ilüungsschul unterricht auf dem Lan - 2> c frei sein müsse während der Sommermonate. Es sei sonderbar, wenn z. B. an der Volksschule wegen zu großer Hiße der Unterricht an einem Tage aus- rälit, der Fortbildungsschulunterricht aber gehalten werde. Wo die Verhältnisse es gestatteten, möge des Sommerunterricht gehalten werden. Die Schul- f e r i e n müßten je nach der Gegend, d. h. nach den Bedürfnissen der landwirtschaftlichen Bevölkerung zeitlich festgelegt werden.
Um 1.45 Ühr werden die Verhandlungen abgebrochen; nächste Sitzung Mittwoch 9 Uhr.
Der Uedergang von der Grundschule zur höheren schule.
3m hessischen Landtag ist in Den letzten Sagen die Frage vielfach erörtert worden, ob es gtoedmäfeiger sei, Schüler nach dem Dritten oder nach Dem vierten Jahre des Besuchs Der Grundschule zur höheren Schule übergehen zu lassen. 3n Dar in st a dt fand am Montag eine aus Elternkreisen start besuchte Ver- , ammlung statt, Die sich m't dieser Frage beschäftigte. aber auch noch mit einem S.lafe des .'andcsbiluungsamts, der den WieDerrück-- (ritt der Schüler von Den höheren Lehranstalten zur Grundschule anorDnet, die bereits nach dreijährig :m Besuch Der Grundschule dort au genommen wurden. Cs sind dies nicht weniger als 80 Prvz. der Schüler. Der Versammlung wohnten viele Landtagsabgevrii-nete bei.
Oberstubiend.reltor Altendorf schilderte in einer Rede ausführlich Die Sachlage, wobei er it a. aussührte, daß in der Weimarer Verfassung. in der Die Grundschule festgelegt sei, nichts über die Dauer des Besuchs stehe. Ostern 1919 habe man in Hessen begonnen, die Vorschulen von unten her abzubauen; um zu verhindern, Daß in der Sexta eine Leere entstehe, habe man begabte Schüler mit Drei Grundschul- jähren in diese Klasse ausgenommen, von 1924 ab sollte dies nur vom vierten Schuljahre ab geschehen. D i e Elternschaft ist über Diese Fragen überhaupt nie gehört worden! Am 24. April wurde dann im Reichstag ein zweites Grunds chulgefeh angenommen, das begabten Schülern Den ile&ertritt in Die höhere Schule schonnach dreijährigem Besuch der Grundschule gestattet. 3n Hessen erließ das Landesbildungsamt zunächst Bestimmungen über Den älebertritt von einer wchulgattung zur anderen, mit Denen man zufrieden sein konnte; aber am 19. Mai Dieses 3ahres kam eine Bestimmung heraus, wonach Schüler. Die dreimal Die Rote 2 haben, in die Grundschule zurückkehren müssen.
Diese Bestimmung ist ganz unmöglich! Die Schüler kommen aus ganz verschiedenen Grund- schulllassen in Die Sexta einer Anstalt und es läßt sich über ihre Befähigung kaum ein Urteil abgeben. Der Redner bemerit, daß in seiner Anstalt 22 Sextaner aus 11 verschiedenen Grundschulen tarnen. Die neue Umgebung ist oftmals der Anlaß, daß vorübergehend die Leistungen herabgedrückt werden. Schüler mit der Rote 3 sind an den höheren Schulen bessere Schüler; es kann also einer sogar, der einmal die Rote 5 hat, auf der Anstalt bleiben. Zum Schluß seiner Ansprache forderte Oberstuiendirektor Altendorf den Zusammenschluß der Elte rm- schaft.
3n Der Aussprache bezeichnete Landtags» abgeordneter Dr. Keller Die neue Verfügung des LanDesbildungsamtes als bildungs« feindlich. Für Die Begabtenklasse reicht die Rote 3, für Die Sexta nicht, wo bleibt Da Die Logik? Das eine 3ahr, das man jetzt Dem Kinde nimmt, wird in Wahrheit Dem 23jährigen Menschen genommen; es kann unter Umständen viel bedeuten für unser deutsches Geistes- und Wirtschaftsleben. Land- tagsabgeordneter Dr. Werner forderte ebenfalls Den Zusammenschluß Der Elternschaft; wenn sie etwas erreichen will, so muß sie eine politische - Macht werden. Studienrat Seiler wünschte, ' daß man eine Abordnung an das Landesbil- - Dungsamt sendet; Landtagsabgeordnete Fräulein Birnbaum trat diesem Vorschlag bei.
