Automobilfabriken leiden. Vie die jetzt erfolgten größerenBetriebseinschränkungen dartun. unter einer UebcrfüIIc von neuen: Material, für die lein Absatz vorhairden ist, selbst nicht auf einer Messe.
Aus der Provinz.
Landkreis Girtzen.
Jl Wieseck. 5. Ott. Der durch das starke Auftreten der Leberegellrankheit im Dorjahre in arge Bedrängnis gekommene Ziegenzuchtverein veranstaltet gegenwärtig eine D e r - losung. Die Lose fanden leider nicht dem der Sache zu wünschenden Absatz. Deshalb mußte die Ziehung wiederholt, zuletzt auf den 11. Oktober verschoben werden. Leider muh, wie uns mit- geteilt wird, infolge des geringen Loseabsahes eine Reduzierung der vorgesehenen wertvollen Gewinne eintreten.
y. Mainzlar. 3. Okt. Großes Un - g l ü ck hat die Familie des hiesigen Landwirtes und Gastwirtes Friedrich Koch betroffen. Heute nachmittag gegen 5 Uhr brach in der Scheuer Feuer aus. das sich bei den noch vorhandenen großen Frucht- und Heuvorraten schnell ausbreitete. so daß an eine Rettung dieser Vorräte nicht zu denken war. Der Besitzer befand sich in der Scheuer und fand den Flammen- t o d. Heber die Entstehung des Feuers wird infolgedessen niemals etwas Bestimmtes a^rszu- machen sein, und man ist nur auf Vermutungen angewiesen. Die Familie soll nicht versichert sein. Die abgebrannte Scheuer hangt mit dem Wohnhaus durch einen Seitenbau zusammen und ist in andere Hofraiten eng eingebaut. Die Gefahr war deshalb sehr groß, daß bei ungünstigem Winde ein Großfeuer unermeßlichen Schaden an» gerichtet hätte. Die hiesige Feuerwehr war schnell zur Stelle und verstand es. mit anerkennenswertem Geschick und hingebender Opferwittig- keit in Verbindung mit den herbeigeeilten Wehren der benachbarten Gemeinde eine Ausdehnung des Feuers zu verhindern. Rur die Scheuer des Kaufmanns Schlapp ist ohne nennenswerten Schaden angebrannt.
:: Utphe, 3. Okt. 3n der letzten Gcmeinde- ratssitzung wurde von linksstehender Seite ein Antrag eingcbracht, die Winterschafs- weide hier einzuführen und diese, wie an anderen Orten, pachtweise zu vergeben. 3n der Aussprache wurde betont, daß durch den Weide- gang eine Verbesserung der Wiesen und eine erhöhte Grasernte zu erwarten sei. Auch würde diese Einrichtung eine nicht uunbeträcht- liche Einnahmequelle aus Pachtgeld, Pferch und io weiter für die Gemeinde bedeuten, da das gesamte Wiesengelände etwa 200 Morgen umfaßt. Von anderer Seite wurde dagegen eingewendet, daß die Schafe die Winterfrucht schädigen würden, und daß dann auch das hiesige Hofgut berechtigt wäre, eine Schafherde zu halten Der Antrag wurde deshalb, vorläufig mit 1 Stimme Mehrheit abgelehnt, es scheint jedoch das letzte Wort in der Sache noch nicht gesprochen zu sein.
Kreis -Ilsfeld.
Alsfeld. 3. Oft. Die hiesige Stadtverwaltung beabiichtigt, die vor dem Kriege hier regelmäßig an jedem Samstag auf dem Marktplatz obgehaltenen Produktenmärkte als Wochen Märkte wieder aufleben zu lassen. Diese erfreuten sich vor dem Kriege eines lebhaften Zuspruches. Reben der regelmäßigen Anfuhr von Kartoffeln, Obst und Gemüse gab der Handel mit Saatgut den Märkten ihre besondere Bedeutung. Das Gesinde vom Lande fand hier auch Gelegenheit, seine Deputatkartoffeln ab- setzen zu können, und die Bewohner der Stadt machten von der bequemen Kaufgelegenheit gerne Gebrauch. Der erste Wochenmarkt findet am Samstag, 10. Oktober, aus dem Markt- l platze statt.
