Einzelbild herunterladen

auf 421 Fälle an. Wegen Wuchers muhte die Polizei 127mal einschreiten. Selbstmorde wurden 13 zur Anzeige gebracht. 3n Haft genommen wurden wegen krimineller Vergehen und Ver­brechen 499 Personen. Seit Wochen wurden, wie wir meldeten, hiesige Familien, die An­gehörige in Amerika besitzen, durch einen fal­schen Steuerbeamten um erhebliche Sum­men geprellt. Der Schwindler konnte jetzt in der Person des 28jährigen Josef Würz­burger aus Frankfurt ermittelt und fest ge­nommen werden. In der Hauptsache fielen ihm auch Gastwirte zum Opfer, denen er nebenbei auch teilweise erhebliche Summen für Getränke- und Vergnügungssteuern abnahm. Ein nicht alltägliches Versehen passierte bei der Ausräumung der letzten Messe. Ein hiesiges Fuhrgeschäft, das aber noch nicht ermittelt werden konnte, transportierte ver­sehentlich ein ganzes Speisezimmer mit fort. Erst jetzt merkte der rechtmähige Besitzer, Laß ihm ein solches Zimmerabhanden" kam und zeigte den Verlust bei der Polizei an. Run sucht man den Rollkutscher, der das ganze Zimmer mit fortnahm.

Slenograyhen-Tagung in Laubach.

Am Sonntag sand, wie schon kurz berichtet, in Laubach die Frühjahrs-Tagung des BezirksGiehenGabelsbergerSte no- graphen statt, welche eine große Anzahl Stenographen nach dort gelockt hatte. Mit der Tagung war ein Wettschreiben verbunden, das bereits zum größten Teil unter dem Zeichen der Reichsturzschrist stand. Es wurden recht schöne Erfolge erzielt. Auch die R e i ch s k u r z s ch r i f t, die immer noch angefeindet wird, hat sich glän­zend bewährt, wurden doch in derselben bereits mit der Schulschrift Geschwindigkeiten bis zu 140 Silben in der Minute geschrieben und sehr preiswürdige Arbeiten geliefert. Graf Georg Friedrich zu Solrns-Laubach, die Stadt, i^r Bürgermeister, Firmen und Bürger Laubachs hatten wertvolle Ehrenpreise gestiftet, so dah einige sehr gute Arbeiten besonders ausgezeichnet werden konnten. Die nächste Herbstbezirkstagung findet in Bad-Rauheim statt. Beim Wett- schreiben konnten folgende Arbeiten ausgezeich­net werden.

System: Gabelsberger.

220 Silben: Frl. Ottilie Treser (Gesell­schaft Giehen) 3. Preis.

180 Silben. 1. und Ehrenpreis: Albrecht Osterheld (Verein 1861, Giehen): 2. Preis: Hrch Ioedt (Gesellschaft Giehen).

160 Silben. 1. und Ehrenpreise: Emilie Kinzenbach, Elisabeth Scharmann (Vereinigung Friedberg), 1. Preise: Karl Schneider (Verein 1861, Giehen), Karl Hennige (Verein Laubach): 2. Preis: Wilh. Jung (Verein Lang-Gons).

14 0 Silben. 1. und Ehrenpreis: Rud. Ewald (Vereinig. Friedberg): 1. Preis: Willi Gofselmeyer (Verein 1861, Giehen).

12 0 Silben. 1. und Ehrenpreise: Gertrud Reich, Elisabeth Klingelhofer (Gesellsch. Giehen): Hrch. Schäfer (Vereinig. Friedberg): 1, Preise: Dora Heh, Minna Frutig, Else Stinn, Hrch. Minke, Ludwig Ilgner, Adolf Schmitz (Gesell- Giehen): Emilie Prang, Hilde Volkmann (Damen­verein Giehen): Luise Buchholz (Verein Laubach): Karl Ganb, Georg Wittmann (Vereinig. Fried­berg): Hrch. Wipner (Verein Grohen-Linden):

, 2 Preise: Marie Ritz, Friedrich Kopp (Gesell- schast Giehen): 3. Preise: Kläre Müller (Gesell-

f schäft Giehen).