Es wurde hierauf eine längere Entschließung angenommen, in der es heißt: „Die uns erst vor wenigen Tagen bekannt gewordene Verfügung stellt uns Eltern ganz überraschend vor eine völlig neue Tatsache. Auf Grund der guten Roten, die ihnen in der Grundschule mitgegeben worden sind, haben wir unsere Kinder Der höheren Schule anvertraut, in dem guten Glauben, daß Die Probezeit erweisen sollte, daß unsere Kinder mit dem besseren Durchschnitt ihrer Klassenkameraden Mitarbeiten und das Klassenziel erreichen foimen. Unter dieser Voraussetzung haben wir geglaubt, unseren Kindern die — wie wir Eltern nur zu gut gesehen haben — nervenanst rengende lange Probezeit zumuten zu Dürfen, daraufhin haben wir ihre Leistungen und Aufgaben überwacht, und wir Eltern hatten begründeten Anlaß, sicher zu fein, daß Die Schule die Gesamtleistung wohlwollend beurteilen würde. W i r sind darin getäuscht worden. Denn jetzt plötzlich am Ende der Probezeit, wird der Begriff Der Leistungsfähigkeit durch Die neue Verfügung des Bildungsamtes Derart eingeschränkt, daß auch Diejenigen unserer Kinder, die zum guten Durchschnitt Der Klasse — mit „3m ganzen gut“ in allen Hauptfächern — gehören, wieder in Die Grundschule zurückversetzt werden müssen.
Wir fordern — und alle Ettern werden stets diese Forderung mit uns stellen —, daß die Kinder, die nach dreijährigem Besuch der Grundschule mit guten Zeugnissen und guter Aufnahmeprüfung in die höhere Schule aufgenommen werden, nicht anders bewertet werden wie ihre Mitschüler, d. h. lediglich danach, ob sie sich fähig erweisen, das Klassenziel zu ereichen. wir fordern daher jetzt, daß das Landesbildungsaml seine neueste Verfügung zurück- ziebt oder zum mindesten zuläßk, daß sie dem Sinn unserer oben angedeuteten Forderung entsprechend ausgelegt und gehandhabt wird.“
Nachdem die Entschließung angenommen war, wählte man auch noch eine Abordnung, die beim Landesbildungsamt vorstellig werden soll.
Wichtige Enthüllungen im Barmat-Ausschutz.
Berlin, 7. Juli. (WTB.)Jm Untersuchungsausschuß des Preußischen Landtages für die Bar- mat-Kutisker-Angelegenheit erklärte heute der ehemalige Berliner Polizeipräsident Richter unter großer Bewegung, er sei genötigt, auf den ganzen Fragenkomplex vor seiner Vereidigung zurückzukommen. Er wolle dies aber nur in nichtöffentlicher Sitzung tun. Auf Antrag der Deutsch
I nationalen wurde vom Ausschuß dem Wunsche entsprochen.
Richter schilderte ausführlich die h er z 1 i ch e Freundschaft, die ihn mit B a r m a t verbunden hat, wobei er einen so starken, von Weinkrämpfen begleiteten
Nervenzusammenbruch erlitt, daß die Sitzung eine Viertelstunde unterbrochen werden mußte. Nachdem Richter sich wieder erholt hatte, erklärte er, er habe sich selbst davon überzeugt, daß Julius Barmat ein sehr kranker Mann sei. Er bedauere seine früheren Worte, daß Barmat seine Krankheit simuliere.
Ec bekannte ziemlich unumwunden, daß er sehr erhebliche Geldzuwendungen bei den verschicdLnslen Gelegenheiten von Barmat erhalten habe, die er angenommen habe, weil sein Gehalt als Polizeipräsident nicht hingereicht habe, seine Verpflichtungen gegenüber seiner Familie und seinen Lebcnsrmter- halt zu bslreiten. Seine ausgedehnlen Reisen mit Barmaf hätte er von seinem Gehalt nie bestreiten können.