!—' Atzenhain, 3. Okt. Rachdem unsere F Gemeinde mit Da serTeilung und e'ektrischem Licht versehen ist, strebt man im Zusammenwirken mit ' den Ortschaften Bernsfeld, Weitershain und Stangenrod die Einrichtung einer Autoverbindung mit Grünberg an. Die Besprechungen mit einem Unternehmer sind im Gange, doch mochte dieser Mücke als Ausgangspunkt der Linie haben, während hier bas allergrößte 3nteresse an Grünberg besteht.
Der gefesselte Strom.
Roman von Hermann Stegemann.
27. Fortsetzung (Nachdruck verboten.)
„Papa!" schrie sie auf und warf sich zurück.
Der Ruck löste ihre Hände. 3n Fäusten geballt drückte sie sie an die geängstigte Brust. Frostschauer zuckten in raschen Schlägen durch ihren Leib.
Auf einmal wurde ihr starres Gesicht wieder lebendig.
Leise, mit bebender Stimme antwortete sie: „Papa, das glaub' ich nicht."
Er wollte lachen, doch es wurde eine Grimasse der Verzweiflung daraus.
Demütig ergriff er ihre Hände noch einmal. „Bleib' bei mir. Ruth. 3ch hab ja nur dich. Er ist ein Obenhinaus, einer von den Rücksichtslosen. ein Egoist, der seinem Dämon folgt. Du wirst unglücklich, wenn du mit chm gehst. Bleib' bei mir! Es gibt andere Männer, unter denen du einmal wählen kannst, häng' dich nicht an einen, der dich mitreißt wie der Lauffen, und mir den Boden unter den Füßen wegzieht." Ruth machte sich sanft loS. Sie hotte ihren Vater noch nie so klein gesehen. Gr warf Hanns Selbstsucht vor und bettelte doch nur für sich selbst. Aber sie sah die ratlose Angst in seinen Augen, und das Mitleid siegte.
„Sei ruhia, Papa, es ist noch lange hin, bis Hanns und ich zusammenleben können. Ich bin heute fünfundzwanzig Iahre alt geworben und weiß, waS es heißt, auf das Leben warten."
Sie ging.
„Ruch", rief er chr noch nach, um sie zurückzuhalten, und hatte doch nicht die Kraft, ihr seinen Willen aufzuzwingen.
Da riß er Hut und Mantel an sich und stürzte hinaus in die regenschwere Rächt. Er lief nach Rheinau und saß, ehe er sich dessen recht bewußt wurde, im Herrenstübchen der , Alten Post".
Auch hatte die Tür ins Schloß fallen hören. Einen Augenblick kämpfte sie, ob sie chm nacheilen solle. Doch chr Stotz und eine gewisse Keuschheit deS Empfindens hielten sie davon ab. Sie konnte chm nicht- mehr sagen, was ihn anders gestimmt hätte, und es war zum erstenmal ein Gefühl der Entfremdung in ihr mächtig <
Hoffentlich führen die lobenswerten Bemühungen der beteiligten Gemeindeverwaltungen zu einem baldigen guten Ergebnis.
!—! Lehnheim, 3. Okt. Rach Fertigstellung des neuen Schulhauses will unsere Gemeinde bas alte Schulhaus zu einem Wohnhaus d* mindestens drei Wohnungen Herrichten lassen. Hierdurch und durch private Reubauten erwartet man eine Behebung der Wohnungsnot. Die Baukosten hofft die Gemeinde aus den Erträgnissen des Waldes decken zu können.
0 Lehrbach, 3. Okt. Rach 28jähriger Wirksamkeit in unserer Gemeinde verließ uns dieser Tage Lehrer Ludwig Stoll, um seinen Dienst in Altenburg anzutreten. Sein Weggang wird allgemein bedauert, hat er doch in dieser Zeit Freud und Leid mit der Gemeinde getragen. Der Jugend war er durch Generationen hindurch ein treuer Erzieher, der es gut meinte unb auf ein gesegnetes Wirken zurück- blicken darf. Den Frohen war er allzeit ein froher Freund, den Leidenden ein stets bereiter Helfer. So war es selbstverständlich, daß ihm die Gemeinde als äußeres Zeichen ihres Dankes von Bürgermeister Kuhl und dem Gemeinderat eine künstlerisch ausgefertigte Ehrenbürger-Ur- künde überreichen ließ. Auch von dem Gesangverein. von seinen Schulkindern und von anderer Seite erhielt er prachtvolle Ehrengaben. Untere besten Wünsche begleiten ihn nebst seiner Familie in seine neue Heimat. Möge ihm dort ein ebenso gesegnetes Wirken beschieden sein wie hier.