1 00 Silben. 1. und Ehrenpreise: Aenne ; Denzler, Erna Eckhardt (Damenverein Giehen):

1. Preise: Gretel Walter, Robert Kroner (Ver­einigung Friedberg): 2. Preise: Wilhelm Luh, Fritz Stern (Verein Grohen-Linden): Maria Müller (Damenverein Giehen), Karl Richter (Vereinigung Friedberg).

8 0 Silben: 1. und Ehrenpreise: Fritz Möller, Gesellschaft Giehen, Erna Velten, Ver­ein Grohen-Linden: 1. Preise: Lina Röhm, Edith Birnbaum, Gesellschaft Giehen, Thea Fischer, Hch. Zammert, Verein Grohen-Linden, Alice Abert, Damenverein Giehen, Frieda Kinzebach, Ver­einigung Friedberg. Karl Becker, Verein Grohen- Linden: 2. Preise: Hugo Bodenroder, Bereinigung Friedberg, Ludwig Blum, Gesellschast Giehen, Lucie Heynemann, Verein Laubach, Martha Rau, Damenverein Giehen: 3. Preis: Marre Buch­holz, Verein Laubach.

6 0 Silben: 1. und Ehrenpreise: Herbert Justus, Verein Laubach, Bertha Cisenbach, Ge­sellschaft Gießen, Elfriede Desch, Verein Gau» bacy, 2. Preise: August Braun, Verein Laubach, Karl Repp, Gesellschaft Giehen, Wilhelm Rach- tigall, Verein 1861 Giehen.

Preis-Schö n- und Richtigschrei- b e n: 1. und Ehrenpreis: Rudolf Ewald, Ver­einigung Friedberg: 1. Preise: Fidel Dalken, Dora Rickel, Gesellschaft Giehen, Wilh. Jung, Verein Lang-Göns, Luise Buchholz, Verein Lau­bach, Hch. Schäfer, Bereinigung Friedberg, Karl Hennige, Beiein Laubach.

System Reichskurzschrift.

140 Silben. 1. und Ehrenpreis: Fidel Dalken (Gesellschaft Gießen).

120 Silben. 1. und Ehrenpreise: Willi Dock, Karl Schwender (Gesellschaft Gießen: 1. Preis: Louis Rullmann (Berein Schotten).

100 Silben. 1. und Ehrenpreis: Georg Wahl (Gesellschaft Gießen): L Preis: Johanna Hamm (Bereinigung Friedberg).

8 0 Silben. 1. und Ehrenpreise: Emilie Dellof, Kurt Moosdorf (Gesellschaft Gießen): Elisabeth Gladigow (Damenverein Gießen): Ot­tilie Luh (Berein Grohen-Linden): 1. Preise: Peter Jockel, Heinrich Geisler, Emmy Schüler, Ludwig Friedrich, Mathilde Hamel (Gesellschaft Gießen): Reinhardt Reeb, Wilhelm Gebhardt, Adolf Diehl (Berein Schotten): Jakob Steiger (Berein Marburg): Adolf Kling (Bereinigung Wieseck): 2. Preise: Marie Braun (Gesellschaft Gießen): Karl Spies (Berein Lang-Göns)

60 Silben. 1. und Ehrenpreise: Ferdinand Vetter (Berein Laubach), Karl Jung (Berein Lang-Gons): Hildegard Kuhl, Otto Wahl (Ge­sellschaft Gießen): Marie Schmidt (Bereinigung Wieseck): 1. Preise: Otto Gerhardt, Hans Honig, Marie Bolkmann (Gesellschaft Gießen): Ernst Scheider, Anna Lotz, Lina Rau, Minna Deibel (Bereinigung Wieseck): Emmi Moser. Gretel 'Hßner (Berein Schotten): Hermann Krombach (Verein 1861 Gießen): Else Peter, Peter Kuoch (Verein Marburg): Karl Stotz (Verein Laubach): Minna Eise (Damenverein Gießen): Otto Häuser, Heinrich Gümbel (Verein Grohen-Linden): 2. Preise: Konrad Ohwald. Konrad Otto (Ver­ein Marburg): Walter Schorge, Alfred Dauer, Albert Volk (Verein Grohen-Linden): Willi

Vogel (Berein 1861 Gießen): Hermann Mander (Verein Heuchelheim): Ernst Hock (Verein Lang- Gons): Wilhelm Konrad (Verein Schotten): 3. Preise: Otto Roll (Verein Laubach): Anna Pirr (Verein Grohen-Linden): Lobende Erwäh­nungen: Erich Dender (Verein 1861 Gießen): Anna Deuker (Verein Marburg).

