhaus zur Uraufführung. Dieses heitere,

etwas belanglose Spiel in Versen befrembet, wenn man an bie anderen Geisteskinder Fuldas zurück­denkt, wenn man die Verse einesTalisman" mit diesen mißt, bie besEsels Schatten",Rückkehr zur Natur", berVerlorenen Tochter" unb besDumm­kopfs" erinnert. Die Sache ist biesmal etwas mager ausgefallen, diese Geschichte bes unwiderstehlichen Don Diego, der ein kompletter Narr ist, unb, ba ein Vater seine beiden Töchter mit ihren Vettern ver­heiraten will,, dazu bestimmt ist seine Cousine Donna Inez zu heiraten, die aber ihr Herz einem anderen jungen Mann geschenkt hat, ist nicht eben neu. Liebesintrigen setzen ein, bei denen die Diener Mosquito und die Dienerin Beatriz eine große Rolle spielen. Nach mancherlei Hin und Her vereinigt der Schluß drei, schon kostümlich zusammengehörige Pärchen, unb ber Unwiderstehliche geht unter weib­lichem Gelächter aus. So zieht sich die Hanblung in acht knappen Silbern hin, lediglich dem Zweck anspruchsloser, teilweise recht luftiger Unterhaltung bienend, ohne Wert auf bie besonbere originelle Ibee zu legen.

Die Inszenierung Fritz Peter Buchs brachte bas Spielchen im bunten Stile einer Harlekmade heraus, von Lubwig Sieverts reizvollen, ganz in ber Leichtigkeit bes Stückes gehaltenen Bühnen- bilbern und Kostümen aufs wirkungsvollste unter­stützt. Toni Impekovens Don Diego war wirk­lich unwiderstehlich, er staffierte seine Rolle mit viel Humor aus, das Dienerpaar Danegger und Maria Krahn ergänzten ihn aufs lebhafteste: auch die übrigen Mitspieler erfüllten ihre Aufttitte mit launiger Beweglichkeit. Ludwig Fulda war per­sönlich anwesend, bas Publikum bankte ihm mit herzlichem Beifall. * L- W.

Photographierte Literatur.

Wie oft ist es einem Gelehrten, der von den großen BiDungSzentren entfernt wohnt, nicht möglich, ein seltenes Buch einzusehen oder den Aufsatz auS einer entlegenen Zeitschrift zu er­halten, die er dringend fite seine Arbeiten braucht. Diesen Röten, die die Fertigstellung fo manches

wichtigen Werkes erschwerten, ist jetzt abgeholfen durch ein Hilfsmittel, das in Berlin geschaffen worden ist, aber weiten Kreisen wissenschaftlicher Arbeiter noch unbekannt ist. Es handelt sich um das Photographieren von Texten und Tafeln durch die Reichszentrale für na­turwissenschaftliche Berichterstat­tung. die im Gebäude der Berliner Staats­bibliothek untergebracht ist.

Immer wieder benötigte Texte aus Zeit­schriften und dergleichen hat man schon längst auf photographischem Wege hergestellt und damit die langwierige Abschreibearbeit erspart. Run- mehr wird aber auch jedem einzelnen die Ge­legenheit geboten, sich solchePhotokopien" zu verschaffen. Durch einen namhaften staatlichen Zuschuß können die Kopien sehr billig abgegeben werden: ein Quad-atdezimeter kostet 5 Pfennig, für Dozenten und Studierende 4 Pfennig, so daß die Photographie ein^r normalen Seite 20 bzw. 16 Pfennige kostet. Dieser Preis ermäßigt sich noch, wenn man für die Kopie Lupenschrift wählt, wodurch die hergestellte Kopie sehr verkleinert: werden kann.

Da die Mehrzahl der Werke, von denen Photokopien verlangt werden, sich in der Staats­bibliothek zu Berlin befinden, so genügt schriftliche Bestellung bei der Zentralstelle, die alte ge­wünschten Handschriften. Tafeln oder Texte photo­graphisch aufnimmt. Diese Photokopien stellen, wenn es sich nicht grade um Arbeiten mit farbigen Abbildungen handelt, einen fast vollwertigen Ersatz des Originals dar. Die einzigen Fehler sind vielleicht, daß' die Photokopien verblassen, wenn man sie Monate hindurch dem Licht aus­setzt. und daß man beim Lesen etwas leichter ermüdet. Auf diesem Wege lassen sich auch ver­griffene Zeitschriftenheste ersehen und die müh­seligen Wschre-bearbeiten ganz vermeiden. Dte Benutzung der Photograschierstelle wird nicht nur den inländ schen wissenschaftlichen Arbeitern, fon- dern auch denen des Auslandes gestattet.