Kreis Schotten.
m. Stumpertenrod, 3. Okt. Das schöne Wetter der letzten Tage läßt die durch das Regenweiter seither stark behinderte Grum- meternte rasch zu Ende kommen. Schon beginnt man hier und da mit der Kartoffelernte. 3m Dorf brummt die Dreschmaschine, nachdem schon vor einigen Wochen die letzte Frucht mit Ausnahme von kleinen Resten, eingefahren wurde. — Der P o st b o t e, der die Bestellung von Ulrichstein besorgt, kommt jetzt nicht mehr um 3 Uhr nachmittags, sondern schon um 11 illjr vormittags nach hier. Cs wird dies als ein großer Rachteil für unsere G e - meinde empfunden, da der Anschluß vom Postamt Mücke, unserem Hauptverkehrspunkt, nicht mehr abgewartet wird, und so die Postsachen, die gegen 11 Uhr vormittags in Ulrichstein eintreffen. erst am nächsten Tag dahier bestellt werden.
Eichelsdorf. 3. Okt. Von unfern beiden Steinbrüchen ist im Laufe dieser Woche der am sog. Kuhbetrieb mit schwacher Belegschaft wieder in Betrieb gesetzt worden. Der andere am Eichköppel, der durch Schwebebahn mit dem Bahnhof verbunden werden sollte, ruht gänzlich. Einstweilen sind die Aussichten auf Wiederaufnahme der Arbeiten im alten Umfang noch sehr gering. Auch die von derselben Firma betriebenen Basaltsteinbrüche in Schotten und Wingershausen muhten vor einiget Zeit stillgelegt werden. — Infolge Zahlungsschwierigkeiten muhte von der bei unserem Dorfe gelegenen Iunkermühle das Geschäftsaufsichts- verfahren beantragt werden. Die genannte Mühle wurde während der Inflationszeit umgebaut und zu einer Grohmühle umgewandelt, die mit modernster Einrichtung ausgestattet ist.
Kreis Büdingen.
)( Ortenberg, 3. Oft. Eine Reihe alter Häuser unserer Gemeinde trägt an ihrer Vorderseite alte schone Sprüche, die einst die Erbauer der Häuser daran haben anbringen lassen. Bei der Wiederherstellung der Häuser, wie sie vielfach jetzt vorgenommen werden, muß vom Standpunkt der Heimatpflege dafür gesorgt werden, daß diese Sprüche zu Ruh und Frommen der Rachwelt ebenso wie das schöne Fachwerk erhalten werden. So wurde in anerkennenswerter Weise der schöne Spruch am Ackerschen Hause in leuchtender Farbe erneuert. Er hat folgenden Wortlaut: „Dies Haus steht in Gottes Hand, Gott bewahr es vor Feuer und Brand. Sorg und doch nicht zuviel, es geschieht doch, was Gott haben will. Wer Gott vertraud. had wol gebaut im Himmel und auf Erden. Wer sich verläßt uf Iesum Chriesist. dem soll der Himmel werden." Ein anderes Haus trägt die Inschrift: ,3m 3ahre 1702 den 10 Iuli hat dies
geworden, das sie schmerzte und ihr trotzdem natürlich schien.
Siu harter, willensstarker Zug lag um ihren Mund, als sie an Hanns schrieb, daß Sie ihrem Vater von chrem Verhältnis Mitteilung gemacht habe. In dem Brief stand kein Wort von ihrem Geburtstage, von ihrer Einsamkeit und von den Kämpfen, die ihr drohten.
Hanns schrieb an Engelhardt, daß er Ruth liebe, aber Engelhardt legte den Brief, der weiter nichts Bestimmtes enthielt, beiseite.