Preis-Schon- und - Richtigschreiben.

1. und Ehrenpreis: Fidel Balken (Gesellschaft Gießen): 1. Preis: Louis Rullmann (Verein Schotten): 2. Preise: Ferdinand Vetter (Verein Laubach): Lina Rau (Vereinigung Wieseck): Georg Wahl. Peter Jockel (Gesellschaft Gießen): 3. Preise: Jakob Steiger (Verein Marburg): Heinrich Geisler, Kurt Moosdorf (Gesellschaft Gießen): Karl Spies (Verein Lang-Gons).

42. Verbandstag des Rhein- Main-Gastrvirteverbandes.

! Offenbach, 7. Mai. Im Rahmen der G a st w i r t e a u s st e l l u n g fand gestern der Verbandstag des Rhein-Main- Gast Wirteverbands statt, zu dem wieder die Behörden Vertreter entsandt hatten. Ge- chästsführer Jaskowsky erstattete den Jah­resbericht. Heberdie Bedeutung des Gastwirte- gewerbes für die Wirtschaft und Kultur des deutschen Volkes" sprach der Präsident des Deut- chen Gastwirtsverbandes C. Koster- Berlin. Sr behandelte insbesondere das neue Schank- lättengeseh, forderte Beseitigung der Feierabend- tunde, besprach Steuerfragen und verlangte Ab- chafsung des 'Deinsteuerbuchs Inzwischen war Staatspräsident Hlrich von Darmstadt erschie­nen, der die Ausstellung eingehend besichtigte und beim Frühstück eine Ansprache hielt. Heber die Selterswasser-GesellschaftAuguste Viktoria", eine Einrichtung des Verbandes, woran die Gast­wirte ganz erheblich finanziell interessiert sind, berichtete Aufsichtsrat Fröhlich, über die Haft­pflichtversicherung des Deutschen Gastwirtever­bandes Direktor Schmitt. Im Anschluß an ein Referat des Gastwirts Heiß-Darmstadt prach man sich gegen den Ausschank von offenen Weinen in Kolonialwarengeschästen aus. Gastwirt Schmitz- Darmstadt stellte den Antrag, ämtlichen Angestellten im Gastwirtsgewerbe in den Tarif für dieses Gewerbe einzubeziehen. Mit dem Verband zum Schutze der Tonsetzer ollen Vertrage getätigt werden, nach denen es elbst dem lleinsten Wirt ermöglicht wird, musi­kalische Aufführungen veranstalten zu können. Referent zu dieser Frage war Gastwirt W. - ring in Darmstadt. Präsident Köster empfahl Pauschalablösungen. Heber die sog. Straußwirt- chasten entspann sich eine Aussprache (Referent Gastwirt Kühn- Bingen), wobei angeregt wurde, Don diesen die algemein geforderten sanitären, Vorschriften zu verlangen. Auch der Landtag oli dagegen mobil gemacht werden. Vom Gast­wirteverein Bad-Rau heim lag ein An­trag vor, Hebertretungen der Feierabendstunde nur als Hebertretung und nicht als Vergehen zu bestrafen, wozu man sich zustimmend äußerte (Ref. Gastwirt Engel- Dad-Rauheim). Rechts­anwalt Dr. Mattern, Syndikus des Ver­bandes, legte dar, daß in den städt. Getränke- tcuern das Maß des Zulässigen längst über­schritten fei. Die ländlichen Mitglieder sollen nach einem Antrag des Vereins Ingelheim (Ref. Gastwirt Hillesheimer -Ingelheim) einen geringeren Beitrag zum Deutschen Verband be­zahlen. Der Verein Rauheim verlangte, daß einer der beiden neugeschaffenen Sitze im ge- chäftsführenden Ausschuß des Verbandes von Oberhessen zu besetzen sei, und zwar durch den Vorsitzenden des Rauheimer Gastwirtever­eins. Schließlich beschloß man noch, den 43. Ver­bandstag in Ding en abzuhalten und beim Deutschen Gastwirtetag in Dreslau zu beantragen, dah der nächstjährige Deutsche Gastwirtetag in Mainz stattfindet. Allerlei Festlichkeiten um­rahmten die Tagung. Langjährige Mitglieder und Angestellte wurden ausgezeichnet. Der Ver­bandsvorsitzende Schnauder -Darmstadt er­hielt vom Deutschen Gastwirteverband die goldene Ehrennadel. Heute abend schloß die Tagung mit der Verteilung zahlreicher Ehrenpreise und Me­daillen an hervorragende Aussteller.