Seine früheren Aussagen müsse er dahm ergänzen, daß Barmat für ihn nicht nur Demaaktien, sondern auch Aktien des Norddeutschen Lloyd und der Hamburger Elektrizitätswerke beschaffte. Die Beschaffungskosten könne er nicht angeben. Weiter erwähnte er noch eine ganze Anzabl von Geld- Zuwendungen und anderen Geschenken, die er von Barmat erhalten habe, betonte aber, daß er Wertangaben nicht machen !onne. Im Auftrage Barmats habe er Geschenke besorgt, die dieser seinen Freunden nach der Rückkehr von seinen Reisen zulcitete. Darunter habe sich auch einmal ein Geschenk für Jjeilmann befunden, der im Ausschuß unter Eid erklärt hatte, daß er niemals Geschenke entgegengenommen habe.
Obwohl diese Slusfagen Richters in nichtöffentlicher Sitzung gemacht wurden, beschloß der Ausschuß, sie in Anbetracht ihrer Wichtigkeit nicht als vertraulich zu betrachten.
Begncrdigungsanirag für Ministerpräsident geiqner. Dresden, 7. Juli. (TU.) Bei Beratung des Antrages auf Begnadigung des ehemaligen Ministerpräsidenten 3 e i g n e r gab Justizminister Bänger im sächsischen Landtag die Erklärung ab, daß das Justizministerium den ehemaligen Ministerpräsidenten Zeigner Ende August mit bedingter Begnadigung auf freien Fuß setzen werde. Zeigner habe dann die Hälfte seiner Strafe verbüßt. Bei der Entscheidung des Justizministeriums sei nicht davon ausgegangen worden, daß die tatsächlichen Feststellungen des Landgerichts unrichtig mären, ebensowenig nahm das Ministerium an, daß die damals festgesetzte Strafe zu hoch gewesen sei.
Aenderuny des bayerischen Wahlrechtes.
Berlin, 8. 3uli. (SIL) Die Morgenblätter melden and München: Der bayerische Landtag nahm SD Dienstag in namentlicher Abstimmung den Gesetz-Entwurf über die Abänderung des Landeswahlgesehes mit 90 gegen 8 Stimmen der Freien Vereinigung und der Kommunisten an.
Chinadebatte und Washingtoner Abkommen in der Kammer.
Paris. 7. 3ult (WD.) Die Kammer hat heute nachmittag die Ratifizierung Der am 6. Februar 1922 in Washington unterzeichneten Abkommen in Angriff genommen.
3m Verlaufe der Debatte besprach ein sozialistischer Abgeordneter die jüngsten Ereignisse in China und führt sie auf bolschewistische Umtriebe zurück. Außenminister Driand erklärt, indem er die Ratifizierung des Abkommens fordert, die Ereignisse in Schcmghai seien noch nicht beendet. Sie seien zurückzuführen auf zahlreiche Ursachen, unter denen auch Die schlechten Arbeitsbedingungen zu finden feien. Der sozialistische Abg. M o u d e t verlangt, daß Der Völkerbund sich für die chinesischen 3ntereffen interessiere. Der Sicherheitspakt, den man für Europa unterzeichnen wolle, müsse auf China ausgedehnt werden. Außenminister Briand weist darauf hin. daß in jedem 3ahre in China Hungersnot ausbreche. Man könne nicht verallgemeinern und etwa die Behauptung aufstellen, daß China sich erhebe, weil es von Europa ausgebeutet werde. China müsse organisiert werden. Frankreich habe seine Verpflichtungen loyal erfüllt. Deshalb fordere er auch heute, daß Die Washingtoner Abkommen ratifiziert werden sollen.
Die Abkommen von Washington wurden hierauf ratifiziert.
Verschärfung der chinesischen Gefahr.
Peking, 7. Juli. (BZ.) Die Lage in Peking hat sich erheblich verschärft. Der christliche rNarschaÜ Feng hat eine Proklamation erlassen, in der er schwere Anklagen gegen die Missionare vorbringt, die der Feigheit, der Handelsspionage und der imperialistischen Propaganda beschuldigt werden. Der Untergang des Christentums in China wird vorausgesagt. Die Folgen sind für das gesamte Missionarwesen unübersehbar.
Gefährdung der Tanger-Jone?
Paris, 7. 3uli. (WTD.) „ChicagoTribüne" veröffentlicht eine Depesche aus T a ng er, nach welcher Der KommanDant Der internationalen Polizeitruppen, beunruhigt durch Rachrichten, Die einen Angriff gegen Die internationale Zone für möglich halten, telegraphisch um eine Verstärkung Der Polizeitruppen um 7000Mann gebeten habe.