Im Laufe des Dezembers erhielt Ruth zwei Briefe. Einen von Gerhart Tylander. der ihr auf einer Seite, die mit großen spihgeschliffenen Schriftzügen bedeckt war, noch einmal für alles dankte, was sie für ihn getan habe, und mit der Versicherung schloß, daß ihr Bild immer noch lebendig in seinen Gedanken. Er bat, die Erinnerung an sie ins neue Iahr hinübernehrnen zu dürfen. Sonst nichts. Ein Brief von einer merkwürdigen Mischung akademischer und kaufmännischer Formen, ohne den Ausbruch wärmerer Gefühle, aber in seiner kalten, klaren Feststellung so bedeutungsvoll, daß Ruth lange nicht von ihm loskommen tonnte.
Ein Brief, der keine Antwort verlangte, den zu beantworten ihr sogar ein untrügliches Empfinden verbot und der doch eine Beziehung schuf, die chr Unruhe bereitet hätte, wenn diese nicht durch ein Schreiben Hanns Ingolds Der« bfangt worden wäre.
Der Brief kam aus Frankfurt. Von seinem Werk war darin die Rede, sechs Seiten eng geschrieben, ein Ausbruch geflauter Gefühle, ein wilder Strom entfesselter Energien, die keinen anderen Ausweg fanden. Sein sonniger, Heller Iugendmut war nicht mehr darin, aber die Spannkraft und die Zielsicherheit des Mannes, der schöpferisch tätig ist.
Umsonst waren alle seine Bemühungen, die Regierung, die Landstände, die Kapitalisten für fein Projekt zu gewinnen.
„Ich brauche ja ihren Glauben gar nicht. Ich verlange nur die Freiheit das Werk zu bauen. Die Konzession und ein paar Millionen, weiter nichts! Es ist genug, daß ich daran glaube! Ich höre den Lanffen in schlaflosen Rächten toie die Seelen der Verdammten brüllen, als müßt' ich ihn erlösen! Ich sehe das Werk mit glänzenden Fenstern in der Rächt stehen und
Haus erbaut Wiegand Emrich und Katharina. Wir sollen nicht in Sindc leben, sonst wird es uns gereuen." Wieviel haben diese alten Inschriften auch unserer modernen 3eit und ihrer Menschheit zu sagen.
Kreis Aricdbcrg.
sf. Friedberg, 3. Oft. Der hier bestehende, sehr rührige Obst- und Garte n ba u - Der ein hat es sich zu einer seiner wichtigsten Ausgaben gemacht, die seither noch etwas im Rückstände befindliche Pflege der Vorgärten, sowie das Anbringen von Fenster- und B a l l o n s ch m u ck durch Anregung und Aussetzen von Preisen in Aufschwung zu bringen. Mit Genugtuung konnte in der gestrigen Sitzung festgestellt werden, daß die Bemühungen auf fruchtbaren Boden gefallen sind: es konnten für Vorgärten die Preise (Prof. Grein, Postschaffner Gehrig und Kern. Kaufmann Guckelsberger) verliehen werden, außerdem noch vier Preise für Balkon- und Fensterschmuck. Die Preise bestanden aus schönen Palmen, Dra- zenen und Aurikarien. Eine weitere Verlosung von Zimmerpflanzen fand unter den Mitgliedern statt Die Mitglieder des Vereins besuchten die Rosenfelder in Steinfurth, sowie die Gartenbauausstellung in Darmstadt. Zum Schlüsse hielt noch Dr. Schäfer einen eingehenden Vortrag über die Anlage von Vorgärten und Bcllkon- und Fensterschmuck.
Starkenburg un. Rhcinhessen.