Hochschulnachrichten.

Eckener Ehrendoktor der Grazer Technischen Hochschule.

Dr. Hugo Eckener wird am 25. Mai in Graz einen Vortrag über die Heberquerung des Ozeans mitZ. R. 3" halten. Bei dieser Gelegenheit wird er von der Grazer Technischen Hochschule in feierlicher Weise zum Ehren­doktor der technischen Wissenschaften ernannt werden.

Gelehrtenehrung.

Am ersten Tage der Jahresversammlung der ungarischen Akademie der Wissenschaften sind zu externen Mitgliedern gewählt worden: der preu­ßische Kultusminister Becker, der Berliner Ge­schichtsgelehrte Eduard Meyer und der Mün­chener Unioersitätsprofessor Emil R a m a n n.

Hamburger Studenten in Island.

Eine wissenschaftliche Island-Ex­pedition der Hamburger Universität unter Lei­tung von Fräulein Stoppel ist in Reykjavik ein­getroffen. Die Expedition will die Einwirkung der Mitternachtssonne auf Menschen und Pflanzen stu­dieren.

Hm die Erhaltung der deutschen Sprache.

Gegen das litauische Sprachen­gesetz, durch das in allen Grundschulen die litauische Sprache als die einzige Unterrichtssprache eingeführt werden soll, wenden sich die natio­nalen Minderheiten Litauens mit aller Schärfe. Die jüdische Fraktion des Sejm beschloß, die Minder­heiten zu einer gemeinsamen Abwehraktion auf­zufordern. Man rechnet mit einem gemeinsamen Vorgehen der Deutschen, Polen und Juden. Die Haltung der liberalen litauischen Parteien ist noch unentschieden.

Ein Esperantotongreh.

In der Zeit vom 14. bis zum 17. Mai wird in Paris eine internationale Konferenz zur Anwen­dung der Esperantofrage in Handel, Indu­strie und Wissenschaft abgehalten werden. Aus dieser Konferenz werden über 120 Handelskammern und Messen aus 31 verschiedenen Ländern sowie zahl­reiche wirtschaftliche und wissenschaftliche Bereini­gungen vertreten sein. U. a. werden oie Messen von Frankfurt a. M., Leipzig, Königsberg, Danzig und Berlin, die Handelskammern von Solingen, Stuttgart, Freiburg i. Br. und Villingen i. Schwarz­wald sowie der Derkehrsverein Düsseldorf und der Außenhandelsoerband in Berlin Delegierte ent­senden.

Turnen, Sport und Spiel.

Der Aufschwung der deutschen Tnrn- und Sportbewegung.

Wie in dem Tätigkeitsbericht des Deutschen Reichsausschusfes für Leibesübungen 1924/25 mit­geteilt wird, sind dem Ausschuß zur Zeit 46 Ver­bände mit 41751 Vereinen und zusammen 5 619 532 Mitgliedern angeschlossen.

Starke Zunahme des Studinms der Leibesübungen.

D.ie Zahl der Studierenden der Deutschen Hochschule für Leibesübungen hat sich mit dem Beginn des Sommersemesters, des elften seit Be» tehen der Hochschule, stark vermehrt. Zu den bisher e ingeschriebenen 67 Studenten und 49 Studentinnen sind 38 Reueinschreibungen hinzu- gekommen, darunter 27 weibliche Studierende. Die Zahl der Teilnehmer am staatlichen Lehr­gang, den die Hochschule in Gemeinschaft mit dem Lehrkörper der Preußischen Hochschule im Stadion zur Durchführung bringt, hat sich Der* ünffacht. Zu dem Dom Ministerialrat Dr. Otten­dorf eröffneten Lehrgang sind 150 Einschrei­bungen erfolgt, die in vier Semestern die staat­liche Prüfung ablegen werden. Die Lehrgänge der Hochschule für auswärtige Teilnehmer sind chon jetzt zum größten Teil überzeichnet. Eine Erweiterung der Anlagen und Räume der Hoch- chule wird immer dringender. In der letzten Senatssitzung wurde beschlossen, das Studium von sechs auf acht Semester zu Derlängern. An der bisherigen Form wird nichts geändert: es wird lediglich noch ein praktisches Jahr von den Studierenden verlangt, bevor sie das Diplom er­halten.