Der „Matin" schreibt über die französisch- spanischen Marokkoverhandlungen, die Verhandlungen machten jetzt günstige Fortschritte. Die beiden Delegationen seien jetzt ungefähr einig über die den Rifleuten zu stellenden Friedensbedingungen an Dem Sage, an Dem sie sich bereit erklärten. Den Kampf aufzugeben. Das Blatt Dementiert Die Rachricht, es solle ein öffentlicher Friedensappell an Add el Krim gerichtet werben. Es verzeichnet ferner Das Gerücht, daß, wenn Die internationale Zone von Tanger bedroht werbe, Großbritannien vielleicht Seestreitkräft e für die Lleberwachung der Küste zur Verfügung stellen werde. Hierüber habe sich gestern Briand mit Dem englischen Botschafter unterhalten.
Die „Daily Rews" weist in ihrem Leitartikel auf den Ernst Der Lage für Die französischen Truppen in Marokko hin unD sagt, Abd el Krim befinde sich in einer starken Stellung und wisse, Daß Der einzige Weg zur Beendigung Dieses Krieges Der Verhandlungsweg sei. Es bestehe auf jeden Fall kein Grund, Die britischen 3ntcceffen in die marokkanischen Wirren hineinzuziehen.
CngUsche Antwort auf die spanische Tangernote.
London, 8. 3uli. (Sil.) Die englische Antwort auf die spanische Rote über Tanger wirb voraussichtlich heute abgefanbt werden. Von maßgebender Stelle wird in Abrede gestellt, daß man darin eine Aenderung der g-gewärtigen Grundsätze, wie sie auf Der Tangerkonferenz festgelegt worden sind, verlang! habe. Die Rote werde, wie Der diplomatische Korrespondent des „Daily Selegrabb" bemerkt, darauf Hinweisen, baß jeder
Versuch Abd e! Krlms, die Reutralität Tangers zu verletzen, als unwahrscheinlich angesehen
werde, und daß es deshalb nicht nötig fei, Die Polizeitruppen in Sanger zu verstärken. Eine Beteiligung der englischen Kriegsschiffe an der Blockade auf Grund der Tangerkonvention ist sorgfältig geprüft worben.
FranZösikch-rujsi?che WirLschaZ1sverhand?ungen.
Paris, 8. 3uli. (SA.) Die Reise des russischen Botschafters nach Moskau wird mit Der Anbahnung neuer Wirtschaftsbeziehungen zwischen Frankreich und Rußland in Zusammenhang gebracht. Man glaubt, daß Krassin Vorschläge für ein neues französisch-russisches Wirtschaftsabkommen machen werde.
Kleine politische Nachrichten.
Bei der Flottenschau bei Oshina, die Mussolini abnorm und an der auch die Drei früheren Kreuzer „Graudenz", „Pillau" und „Straßburg", jetzt „Ancona", „Bari" und „Taranto", teilnahmen, hielt Mussolini an Die Offiziere des Admiralschiffes „Cavour" eine Ansprache, in Der er auf die Bedeutung der Tatsache hinwies, daß Die ruhmreiche italienische Flotte wieder einmal in einem Meere vor Anker gelegen habe, das Rom gehört habe und zu Rom zurückkehren werde.
Aus aEer Welt.
Die Diebe von St. Peter verhaftet.
Rom, 7. Juli. (Dolfs.) Der Polizei ist es gelungen, einen der hauptbeteiligten bei dem Diebstahl in die Schatzkammer der St. Peterskirche nebst drei Mittätern zu verhaften. Die geraubten Schätze wurden wieder aufgefunden.
Es scheint festzustehen, daß die Täter die Absicht hatten, einen großen Teil des Schatzes fortzuschleppen, aber durch irgendein Ereignis gestört wurden und mit dem, was sie bisher gefunden, geflüchtet sind. Die genaue Schätzung ergab, daß der Materialwert der Diebesbeute sich auf etwa 8 0 0 0 0 0 Lire beläuft, während der Kunstwert tatsächlich in die Millionen geht.
Die Morgenblätter beschäftigen sich in langen Ausführungen mit der Verhaftung der Einbrecher. Alle gestohlenen Gegenstände sind, wenn auch in beschädigtem Zustand, aufgefunden. Die Diebe haben die größeren Gegenstände zerstückelt oder verbogen und Kleinodien herausgerissen. Sie hatten bereits alle Vorbereitungen getroffen, um das Gold einzuschmelzen.