* Darmstadt, 3. Okt. Die Richtsätze für die Unter ft Übungen in der städtischen Wohlfahrtspflege sind mit Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung u m 2 0 P r o z. erhöht worden. --- Aus Anlaß des 25jährigen Iubiläums des Medizinalrates Dr. August Fischer als Leiter des städtischen Krankenhauses hat die Stadt Darmstadt die seiner Verwaltung unte sie e.n e i Stiftungen, die durch die. Inflation wertlos geworden waren, wieder aufgewertet und insgesamt auf 1 0 0 0 0 0 Mark erhöht. — Die Stadtverordnetenversammlung beschäftigte sich vorgestern mit einer alten Streitfrage zwischen der Stadt und der Technischen Hochschule. Die Stadtverwaltung hatte es nach jahrelangen Verhandlungen mit der Regierung erreicht, daß sie eine Straßenbahnlinie durch die Hochschulstraße führen darf: sie hat der Hochschule 18 000 Mk. für die Sicherung der Apparate des physikalischen Instituts gegen Erschütterungen und die Rebenwirkungen elektrischer Ströme bezahlt. Die Stadt hat auch Aufwendungen für eine Straßenverbreiterung im Betrage von rund 300 000 Ml. gemacht. Die Hess. Regierung (Finanzministerium) hat aber vor einigen Monaten die erteilte Erlaubnis auf Veranlassung der Hochschule wieder zurückgezo- g e n. Der Rechtsausschuß der Stadtverordnetenversammlung hat sich auf den Standpunkt gestellt, daß die Genehmigung nach wie vor zu Recht besteht. Die Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung schloß sich dieser Auffassung an. Man ist nun darauf gespannt, was die Regierung tun wird, ob sie, wie schon einmal, den Bau der Straßenbahn mit Gewalt verhindert, oder ob ein Rechtsstreit aus der Angelegenheit erwächst. Als letzter Punkt der Tagesordnung wurde noch die Frage der Wiederbesehung des vierten Bürger- m e i st e r p o st e n s erörtert. Ursprünglich sollte die Angelegenheit in geheimer Sitzung beraten werden. Die Deutsche Volkspartei sprach sich grundsätzlich für die Wiederbesetzung des wichtigen Postens des Finanzdezernenten in der Stadtverwaltung aus. während die Links- barteien und die Deutschnationalen dagegen stimmten. Auch die Verwaltung war gegen dne Wiederbesehung. Die Stelle wird vorläufig durch einen Hilfsdezernenten besetzt, der aus der Beamtenschaft der Stadtverwaltung genommen wird. Die Dlättermeldung. daß Landtagsabgeordneter Dr. R i e p o t h - Schlitz für den Posten ausersehen sei, trifft nicht zu. Die Personenfrage war überhaupt noch nicht erörtert worden.
Heffen-Nassau.
bl. Dillenburg, 3. Okt. Das hiesige Lehrerseminar wurde mit einer eindrucksvollen Feier geschlossen, an der sich Vertreter der Behörden, der Schulen und eine Reihe
seinen Lichtschein auf das dunkle Nasser werfen. Die Turbinen surren und schwirren, gelbe Maschinen strahlen Kraft und Licht in den Raum, und die Drähte streichen an hohen Masten gespenstisch über die Hügel.
„Manchmal meine ich, ich müßte ersticken, so Drückt mich dieses ungeborene Werk. Herr- ?ott. könnt' ich doch nur noch einmal die Bohrer nirschen und das Gestein splittern Horen. Du weißt ja nicht, wie schon das ist. wenn der spitze Stahtzahn sich in die Felsenrippen bohrt, die Krane knarren und der Erdbagger sein gefräßiges Maul vollschöpft. Wenn di^ Lokomotiven bellen und es von braunen Kerlen wimmelt, die heute Steine wie Brot brechen und morgen die Hacken zusammenwerfen und aus diesem oder jenem Grund die Arbeit niederlegen! Und treib' ich mich wie ein Vagant in der Welt herum, petitioniere und antichambriere, schreib' mir die Finger wund und komme doch nicht vom Fleck.
„Ich lebe nicht mehr wie andere Menschen, denn der Gedanke an das Werk ist bei mir Tag und Rächt. Er ißt und trinkt mit mir, und ich kann tun und lassen, was ich will, er bohrt sich in alles hinein. 3m Theater starr' ich auf die Bühne und ertappe mich plötzlich darüber, daß ich am Lauffen Zernentklohe versenke. Und wenn ich einmal wirklich davon abgelenkt werde, leide ich unverständliche Aengste, bis mir auf einmal einfallt, daß ich mein Werk vergessen hatte. Und dann ist das Bewußtsein, es wieder in sich zu haben, eine Wollust, von der kein Mensch sich eine Vorstellung machen kann.