Amtsgericht Gießen.

* G i e ß e n, 8. Mai. EinLandwirt von Burk­hardsfelden hat einen Weißbinder von da wegen Beleidigung verklagt. Letzterer harte be­hauptet, der Landwirt habe ihm einmal erzählt, er habe sich zur Schadloshaltung zwei Wagen Stan­gen aus dem Walde geholt, der Forstwart sei da­mit einverstanden gewesen. Der Weißbinder hatte, da er angeblich krank war, einen Schreinermeister beauftragt, dem in Betracht kommenden Forstwart hiervon Anzeige zu erstatten. Der Landwirt be­tritt, den Angeklagten, mit dem er in der Zwi- chenzeit streitig geworden ist, jemals derartiges gesagt zu haben. In der heutigen Verhandlung wurde festgestellt, daß die Stangen, um die es sich hier handelt, tatsächlich nicht gestohlen, sondern in dem Licher Stadtwald ornungsmäßig gekauft worden sind, und daß der Privatkläger mit dem Förster, in dessen Bezirk die Stangen gestohlen wor­den sein sollten, überhaupt nicht gesprochen hat. Es wurde weiter festgestellt, daß der Angeklagte von dem Sohn des Privatklqgers auf Befragen ganz genau erfahren hat, daß die Stangen im Licher Stadtwald gekauft worden waren, und daß es ihm deshalb ein Leichtes wäre, sich bei dem dortigen Förster über die Herkunft der Stangen zu unter­richten. Endlich wurde festgestellt, dah der Ange­klagte erst 89 Monate nach der angeblichen Er- zählung»des Privatklägers über die Entwendung der Stangen die Anzeige durch den Schreinermeister in dem Augenblick hat erstatten lassen, in dem dieser von dem Privatkläger wegen einer Beleidigung zum Sühneversuch vorgeladen worden war. Das Gericht gewann eher die Ueberzeugung, daß der Pri­vatkläger die von dem Angeklagten behauptete Aeußerung nicht getan, und daß der Angeklagte bei der Erstattung der Anzeige nicht ausschließlich in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt hat, sondern daß es ihm zugleich auch darum zu tun war, der Familie des Privatklägers etwas anzu­hängen, ihn in seiner Ehre zu kränken und seine Rachsucht zu befriedigen. Er wurde daher zu einer Geldstrafe von 60 Mk-, Hilfsweise 10 Tagen Gefängnis und zur Tragung der Kosten verurteilt.

Schöffengericht Gießen.

- Giehen, 6. Mai. Dritter Ber- handlungstag gegen die Eheleute Sch. und Genossen wegen Berbrechens gegen das keimende Leben (§ 218, 219 St.G.D).

8. Fall. Eine Frau aus G. wird wegen eines vollendeten und zweier versuchten Fälle der Abtreibung unter Annahme mildernder Hm* stände zu einer Gesamtstrafe von 7 M o n a t en und 2 Wochen Gefängnis verurteilt. Ihr Ehemann und eine Frau, die Beihilfe geleistet haben, erhalten je 1 Monat 2 Wochen Ge­fängnis. ,

9. Fall. Zwei Fräulein und eine Ehe­frau erhalten wegen je einer vollendeten Ab­treibung je 6 Mon a t e Gefängnis. Der Ehemann der letzteren wird freigefprvchen. Eine Frau wird wegen Beihilfe in den vorstehenden drei Fällen mit zusammen 5 Monaten Ge­fängnis bestraft: sie hat ihre Dienste gegen Entgelt geleistet. Der Liebhaber des einen ver­urteilten Mädchens, der dasselbe zur Tat ge­drängt und es dazu angestiftet hat, wird mit Rücksicht auf seine verwerfliche Handlungsweise zu 10 Monaten Gefängnis verurteilt.