Die Organisatoren des Einbruchs waren ein Schuhhändler unb ein Juwelier. Bevor der Einbruch ftattfanb, hatte der Schuhhändler den Auftrag erhalten, sich nach Helfern umzusehen, die ihm die Beute abnehmen würden. Bei der Ausführung dieser Aufgabe geriet er in die Hände eines höheren Kriminalbeamten, der sich erbötig machte, die angeblich aus Paris erwarteten Edelsteine zu verkaufen. Als nun der Einbruch von St. Peter erfolgte, war es der Polizei sofort klar, daß die aus Paris erwarteten Edelsteine aus St. Peter stammen müßten. Im Laden des Schuhhändlers wurden dann alle gestohlenen Gegenstände beschlagnahmt. Den Einbruch selbst hatten ein in der Schatzkamer tätiger Maurer und ein Anstreicher verübt.
Feuersbrunst in Glasgow.
London, 8. Juli. (TU.) 3n Glasgow wütet eine schwere Feuersbrunst. Das Feuer brach an sechs verschiedenen Stellen der Stadt aus. Ganze Straßen stehen in Flammen. Hunderte von Personen sind obdachlos geworden.
^er schwedische Flottenbesuch in Kiel.
Zu Ehren Der schwedischen Seeleute hatte Die StaDt Kiel 405 schweDische und 150 Deutsche älnterosfiziere unD Mannschaften zu entern F e st- kommers nach Dem Kolosseum geladen. Zu gleicher Zeit vereinigten sich auf EinlaDung Des Befehlshabers Der Ostseestreitkräfte, Konteradmirals Oldekop, 300 schweDische unD 200 Deutsche Mannschaften zu einer festlichen Veranstaltung im Schloßhof, an Der auch Der Befehlhaber Des schwedischen Geschwaders, Admiral Riben, teilnahm. Ein Gartenfest beim Stationschef, Konteradmiral R a e D e r, vereinigte zahlreiche schwedische und deutsche Herren mit ihren Damen. Es sand auch ein Fußballspiel zwischen einer schwedischen und einer deutschen Marinemannschaft statt, das mit dem Sieg Der deutschen Mannschaft endete.
Ein Flugzeug zertrümmert.
Das täglich zwischen Berlin und Frankfurt am Main verkehrende 3 u n k e r s-P afsagier- Flugzeug, das sonst mittags gegen 12 Ahr in Frankfurt ankommt, wurde bei Der Zwischenlandung im Erfurter Flughafen teilweise zertrümmert. Die 3nsassen kamen mit Dem Schrecken davon. Die Passagiere konnten die Reise mit dem Frankfurter O-Zug fortsetzen.
Wettervoraussage.
Heiter bis wolkig, westliche bis nördliche Winde, etwas kühler, nur örtliche Riederschläga.
3m Rorden liegt heute ein großes Tiefdruckgebiet, das mit seinen Ausläufern bis nach Dänemark hineinreicht. Größere Störungen sind nicht zu erwarten.
Aanonen,Pagoden und Zordearz
Vc Richard Huelsenbeck.
Wenn man in den letzten Monaten Jangtse hinauffuhr, konnte man auf den Bergen, die den Fluß begleiten, Kanonen stehen sehen. Das erinnerte einen stets daran, daß sich China in einem Bürgerkrieg befindet, so heftig und blutig, wie ihn selbst eine tausendjährige Geschichte selten aufweisen kann. Die Kanonen auf den Bergen des Jangtse stehen ganz offen und ungedeckt auf irgendeinem Plateau und haben ihre Mündungen auf den Fluß gerichtet. Zwei oder drei Soldaten, die aus der Ferne wie kleine Holzfiguren aussehen, sind dabei.
Etwas weiter glänzen die goldenen Türme der Pagoden Der Landmann watet arbeitend in seinen Reiskulturen. Wasserbüssel und die merkwürdigen schwerbäuchigen schwarzen Schweine wühlen im Dreck.
In Pukau und Hankau sieht man die Soldaten auf freien Plätzen exerzieren. Es sind die Truppen Fengs, des christlichen Generals, oder Tschang Tso Lins. Kein Mensch kennt sich hier genau aus, welche Partei gerade das Land besetzt hält. -
Sie tragen eine Art Khaki-Anzug und eine große Tellermütze, die ihrer ganzen Gestalt etwas Komisches gibt.