„Aber ich muß einen Menschen haben, mit dem ich davon reden kann. Rur einmal mich wieder aussprechen, einmal nur die skeptischen Stimmen übertönen, die höflichen Zuhörer vergessen, die nichts, gar nichts für mich übrig haben.
„Komm zu mir, Ruth, nur einen Tag. ich kann nicht fort, denn ich sitze über meiner Schrift und kann sie nicht aus den Augen lassen. Ich will sie an die Stände, an alle Industriellen in Baden schicken, die Zeichnungen sollen sie haben, die erste Broschüre war eine flüchtige Skizze, die niemand überzeugen konnte, aber diese Schrift muß überzeugen. Ich, ein Heimat- ichänder. ja, zum Donner, meint Dein Vater denn, ich freute mich über die Zerstörung, die
ehemaliger Schüler beteiligten. Der derzeitige Leiter der Anstalt. Dr. Hersl^nvach. hielt eine warme Gedenkrede, in der er u. a. die Schwere des Abschieds für Lehrer und Schüler betonte. Oberschulrat Grau von der Regierung in Kassel sprach dem Kollegium warmen Dank für die reiche Arbeit im Dienste der Lehrerbildung aus und referierte alsdann über die neue Reform der Lehrerbildungsordnung. Die feierliche Stunde umrahmten Musikvorträge. Der letzten Entlassungsprüfung unterzogen sich ’ 17 Seminaristen, die alle bestanden. 51 Iahre lang hat die Anstalt segensreich gewirkt und über 1000 Iungmänner zu Lehrern herangebildet. Heber das Schicksal des Hauses ist man sich noch nicht einig. Jedenfalls erhält das Gymnasium einen Teil der Räume.
spd. Frankfurt a. M.. 4. Ott. Bei Bo- names wurde ein Motorrad auf dem sich drei Personen befanden, von einem ständig im Zickzack fahrenden Kraftwagen überholt. In Höhe des Motorrades stoppte der Wagen plötzlich ab. Er sauste in den Graben und begrub seine fünf Insassen unter sich, die mehr oder weniger schwer verletzt wurden. Das Motorrad wurde bei dem Unfall gestreift und kam mit seinen Fahrern gleichfalls zu Fall. Hierbei wurde ein Kunstmaler tödlich verletzt, die beiden anderen Fahrer trugen schwere' Verletzungen davon und mußten dem nächsten Krankenhause zugeführt Werdern
Frankfurter Verkehrspolitik.
fpd. Frankfurt a. M., 4. Oft. Die gesamte Verkehrpolitik der Stadt soll in völlig neue Bahnen gelenkt werden und durch bedeutende Veranstaltungen aller Art neue Belebung erfahren. Zum Letter dieses Unternehmens, das allein von der Stadt getragen wird, ist der seitherige Messedirektor Otto Ernst Sutter ausersehen, der nach der Uebernahme dieses neuen Amtes auch weiterhin der Messe erhalten bleiben wird.
Brand einer Papierfabrik.
fpd. Oberursel, 4. Ott. Die Oberur* feier Papierfabrik an der Hohemarkstraße steht seit heute nachmittag in Hellen Flammen. Das Feuer fand an den reichen Roh-f materialDoträten und Fertigfabrikaten überreiche Rahrung und breitete sich in kurzer Zeit über den gesamten Fabrikkomplex aus. Die Oberurseler Feuerwehr konnte des Riesenbrandes nicht Herr werden und alarmierte gegen 5 Uhr die Frankfurter Feuerwehr, die nach kurzer Zeit an der Brandstätte eintraf und mit zahlreichen Schlauchlinien den Kampf gegen das Flammenmeer aufnahm. Kurz nach 5 Uhr ergriffen die Flammen das Maschinenbaus und setzten auch dieses in Brand. Die erst vor einigen Wochen neuangeschafften Maschinen im Werte von mehr als 1 Mill. Mk. wurden ein Raub der Flammen. Rahezu alle Vorräte an Papierwaren wurden entweder durch Feuer oder Wasser vernichtet. Ueber die Entstehung des Brandes verlautet noch nichts Besttmmtes.