Bei diesem Fall wird noch über die Straf­taten der Hauptangeklagten Eheleute Sch. ver­handelt. Der Staatsanwalt hält bei dem Che- mann Sch. zwölf Fälle der Lohnabtreibung im Sinne des § 219 St.G.B. und 5 Fälle der Bei­hilfe zum Äbtreibungsversuch für erwiesen und beantragt eine Gesamtzuchthausstrafe von sieben Jahren und 10 Monaten. Die Ehefrau Sch. sei überführt einer Lohnabtreibung, einer Ab­treibung ohne Entgelt und in drei Fällen der Beihilfe zum Abtreibungsversuch: gegen sie wer­den 2 Jahre 6 Monate Zuchthaus beantragt. Das Gerücht verurteilt den Ehemann Sch. zu zusammen sieben Jahre Zuchthaus, die Ehefrau zu zwei Jahren sechs Monaten Zuchthaus: gegen beide werden auch die bürgerlichen Ehrenrechte auf 5 Jahre aberkannt. Bel beiden Angeklagten wird je ein Jahr Hüter» suchungshaft auf die Strafen angerechnet.

Es tritt nun ein Wechsel im Borsitz ein.

10, Fall. Eine Ehefrau aus K. wird wegen Abtreibungsversuchs zu sechs Wochen Ge­fängnis verurteilt; die Strafe wird als durch die früher erlittene Hntersuchungshaft für ver­büßt erklärt. Ihr der Beihilfe angeklagter Ehe­mann wird freigesprochen. Dagegen wird ein Verwalter wegen Beihilfe mit sechs Mo­naten Gefängnis bestraft. Die Ehefrau Sch. erhält wegen Beihilfe zum Abtreibungs­versuch sie hat den Eingriff vorgenommen sechs Monate Zuchthaus.

11. Fall. Ein Mädchen aus E. wird wegen vollendeter Abtreibung zu sechs Monaten Gefängnis und ihr früherer Liebhaber wegen

Beihilfe hierzu zu vier Monaten Gesang- n i s verurteilt. Hier wurden die Manipulationen von beiden Eheleuten Sch. als Mittäter Dor» genommen. Strafe für die Chclc.: - Th. je ein Jahr sechs Monate Zuchthaus. Die Bildung einer neuen Gesamtstrafe bleibt Dorbebalten.

Wegen vorgerückter Stunde mußte ein weiterer Fall mit fünf Angeklagten ausgesetzt werden.

An den drei Verhandlungstagen arbeitete das Gericht, um die Arbeitslast zu bewältigen, in ununterbrochenen elf- bis dreizehnstündigen Sitzungen durch. Den Vorsitz führte Landgerichts­rat Küchler in den Fällen 19, Landgerichts­rat TrümPert in den beiden letzten Fällen. Als Anklagevertreter in allen Sachen fungierte Staatsanwalt Justizrat Weidemann. Den Angeklagten stand eine ganze Anzahl von Ver­teidigern aus Gießen, Alsfeld, Grünberg und Friedberg zur Seite. Als medizinischer Sach­verständiger in allen Fällen war Kreisarzt Me- dizinalrat Dr. W a l g e r zugezogenT'Die Ver­handlung des letzten Falles dürfte in etwa vier­zehn Tagen erfolgen.

PIANOHAUS

AUGUST FÖRSTER

Bahnhofstr.65b GIESSEN Fernruf 1367 Günstige Zahlungsbedingungen Langjährige Garantie

44c

Amtsgericht Wetzlar.

ü Wetzlar, 7. Mai. Die Lagerhalterin; Marie H. von Garbenheim war wegen Hebertretung von der Polizeiverwaltung Krof­dorf mit einer Geldstrafe von 2 Mk. belegt woxden, weil gelegentlich einer Mab- und Ge­wichtsrevision ein vorschriftswidriges i/Z-Liter- Blech bei ihr Dorgefunben wurde. Sie beantragte dieserhalb gerichtliche Entscheidung und wurde einerzeit vorn Amtsgericht Wetzlar frelge» prochen, weil sie behauptete, das Maß über­haupt nicht zum Messen benutzt zu haben, Diel* mehr habe es nur zum Auffangen des vom Oelbehälter abtropfenden Oels gedient. Auf die Revision des Amtsanwalts gegen dies frei- sprechende Hrteil erkannte das Revisionsgericht auf Aufhebung des Hrteils und Zurückverwei­sung an die Vorinstanz. Heute erkannte das Gericht wiederum auf Freisprechung.