In Nanking und Kanton sieht man die Soldaten in Scharen an den Straßenecken stehen. Jeder Mensch scheint hier überhaupt Soldat zu sein. Es gibt fast mehr Soldaten als andere Menschen.
Das Gewimmel der Menschen in den großen Städten ist beängstigend.
Es spielt sich alles auf der Straße ab. Von der Geburt bis zum Tode. Man sieht, wie Kinder in den Winkeln der Häuser geboren werden. Man folgt den eilig dahinschreitenden Beerdigungen, dem seltsamen, von Fahnen begleiteten Totenschrein und der dudelsackartigen Musik.
Fahrbare Garküchen, Bänkelsänger, Ausrufer und Verkäufer jeder Art steigern die Buntheit aufs höchste.
Die Großstädte in China bieten ein ganz anderes Aussehen als unsere Städte, weil ihnen die konzentrische Anlage fehlt.
Sie sind nicht um einen Platz oder ein Bauwerk herum gebaut. Es gibt da keine Mitte und keine Peripherie.
Man geht durch eine fortlaufende Kette bambusüberdachter Straßen, kommt an seltsamen mit geschweiften Dächern versehenen Toren vorbei und findet sich plötzlich auf freien, mit dürrem Gras bewachsenen Wiesen.
Man denkt, die Stadt ist zu Ende. Nach einiger Zeit fängt wieder ein Gewirr von Straßen an, in denen sich Haus an Haus und Laden an Laden unübersehbar reiht. Man scheint in einer neuen Stadt zu fein und ist doch noch immer in demselben Nanking, demselben Kanton.
Diese chinesischen Großstädte sind wahre Labyrinthe. Von dem Eindruck der Unübersichtlichkeit rührt das Gefühl der Furcht her, der Isolierung, des Unheimlichen, das man hier empfindet.
Man geht und geht, man fährt und fährt und kommt zu keinem Ziel. Manchmal verändert sich der Charakter der Häuser. Die kleinen offenen Läden, die vor allem Lebensmittelläden find, verschwunden. Es kommen ganz kleine, primitive, manchmal aus rohem Lehm gebaute Häuschen — die Wohnungen der Kulis. Jede dieser Kuliwohnungen ist mit einer kleinen steinernen Mauer umgeben. Manchmal friedet die Mauer noch ein Stück Ackerland ein, auf dein man die schwarzen Schweine und Hühner beschäftigt sieht.
Die kleinen Steinmauern sind ein typisches Zeichen des Chinesen zur Isolierung. Jeder — noch der letzte Kuli — sucht eine chinesische Mauer um sich und seine Familie zu errichten. Ein wahrhaft grandioser Ausdruck dieser Abschließungssucht sind die Stadtmauern, die bei fast allen chinesischen Großstädten noch vorhanden sind.
Sie laufen über die leicht hügelige kahle braune Landschaft als mächtige Stein- schlangen.
Sie sind mit Zinnen und Schießscharten bewehrt. Tore von riesigem Durchmesser mit phantastischen Gesimsen unterbrechen die starre Flucht der Steine.
Alle paar Kilometer kommt ein fortartiger Vorbau, ein dreifach befestigter Punkt, von dem aus gegebenenfalls die Verteidigung der Stadt geleitet werden kann.
Einem modernen Geschütz können diese Mauern natürlich nicht mehr allzu viel Widerstand entgegensetzen, aber bei der primitiven Art, wie die Chinesen Krieg führen, bilden sie immer noch ganz respektable Hindernisse.
Man geht einige Schritte weiter. Links steht „Der Tempel für den verdienten General", rechts sieht man auf freiem Felde eine Frau vor einem brennenden Holzstoß knien und beten.
China ist das Land der Ueberraschungen. In den Großstädten gibt es Fordcars, Straßenbahnen uni) Universitäten wie bei uns. Wenn man in der Nanking Road in Schanghai oder auf der Viktoria Road in Hongkong steht, könnte man glauben, in einem etwas bunten Europa zu fein.
Die Chinesinnen in ihren seidenen Hosen scheinen mehr und mehr von den Girls der amerikanischen High Scools verdrängt zu werden, die Rock und Strümpfe tragen wie jede von der Tyrannei des Mannes befreite Europäerin.
Die Rikschas, diese wunderbaren Menschenwägelchen, die das Straßenbild so unübersehbar bunt und merkwürdig machen, müssen offenbar den immer mehr Boden gewinnenden Fordcars weichen. Die Studenten und Stu-