Kirche und Schule.
m. Stumpertenrod, 3. Oft. Rachdem unser Gotteshaus einen schmucken Außenanstrich bekommen hat, wird gegenwärtig durch Dachdeckermeister Hölscher- Alsfeld die Turm- spitze erneuert durch die Anbringung eines kupfernen Turmknopfs und eines verzinkten schmiedeeisernen Hahns, während das kunstvoll ausgearbeitete alte Turmkreuz beibehalten wurde. Unsere sehr kirchliche Gemeinde hat von jeher keine Mühe und Kosten gescheut, um ihr Gotteshaus schon und würdig auszustatten. Schon bei der Erbauung desselben, 1696 bis 1712, reiften Vertreter der Gemeinde nach Holland, um hier bei reichen Glaubensbrüdern um milde Gaben anzuhalten, und kamen nicht mit leeren Händen zurück. Ein gründlicher Umbau der Kirche wurde 1906 vorgenommen. Die überftridjenen Bilder der Apostel und Evangelisten an den Emporen wurden durch einen Frankfurter Maler freigelegt und nachgezeichnet. Eine Sandsteinplatte vor dem Altar mit Leichentext des Pfarrers K r e u d e v und Epitaphium auf dessen Leichenstein erhielt ihren Platz an der linken Innenseite der Kirche. Zwei farbenprächtige Glasbilder, der Säemamr und der gute Hirte, wurden dem einen Fenster
das Werk mit sich bringt! Komm. Ruth, ich habe ja nur Dich! Ich will den Kopf wieder in Deinen Schoß legen, und dann wird mir einen Augenblick lang alles zum seligen Frieden werden, was mich jetzt bei dem lebendigen Leibe zerfrißt. Schon der Gedanke, daß Du kommst, macht mich ruhig und heiter. Ich erwarte Dich. Du bringst mir alles mit, die Heimat, den Glauben und Dich.
.^Morgen habe ich hier eine Konferenz, in der vielleicht der erste Stein gelegt wird zu meinem Werk. Aber ich muß einen Menschen haben, der mit die Hand hält, wenn es wieder ein Fehlschlag ist. Und nur ein einziger Mensch auf der Welt hat so viel magnetische Kraft in der Hand, mir Ruhe zu bringen, und das bist Du! Sieben Iahre hab' ich an Dich gedacht, und seit ich dieses Werf in mir trage, ist es mir. als wäre es so gut Dein wie mein. Ruth, komm zu mir, komm zu mir, süße Ruth!"
Fiebernd hatte Ruth diese leidenschaftlichen Zeilen gelesen. Eine heftige Unruhe ließ ihr Herz schwer und dumpf schlagen, am liebsten wäre sie zu ihm hingeeilt, wie sie ging und stand, als fände sie ihn irgendwo in der Rühe und mühte ihm helfen.
Es war ein milder Wintertag, noch kein Schnee gefallen, mattgoldene Sonne färbte die Landschaft und den Strom mit Bronzetönen.
Ruths Herz pochte in dieser Einsamkeit wie ein Uhrhammer. Sie glaubte seine dumpfen Schläge laut widerhallen zu hören. Konnte sie den Vater allein lassen? Sie fragte sich nur dies. Alles andere stand außer Frage.
Ruth fühlte, daß aus dem Brief Hanns Ingolds die nackte Verzweiflung schrie. Richt die Verzweiflung eines Mannes, der sich und sein Werk verloren gab, sondern die Rot eines Menschen, der mit sich allein war und kein Ohr hatte, zu dem er sprechen konnte, kein Herz hatte, das für ihn schlug. Er ging zugrunde an den Wehen dieses ungeborenen Werkes, das in seinem Hirn kreiste und ins Leben verlangte. Es tötete ihn, wenn er in seiner Einsamkeit mit ihm kämpfte und rang. Sie mußte zu ihm, zu Fuß, barfuß, wenn es nicht anders ging. Er war ärger in Rot als damals, da sie an der Drunnensäule für ihn gebangt hatte. Und er rief nach chr. Er rief sie. Hanns Ingold rief feine Ruch! (Fortsetzung folgt.)