Weil sie gegen das Gesetz betr. Kinder­arbeit in gewerblichen Betrieben verstoßen hatten sie hatten Kinder unter 12 Jahren beschäftigt waren der Metzgermeister Karl R. und die Witwe Susanne Sch. von Wetzlar durch das Amtsgericht Wetzlar mit Geldstrafen von je20Mk. belegt worden, wogegen sie die Berufung ver­folgten. Sie gaben zu, Kinder mit Botengängen beschäftigt und ihnen dafür Essen und Klei­dungsstücke gegeben zu haben, bestritten aber, sich einer strafbaren Handlung bewußt gewesen zu sein. Das Gericht kam zur Freisprechung.

Der Maurer Wilhelm H. von Schwalbach war wegen Widerstands und Beleidigung ange­klagt, weil er einem Polizeibeamten, als dieser ihn wegen lauten Johlens auf der Straße zur Ruhe mahnte, ihn bann aber, nachdem dies erfolglos und der Angeklagte die Angabe seines Ramens verweigerte, festnehmen wollte, tätlichen Widerstand entgegensetzte. Heute behauptete et, an dem betr. Tage total betrunken gewesen zu fein und sich auf nichts mehr besinnen zu können. Das -Urteil lautete auf 30 Mark Geldstrafe und sprach dem Beleidigten das Recht zur Ver­öffentlichung des Urteils in der Zeitung zu.

Der Former Albert K. von Bellersdorf hatte sich wegen gefährlicher Körperverletzung zu verantworten. Gelegentlich einer Schlägere.' mit anderen Burschen in Altenkirchen ha er den Zeugen Heinrich K. aus Altenkirchen mit einem Bierglas bearbeitet und ihm mehren Wunden hierdurch beigebracht, wodurch dieser längere Zeit arbeitsunfähig war. Das Gericht erkannte, dem Antrag her Staatsanwaltschaft entsprechend, auf drei Monate Gefäng­nis.

Wegen Jagdvergehens waren der Dreher Heinrich R. und der Maurer 3i?ob H. von Wetzlar angeklagt. Ersterer war im März 1925 vom Jagdaufseher dabei betroffen worden, wie er im Jagdbezirk Wetzlar-Riedergirmes mit einem mit Schrot geladenen Revolver in der Hand die Hecken absuchte, während der andere Angeklagte sich in des ersteren Begleitung be­fand. Beide bestritten, die Absicht zum Wildern gehabt zu haben. Die Staatsanwaltschaft bean­tragte bezüglich R. Verurteilung zu 70 Mark evtl. 14 Tagen Gefängnis und bezüglich H. Frei­sprechung. Das Gericht ging jedoch bezüglich des Angeklagten R. über diesen Antrag hinaus und er farmte auf 2 00 Mark Geldstrafe evtl. 40 Tage Gefängnis und gegen H. auf Freisprechung.

Die Fuhrleute Gustav G. aus Offenbach und Heinrich R. aus Bischoffen hatten, als sie für den Holzhändler W. von Aßlar Holz- stämme aus dem Walde absuhren, einen Gichen- stamm im Werte von 50 Mark entwendet und erhielten heute wegen Diebstahls jeder an Stelle von 10 Tagen Gefängnis 5 0 OK f, Geldstrafe.

----------------- 1

Ans -em Amtsverkün-iffungsblatt.

Das Amtsverkündigungsblatt Br. 37 vom 8. OKai enthält: Festsetzung der QKaimiete. Sperrung der Kreisstrahe Klein- LindenDutenhofen. Maul» und Klauenseuche in Lich. Schafräude in Grohen-Buseck. Viehmarkt zu Grünberg. Kurtaxe und Babe» gelber zu Bad-Rauheim. Polizeiverordnung Gefunden, verloren. Straßensperre in Gießen. Schuh der Vogel. Dienstnachrichten.

Fe w

2

37.

2h

eins fromm einer fromm

kineir Abend sich ni ollen M besM

Mit § eb W 1 warft v (d)* ES baten.

3t lichte

Aorgej'

,?2' Gerech

Henri. Armee lind ei war."

Da seufzte

3> gltirle Ugneter bir. W und Kc und

Men H.« Venj Nervi

erhätl. Drog

Trotz gi

Miim

Se

4S16D

Bierc i von den

c

Änmelb M bei Vorsitze "tau 'X wau « ptnu 4 U:»,

Der i M den iUM 15,, »fiel «annt, . Kinde! Wei

Hotel Sohlt

Si

I Vl

Din für

1 E Dir.

Se»6on P Kiic 'Nen